Mittwoch, 07. Dezember 2022
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Lokalmagazin Bürgerblick >> Montag, 26. September 22

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Heute war der Tag der Verteidiger: Strafrechtsprofessor Holm Putzke (Brille) und Strafrechtsverteidiger Thomas Krimmel hielten die Plädoyers. (Foto: mediendenk)
Freyunger Verbrechen

Plädoyers im Mordprozess: Dem Druck der Straße nicht nachgeben

Heute hat mutmaßlich der vorletzte Verhandlungstag im Mordprozess um das Verbrechen von Freyung stattgefunden.

Am Vormittag hielten am Landgericht Deggendorf die beiden Verteidiger ihre Plädoyers. Sie sehen - wie erwartet - keine hinreichende Beweisgrundlage, den Angeklagten Dominik R. in diesem Wiederaufnahmeverfahren härter zu bestrafen, wegen Mordes zu verurteilen.

Das Gericht dürfe dem Druck der Straße nicht nachgeben, denn dort „an den Küchentischen und Stammtischen“ sei das Urteil längst gefällt. Dass Mutter und Familie der Getöteten in ihrem Schmerz sich wünschten „Er soll im Gefängnis verrecken!“, sei nachvollziehbar. Aber auch Dominik R. habe das Recht auf einen fairen Prozess, der um Wahrheitsfindung bemüht ist.

So formulierten die beiden Verteidiger, ein renommierter Landshuter Strafverteidiger und ein durch seine politischen Umtriebigkeiten bekannter Passauer Strafrechtsprofessor, ihre Verteidigungsreden. Ihr Auftritt dauerte zweieinhalb Stunden lang und war ungewöhnlich insofern, als sie ihre Plädoyers nicht nacheinander, sondern abwechselnd hielten. Sie warfen sich, bildlich gesprochen, gegenseitig thematische Bälle zu. „Es wirkte, als hätten sie eine Choreografie einstudiert“, sagt eine Beobachterin.

Zum Schluss stellten die Verteidiger Hilfsbeweisanträge, weitere Zeugen anzuhören. Ob die Große Strafkammer dem stattgibt, ist fraglich. Das Urteil ist für Dienstag, 4. Oktober, vorgesehen.

Dominik R. war vom Landgericht Passau wegen Totschlags zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte im Oktober 2016 die Mutter seines Kindes erstochen. Weil ein Zeuge im Passauer Prozess nachweislich falsch ausgesagt hatte, wurde das Verfahren am Landgericht Deggendorf neu aufgerollt.

Text nach Notizen von Gerichtsreporter Michael Bothner