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Niederbayern >> Freitag, 13. Oktober 23

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Alter Plastikrasen auf einem Passauer Fußballfeld. Nach einen Jahrzehnt hat er oft ausgedient. Die Kosten der Entsorgung des Sonderabfalls sollten einkalkuliert werden. (Foto: mediendenk)
Sport und Plastik

Passau beschließt siebten Kunstrasen: Fußball auf giftigem Altreifengranulat?

Der SC Batavia 72 in Passau-Haibach erhält auf dem Nebenplatz seiner Sportanlage anstelle Gras- einen Kunststoffbelag. Der Beschluss im Sportausschuss fiel einstimmig, wie die Tageszeitung heute berichtet.

Der sogenannte Kunstrasen reichert Wasserkreisläufe mit Mikroplastik an. Das dämpfende Gummigranulat besteht zumeist aus zerkrümelten giftigen Altreifen. Der graue Kunststoffabrieb wird vom Regen in die Gewässer gespült; er sammelt sich sichtbar in den Schuhen und Socken der Fußballer. 

"Ich möchte hinweisen, dass wir niemals ausschließlich einen Kunstrasen verlangt haben", schreibt Vereinsvorstand Aron Csizmadia auf unsere Anfrage. In der Sitzung sei zu erfahren gewesen, dass "umweltverträgliches Granulat" verwendet werde. Dies entspreche einem EU-Beschluss, der ab 2030 greift. Man habe oft genug betont, dass ein zweiter Rasenplatz auch gut wäre; zumindest viel besser als der bisherige Sandplatz.

Wegen des feuerempfindlichen Materials verbietet die Benutzungsverordnung der Stadt Passau in der Nähe von Kunstrasenplätzen offenes Feuer, Feuerwerk und Grillen. Das Ende der großen Sonnwendfeuer auf dem „Bataven-Berg?“ Um die Feste brauche man sich keine Sorgen zu machen, schreibt Csizmadia. Wer die Bataven kenne, wisse, dass sie immer eine Lösung finden, schöne Feste zu feiern; auch unter den später geltenden Gegebenheiten.

Kunststoffrasen stand zuletzt in Passau im Herbst 2019 in der Kritik, als „DJK Eintracht Patriching“ an die Reihe kam. In der Dreiflüssestadt fördert Rathaus den Anfall von Mikroplastik massiv: Seit 2014 entstanden sechs Kunstrasenplätze; in Patriching, in Schalding links und rechts der Donau, In Haidenhof-Nord und in Grubweg, im Dreiflüssestadion. 

Was hinzukommt: Nach gut einem Jahrzehnt hat der Plastikrasen oft ausgedient. Sind Kosten der Entsorgung des Sonderabfalls einkalkuliert? Solche Fragen könne nur die Stadt beantworten, heißt es vom Verein. Plastikstrohhalme sind aus der Gastronomie verbannt worden, aber Plastikhalme in freier Natur sind okay? 

Der Verein kämpfe seit Jahren um zeitgemäße Trainingsbedingungen für seine Kinder, schreibt zum Thema die zweite Schriftführerin und Rechtsanwältin Veronika Hartl. Es sei unzutreffend, dass der Verein sich den Kunstrasen gewünscht habe, wie der Betrag vermittelte (Anm. d. Red.: "wunschgemäß" wurde gestrichen). "Wichtig war uns, dass tragbare Verhältnisse geschaffen werden." Der Tennenplatz, auf dem die Kinder trainieren, sei seit Bestehen, seit den 1980er Jahren kein einziges Mal grundlegend saniert worden, so Hartl.

Die Redaktion, die sich mit diesem Thema eingehend befasst hat, merkt an: Mit oder ohne giftiges Granulat in der Dämpfung, der Verschleiß der Plastikhalme bleibt ein Problem. Wie nach 15 Jahren diese Plätze unbrauchbar werden, zeigt unser Bild. Kinder auf Kunststoffrasen spielen zu lassen schadet deren Zukunft, zumal das Material früher oder später die Umwelt belastet. 

hud