Dienstag, 24. November 2020
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Bayern >> Freitag, 20. November 20

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Dreiflüssestadt beim Corona-Höchststand: Schwarze Wolken am blauen Himmel über dem Stephansdom. (Foto: mediendenk)
Inzidenzwert 343

Corona-Brennpunkt Passau: Schwarze Wolken am blauen Himmel

Auf dem Freitagswochenmarkt herrscht vormittags reges Treiben. Einkaufen  an frischer Luft ist nicht verkehrt. Der Nebel hat sich an diesem Morgen ausnahmesweise frĂĽh verzogen und der blaue Himmel blitzt heraus. Die Menschen halten Abstand und tragen ausnahmslos Mund-Nasenschutz. Die Passauer haben sich seit fĂĽnf Wochen an die Maskenpflicht gewöhnt. Die DreiflĂĽssestadt war mit dieser MaĂźnahme Vorreiter.

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Abstand und Maske: Einkauf an frischer Luft ist in Seuchenzeiten nicht verkehrt, reges Treiben beim Freitagswochenmarkt in der Neuen Mitte. (Foto: mediendenk)
Dennoch: Passau hat heute gute Chancen nach Berchtesgaden, Rottal-Inn und Freyung-Grafenau am Ende des Tages in der Tagesschau genannt zu werden. Mit Inzidenzwert 343 ist die Grenzstadt heute der Virenbrandherd Nummer 1 in Deutschland. Die Meldungen werden von manchen Medien wie sportliche Leistungen verbreitet, als handle es sich um neue Rekorde im Marathonlauf.

Grenzstadt. Das ist das erste Stichwort bei der Suche nach den Ursachen. Wenige Kilometer hinter der Stadtgrenze südlich vom Inn beginnt Oberösterreich. Dort bewegen sich die Inzidenzwerte seit vielen Tagen zwischen 650 und 1.500. Die Einreisequarantäneverordnung genehmigt den „kleinen Grenzverkehr“. Ein Aufenthalt bei den Nachbarn weniger als 24 Stunden bleibt ohne Folgen. Berufspendler sind verpflichtet zum wöchentlichen Test. Am Montag hatte der Oberbürgermeister bei der Stadtratssitzung bemängelt, dass die Seuchenschutzverordnung beim Grenzverkehr nicht konsequent genug sei.

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Die beliebte Innpromade trotz Sonne wie ausgestorben: SmaragdgrĂĽn schimmert der Gebirgsfluss bei Pegeltiefstand: knapp ĂĽber 150 Zentimer. (Foto: mediendenk)
Der Inn schillert zum Mittagsgeläut in den Farben seiner exotischen Uferbewohner, der Smaragdeidechsen. Am überwiegend blauem Himmel ziehen ab und dann graue und schwarze Wolken über die Domkuppeln hinweg. Im Gegensatz zum Coronahoch hat der Fluss mit knapp über eineinhalb Meter sein Pegeltief erreicht.

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Adventsattraktion ohne Publikum: Lebkuchenhaus mit SkihĂĽttenbar am Rindermarkt. (Foto: mediendenk)
In der Fußgängerzone wartet das kolossale Kunstwerk einer Geschäftsfrau auf Bewunderer: Sie hat als Adventsdeko ihr Laden- und Kaffeehaus als Hexenhaus aus dem Märchen "Hänsel und Gretel" verkleiden lassen, umgeben von Skihüttenbar und Nussknackern im Riesenformat. Doch die Zahl der Bewunderer dieser Inszenierung aus Sperrholzlebkuchen ist spärlich. Am Rindermarkt rührt sich nichts, die Innenstadt ist so schwach besucht wie an Sonntagen.

Am Tag vor der Nachricht „Passau deutscher Corona-Hotspot“ hatte das Rathaus vermeldet, dass es in der zweiten Welle erstmals wieder Altenheime getroffen hat. Vireneinträge in Einrichtungen – Asylbewerber- und Altenheime, Behindertenwerkstätten und Pflegeheimen – summieren sich schnell und treiben den Inzidenzwert hoch. Die Lage sei „diffus“ berichtete die Rathaussprecherin auf Anfrage der Heimatzeitung. Ein Wortlaut, den wir vom Freyunger Landrat kennen.

251 Passauer, 24 mehr als gestern, sind heute Früh vom Gesundheitsamt als „aktive“ Virenträger gemeldet worden. Das Gesundheitsamt in Fürstenzell, zuständig für fast eine Viertelmillion Einwohner in Stadt und Landkreis, wird von drei Dutzend externen Kräften unterstützt: Beamte aus Finanzamt und Amtsgericht, vom staatlichen Bauamt und den Spielbanken. Die Stadt Passau stellt eigenes Personal an der städtischen Teststation im Klinikum und unterstützt mit zwei Vollzeitkräften das Gesundheitsamt.

Klinikum: 49 Patienten auf Corona-Isolierstation
Die Zahl der Patienten auf der Isolierstation hat mit 49 (plus 6) ebenso einen neuen Höchststand erreicht; davon 9 auf der Intensivstationen, 4 künstlich beatmet.

Bei den Schulen kommt hinzu:

  • Gisela-Gymnasium Niedernburg: nach Infektionsfall Klasse mit 35 Betroffenen in Quarantäne.
  • Grund- und Mittelschule Neustift: nach Infektionsfall Klasse mit 39 Betroffenen in Quarantäne.


Passauer Altenheime: 19 Rentnerinnen und Rentner von Corona betroffen
Im Seniorenheim der Arbeiterwohlfahrt in Haidenhof-Nord hat sich die Zahl der positiv getesteten Mitarbeiter von fünf auf sieben erhöht; ein Bewohner ist infiziert. Im Altenheim der Malteser an der Nibelungenstraße stieg die Zahl der infizierten Bewohner von elf auf achtzehn, die der Mitarbeiter von sechs auf acht.

Videokonferenz zur Krise
Oberbürgermeister, Leiterin des Gesundheitsamtes und Landrat haben sich heute in einer Videokonferenz mit den Fachleuten vom Landesamt für Gesundheit abgestimmt. Nach deren Analyse sind Infektionen überwiegend in den Altersgruppen der 15- bis 34-Jährigen sowie der über 80-Jährigen nachgewiesen. Bei Letzteren wird das Virus eingetragen (Alteheime), bei Letzteren gibt es keine Erklärung. In dieser Altersgruppe befinden sich auch Schulpflichtige.

Nach dem Wochenende soll entschieden werden, ob strengere Maßnahmen ergriffen werden. Zunächst gelten für die Alten- und Behinderteneinrichtungen:

  • Je Bewohner maximal  ein Besuch pro Tag, zu einer festgelegten Zeit
  • Besuchsdauer höchstens 30 Minuten, ausgenommen Begleitung Sterbender.
  • Nach Besuchen sind die Räume mindestens fĂĽnf Minuten zu durchlĂĽften.

 

 
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