Mittwoch, 07. Dezember 2022
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Passauer Land >> Mittwoch, 16. November 22

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Garniert mit einem - mutmaßlich kostenlosen - Leser-Foto hat die PNP einen vorformulierten Bericht des OB-Büros der Leserschaft als Eigenleistung präsentiert. (Quelle: PNP-Print)
Rathauspresse statt Recherche

Bericht über Blackout zeigt, wo in der PNP Journalismus ausfällt

Bürgerblick heißt Bürgerblick, weil sich ein ehemaliger CSU-Oberbürgermeister dazu aufgeschwungen hatte, unter dem Titel „Stadtblick“ ein eigenes Propagandablatt aus dem Rathaus auf den Markt zu bringen.

Heutzutage bräuchte ein Oberbürgermeister ein solches gedrucktes PR-Organ des Rathauses nicht mehr. Diesen Dienst übernimmt bisweilen die Lokalzeitung, die „Passauer Neue Presse“. Die journalistische Leistung an der Leserschaft besteht zunehmend darin, Pressemitteilungen oder PR-Beiträge von Politik, Wirtschaft und Organisationen nahezu unverändert und ohne transparenten Hinweis auf den Urheber abzudrucken. Es wird der sogenannte Einstieg, der Beginn des Artikels, etwas abgeändert; es werden an manchen Stellen Kürzungen vorgenommen; es werden bestenfalls unverständliche Begriffe gegen verständliche getauscht. Mit dem Kürzel „red“ für Redaktion wird die Quelle getarnt oder ein Mitglied der Redaktion gibt seinen Namen her.

Sie glauben das nicht?

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Nahezu identischer Text der Rathauspresse, OB-Büro; Seite 1 von 3. (Quelle: Stadt Passau)
Der gestrige sogenannte Aufmacher, die große Geschichte im Auftakt des Lokalteils, war nichts anderes als eine vom Büro des Oberbürgermeisters vorgegebene Pressemitteilung, die anderntags an alle Medien ging. Dabei geht es um ein brisantes Thema, das viele Fragen herausforderte: Wie hat sich Passau vorbereitet, falls es zu einem längerfristigen Stromausfall kommt? Im Beitrag fällt auf: Es gab keine kritischen Rückfragen, es werden keine unangenehmen Tatsachen aufgedeckt. Der vom Rathaus vorgegebene Text beschränkt sich im Wesentlichen auf diese Neuigkeiten und Nachrichten: Die Stadtwerke werden mit 20 neuen, wie unsere Nachfrage ergibt, dieselbetriebenen Stromaggregaten ausgestattet, damit im Notfall die Pumpen für Trink- und Abwasser betrieben werden können. Das Klinikum sei unabhängig davon für alle Notfälle gerüstet.

Damit Sie sich über die journalistische Arbeit der Heimatzeitung ein Bild machen können, veröffentlichen wir hier im Wortlaut die Pressemitteilung des OB-Büros (Anm. d. Red.: wurde anderntags laut Rathaussprecher an alle Medien versandt) und fügen nach jedem Absatz den „exklusiven“ PNP-Text an.

Journalismus ist personal- und zeitaufwändig, mühsam und fehleranfällig. Vor allem bei Letztgenanntem nimmt sich diese Redaktion (1 Redakteur, 1 Teilzeitvolontär), die nur selbstgestrickte Texte verbreitet, nicht aus. Von der Lokalredaktion eines Großverlages (nach eigenen Angaben ein Medienkonzern mit 6.900 Beschäftigten) darf erwartet werden, dass anstelle der Tasten „Kopieren und Einfügen“ exzellente Eigenleistung erbracht wird. Hier ein Paradebeispiel, wie es an dieser mangelt:

RATHAUSPRESSE
Die Wahrscheinlichkeit für einen kompletten Stromausfall in Deutschland, also einen so genannten „Blackout“ gilt als eher gering. Trotzdem bereitet sich die Stadt Passau strukturell mit verschiedenen Szenarien für den Krisenfall vor...

