Mittwoch, 07. Dezember 2022
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Passauer Land >> Mittwoch, 09. November 22

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Schweigeminute am Gedenkstein des NS-Mahnmals. (Foto: François Weinert/ mediendenk)
Erinnerungskultur

Passau: Platz-Taufe zum Gedenken an Opfer des Nationalsozialismus

Die Stadt Passau hat heute Mittag einen Antrag erf├╝llt, den vor 75 Jahren die Hauptbetreuungsstelle f├╝r Verfolgte des NS-Terrors an den Stadtrat gestellt hatte: "einen Platz oder eine Stra├če in Passau (Ludwigsplatz, Ludwigstra├če) in den `Platz der Opfer des Faschismus` umzubenennen."

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Die Stadt Passau hat einen neuen Platz benannt. (Foto: Fran├žois Weinert/ mediendenk)
Die Platztaufe wurde einer gepflasterten Fl├Ąche an der Innpromenade zuteil, auf der seit 26 Jahren eine gitterartige Skulptur aus sechs Stahlpfeilern, je 7,40 Meter hoch, errichtet ist; erkl├Ąrend beigef├╝gt ein kniehoher beschrifteter Granitw├╝rfel: "Den Opfern der nationalsozialistischen ÔÇĘGewaltherrschaft - Die B├╝rger der Stadt Passau 1996".

An diesem Mahnmal h├Ąlt die Passauer Gesellschaft zweimal im Jahr Gedenkstunden ab: am 9. November, dem Jahrestag des Beginns der systematischen Verfolgung, Vertreibung und Ermordung der j├╝dischen Bev├Âlkerung, er j├Ąhrt sich heute zum 84. Mal; am 27. Januar, dem bundesweiten Gedenktag f├╝r die Opfer des Nationalsozialismus.

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Lehrerin Monika Fecher hat mit ihrer Schulklasse die Gestaltung der Gedenkfeier ├╝bernommen. (Foto: Fran├žois Weinert/ mediendenk)
An der heutigen Gedenkstunde zur Reichspogromnacht, bei der Oberb├╝rgermeister J├╝rgen Dupper das Namensschild "Platz f├╝r die Opfer des Nationalsozialismus" enth├╝llte, nahmen rund 100 B├╝rgerinnen und B├╝rger teil; darunter vor allem politische Vertreter von Stadt und Land. Die Feier wurde von Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern des Auersperg-Gymnasiums in Passau-Freudenhain gestaltet. Sie erz├Ąhlten beispielhaft vom Schicksal verfolgter Menschen in der NS-Zeit, auch solcher, die keiner j├╝discher Abstammung waren, aber sich mutig gegen Hitlers Gewaltregime stellten.

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Linke Aktivisten sorgen zu Beginn der Gedenkfeier f├╝r Irritation, als sie am Haus gegen├╝ber ein Transparent entfalten. (Foto: Fran├žois Weinert/ mediendenk)
An einem Haus gegen├╝ber des neu bezeichneten Platzes spannten vermummte linke Aktivisten zwischen zwei Fenstern ein Transparent "Kein Gedenken mit Nazis!". Auch die jungen Mitwirkenden des Gymnasiums seien ├╝ber die Aktion irritiert gewesen, sagte der OB am Rande der Gedenkfeier. Die Botschaft war wohl - was sich den wenigsten erschlossen haben d├╝rfte - an ein bestimmtes Landtagsmitglied des rechten Spektrums gerichtet, das in vorangegangenen Gedenkfeiern am NS-Mahnmal mit in der ersten Reihe stand.

Es waren heute Vertreter aller Rathausparteien zugegegen, au├čer den Mitgliedern der AfD. Ob das Rathaus die Empf├Ąngerliste der Einladungen angepasst, konkrete Personen ausgenommen habe, wollte der Oberb├╝rgermeister auf Anfrage nicht best├Ątigen. Gleichwohl, angepasst an das Ereignis, sei der Kreis der Geladenen unterschiedlich, erkl├Ąrte er.

Oberb├╝rgermeister J├╝rgen Dupper lie├č in seiner Rede aufhorchen, als er von einer neuen Art von Judenfeindlichkeit warnte, die von Zuwanderern ausgehe. Es gibt konkrete Hintergr├╝nde: Es war zuletzt zu drei Freveltaten am NS-Mahnmal gekommen. Der Gedenkkranz der Stadt Passau wurde in den Fluss geworfen, mit Schmierereien verunstaltet die Skulptur. Bei den ermittelten T├Ątern, so Dupper, habe es sich jeweils um das von ihm angesprochene Klientel arabischer Herkunft gehandelt. Nichtsdestotrotz verbiete sich eine pauschale Verurteilung.