
· | Niederbayern >> Mittwoch, 14. Oktober 26Landkost: Millionen Tiere tot, die Eierlobby schweigtBerlin/ Potsdam/ Hannover - Die Eier fehlen bis heute. Wer von der Bundeshauptstadt bis Bayern nach „Landkost“ sucht, findet in den Supermarktregalen weiterhin kaum welche. Dahinter steckt eine Katastrophe in einer Dimension, die außerhalb Brandenburgs fast unbemerkt blieb. "Landkost" gehört zum Netzwerk der "Deutschen Frühstücksei", Deutschlands größtem Eierproduzenten mit Sitz in Niedersachsen. Doch der Standort Bestensee, südliches Brandenburg, mit seinen Megaställen ist auch ein halbes Jahr später noch nicht wieder im Normalbetrieb. Ein exklusives Gespräch mit Behördenvertretern des Landkreises zeigt, welches Ausmaß die Tiertragödie hatte und was sie auch mit den Menschen machte, die sie bewältigen mussten. Der Fall war Titelgeschichte in unserem Heft. Nr. 195. Mehr als ein halbes Jahr ist vergangen, seit Tierärzte Anfang März die ersten verdächtigen Veränderungen in den Beständen von Bestensee bemerkten. Die Hühner fraßen weniger, ihre Legeleistung sank. Wenige Tage später bestätigte das Friedrich-Loeffler-Institut den Ausbruch der Newcastle-Krankheit. Was danach geschah, sprengt jedes gewöhnliche Vorstellungsvermögen. Im Landkreis Dahme-Spreewald mussten nach Angaben des Landkreises 1,7 Millionen Tiere getötet werden. Allein die logistische Aufgabe war gewaltig: Ställe wurden abgedichtet und mit Kohlendioxid geflutet. Anschließend mussten Arbeiter die Tierkörper von Hand aus den Anlagen holen. Lastwagen brachten sie zu Tierkörperanlagen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Brandenburg besitzt keine eigene Anlage dafür. Auch Futter, Einstreu und Eier mussten vernichtet werden. Die Bilder und Erfahrungen belasteten nicht nur die Menschen in den Betrieben. Auch Tierärzte und andere Beschäftigte des Landkreises kamen nach den Worten von Stefan Wichary psychisch an ihre Grenzen. Der Landkreis organisierte Beratungsangebote. Rund 50 Beschäftigte aus verschiedenen Ämtern arbeiteten bei der Bekämpfung der Seuche mit. Andere Landkreise schickten zusätzlich Tierärzte. Erst seit Mitte Juli dürfen die Ställe in Bestensee wieder mit Tieren belegt werden. In der Aufzucht sind die ersten Küken angekommen. Bis von dort wieder Eier in den Handel kommen, werden noch Zeit vergehen. Die große Packstation auf dem Gelände arbeitet dagegen bereits wieder. Über den Ausbruch, die Massentötung und den mühsamen Weg zurück in den Betrieb spricht Dezernet Stefan Wichary vom Landkreis Dahme-Spreewald. Sein Nachfolger Carsten Brumme sitzt während des Gesprächs mit im Raum und ergänzt einzelne Antworten. Bürgerblick: Wann wird es wieder "Landkost"-Eier aus Bestensee in der Bundeshauptstadt geben?