PASSAUER NEUE PRESSE
Die Wahrscheinlichkeit für einen Blackout, den kompletten Stromausfall in Deutschland, gilt als eher gering. Und wenn doch? Dann will die Stadt Passau jedenfalls vorbereitet sein…

An dieser Stelle kaschiert der PNP-Redakteur danach mit dem Hinweis, das OB-Büro habe ihm aus einer nicht-öffentlichen Sitzung „wichtige Informationen für die Öffentlichkeit“ gegeben, dass er zu 98 Prozent einen vorgegebenen Text der Rathauspresse wiedergibt.

RATHAUSPRESSE
Oberbürgermeister Jürgen Dupper: „Es gibt keinen Anlass für Panik oder übertriebene Sorge. Wie auf anderweitige Not- oder Krisensituationen bereiten wir uns derzeit aber vor, um für die Passauerinnen und Passauer auch bei einem längerfristigen Stromausfall die wichtigsten Rahmenbedingungen zu sichern.
PASSAUER NEUE PRESSE
"Es gibt keinen Anlass für Panik oder übertriebene Sorge", betont OB Dupper in einer Erklärung. "Wie auf andere Not- oder Krisensituationen bereiten wir uns aber vor, um für die Passauer auch bei längerfristigem Stromausfall die wichtigsten Rahmenbedingungen zu sichern."

RATHAUSPRESSE
Wir nehmen die Informationen von Bund und Land in Bezug auf Blackouts und einer Gasmangellage durchaus ernst, beobachten die Entwicklung und treffen mit den erforderlichen Stellen alle möglichen Vorsorgemaßnahmen, um im Ernstfall gut gerüstet zu sein.“
PASSAUER NEUE PRESSE
Die Informationen von Bund und Land in Bezug auf Blackouts und Gasmangellage würden ernst genommen. "Wir treffen mit den erforderlichen Stellen alle möglichen Vorsorgemaßnahmen, um im Ernstfall gut gerüstet zu sein", so Dupper.

RATHAUSPRESSE
Ein „Blackout“ bezeichnet einen großflächigen und länger anhaltenden Stromausfall, der viele Menschen betrifft und schwierig zu beheben ist. Ein solch eher seltenes Ereignis hat es in Deutschland und Bayern seit Jahrzehnten nicht gegeben. Demgegenüber sind jedoch kürzere, regionale Stromausfälle in der derzeitigen Situation nicht ausgeschlossen. 
PASSAUER NEUE PRESSE
Blackout ist ein großflächiger, länger anhaltender Stromausfall, der viele Menschen betrifft und schwierig zu beheben ist. Ein solch seltenes Ereignis hat es in Deutschland und Bayern seit Jahrzehnten nicht gegeben. Kürzere regionale Stromausfälle sind aber in der derzeitigen Situation nicht ausgeschlossen.

RATHAUSPRESSE
Bei der Stadt Passau obliegt die Krisenplanung dem städtischen Katastrophenschutz, der insbesondere in den vergangenen Jahren viele verschiedene Sondersituationen koordiniert hat. Die Auswirkungen eines Blackouts unterscheiden sich jedoch erheblich von einer Hochwasserkatastrophe, einem Flüchtlingsstrom oder der Corona-Pandemie. Hier gilt es insbesondere auch ohne Stromnetz die Basisversorgung zu gewährleisten und die Bürgerinnen und Bürger umfassend zu informieren. Zudem erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit der Stadtwerke Passau GmbH, die einen wesentlichen Teil dieser kritischen Infrastruktur verantwortet. 
PASSAUER NEUE PRESSE
Die Krisenplanung der Stadt obliegt dem städtischen Katastrophenschutz, der in den vergangenen Jahren schon viele verschiedene Lagen koordiniert hat. Die Auswirkungen eines Blackouts sind allerdings erheblich anders als Hochwasserkatastrophe, Flüchtlingsstrom oder Pandemie. Für die Stadt gilt es vor allem, "auch ohne Stromnetz die Basisversorgung zu gewährleisten und die Bürger umfassend zu informieren". Dazu erfolge eine enge Zusammenarbeit mit den Stadtwerken, die einen wesentlichen Teil der kritischen Infrastruktur verantworten. Konkret nennt die Stadt an Maßnahmen, die getroffen oder in Arbeit sind:

