Mittwoch, 08. Dezember 2021
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Lokalnachrichten >> Sonntag, 21. November 21

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Starker Auftritt, große Stimme: Opernsängerin Eva Bodorová. Das Publikum lag ihr zu Füßen, sie unterdrückte Freudentränen. (Foto: mediendenk)
Nachtkritik aus dem Opernhaus

Im Bann der Königin

Eine Gesellschaft am Abgrund der Pandemie, Gesichter bedeckt vom Mund-Nasenschutz. Auf der BĂĽhne spielt eine Frau, groĂź und markant, im scharlachroten Kleid eine Königin. Ihre Sopranstimme voll Liebreiz und Schmerz lässt zweieinhalb Stunden lang vergessen, wie verrĂĽckt die Welt da drauĂźen geworden ist. 

Die Enttäuschung, dass die Philharmonie im Orchestergraben wieder im kleinen Pandemieformat spielt, Klavier, zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass, ist vergessen, als der Vorhang sich öffnet. Ein schwarzer BĂĽhnenraum mit unglaublicher Tiefe entfaltet sich, fĂĽllt sich mit zwei Dutzend Männer und Frauen; schwarze MelonenhĂĽte, schwarze AnzĂĽge, blaue und grĂĽne Glitzerkleider. Es sind die Mitglieder des kraftvollen und schauspielstarken Theaterchors. 

Die Operndiva im Scharlachrot verkörpert die Figur von Königin Elisabeth I. Jenseits ihrer strahlenden Stimme fesselt sie mit treffender Mimik und Körpersprache. Eva Bodoverá, eine preisgekrönte Slowakin, ist ein sensationeller Gewinn fĂĽr das Opernensemble. An diesem Abend sind mit ihr vier vortreffliche Stimmen auf der BĂĽhne vereint: Mezzosopranistin Iryna Zhytynska, gebĂĽrtig in der Ukraine, die als Herzogin von Nottingham auftritt; Hausbariton Kyung Chun Kim, der Ehemann der Herzogin; der spanische Tenor Vicent Romero, der als Titelfigur „Roberto Devereux“ die Liebestragödie ins Rollen bringt. Die Königin ist ihm verfallen, aber er himmelt heimlich die Ehefrau seines besten Freundes an, die Herzogin von Nottingham. 

Die Belcanto-Oper "Roberto Devereux“ schrieb Gaetano Donizetti (1797-1848), der aus einem Ort stammt, der fĂĽr schwarze Tage der Pandemie steht: Bergamo. Die Inzenierung trägt die Handschrift des Schweizer Regisseurs Urs Häberli, der diesem Opernhaus schon eine Reihe AuffĂĽhrungen, „Carmen“ bis „Amadeus“, beschert hat, die Aufsehen erregten.

Zu Beginn der Premiere tritt Intendant Stefan Tilch mit der Botschaft vor den Vorhang, dass die vierte Welle auch das Theater getroffen habe. Er verweist auf die kleine Kammerorchesterbesetzung.

Das begeisterte Publikum spendet zahlreichen Zwischenapplaus, was sensible Opernfreunde als störend empfinden könnten. â€žBravo!“ schallt es beim Schlussapplaus aus den von weiĂźen und schwarzen Masken gedämpften MĂĽndern. Und das Kammerorchester, keine Frage, war echt klasse. 

hud

 
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