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Lokalmagazin Bürgerblick >> Donnerstag, 27. Oktober 22

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Im Sommer 2016 war Schuhbeck Titelthema im Bürgerblick. Die großen Medien wollten nicht am Nimbus des Starkochs kratzen, hatten den Fall kleingespielt.
Als der Starkoch BB-Titelthema war

Gefängnisstrafe: Alfons Schubeck kaltgestellt

„Ich war geldgeil wie andere auch“, hat Alfons Schuhbeck einmal bekannt. Heute wurde der 73-Jährige wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vom Landgericht München I zu drei Jahren und zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

Der Bayerische Rundfunk hat dem Starkoch stets den Roten Teppich ausgerollt, ihm prominente Sendeplätze gewidmet. Auf die Titelseite dieses Magazins hatte es Schuhbeck im September 2016 geschafft, ein unrühmlicher Anlass. Die Brauereibosse von Aldersbach, die Freiherren von Aretin, hatten ihn bei der Landesschau „Bier in Bayern“ abserviert. Sein Gastronomiebetrieb war zum Ärgernis geraten. Überteuerte Gerichte, mindere Qualität und der prominente Koch selbst war nur als Pappkamerad anzutreffen.

Schuhbecks „Schalander-Zelt“ sollte ein Magnet für die bayerische Landesschau sein. Wer die Speisekarte studierte, war abgeschreckt. Kostprobe: „Zisterzienser Klostersalat“ für 14,50 Euro mit „Geschmacksverstärker“ und „Antioxidationsmittel“. Brauereidirektor Ferdinand Freiherr von Aretin sagte damals zur Heimatzeitung diplomatisch: „Wir ändern das gastronomische Konzept“. Sein Vater Adam Freiherr von Aretin, das Oberhaupt des Familienunternehmens, sagte: „Wir hatten Schuhbeck dringend gebeten, Verbesserungen vorzunehmen.“

Hier der Beitrag zum Nachlesen:

Alfons Schuhbeck zeigt uns im Fernsehen, wie die perfekte bayerische Küche aussieht. Seine Kochkunst sollte die Landesschau in Aldersbach krönen. Er hinterlässt verbrannte Erde. Lange bevor das Aldersbacher Debakel um den berühmtesten Münchner Starkoch einsetzte, gleich nach dem Probelauf seines „Schalander-Zeltes“ bei der Landesausstellung „Bier in Bayern“, gab es Beschwerden. Halo Saibold, eine ehemalige Bundestagsabgeordnete, die in Aldersbach Zuhause ist, stellte an die Restaurantleitung die schriftlich Anfrage, ob das Backhendl auf ihrem Teller ein natürliches oder ein industrielles gewesen sei. „Haben Sie jemals rechteckige oder gar quadratische Hähnchenbrust gesehen?“

Bei einem Preis von 16,90 Euro und dem Willkommensgruß von Alfons Schuhbeck auf der Speisekarte, hatte Saibold etwas anderes erwartet. Die Beschwerdeführerin erhielt, der „Eröffnungsphase geschuldet“, eine Antwort nach gut drei Wochen. Man bedauere, sie nicht „verwöhnt“ zu haben und lade sie kostenlos zur nächsten Veranstaltung ein. Schuhbecks Betriebsleiter Thomas Jager, ein Steiermärker, rechtfertigte sich: „Unsere Backhendl bestehen ausschließlich aus Brustfleisch und die unterschiedlichen Formen der einzelnen Stücke verrät, dass es sich keinesfalls Formfleisch handeln kann.“

Man muss den ersten Satz zweimal lesen, um den versteckten Widerspruch zu erkennen. Ein „Backhendl“, das „ausschließlich aus Brustfleisch“ besteht, gibt es nicht. Ein Hendl besteht bekanntlich nicht nur aus Brustfleisch, sondern auch aus zwei Flügeln und Haxen. Es könne sich also nicht um frisch gebackene Hähnchen handeln, folgerte Saibold und sprach von „Verbrauchertäuschung“. Als sie nachhakte, ob denn dieses "Brustfleisch" wenigstens aus regionaler Produktion stamme, was Schuhbeck doch stets propagiere, kam keine Reaktion mehr.