RATHAUSPRESSE
Trinkwasserversorgung
Nach einem Stromausfall wird die Trinkwasserversorgung größtenteils noch durch die verschiedenen Hochbehälter für wenige Stunden leistungsfähig bleiben. Das Trinkwasser im Stadtgebiet wird grundsätzlich über Brunnenanlagen auf der Donauinsel Soldatenau gefördert. Von dort aus wird das Wasser zu den weiteren Pumpstationen geleitet, die wiederum weitere Stationen versorgen. Um eine flächendeckende Notversorgung sicherzustellen und dieses Leitungsnetz trotz der herausfordernden Topgraphie des Stadtgebiets aufrechtzuerhalten, wurde die Stadtwerke Passau GmbH beauftragt, ein Notstromaggregat mit 2,8 MVA Leistung und 19 weitere Aggregate mit einer Leistung zwischen 7 und 250 KVA zu beschaffen. Insgesamt ist dafür eine Investition von rd. 2 Mio. Euro erforderlich. Die Stadt Passau beteiligt sich daran mit 50 %. Zudem hat die Stadtwerke Passau eine Förderung im Rahmen des Wassersicherstellungsgesetztes beantragt. Die Bestellungen wurden bereit getätigt.
PASSAUER NEUE PRESSE
Trinkwasser
Nach einem Stromausfall wird die Trinkwasserversorgung zunächst großteils noch durch die verschiedenen Hochbehälter für wenige Stunden leistungsfähig bleiben. Das Trinkwasser im Stadtgebiet wird über Brunnenanlagen auf der Donauinsel Soldatenau gefördert und von dort zu Pumpstationen geleitet, die wiederum weitere Stationen versorgen. Um eine flächendeckende Notversorgung sicherzustellen und das Leitungsnetz trotz der herausfordernden Topgraphie (Anm. d. Red.: Der Tippfehler, korrekt Topographie, ist mit der Kopiertaste übernommen worden) des Stadtgebiets aufrechtzuerhalten, wurden die Stadtwerke beauftragt, ein Notstromaggregat mit 2,8 MVA Leistung und 19 weitere Aggregate zwischen 7 und 250 KVA zu beschaffen. Dafür ist eine Investition von zwei Millionen Euro erforderlich, die Stadt beteiligt sich mit der Hälfte. Zudem haben die Stadtwerke eine Förderung im Rahmen des Wassersicherstellungsgesetzes beantragt. Die Bestellungen sind bereits getätigt.

Anm. d. Red.: Der Autor erklärt nicht, was die Abkürzungen bedeuten, ordnet die Leistungsangaben nicht ein. Wie hoch ist der tägliche Strombedarf beispielsweise im Normalbetrieb, welchen Bedarf können die Generatoren decken? Womit werden sie betrieben? Wo werden diese Kraftstoffe gelagert oder betankt?

RATHAUSPRESSE
Klinikum Passau
Das Klinikum Passau verfügt über eine eigene Notstromversorgung. Der Großteil der Operationsräume und die Infrastruktur im Notbetrieb können somit bei einem anhaltenden Stromausfall vorübergehend weiterbetrieben werden. Die Wasserversorgung wird über die SWP sichergestellt.
PASSAUER NEUE PRESSE
Klinikum
Das Klinikum verfügt über eine eigene Notstromversorgung. Der Großteil der Operationsräume und die Infrastruktur im Notbetrieb können bei einem anhaltenden Stromausfall vorübergehend weiterbetrieben werden. Die Wasserversorgung wird über die Stadtwerke sichergestellt.

RATHAUSPRESSE
Abwasserversorgung
Aufgrund der geographischen Lage des Einzugsgebietes der Kläranlage Passau gibt es im Stadtgebiet 48 Pumpstationen, die größtenteils über Notüberläufe verfügen. Bei einem Stromausfall wird das Abwasser bei Vollfüllung des Pumpensumpfes über den Notüberlauf direkt in den Vorfluter abgeleitet und somit ein Rückstau im Kanalsystem verhindert. Für größere Pumpwerke ohne Notüberlauf ist eine Stromversorgung mit Notstromaggregaten möglich. Die wichtigsten Anlagenteile der Kläranlage Passau können ebenso im Notbetrieb betrieben werden.
PASSAUER NEUE PRESSE
Abwasser
Aufgrund der geographischen Lage des Einzugsgebietes der Kläranlage gibt es im Stadtgebiet 48 Pumpstationen, die größtenteils über Notüberläufe verfügen. Bei einem Stromausfall wird das Abwasser über den Notüberlauf direkt in den Vorfluter abgeleitet und somit ein Rückstau im Kanalsystem verhindert. Für größere Pumpwerke ohne Notüberlauf ist eine Stromversorgung mit Notstromaggregaten möglich. Die wichtigsten Anlagenteile der Kläranlage können ebenso im Notbetrieb betrieben werden.