Carsten Brumme: Seit Juli werden zwei Ställe wieder neu belegt. Es wird deshalb noch etwas dauern. Ich gehe aber davon aus, dass die Versorgung der Bundeshauptstadt mit Eiern trotzdem gewährleistet ist. Stefan Wichary: Man muss bei dieser Frage zwei Dinge auseinanderhalten. In Bestensee gibt es zum einen den eigentlichen Legehennenbetrieb und zum anderen eine Eierpackstation. Diese Packstation verpackt nicht nur Eier aus dem Legehennenbetrieb in Bestensee. Auch Geflügelhalter aus der gesamten Region lassen dort ihre Eier verpacken. Von dort gelangen sie über verschiedene Vertriebswege nach Berlin, Brandenburg und darüber hinaus.Die Packstation war von den Folgen der Seuche vor allem während der Zeit betroffen, in der die Sperrzonen bestanden. In dieser Zeit durfte grundsätzlich nichts in die Zone hinein- oder aus ihr herausgebracht werden.Die Packstation arbeitet inzwischen wieder. Seit wann dürfen die Ställe genau wieder belegt werden? Nach meiner Kenntnis seit Mitte Juli. Dafür müssen bestimmte gesetzliche Bedingungen erfüllt sein. Sobald das geschehen war, durfte der Betrieb wieder Tiere einsetzen. Unser Veterinäramt überwacht diesen Prozess. Es kontrolliert, ob der Betrieb alle gesetzlichen Vorgaben einhält und ob die vorgeschriebenen Untersuchungen stattfinden. Wie wurde der Ausbruch Anfang März überhaupt entdeckt? Das war am ersten Sonntag im März. Gegen 18 Uhr rief mich die Leitung des Veterinäramts an und teilte mir mit, dass es in Bestensee einen Verdachtsfall gebe. Entdeckt wurde er durch die eigenen Kontrollen des Betriebs. Solche großen Tierhaltungen werden ständig von Tierärzten betreut. Sie kümmern sich um Impfungen und gehen Auffälligkeiten nach. In Bestensee fiel auf, dass die Tiere weniger Futter aufnahmen und ihre Legeleistung unerwartet sank. Dabei ging es zunächst nur um Veränderungen im Prozentbereich. Trotzdem nahm der betreuende Tierarzt Proben und ließ sie in einem Labor untersuchen. Das Labor meldete am Sonntagnachmittag den Verdacht auf das Newcastle-Virus. Der Betrieb informierte daraufhin sofort unser Veterinäramt. Wir sind auch außerhalb der üblichen Dienstzeiten erreichbar. Am Montagmorgen fuhren unsere Tierärzte zum Betrieb. Sie nahmen eigene Proben und schickten sie zum Friedrich-Loeffler-Institut. Am Mittwoch kam die amtliche Bestätigung: In Bestensee war die Newcastle-Krankheit ausgebrochen. Wie kann sich ein solches Virus zwischen räumlich getrennten Stallanlagen ausbreiten? Geschieht das durch die Luft? Bei einer hohen Viruslast kann das Virus auch über die Luft übertragen werden. Die Untersuchungen zur Ursache hat allerdings nicht unser Landkreis geführt. Dafür war eine Arbeitsgruppe des Landes Brandenburg zuständig, die vom Friedrich-Loeffler-Institut unterstützt wurde. Nach den Ergebnissen dieser Untersuchungen kam das Virus wahrscheinlich durch Menschen oder menschliche Abläufe in die Betriebe. Es ließ sich aber nicht feststellen, woran das Virus genau haftete. Das könnte Futter gewesen sein, ein Fahrzeug oder auch Kleidung und Schuhe von Beschäftigten. Die Ermittler arbeiten dabei mit Wahrscheinlichkeiten. Ein Eintrag durch Wildvögel gilt zumindest für Bestensee als unwahrscheinlich. Auch tote oder auffällige Wildvögel aus der Umgebung wurden untersucht. Wenn das Virus aber erst einmal in einem Stall ist, kann es sich über die Abluft weiterverbreiten. Infizierte Tiere scheiden große Mengen Viren aus. Bei ungünstigem Wind kann das Virus über einige Hundert Meter von einer Stallanlage zur nächsten gelangen. Es ist deshalb möglich, dass es innerhalb des Standorts nicht durch einen Menschen von Stall zu Stall getragen wurde, sondern durch die Abluft. Sicher belegen lässt sich das nicht. Fast zeitgleich traten auch in Niederbayern Fälle auf. Wäre eine Verbindung über Fahrzeuge, Futtermittel oder gemeinsame Lieferwege theoretisch möglich? Wir waren nicht Teil dieser epidemiologischen Ermittlungen und sind deshalb nicht die richtigen Fachleute, um darüber zu spekulieren. Was