Eine Fahne am Baum oder am Fenster. Mehr braucht es manchmal nicht, um an besonderen Tagen Haltung zu zeigen.
Ein Passauer Rechtsanwalt erzählt dem Reporter beiläufig von seiner Idee für das Wochenende des AfD-Landesparteitags. An einem Baum auf seinem Grundstück, direkt an der Straße, möchte er eine Regenbogenfahne aufhängen. Nicht als Protestaktion, sondern als sichtbares Bekenntnis zu Vielfalt und Menschenwürde.
Wirkt ein stilles Symbol stärker als der Protest Tausender Demonstrierender?
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| Auftrag zur Fotomontage: Dekoriere ein Passauer Haus wie an Fronleichnam, aber mit Regenbogenfahnen. |
In einer benachbarten Wohngemeinschaft wird darüber weiterdiskutiert. Dort leben Menschen mit sehr unterschiedlichen Hintergründen: ein religiöser Moslem aus Zentralasien, ein vegan lebender Jurastudent aus dem Rheinland, ein Gaststudent aus der Normandie, ein queerer Student aus dem Bayerwald und ein Student aus Hamburg, der sich zu seiner grünen politischen Haltung bekennt. Warum die Idee von Rechtsanwalt Sebastian Kahlert nicht aufgreifen? Warum nicht auch die Fenster schmücken, so wie bei der Fronleichnamsprozession viele Häuser Fahnen und Tücher zeigen? „Ich halte mich da raus“, schreibt der junge Mann aus Zentralasien in die gemeinsame Chatgruppe. Die anderen sind schnell entschlossen: bestellen, aufhängen.
Die klassische Regenbogenfahne steht seit Jahrzehnten für Vielfalt und die Rechte sexueller Minderheiten. Die sogenannte progressive Pride-Flagge, so erklärt das queere WG-Mitglied, erweitert das Symbol um weitere Farben und Elemente, die Menschen unterschiedlicher Hautfarben sowie andere Gruppen enthalten, die Diskriminierung erfahren. Das hat aktuelle Brisanz: Der Passauer Abschiebefall um eine Küchenhilfe aus Sierra Leone, das Titelthema im aktuellen Bürgerblick, bewegt die Bürgerschaft der grenznahen Europastadt.
Der Reporter hat die Diskussion zum Anlass genommen, auch im Passauer Rathaus nachzufragen. Denn in zahlreichen SPD-geführten Städten und Bundesländern wird die Regenbogenfahne inzwischen bewusst als Zeichen für Vielfalt und gegen Ausgrenzung eingesetzt.
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Bereits 2006 ließ der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, die Fahne vor dem Roten Rathaus hissen.
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In Wismar in Mecklenburg-Vorpommern wird sie regelmäßig am Rathaus gezeigt.
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In Falkensee in Brandenburg stellte sich die Stadtverordnetenversammlung gegen einen AfD-Antrag, der die Beflaggung verhindern sollte.
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Auch am Brandenburger Landtag in Potsdam wurde die Fahne zuletzt als Zeichen gegen Homophobie und Diskriminierung gehisst.
Auch in Bayern gibt es zahlreiche Beispiele.
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Am Münchner Rathaus wird die Regenbogenfahne seit Jahren zu entsprechenden Anlässen gehisst.
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In Unterföhring im Landkreis München beschloss der Gemeinderat auf Antrag der SPD-Fraktion die Beflaggung des Rathauses und weiterer öffentlicher Gebäude.
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In Putzbrunn, ebenfalls im Landkreis München, stimmte der Hauptausschuss für eine Beflaggung zum „Christopher Street Day“.
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In Aschaffenburg ließ der frühere SPD-Oberbürgermeister Jürgen Herzing die Regenbogenfahne mehrfach am Rathaus hissen, unter anderem als Solidaritätsbekundung mit der queeren Gemeinschaft in Budapest.
Auch der Passauer Grünen-Stadtrat Matthias Weigl kann dem Gedanken etwas abgewinnen. Gegen Ende der vergangenen Stadtratsperiode habe seine Partei bereits angeregt, zum Pride-Monat eine Regenbogenfahne am Rathaus zu hissen. Der damalige Oberbürgermeister Jürgen Dupper habe dies nach Erinnerung der Grünen abgelehnt. Als Zeichen für Vielfalt verwies er demnach auf die Regenbogenbank am Innufer.
Eine Antwort des Passauer Rathauses auf die Anfrage von Bürgerblick wird hier nachgereicht. Was meint Ihr? Soll Passau am Wochenende des AfD-Landesparteitags sichtbar Flagge zeigen? Und falls ja: mit der klassischen Regenbogenfahne oder mit der progressiven Variante? Antworten an: bildung@bürgerblick.de
red