Sonntag, 22. Mai 2022
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Passauer Land >> Mittwoch, 20. April 22

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Zum Prozessauftakt war die Gasse vor dem Amtsgericht turbulenter Treff zwischen Polizei, Coronamaßnahmengegnern und Gegendemonstranten. (Foto: mediendenk)
Amtsgericht

PlÀdoyers zum Passauer Maskengegnerarzt

Passau - Die beiden Strafverteidiger und der Staatsanwalt haben heute vormittags im Amtsgericht ihre PlÀdoyers im Coronaprozess um einen Passauer Maskengegnerarzt gehalten. Der AnklÀger fordert zweieinhalb Jahre Freiheitsstrafe und ein vorlÀufiges dreijÀhriges Berufsverbot, die beiden Strafverteidiger "Freispruch".

Was gefordert wurde, war keine Überraschung nach den ausfĂŒhrlichen ErklĂ€rungen, die der Angeklagte und seine Verteidiger im Laufe des Prozesses abgegeben hatten. Der Mediziner betonte in seinem mehr als halbstĂŒndigen Schlusswort mehrmals, dass er "nach bestem Wissen und Gewissen" und gemĂ€ĂŸ dem hippokratischen Eid gehandelt habe. Er geht unverrĂŒckbar davon aus, dass Masken gesundheitsschĂ€dlich seien.

Der Staatsanwalt sprach von einem „seltenen Fall“. Er hielt dem bisher unbescholtenen Arzt, den er eine „honorige Person“ nannte, vor, dass er Bescheinigungen ausgestellt hatte, ohne die Patienten persönlich gesehen oder untersucht zu haben. Er habe Atteste „auf Zuruf“ ausgestellt und andere damit gefĂ€hrdet. Der Angeklagte habe zu erkennen gegeben, dass er sich nicht beeindrucken lĂ€sst und es zu erwarten sei, dass er in gleicher Weise fortfĂ€hrt. Deshalb beantragte er, ein Berufsverbot auszusprechen.  

Die PlĂ€doyers der Verteidiger quittierten die anwesenden AnhĂ€nger des Arztes mit Applaus, was den Vorsitzenden zur Ermahnung veranlasste: „Lassen Sie das Klatschen, das ist kein Fußball oder Fernsehveranstaltung“, sonst lasse er den Saal rĂ€umen. Provozierend verließen die Ermahnten am Ende der Verhandlung applaudierend den Raum.

Die Verteidigung hatte unter anderem beantragt, Ex-Kanzlerin Merkel in den Zeugenstand zu berufen. Ihr Aussage aus einem Interview mit einer Berliner Zeitung vom FrĂŒhjahr 2020, dass Abstand die Maske ersetze, sollte zum Beweis der entbehrlichen Maskenpflicht wiederholt werden. Das Gericht entschied nach Beratung, dass diese und andere Äußerungen „fĂŒr eine Entscheidung ohne Bedeutung“ sind.    

Das Urteil wird das Schöffengericht am 10. Mai um 13.30 Uhr verkĂŒnden.

hud