Saturday, 07. March 2026
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Infoveranstaltung am Dienstag

Wie Passau künftig heizen will: Kritik an der kommunalen Wärmeplanung

Die Tankrechnungen und Ölheizungsrechnungen zeigen es diesen Monat: Fossile Energie kann teuer werden – und sie bleibt abhängig von Weltpolitik. Passau steht aktuell vor Entscheidungen, die weit über den aktuellen Wahlkampf hinausreichen. Wie heizt und fährt Passau im Jahr 2030?

Spätestens seit den Preissprüngen an den Tankstellen werden jene Menschen beneidet, die ein Elektroauto besitzen und es mit dynamischen Stromtarifen laden – günstig genau dann, wenn Wind und Sonne Strom im Überfluss liefern. Oder jene Haushalte, deren Wärmepumpe ohne Gas und Öl mit wenig Energie viel Wärme erzeugt. Der technische Vorteil ist längst bekannt.

Auch bei den Stadtbussen steht die Entscheidung an, was neu gekauft wird (siehe aktuelles März-Magazin). Ähnlich wie beim Vergleich zwischen Verbrenner und Elektroauto gilt auch beim Heizen: Wärmepumpen arbeiten deutlich effizienter als fossile Systeme. Sie entziehen Luft, Wasser oder Erdreich Wärme und vervielfachen die eingesetzte Energie.  

Kommunaler Wärmeplan: Info mit Liveübertragung am Dienstag
Doch wie diese Zukunft in Passau konkret aussehen soll, bleibt bislang erstaunlich unklar. Mitten im Endspurt des Kommunalwahlkampfs wurde nun ein wichtiger Termin verkündet: Am Dienstag, 10. März, wird in der Redoute die kommunale Wärmeplanung vorgestellt. Es gibt eine Liveübertragung ins Netz. Der Inhalt selbst, so viel vorweg, ist schwere Kost und für den Laien nicht verständlich genug aufbereitet worden. Der Bericht soll den strategischen Fahrplan für die nächsten Jahrzehnte definieren.

Die Frist für Stellungnahmen läuft seit Mitte Februar und endet am 20. März. Der Zeitplan wirft Fragen auf. Der amtierende Oberbürgermeister tritt ab, die Wahlberechtigten entscheiden am Sonntag über eine neue Stadtspitze und einen neuen Stadtrat – und parallel wird ein Konzept diskutiert, das die Energieversorgung der kommenden Jahrzehnte prägen soll.

Besonders irritierend ist, dass der Bericht zur Stellungnahme im Amtsblatt ausgelegt wurde, ohne dass Ausschüsse oder Öffentlichkeit darüber nachdrücklich informiert worden sind. Tatsächlich melden sich inzwischen auch Stimmen aus der Immobilienwirtschaft. Große Eigentümer berichten, sie seien weder eingebunden noch informiert worden. Eine breite öffentliche Kommunikation – etwa über eine Pressemitteilung zum Beginn der Beteiligungsfrist Mitte Februar – ist offenbar ausgeblieben. Warum gerade bei einem so brisanten Zukunftsthema?

Auch inhaltlich gibt es Kritik. Die Grünen sprechen von einem „wenig ambitionierten“ Konzept. Stadtrat Matthias Weigl schreibt: „Die vorgeschlagenen Maßnahmen bleiben teilweise sogar hinter den Zielen des Klimaschutzkonzepts von 2021 zurück. Der aktuelle Prozess wirft mehr Fragen auf, als er beantwortet.“

Ein zentraler Kritikpunkt betrifft ein Potenzial, das Passau eigentlich im Überfluss besitzt: Wasser. Inn und Donau führen ganzjährig große Wärmemengen mit sich. Moderne Großwärmepumpen könnten diese sogenannte Flusswärme nutzen. Während in anderen Flussstädten bereits Pilotprojekte laufen, sieht der Bericht darin offenbar keine prioritäre Option. Als Argument wird unter anderem genannt, dass in der Altstadt der Platz fehle. Kritiker halten diese Begründung für wenig überzeugend – mit Blick auf große Parkplatzflächen für Busse und Autos oder frühere Planungen für eine Seilbahnstation.

Auch die Umstellung bei städtischen Gebäuden kommt nur langsam voran. Von dreizehn Ölheizungen seien in den vergangenen Jahren lediglich zwei ersetzt worden, heißt es in der Pressemitteilung der Grünen.

Die Entscheidung über die Wärmeversorgung der Zukunft fällt jetzt. Und sie entscheidet darüber, ob Passau weiter von fossilen Importen abhängig bleibt – oder auf Autarkie setzt und auf regionale, erneuerbare Energiequellen.

red