sich aus dem veröffentlichten Bericht entnehmen lässt: Der Virusstamm kam wahrscheinlich aus Polen. Er stimmte mit einem dort nachgewiesenen Stamm überein. Untersucht wurden Tierbewegungen, Futterlieferungen und die Herkunft der Beschäftigten. Die Ermittler prüften also auch, wo Menschen wohnen, wie sie zu den Betrieben gelangen und welche weiteren Verbindungen es geben könnte. Mehr kann ich dazu nicht seriös sagen. Die Bestände waren gegen Newcastle geimpft. Wie läuft eine solche Impfung bei Hunderttausenden Tieren ab? Für die genaue Impfpraxis müssten Sie den betreuenden Tierarzt fragen. Es gibt aber, ähnlich wie beim Menschen, eine Ständige Impfkommission Veterinärmedizin. Sie gehört zum Friedrich-Loeffler-Institut und gibt Empfehlungen heraus, wann und wie Tiere geimpft werden sollen. Für den Betrieb in Bestensee haben wir die Unterlagen geprüft. Die betreuende Tierärztin hatte die vorgeschriebenen Impfungen vorgenommen. Das war vollständig dokumentiert. Die Tiere waren nach den geltenden Vorgaben ordnungsgemäß geimpft. Deshalb entstand nach dem Ausbruch auch die Diskussion, wie sinnvoll eine Impfung ist, wenn am Ende trotzdem der gesamte Bestand eines betroffenen Stalls getötet werden muss. Bei großen Geflügelbeständen bekommt natürlich nicht jedes einzelne Tier eine Spritze. Der Impfstoff wird meist über das Trinkwasser verabreicht oder als feiner Nebel in den Stall gesprüht. Die Tiere nehmen ihn dann über das Wasser oder die Atemwege auf. Bei sehr großen Beständen stellt sich die Frage, ob wirklich jedes Tier genügend Impfstoff erhält. Gibt es Überlegungen, die Regeln für solche Anlagen zu ändern? Der Landkreis hat dazu keine eigenen Überlegungen angestellt. Das ist eine fachliche Frage für die Impfkommission und das Friedrich-Loeffler-Institut. Sollte sich zeigen, dass bei der Impfung großer Bestände zusätzliche Regeln oder Vorsichtsmaßnahmen nötig sind, müssten die zuständigen Fachgremien das klären. Ein Landkreis kann solche Vorgaben nicht selbst ändern. Kann der Landkreis nach einem solchen Ausbruch verlangen, dass der Betrieb seine Anlagen verändert? Die grundlegenden Regeln zum Umgang mit Tierseuchen kommen aus dem europäischen Recht. Dort ist auch festgelegt, was geschehen muss, bevor ein Gebiet wieder als seuchenfrei gelten kann. Wir setzen diese Regeln vor Ort um. Der Landkreis muss alle vorgeschriebenen Schritte fachlich sauber ausführen und dokumentieren. Erst danach können die Sperren aufgehoben werden. Bei den Kontrollen achten wir auch auf die sogenannte Biosicherheit. Dabei geht es darum, wie ein Betrieb verhindert, dass Krankheitserreger hineingelangen oder zwischen den Ställen weitergetragen werden. Vor einer erneuten Belegung können wir Auflagen erteilen. Der Betrieb muss dann bestimmte Mängel beseitigen. Für Bestensee muss man allerdings sagen, dass die Sicherheitsmaßnahmen bereits vor dem Ausbruch auf einem sehr hohen Niveau lagen. Zwischen den Ställen gibt es sogar Duschen. Beschäftigte können sich dort umziehen, duschen und desinfizieren, bevor sie einen anderen Bereich betreten. Nach dem Ausbruch fanden weitere Begehungen statt. Dabei wurde geprüft, ob bauliche Änderungen nötig sind: Lassen sich Luftströme verändern? Gibt es schwer zugängliche Stellen, an denen sich Viren halten könnten? Müssen einzelne Bereiche umgebaut werden, damit sie sich besser reinigen und desinfizieren lassen? Diese Punkte wurden vor Ort geprüft und bearbeitet. Wie viele Tiere mussten insgesamt getötet werden? Allein im Landkreis Dahme-Spreewald waren es insgesamt 1,7 Millionen Tiere. Das war ein erheblicher Teil aller Tiere, die während dieses Seuchengeschehens in Brandenburg betroffen waren. Das europäische Recht schreibt vor: Wird die Newcastle-Krankheit bei einem Tier in einem Stall nachgewiesen, müssen alle Tiere dieses Bestands getötet und entsorgt werden. Die praktische Arbeit liegt beim Tierhalter. Er muss die Unternehmen beauftragen, die die Tiere töten und abtransportieren. Der Landkreis