RATHAUSPRESSE
Information für die Bürgerinnen und Bürger
Im Falle eines flächendeckenden Stromausfalls werden die üblichen Kommunikationswege wie Internet oder Mobilfunk sehr eingeschränkt bzw. nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Stadt Passau wird die Bürgerinnen und Bürger dann über mobile Lautsprecherdurchsagen durch die Feuerwehr und die Polizei informieren. Außerdem werden öffentliche notstromversorgte Infopunkte in allen Feuerwehrgerätehäusern und im Rathaus errichtet, um Anlaufstellen für alle Personen anzubieten. Dort werden außerdem Möglichkeiten für eine medizinische Notversorgung und für die Absetzung von Notrufen eingerichtet.Für hilfsbedürftige Personen, die aus verschiedenen Gründen bei einem Blackout nicht in ihrer Wohnung verbleiben können, wird derzeit die Möglichkeit einer Notunterkunft geprüft.
PASSAUER NEUE PRESSE
Information
Bei flächendeckendem Stromausfall werden die üblichen Kommunikationswege wie Internet oder Mobilfunk sehr eingeschränkt oder nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Stadt wird die Bürger dann über mobile Lautsprecherdurchsagen durch Feuerwehr und Polizei informieren. Außerdem werden öffentliche notstromversorgte Infopunkte in allen Feuerwehrgerätehäusern und im Rathaus errichtet, um Anlaufstellen für alle Personen anzubieten. Dort werden außerdem Möglichkeiten für eine medizinische Notversorgung und zum Absetzen von Notrufen eingerichtet.

Anm. d. Red.: Aus dem letzten Satz der Rathauspresse bildet der PNP-Redakteur einen eigenen Absatz, da ihm möglicherweise bewusst geworden ist, dass der Aspekt „Wärmestuben“ für Menschen, bei denen die Heizung ausgefallen ist, wichtig sein könnte und hervorgehoben werden müsste.

PASSAUER NEUE PRESSE
Notunterkunft
Für hilfsbedürftige Personen, die bei einem Blackout nicht in ihrer Wohnung bleiben können, wird derzeit die Möglichkeit einer Notunterkunft geprüft.

RATHAUSPRESSE
Die Stadt Passau steht mit den weiteren Stellen der kritischen Infrastruktur (z. B. Rettungsdienste, ILS, Polizei etc.) in engem Austausch. Bei einem ersten Vorbereitungstreffen mit allen relevanten Stellen wurde das Thema bereits behandelt und das Vorgehen abgestimmt. Im Falle eines Blackouts wird umgehend ein entsprechender Krisenstab eingerichtet, der von Oberbürgermeister Jürgen Dupper geleitet wird. Von dort aus werden die entsprechenden Einsätze auf Grundlage der getroffenen Vorbereitungen koordiniert. Hinweise für die Bevölkerung für eigene Vorsorgemaßnahmen können beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe angefordert bzw. unter www.bbk.bund.de entnommen werden.
PASSAUER NEUE PRESSE
Krisenstab
Mit den weiteren Stellen der kritischen Infrastruktur wie Rettungsdienste, Leitstelle und Polizei steht die Stadt in engem Austausch. Bei einem Blackout wird umgehend ein Krisenstab eingerichtet, den der OB leitet. Von dort werden die Einsätze auf Grundlage der getroffenen Vorbereitungen koordiniert.

Anm. d. Red: Der Hinweis auf die Seite des Bundesamtes für Katastrophenschutz wurde gestrichen.
Anstelle von Transparenz, der Leserschaft beispielsweise zu verdeutlichen, dass es sich um einem nahezu wörtlich übernommen Beitrag der Rathauspresse handelt und - falls dem so ist – kritische Rückfragen nicht zugelassen worden sind, verleiht die PNP dem Beitrag einen Anstrich von Exklusivität: Sie gibt ihn im Netz als Plus-Artikel nur zahlenden Leserinnen und Lesern frei.

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