Dieser Schriftverkehr hatte Ende April begonnen. Es sollte zwei Monate dauern, bis die Hausherren des Schauplatzes, Brauereidirektor Ferdinand Freiherr von Aretin, 39, und sein Vater Adam, 67, die Bremse zogen. Schuhbeck wurde abserviert. „Das Zelt bleibt bis zum 17. Juli geschlossen“, erklärte der Seniorbaron auf Anfrage. Ausnahme seien die bereits gebuchten Veranstaltungen, 14 Termine bis Ende Oktober. Die Gastronomie werde künftig von einem Gastwirt, der den Kundenkreis seiner Brauerei angehört, übernommen.

Zum Schluss ging es überhaupt nicht mehr nur um die von Gästen kritisierte Qualität der Schuhbeck-Gerichte oder deren überzogenen Preise, sondern um Mängel am Gesamtkonzept. Dazu muss man wissen: Im „Schalander-Zelt“, welches das gastronomischen Aushängeschild der Aldersbacher Landesschau sein sollte, liefen Speisen und Getränke über verschiedene Unternehmen. Ein Teil des Personals fühlte sich nur für die Küche verantwortlich, der andere Teil nur für den Service. Es kam zu Fehlbestellungen, Wartezeiten und Chaos.

Schuhbeck ist wie Beckenbauer zur bayerischen Figur geworden, an deren Nimbus sich nur schwer kratzen lässt. „A Hund is a scho“, so zollt der Bayer denjenigen Respekt, die mit Raffinesse, aber nicht immer ehrlich ihr Geld verdienen. Gerade hat das Bayerische Fernsehen Alfons Schuhbeck in der Sendereihe „Lebenslinien“ porträtiert. Schuhbeck als fleißiger Unternehmer unter „Vollgas“, der 250 Leute beschäftigt, nörgelt und kommandiert. Die jungen Leute, so sagt er, wollten diesen Druck.

„Hände aus den Hosentaschen!“, raunzt er zur Begrüßung einen Kellner an. „Dort hätten wir stehen bleiben müssen!“, weist er den Chauffeur zurecht und einen Küchenlehrling herrscht er an: „Mach ́ den Backofen zu!“

In Aldersbach blieb dem Personal dieser Ton erspart. Schuhbeck tauchte nur zu Presseterminen auf, zur Eröffnung, um sich vor den Kameras neben Seehofer zu drängen (was dessen Frau Karin mit einer spitzen Bemerkung quittierte). Er kam 45 Minuten zu spät zu einem Vortrag. Sonst war er in Aldersbach nur als Pappkamerad zu sehen. Schuhbeck als Grußaugust aus Karton an der Eingangstür.

Als großartigen „Coup“ hatte Landrat Franz Meyer es im Vorfeld bezeichnet, den Starkoch als Gastrochef der Ausstellung zu verpflichten. Zu Schmluss hatte auch die offiziellen Netzseite der bayerischen Landesschau Schuhbecks „Scharlander“ aus dem Gastronomieverzeichnis gelöscht. Speisekarte, Öffnungszeiten, alles weg.

Ein Landwirt aus Fürstenzell ärgerte sich nach einem Aldersbachbesuch: „Was regen sich die Leute über Glyphosat auf - sie sollten mal auf die Zusatzstoffe bei der Schuhbeck-Speisekarte schauen!“ Stimmt. Warum waren dort „Geschmacksverstärker“, „Konservierungsstoffe“ oder „Farbstoff“ aufgeführt? Eine gute Frage, sagt Schuhbecks Betriebsleiter am Telefon freundlich. Er werde sich melden. Es kam nichts mehr.

Wie sagte Schuhbeck in der BR-Sendung: „Ich brauche jeden Tag einen Dampfstrahler, um mir die Kakerlaken wegzuspritzen und um Ruhe zu haben“. Gemeint sind Nörgler und Kritiker.

hud