überwacht den Ablauf. Unsere Tierärzte prüfen, ob die Tiere nach den vorgeschriebenen Regeln getötet werden. Sie kontrollieren den Abtransport und achten darauf, dass keine neuen Wege entstehen, über die sich das Virus verbreiten könnte. Außerdem muss der gesamte Ablauf dokumentiert werden. Musste neben den Tieren auch das Futter vernichtet werden? Alles, was mit dem Virus in Kontakt gekommen sein könnte und sich nicht sicher desinfizieren ließ, musste entsorgt werden. Dazu gehörte Futter, das bereits in den Ställen war. Auch Stroh und andere Einstreu mussten vernichtet werden. Hinzu kamen große Mengen Eier, die sich zu einem festgelegten Zeitpunkt noch auf dem Gelände befanden. Der Betrieb hatte nach unserer Einschätzung richtig reagiert. Bereits beim ersten Verdacht stoppte er die Auslieferung. Dadurch blieben die Eier auf dem Gelände und gelangten nicht mehr in den Handel. Anschließend wurden sie vernichtet. Wie lässt sich eine solche Menge überhaupt abtransportieren? Wir sprechen von Tausenden Tonnen Tierkörpern. Die Menge war tatsächlich ein enormes logistisches Problem. Im Land Brandenburg gibt es vertraglich gebundene Unternehmen, die auf die Tötung und den Abtransport spezialisiert sind. Diese Firmen kennen große Einsätze. Trotzdem stoßen auch sie bei einem Geschehen dieser Größenordnung an Grenzen. Man muss sich klarmachen, dass hier tonnenweise Material aus den Ställen geholt werden musste. Dafür braucht man sehr viele Arbeitskräfte, denn ein großer Teil geschieht von Hand. In Bestensee mussten wir die Straße sperren. Zahlreiche Lastwagen fuhren auf das Gelände. Einige brachten Kohlendioxid für die Tötung der Tiere. Andere nahmen später die Tierkörper, das Futter, die Einstreu und weiteres Material auf. Die Lastwagen brachten die Kadaver zu Tierkörperanlagen außerhalb Brandenburgs. Die Transporte mussten genau getaktet werden. Die Fahrzeuge durften erst ankommen, wenn die jeweilige Anlage freie Kapazitäten hatte. Diese Planung übernahm das Unternehmen, das der Tierhalter beauftragt hatte. Für den Landkreis war entscheidend, dass alle Transporte überwacht und später durch Bescheinigungen belegt wurden. Gibt es in Brandenburg keine Tierkörperbeseitigungsanstalt? Nein. Nach meiner Kenntnis wurden für die Tiere aus dem Landkreis Dahme-Spreewald zwei Anlagen genutzt: eine in Mecklenburg-Vorpommern und eine in Sachsen-Anhalt. Im Land Brandenburg gibt es keine solche Anlage. Wie wurden die Tiere in den großen Hallen getötet? Die Ställe sind nicht luftdicht, wie man sieht. Für solche Fälle gibt es feste Regeln. Sie sollen dafür sorgen, dass die Tiere mit möglichst wenig Leiden sterben. Bei so großen Beständen ist es ausgeschlossen, jedes Huhn einzeln einzuschläfern. Deshalb lief die Tötung im Wesentlichen in drei Schritten ab. Zuerst dichteten Arbeiter die Stallanlagen so gut wie möglich ab. Sie verschlossen Öffnungen von innen, damit das Gas nicht unkontrolliert entweichen konnte. Anschließend wurde sichergestellt, dass sich keine Menschen mehr im Stall befanden. Dann fluteten die Fachleute den Stall mit Kohlendioxid. Das Gas musste eine festgelegte Zeit einwirken. Danach wurde es wieder aus dem Gebäude abgeleitet. Nun betraten Tierärzte des Landkreises den Stall. Sie mussten kontrollieren, ob wirklich alle Tiere tot waren. Erst danach gaben sie den Stall frei. Dann konnten Arbeiter die Tiere herausholen und verladen. Das bedeutet, dass die toten Tiere anschließend von Hand aus den Ställen geholt werden mussten? Ja. Das war ein gewaltiger körperlicher Aufwand. Man darf nicht unterschätzen, was diese Arbeit mit den Menschen macht. Sie ist mit großem seelischem Leid verbunden. Ein Tierarzt entscheidet sich für seinen Beruf, weil er Tiere erhalten und ihnen helfen will. Er ist nicht Tierarzt geworden, um Hunderttausende Tiere zu töten. Diese Aufgabe hat niemand gern gemacht. Was dort geschehen ist, war so schrecklich, wie es klingt. Das muss man klar sagen. Welche Schäden entstanden, und wer bezahlt sie?
