Friday, 26. June 2026
·

Niederbayern >> Friday, 26. June 26

bild_klein_0000025529.jpg
Klima

Hartnäckige Hitzewelle: Passau sagt erste Veranstaltungen ab

Passau/ Thyrnau/ Mauna Loa - Achter Hitzetag in Folge: Erste Veranstaltungen werden abgesagt

Die Hitzewelle erreicht heute einen neuen Höhepunkt. Um 15.53 Uhr zeigte das Thermometer an der Wetterstation am Inn, Passauer Innenstadt, 35,6 Grad. Es ist der höchste Wert dieser seit 2019 bestehenden Messstation.

Die Festspiele "Europäische Wochen" haben das für Sonntag geplante Picknickkonzert mit Radio Europa auf Gut Aichet in Thyrnau abgesagt. Grund ist die erwartete starke Hitzebelastung. Man wolle Publikum, Künstlerinnen und Künstler sowie Helfer schützen. Bereits gekaufte Eintrittskarten werden erstattet.

Auch im Alltag sind die Folgen spürbar. Viele Menschen meiden den längere Aufenthalt im Freien oder suchen konsequent den Schatten. Das trifft auch den Tourismus: Bei den Drei-Flüsse-Rundfahrten gehen teils nur wenige Fahrgäste an Bord. Viele befürchten, dass selbst auf dem Oberdeck die Hitze trotz Fahrtwind kaum auszuhaltbar ist. Manche Spaziergängern auf der Innpromenade nutzen Regenschirme als Sonnenschutz.

bild_klein_0000025528.jpg
Die Menschheit versagt beim Ausstieg aus dem fossilen Zeitalter: Der Anstieg der Treibhausgase nimmt in jedem Jahrzehnt in größeren Schritten zu, statt abzunehmen. 1960: 316 ppm. Aktuell: 426. (Grafik: Mediendenk/Perplexity)
Ein Blick auf die Messreihe des "Mauna-Loa-Observatoriums" auf Hawaii zeigt, warum solche Hitzewellen häufiger werden. Seit 1958 wird dort die CO₂-Konzentration gemessen. Während der Anstieg früher langsamer verlief, nimmt er seit rund zwei Jahrzehnten um etwa 25 ppm pro Jahrzehnt zu – deutlich stärker als in dem Jahrzehnten des 20. Jahrhundert zuvor.

Das überrascht zunächst, da viele Industrieländer in Wärmepumpen, Elektromobilität und erneuerbare Energien investieren. Aber gleichzeitig steigt der weltweite fossile Energieverbrauch weiter. Vor allem wohlhabende Staaten verursachen weiterhin die höchsten CO₂-Emissionen pro Kopf und prägen den globalen Ausstoß.

Sinkende Arbeitsleistung, Ernteausfälle und steigende Kosten für Kühlung und Gesundheit. Viele Fachleute halten einen früheren Umbau der Energieversorgung für deutlich günstiger als die Bewältigung der Folgeschäden. Die wirtschaftlichen Folgen der Erderwärmung werden zunehmend sichtbarer.

4.400 Fußballspiele abgesagt

Die Hitzewelle hat auch den Sport erreicht. Der Bayerische Fußball-Verband hat alle Verbandsspiele und Turniere von Freitag bis Sonntag im gesamten Freistaat abgesagt. Betroffen sind rund 4.400 Partien, vor allem im Nachwuchsbereich. Als Grund nennt der Verband den Schutz der Gesundheit von Spielerinnen, Spielern und Schiedsrichtern.

Uni schaltet Kühlung wegen Überlastung ab

Auch an der Universität Passau macht sich die Hitzewelle bemerkbar. Weil die Kälteversorgung am Campus an ihre Kapazitätsgrenzen stößt, bleibt die Kühlung von Hörsälen, Seminarräumen, Lesesälen der Bibliothek und dem ITZ-Gebäude bis zum Sonntag abgeschaltet. Die Hochschulleitung empfiehlt Beschäftigten, soweit möglich und mit den Vorgesetzten abgestimmt, vorübergehend im Homeoffice zu arbeiten.

„Es war schon immer heiß“
Dieser Einwand ist richtig, verwechselt aber Wetter und Klima, die erkennbare Entwicklung über Jahrzehnte. Nicht die Hitzetage sind neu, aber ihre Häufigkeit und Dauer. Für die Donauregion, zu der Passau zählt, dokumentiert das Bayerische Landesamt für Umwelt seit 1951 einen Anstieg um mehr als zehn Hitzetagen pro Jahr. Während Temperaturen über 30 Grad früher nur an wenigen Tagen erreicht wurden, sind heute in besonders warmen Jahren bereits 15 bis 20 Hitzetage keine Seltenheit mehr. Das sind rund fünfmal so viele wie noch vor etwa 70 Jahren. In alten Reiseführern wird die Dreiflüssestadt für ihr gemäßigtes Sommerklima (kaum Hitzetage) angepriesen, dies wäre heute nicht mehr zutreffend.

Nach aktuellen Prognosen dürfte sich die Hitzewelle bis Sonntag weiter verschärfen, dann geht es mit Temperaturen bis maximal 30 Grad wieder zurück auf "Normalzustand". 

bild_klein_0000025530.jpg
Drei alte Kastanien (und eine neu gepflanzte) schenken Schatten an der oberen Bahnhofstraße. (Foto: mediendenk)
Wer der Hitze entkommen möchte, findet überraschend kühle Rückzugsorte. Klimatisierte Supermärkte bieten ebenso Erholung wie Kirchen, in denen die Temperaturen oft deutlich niedriger bleiben. Ähnlich wie in heißen Ländern, etwa in Kairo, werden auch überdachte Einkaufspassagen zu beliebten Aufenthaltsorten. In Passau gilt das für das große Einkaufszentrum "Stadtgalerie" in der Neuen Mitte. Dort verbringen viele Menschen die heißesten Stunden des Tages – oft ganz ohne Einkaufsabsicht. Eine Karte der kühlen Orte, wie Regensburg sie erstellt hat, gibt es in Passau noch nicht. Wobei als "kühle Orte" dort auch Brunnen gelten, auf die schattenlos die Sonne brennt. In der Passauer Bahnhofstraße hat sich ein von der Stadt als Schattenplatz neu eingerichteter Kastanienhof zwischen Kreditinstitut und Drogeriemarkt bereits bewährt. Er zeigt, dass nur große Bäume kühlende Wirkung entfalten.

150 Meter höher – und noch heißer
Das südliche Oberland übertrifft Passau Die aktuelle Hitzewelle zeigt, wie stark sich selbst kurze Entfernungen auf die Temperaturen auswirken können. Während unsere Wetterstation in Passau direkt am Innufer auf rund 300 Metern Höhe liegt und vom derzeit nur etwa 20 Grad kühlen Fluss profitiert, befindet sich die Vergleichsstation im südlichen Oberland zwischen Passau, Vilshofen und Tittling auf rund 450 Metern Höhe. Eigentlich sinkt die Lufttemperatur mit der Höhe. In dieser Hitzelage ist jedoch das Gegenteil zu beobachten: Das Oberland erwärmt sich tagsüber deutlich stärker. Der Grund liegt vor allem in der fehlenden Kühlwirkung von Gewässern, zudem heizen sich die trockenen Hochflächen wesentlich schneller auf. Das zeigt sich eindrucksvoll an den Messwerten der vergangenen Tage. Die Station im Oberland registrierte vom 18. bis 26. Juni bereits neun Hitzetage und erreichte am 26. Juni einen Spitzenwert von 37,5 Grad.

Aktualisiert um 18 Uhr.

red