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Radiologe Dr. Stefan Braitinger. (Foto: Christian Franz)
Kolumne von Dr. Braitinger

D√ľstere Echokammern

Bestimmte Kr√§fte teilen im Netz falsche Erz√§hlungen, um das Klima zu vergiften. Ein Gratisblatt mischt mit Gedrucktem mit: Kolumnen wei√ü auf schwarz. Wir baten einen kritischen Beobachter, Mediziner Dr. Stefan Braitinger, f√ľr uns eine Kolumne zu schreiben.Es ist gef√§hrlich, wenn Medizin zum Lieblingsthema querdenkender Pseudoaufkl√§rer wird.

Dieser Beitrag erschien im Heft Nr. 143, März 2021.

Selbst Teil eines systemrelevanten medizinischen Dienstleisters, kann ich nur aufmerksam werden, wenn medizinische Themen als Steigb√ľgelhalter f√ľr die Demontage zivilen Zusammenhaltes und des demokratischen Grundkonsenses missbraucht werden.

Stirnrunzelnd bleibe ich an aufdringlichen Kassandrarufen h√§ngen. Tobt doch eine Stimme inmitten des Passauer Bl√§tterwaldes, die, in journalistische Sprache geh√ľllt, Hassrede und Falschinformation verbreitet. Folge ich dieser Spur, finde ich mich pl√∂tzlich in einer von Schm√§hsprache gepr√§gten Argumentationswelt wieder. Diese Welt ist sehr klein - eine d√ľstere, enge Echokammer, in der kakophones Wortgeklingel um den aktuellen Kanon an Verschw√∂rungstheorien widerhallt.

In einer zusammengebastelten Faktenwelt wird das sogenannte Kliniksterben - die Schlie√üungen - als unverhohlener Akt politischen Schwachsinns angesprochen. Kein Wort zu den wahren Hintergr√ľnden, die sich vor allem mit den Fragen von Effektivit√§t und Effizienz medizinischer Versorgung in einem bedarfsgerechten modernen Ma√üstab versorgungspolitisch besch√§ftigen m√ľssen.

Die aktuelle Pandemie zeigt, unsere Krankenhausversorgung ist exzellent und hat bisher gehalten, gerade weil ärztliches und nichtärztliches Personal Großartiges leistet. Die Krankenhäuser sind auf ihrem Reformweg schon vorangekommen.

Vergessen wir nicht, das Standhalten ist ihre Aufgabe. Allerdings zu erwarten, dass eine Krankenhausstruktur existiert, die eine Pandemie locker federt und ansonsten auch noch alle anderen Versorgungsaufgaben meistert, diese Vorstellung bleibt Amateuren vorbehalten. Tatsache ist, wir stehen vor schwerwiegenden ungel√∂sten Problemen. Ad√§quater Ausbau der Pflege und gerechte Entlohnung sind Beispiele. Aber, hier Verbindungen zur Pharmalobby herzustellen und den Gesundheitsminister als ferngesteuerte, zynische, kost√ľmierte Lobbyisten-Marionette darzustellen, ist abstrus.    

Besonders sch√§dlich f√ľr den gesellschaftlichen Zusammenhalt und notwendiges konsequentes Verhalten sind die nun wahrlich falschen Behauptungen, Lockdown-Ma√ünahmen zeigten keine Wirkung und auch die Maskenpflicht sei purer Bl√∂dsinn. Derart b√∂sartige Falschbehauptungen m√∂gen den Zweck haben, zersetzend zu wirken. Das erste Opfer dieser Agitation ist die sorgf√§ltig recherchierte Information.

Vielfalt im Journalismus, das brauchen wir. Sachliche Informationen zu ernsten Themen, nat√ľrlich und gerade auch Meinungsfreiheit. Doch wir leben aktuell in einer Zeit, in der eine Fehlinformation der Bev√∂lkerung gef√§hrliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen und den weiteren Verlauf der Pandemie nach sich ziehen kann.
Was wir nicht brauchen, ist eine Agitation aus der Welt der Verschw√∂rungstheorien, die sich unwidersprochen in einer gossenartig aufgeplusterten Sprache breit machen darf.        

Der Kolumnist
Radiologe Dr. Stefan Braitinger, Jahrgang 1956, ist Gr√ľndungsmitglied und Gesch√§ftsf√ľhrer eines bayernweiten Dienstleisters, Bestandteil der √∂ffentlichen Gesundheitsversorgung.    
       

     

 
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