Wir können sagen, was die Bekämpfung der Seuche den Landkreis gekostet hat. Wie hoch die unmittelbaren und mittelbaren Schäden der einzelnen Betriebe waren, wissen wir nicht. Auch über die Entschädigungen durch die Tierseuchenkasse haben wir keinen vollständigen Überblick. Die Kasse gehört nicht zum Landkreis. Dazu müssten die Betriebe und die Tierseuchenkasse selbst Auskunft geben. Wie hoch waren die Kosten des Landkreises? Der Kampf gegen Tierseuchen gehört grundsätzlich zu unseren Aufgaben. Es gibt immer wieder kleinere Ausbrüche. Derzeit beschäftigen wir uns beispielsweise mit der Amerikanischen Faulbrut, einer Bienenseuche. Der Landkreis plant deshalb jedes Jahr Geld für solche Fälle ein. Normalerweise stehen rund 50.000 Euro für externe Kosten zur Verfügung. Die Newcastle-Krankheit hatte aber eine völlig andere Größenordnung. Rechnet man alle einzelnen Einsätze zusammen, kamen wir auf mehr als 165 Einsatztage. Unsere Tierärzte und Fachkräfte bildeten Kontrollteams. Da unser eigenes Personal nicht ausreichte, halfen Veterinärämter aus anderen Landkreisen. Sie stellten uns Mitarbeiter zur Verfügung. Die Gehälter dieser Helfer mussten wir nicht übernehmen. Der Landkreis bezahlte aber Fahrtkosten, Schutzkleidung, Untersuchungsmaterial und weitere Ausrüstung. Zusätzlich konnten wir über einen Rahmenvertrag des Landes mit der Tierärztekammer niedergelassene Tierärzte verpflichten. Diese Tierärzte erhielten ein Honorar, das der Landkreis bezahlte. Ein weiterer großer Kostenpunkt war das Material. Bei jedem Besuch eines Betriebs brauchten die Kontrollteams Schutzanzüge, Überschuhe und Material für die Proben. Nach einem Einsatz musste vieles entsorgt oder gründlich gereinigt werden. Insgesamt gab der Landkreis rund 63.000 Euro für externe Kosten aus. Damit lagen allein die Ausgaben für diesen Ausbruch über dem Ansatz, der ursprünglich für das gesamte Jahr vorgesehen war. Die Arbeitszeit unserer eigenen Beschäftigten ist in diesen 63.000 Euro nicht enthalten. Sie sprechen von mehr als 500 kleineren Geflügelhaltungen. Wie viele davon waren tatsächlich von der Krankheit betroffen? Wir hatten insgesamt 21 Ausbruchsbetriebe. Nach meiner Erinnerung gehörten dazu fünf oder sechs sehr kleine Geflügelhaltungen mit jeweils weniger als 20 Tieren. Die mehr als 500 Halter waren nicht alle von einem Ausbruch betroffen. Wir mussten sie aber kontrollieren, weil sie in den Sperrzonen lagen. Wie liefen diese Kontrollen ab?
