Mehr Schatten für Passau – aber wohin mit den Bäumen?
Die Idee findet kaum Widerspruch. Mehr Grün, mehr Schatten, mehr Aufenthaltsqualität. Der Ausschuss für Klima und Umwelt schickt die Pläne für neue Hitzeschutzmaßnahmen einstimmig auf den Weg.
Doch die Diskussion zeigt, warum zwischen dem Wunsch nach mehr Bäumen und der Umsetzung oft Jahre liegen. Es wird klar: Unter dem Pflaster der Innenstadt ist kaum etwas einfach. Versorgungsleitungen verlaufen unter Gehwegen und Plätzen. Feuerwehr und Rettungsdienst müssen überall durchkommen. Vor Fenstern braucht die Feuerwehr im Ernstfall Platz, um die Drehleiter anzulegen. Geschäftsleute sorgen sich um Sichtachsen auf Schaufenster und Werbeschilder. „Das ist das Dilemma“, sagt Vize-OB Andreas Dittlmann, der die Sitzung leitet. Er betont, dass Architekten und Hauseigentümer diese Konflikte seit Jahren kennen. Trotzdem sei das kein Argument gegen neue Bäume.
Die Stadt setzt inzwischen auf ein anderes Konzept als früher. Kleine Pflanztröge hätten sich als wenig wirksam erwiesen. Sie heizen sich auf, bieten den Wurzeln wenig Platz, speichern kaum Wasser und bieten wenig Schatten. Künftig sollen größere entsiegelte Flächen entstehen, auf denen Bäume direkt im Erdreich wachsen können. Im Schatten der Kronen entstehen Sitzflächen.
Als Vorbild wird der Bereich vor dem Buchner-Haus am Ludwigsplatz dienen. Dort sollen nach Abschluss der Bauarbeiten wieder vier neue Bäume gepflanzt werden. Ähnliche „grüne Inseln“ sind entlang der Bahnhofstraße, am Ludwigsplatz und in der Dr.-Hans-Kapfinger-Straße geplant.
„Schön, dass man von den Pflanztrögen wegkommt und die Bäume wirklich Wurzeln schlagen dürfen“, lobt Grünen-Stadtrat Matthias Weigl. Mehrfach wird gefordert, die Begrünung nicht auf die Innenstadt zu beschränken. ÖDP-Stadtrat Paul Kastner spricht von einem möglichen „grünen Band“ durch die Stadt. FWG-Stadträtin Stefanie Auer regt ebenfalls an, auch die Stadtteile stärker einzubeziehen. Seiderer hält dagegen: Der größte Handlungsbedarf liege dort, wo sich Hitze zwischen Stein, Asphalt und Fassaden staut. „Da brauche ich keine Experten, um zu sehen, dass es dort heiß ist", verweist er auf den versiegelten Kern der Innenstadt.
Ob und wie groß die grünen Inseln am Ende werden, hängt auch vom Geld ab. Die Stadt bewirbt sich um Fördermittel und muss bis Ende des Monats die Bewerbungen einreichen. Bis Ende des Jahres wird feststehen, ob Passau Zuschüsse von bis zu 80 Prozent erhält. Erst danach können konkrete Planungen beginnen.
Nach rund 35 Minuten Diskussion beschließt der Ausschuss die weitere Planung einstimmig. Im ersten Quartal 2027 soll sie vorgestellt werden.
Erste Projekte sind bereits umgesetzt. Unter Kastanien an der oberen Bahnhofstraße entstand ein neuer Schattenplatz mit Sitzbänken. Hier und in der Bahnhofstraße wurden zudem öffentliche Trinkbrunnen installiert.
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| Neuer Trinkbrunnen am Römerplatz. Dieser Typ wurde ursprünglich von den Berliner Wasserbetrieben verbaut und wird heute in vielen Städten und Gemeinden aufgestellt. (Foto: Francois Weinert/ mediendenk |
Der blaue Trinkbrunnen am Römerplatz liefert kostenlos Trinkwasser für Passanten, Radfahrer und Hunde. Das Modell aus Gusseisen wurde vom Berliner Designer Marcus Botsch entworfen und ist inzwischen in vielen Städten zu finden. In den warmen Monaten sprudelt das Wasser kontinuierlich nach oben und kann direkt getrunken oder zum Befüllen von Flaschen genutzt werden.
Die Säule kostet in der Anschaffung rund 4.000 bis 5.000 Euro. Mit Tiefbau, Wasser- und Abwasseranschluss sowie Inbetriebnahme liegen die Gesamtkosten für Kommunen meist zwischen 8.000 und 15.000 Euro.
Ebenso einstimmig wird eine Agentur beauftragt, die nächsten vier Jahre das Klimaschutzkonzept zu begleiten und vier Naturschutzorganisationen werden mit einem "symbolischen Geldbetrag", wie es OB-Vize Dittlmann nannte, unterstützt.
red