Passau - „Übertreibt’s es ned!“, sagt der 47-jährige Pfarrer Anton Spreitzer von der Kanzel im Dom.
Die Dultgesellschaft lacht, gleicht beginnt draußen der Trachtenumzug zur Maidult. Spreitzers Rat wirkt. Tausende haben sich beim Frühlingsfest im Griff. Aber einige wenige wie immer nicht. Und Dutzende von denen verewigen sich im Polizeibericht.
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18.20 Uhr: Ein 15-Jähriger schlägt auf der Dult mehrfach mit der Faust gegen den Kopf eines 46-Jährigen. Das Opfer wird leicht verletzt und im Krankenhaus behandelt. Für den Jugendlichen folgt ein Betretungsverbot.
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20.35 Uhr: Ein 19-Jähriger aus Fürstenzell missachtet ein Betretungsverbot auf dem Festgelände, wird aggressiv und widersetzt sich der Polizei. Festnahme mit Fesseln.
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21.30 Uhr: Ein 30-Jähriger hält sich trotz bestehenden Verbots auf dem Dultgelände auf. Platzverweis, Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruchs.
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21.45 Uhr: Nach einem Streit schlagen zwei Männer im Alter von 16 und 19 Jahren auf einen 18-Jährigen ein. Die Polizei muss beide Angreifer fesseln. Betretungsverbot.
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22.10 Uhr: In einem Festzelt attackiert ein 52-Jähriger eine Frau. Ein Zeuge greift ein, der Sicherheitsdienst hält den Mann fest. Die Polizei ermittelt. Die Frau ist bislang unbekannt.
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22.30 Uhr: Ein 64-jähriger Mann aus Tittling uriniert an einen Bauzaun, verweigert seine Personalien und muss zur Wache getragen werden.
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23 Uhr: Ein betrunkener 22-jähriger Passauer schlägt auf Passanten ein, die ihn zuvor angesprochen hatten. Er saß mit seinem Maßkrug am Gehweg bei einem Autohaus. Eine Streife verfolgt ihn über das Festgelände und stellt ihn. Seine Begründung: Sie hätten gegen seinen Maßkrug getreten.
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0.35 Uhr: Ein 20-Jähriger bedroht am Innstädter Friedhof eine Frau mit dem Tod, würgt sie und tritt zu. Er wird gefasst. Die Angegriffene, ebenfalls auf dem Heimweg von der Dult, hatte ihn gerügt, sein Pfeifen zu unterlassen. Der kürzeste Weg zwischen Voglau und Innstadt führt durch den Friedhof an der Severinskirche.19 Uhr: Eine 21-jährige Frau aus Pocking ohrfeigt einen Begleiter so heftig, dass der Rettungsdienst eingreifen muss.
Auch außerhalb der Dult wirkt der Alkohol:
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0.30 Uhr: In der Messestraße greift eine Streife ein, bevor ein 49-Jähriger betrunken mit seinem Pedelec losfährt. Das Rad wird abgesperrt.
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2.35 Uhr: In einer Tanzwirtschaft in der Roßtränke schlägt ein 25-Jähriger einem Gast ins Gesicht. Verdacht auf Nasenbeinbruch.
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2.45 Uhr: In der Karlsbader Straße steht ein 16-Jähriger alkoholisiert neben seinem E-Scooter. Die Polizei verhindert die Fahrt.
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4.10 Uhr: In der Großen Klingergasse im Neumarkt wird ein 35-Jähriger nach eigenen Angaben von drei Männern geschlagen – ohne erkennbaren Anlass.
Auch Diebstähle gehören zur Bilanz:
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22.20 Uhr: Einer 20-Jährigen wird auf dem Festgelände die Geldbörse aus der Handtasche gestohlen. Mit der Debitkarte folgen mehrere Abbuchungen.
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Tags zuzvor: Einer 50-Jährigen wird ein Mobiltelefon aus der Umhängetasche entwendet. Schaden rund 70 Euro.
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1 Uhr: Ein 20-Jähriger wird in der Neuburger Straße mit einem gestohlenen Maßkrug erwischt. Anzeige. Das ist noch die harmlosere Sache, denn es treiben sich - siehe oben - Taschendiebe auf dem Festgelände herum.
Auch Sachen werden Ziel:
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1 Uhr: In Neustift werfen Unbekannte Steine auf vier Straßenlaternen in der Paula-Deppe-Straße. Die Gläser zersplittern.
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Samstagabend: In Heining brennen mehrere Müllcontainer.
Dazu – fast grotesk bei einem Bierfest – mehrere Verstöße gegen Alkoholverbote im Bereich Stadtpark „Neue Mitte“ und am ZOB. Mit einem Kasten Bier aus dem Supermarkt "vorzuglühen", um Geld zu sparen, war immer schon üblich.
Und schließlich diese Trunkenheitsfahrt:
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2.40 Uhr: Ein 43-jähriger Autofahrer kracht in der Spitalhofstraße in zwei geparkte Fahrzeuge, flüchtet – und wird kurz darauf an der Sailerwöhr gestoppt. Sein beschädigter Mercedes fällt einer Streife auf. Zuvor war er gegen einen BMW und einen Fiat-Transporter gefahren. Der Schaden: fünfstellig.
Was nicht im Polizeibericht steht: In den Tagen darauf liegen viele nicht wegen Alklohol, sondern mit Schnupfen oder gar Hals- und Gliederschmerzen flach. In der fensterlosen Dreiländerhalle, im "Dultstadl", wirkt die Belüftungsanlage möglicherweise wie eine Virusschleuder. Große Menschenansammlungen, wenig Luftaustausch, lautes Schreien und Singen erhöhen des Ansteckungsrisiko. Die Lehren der Pandemie scheinen vergessen.
red