War das einer der größten Tierseuchenausbrüche der vergangenen Jahrzehnte? In der Geschichte unseres Landkreises hat es nichts Vergleichbares gegeben. Der Landkreis Dahme-Spreewald besteht seit mehr als 30 Jahren. Nach unseren Unterlagen war dies das größte Tierseuchengeschehen, das der Landkreis seit seiner Gründung erlebt hat. Wir gehen außerdem davon aus, dass es gemessen an der Zahl der getöteten Tiere und am Aufwand auch der größte Tierseuchenausbruch war, den das Land Brandenburg bisher erlebt hat. Eine abschließende Antwort des Landes lag uns dazu zum Zeitpunkt des Gesprächs noch nicht vor. Kollegen haben schon andere Tierseuchen bekämpft. Aber diese Menge, die Zahl der betroffenen Betriebe und die zeitliche Verdichtung waren einzigartig. Was bedeutete der Einsatz für die Mitarbeiter des Landkreises? Die Belastung war außergewöhnlich. Die Beschäftigten mussten über viele Stunden Schutzanzüge tragen. Das ist körperlich sehr anstrengend, vor allem bei höheren Temperaturen. Hinzu kam die psychische Belastung. Einige Kolleginnen und Kollegen kamen an ihre Grenzen. Deshalb organisierten wir intern Beratungsangebote, die sie nutzen konnten. Ohne die Hilfe anderer Landkreise und der Städte und Gemeinden in unserem Kreis hätten wir den Einsatz nicht bewältigen können. Die Gemeinden stellten beispielsweise Duschmöglichkeiten bereit. Die Kontrollteams mussten sich nach jedem Besuch eines Betriebs gründlich reinigen, damit sie das Virus nicht zum nächsten Betrieb trugen. Geduscht wurde unter anderem in Feuerwachen, Turnhallen und bei Unternehmen, die geeignete Räume zur Verfügung stellten. Dadurch mussten die Teams nicht nach jedem Einsatz bis in die Kreisstadt zurückfahren. Waren die Feuerwehren auch an den Einsätzen beteiligt? Nicht im eigentlichen Feuerwehrdienst. Sie stellten uns vor allem Räume und Duschen zur Verfügung. Teilweise verzichteten die Feuerwehren während dieser Zeit selbst auf bestimmte Räume, weil sie verhindern wollten, dass das Virus verschleppt wird. Wie viele Menschen waren beim Landkreis beteiligt? Ungefähr 50 Beschäftigte aus verschiedenen Ämtern arbeiteten an dem Einsatz mit. Nicht alle waren ständig im Außendienst. Das Gesundheitsamt packte beispielsweise die Kisten mit Schutzkleidung, Tupfern, Probenbehältern und weiterer Ausrüstung für die Kontrollteams. Die Beschäftigten dort kennen sich mit Seucheneinsätzen aus. Ihnen muss niemand erklären, wie Probenmaterial vorbereitet wird. Morgens holten die Teams die gepackten Kisten ab. Abends brachten sie das benutzte Material zurück. Auch das Straßenverkehrsamt half. Es kümmerte sich nicht nur um die Sperrung in Bestensee, sondern auch um die Schilder an den Grenzen der Schutz- und Überwachungszonen. Mitarbeiter des Katastrophenschutzes stellten an einem Betrieb Sichtschutzzäune auf. Dieser Betrieb lag so, dass Schaulustige die Tötung der Tiere hätten beobachten können. Das wollten wir verhindern. Auch die Pressestelle, die Personalverwaltung und weitere Bereiche waren beteiligt. Die gesamte Kreisverwaltung war mit dem Geschehen beschäftigt. Wie viele Beschäftigte arbeiten in dem großen Betrieb in Bestensee? Sie waren schließlich ebenfalls von der Seuche und den Reinigungsarbeiten betroffen. Das können wir nicht sagen. Dabei handelt es sich um Angaben des Unternehmens. Diese Frage müssen Sie an den Betrieb richten. An den Ausfahrten lagen große Desinfektionsmatten. Wurden diese