Friday, 20. March 2026
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Niederbayern >> Thursday, 19. March 26

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Salzweg vor der Stichwahl: Neue Allianzen stärken Josef Putz den Rücken – darunter der Passauer Holm Putzke, der ehemalige Pfarrer und neue Hauzenberger Stadtrat Alexander Aulinger sowie der wiedergewählte Hutthurmer Bürgermeister Josef Hasenöhrl. (Quelle
Kommunalwahl

Salzweg vor der Stichwahl: Neue Allianzen, alte Rivalen

Salzweg – 178 Stimmen Vorsprung – und ein Lager von 905 Stimmen, das alles drehen kann. In Salzweg entscheidet sich die Bürgermeisterwahl nicht nur zwischen zwei Kandidaten. Sie entscheidet sich daran, wem die Wähler am Ende mehr zutrauen – und wem sie weniger glauben.

FWG-Amtsinhaber Josef Putz liegt nach der ersten Runde mit 1.508 Stimmen vor CSU-Herausforderer Roman Holzinger (1.330 Stimmen). Doch entscheidend sind die, die noch nicht gebunden sind. Der Kandidat von „Frischer Wind“, wie sich die Grünen in Salzweg nennen, kam auf 306 Stimmen, der parteilose SPD-Kandidat auf 599. Ihre Anhängerschaft wird die Stichwahl prägen.

Dass Putz vorne liegt, ist bemerkenswert. Denn über seiner Amtszeit liegt ein Schatten. Seit Juli 2024 ermittelt die Staatsanwaltschaft Landshut gegen ihn. Auslöser war eine Anzeige mehrerer Gemeinderatsfraktionen wegen des Verdachts wettbewerbsbeschränkender Absprachen bei Ausschreibungen und Untreue. Nach einer Durchsuchung von Rathaus und Zimmerei wurde im Oktober 2025 Anklage erhoben. Laut Amtsgericht soll der Gemeinde ein Schaden im oberen vierstelligen Bereich entstanden sein. Ob es zur Hauptverhandlung kommt, ist offen. Putz weist die Vorwürfe zurück; es gilt die Unschuldsvermutung.

Ein Teil der Wähler scheint sich davon nicht abgewendet zu haben. Eher im Gegenteil.

Salzweg ist politisch vorbelastet. FWG-Vertreter Putz setzte sich bereits 2014 gegen einen heute gut bekannten CSU-Kandidaten durch. Die Rivalität zwischen Putz und Landrat Raimund Kneidinger reicht also Jahre zurück. Sie ist nicht offen ausgetragen, aber sie wirkt – auch im Wahlkampf. Denn auf der Salzweger CSU-Liste kandidierte ausgerechnet Kneidinger selbst, auf dem letzten Platz 20. Ein Landrat als Gemeinderatskandidat, obwohl er das Mandat nicht annehmen kann? 1.771 Stimmen holte er und wäre damit auf Platz 2 gewählt worden. Die Gemeindeordnung schließt diese Ämterkombination aus. Kneidinger war damit vor allem Stimmenfänger.

Formal zulässig, politisch erklärungsbedürftig. Auf die Frage, ob er seiner Wiederwahl als Landrat nicht sicher gewesen sei, reagiert er gelassen. Schriftlich erklärt er: „Die Kandidatur auf der CSU-Liste meiner Heimatgemeinde verstehe ich als Zeichen der Wertschätzung.“ Er sei dankbar, den Erfolg der CSU unterstützt zu haben.

Auch im direkten Vergleich liegt Putz vorne. Im Gemeinderat erreicht er 2.957 Stimmen, Holzinger kommt auf 2.786. Die Sitzverteilung: sechs CSU, fünf FWG, drei Grüne, je zwei AfD, SPD und Junge Liste. Vieles deutet darauf hin, dass sich ein starkes Bündnis gegen Putz formiert hat. Auffällig sind identische „Danke für Ihr Vertrauen“-Aufkleber bei CSU, SPD und „Frischem Wind“. Es wirkt wie ein Signal.

In der Wählerschaft sorgt das für Irritation. Genau daran entzündet sich Kritik. Ein Bürger schildert, er habe die Grünen gewählt – aber nicht, damit sie am Ende den CSU-Bewerber stützen. Inhaltlich wirke das widersprüchlich. Putz positioniert sich gegen die Nordtangente und setzt auf ökologische Themen. Wer grün wählt, erwartet dort eher Nähe als Distanz.

Ein Grünen-Wähler wandte sich nach eigenen Angaben an „Frischer Wind“ und reklamierte den Vertrauensbruch. Eine Antwort blieb aus. Stattdessen erhielt er aus dem SPD-Umfeld eine E-Mail mit Anhang: eine Kilometerabrechnung von Josef Putz für eine Fahrt nach München, abgerechnet mit 0,40 Euro pro Kilometer. Ob diese Abrechnung korrekt oder überzogen ist, lässt sich daraus nicht seriös beurteilen. Als politisches Argument wirkt sie eher wie ein Nadelstich.

Zugleich stellte sich der parteilose SPD-Bürgermeisterkandidat bereits kurz nach der Wahl öffentlich hinter CSU-Kandidat Holzinger. Das ist bemerkenswert. Denn keine Partei ist verpflichtet, sich in einer Stichwahl festzulegen, wenn Inhalte und Personen nicht zusammenpassen.

Es wurde noch merkwürdiger. Wenige Tage nach einer Grünen-Schelte stand nach Schilderung einer Bürgerin nicht etwa ein Vertreter des „Frischen Windes“ vor der Tür, sondern CSU-Kandidat Holzinger selbst. Er habe versucht, sich als besonders grüner CSU-Politiker darzustellen. Beim Weggehen habe er der Wählerin nahegelegt, an die Grünen weiterzugeben, dass er dagewesen sei. Solche Besuche kann man offensiv nennen – oder unerquicklich. In jedem Fall zeigen sie, wie umkämpft diese Stichwahl ist.

Aus dem Umfeld der Grünen werden zudem Vorwürfe erhoben, die bei Hausbesuchen der Wählerschaft vorgelegt werden. Dabei geht es um eigenmächtige Grundstücksgeschäfte von Putz, die der Gemeinde finanziell geschadet hätten. Von persönlicher Bereicherung ist dabei nicht die Rede.

Es bleibt der Eindruck eines Wahlkampfs, der zunehmend persönlicher wird. Putz selbst spricht von Druck und davon, dass sich Gegner positionieren. Genau das könnte ihm helfen. Ein Teil der Wähler scheint skeptisch gegenüber dem, was jetzt noch gegen ihn vorgebracht wird.

Salzweg wird damit zur Projektionsfläche. Für alte Rivalitäten. Für neue Allianzen (siehe Foto). Für die Frage, wie weit politische Lager gehen, wenn es darum geht, einen Amtsinhaber zu verhindern. Und für die Frage, wem die Wähler am Ende mehr vertrauen. Roman Holzinger ist kein alteingesessener Salzweger. Er stammt aus Passau, betreibt dort einen Haustechnikbetrieb und führt mit seiner Frau in Salzweg einen Pferdehof – das ist sein Bezug zur Gemeinde.

Eine Nachfrage beim Amtsgericht Landshut ergibt: Auch fünf Monate nach Anklageerhebung ist noch nicht entschieden, ob das Hauptverfahren eröffnet wird. Ein Termin für eine mögliche Verhandlung steht weiterhin nicht fest.

red