erst wegen des Ausbruchs ausgelegt? Nein. Diese Anlagen gehören in Bestensee zum normalen Betrieb. Die Desinfektionsmatten und Schleusen waren schon vorher vorhanden. Wann wurden die Sperren aufgehoben? Die Straßensperrung in Bestensee galt bis zum 19. Mai. Das eigentliche Sperrgebiet um die betroffenen Anlagen konnten wir am Freitag vor Pfingsten aufheben, also am 22. Mai. Auch die Polizei war während dieser Zeit immer wieder vor Ort. Ja. Der Einsatz musste zwischen vielen Stellen abgestimmt werden. Carsten Brumme leitete den Krisenstab und koordinierte die Zusammenarbeit mit den anderen Behörden. Die Polizei gehörte dazu. Außerdem mussten wir die Öffentlichkeit und insbesondere die Geflügelhalter ständig informieren. Dafür richtete der Landkreis einen Newsletter ein. Geflügelhalter konnten sich über unsere Internetseite anmelden und erhielten aktuelle Informationen zu den Sperren und den vorgeschriebenen Maßnahmen. Wir waren darauf angewiesen, dass alle mitmachen. Hätte sich ein größerer Halter den Regeln widersetzt, hätte das die Bekämpfung verzögert. Wahrscheinlich hätten wir das Sperrgebiet dann nicht bereits am 22. Mai aufheben können. Deshalb gilt unser Dank nicht nur den Beschäftigten, die teilweise über sich hinausgewachsen sind. Auch die vielen Geflügelhalter haben den Ernst der Lage verstanden und die angeordneten Maßnahmen eingehalten. Wo lässt sich erfahren, wie hoch der wirtschaftliche Schaden war? Dazu müssten Sie die einzelnen Geflügelhalter und die Tierseuchenkasse Brandenburg fragen. Ob die Tierseuchenkasse Auskunft über konkrete Fälle geben darf, kann ich nicht beurteilen. Wie hoch der tatsächliche Schaden eines Betriebs war, weiß in erster Linie der jeweilige Tierhalter. Wer ersetzt den Betrieben die getöteten Tiere und die Kosten der Entsorgung?
Die Tierseuchenkasse ist eine öffentliche Einrichtung. Sie funktioniert in Teilen wie eine Versicherung. Die Tierhalter zahlen Beiträge ein. Über die Verwendung der Mittel entscheiden die zuständigen Gremien, in denen auch Vertreter der Tierhalter sitzen. Ob und wann zusätzlich das Land einspringt, können wir nicht sagen. Der Landkreis zahlt diese Entschädigungen jedenfalls nicht. Bei den Entsorgungskosten ist wichtig: Die Tierseuchenkasse übernimmt sie nicht vollständig. Deshalb musste der jeweilige Tierhalter selbst den Auftrag für die Tötung und den Abtransport erteilen. Der Tierhalter haftet zunächst für die Rechnung und holt sich anschließend den erstattungsfähigen Anteil von der Tierseuchenkasse zurück.
Das Telefonat führte Hubert Jakob Denk
|
Hier Ihre Anzeige?
Unsere News und Bilder
finden Sie wieder:
Tageszeitung
Süddeutsche Zeitung
Abendzeitung Berliner Kurier BILD tz-München B.Z. Frankenpost Hamburger Morgenpost Kölner Express Kölner Stadtanzeiger Mainpost Münchner Merkur Passauer Neue Presse Schweriner Volkszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung Hannoversche Allgemeine Zeitung
Wochenzeitung
Illustrierte
Der Spiegel
Stern Focus Bunte Bella Lisa Laura Bravo Yam! Young Lisa TV-Movie Gong Das Neue Blatt Neue Revue Neue Woche Neue Welt Frau im Trend Goldenes Blatt Freizeitspaß Coupé Feuerwehrmagazin Natur
TV & Radio
ARD ZDF Bayerisches Fernsehen
Agenturen
Ausland
OÖ Nachrichten
Kronenzeitung (Wien) Verdens Gang (Oslo) Aftonbladet (Stockholm) The Sun (London) Blick (Zürich) Kleine Zeitung (Graz) Nice Matin (Nizza) Österreich (Wien) Heute (Wien)
Internet
|