Dienstag, 19. Januar 2021
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Leid und Not in Kroatien

Jetzt auch noch Erdbeben

‚ÄěKlar, jetzt auch noch Erdbeben.‚Äú

Alexander Augustin ist Sportredakteur bei der Heimatzeitung. Auf Twitter schreibt er weniger Berufliches, mehr Satirisches und Humorvolles. Heute um 12.36 Uhr tippte er den Text, den Sie oben lesen. W√§hrend seine Freunde noch r√§tselten, was er meinte, schickte er drei Minuten sp√§ter die Aufl√∂sung hinterher. Eine Meldung des Erdbebennachrichtendienstes: ‚ÄěSchweres Beben in Kroatien. Sp√ľrbar im S√ľden von Bayern‚Äú - und seine eigene Anmerkung: ‚ÄěWir haben uns gerade alle ungl√§ubig angeschaut, als pl√∂tzlich das Passauer Medienzentrum zu wackeln begann.‚Äú

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Aktuelle (rot) und vergangene Beben (grau) an der Ostk√ľste und im Hinterland der Adria. Die blauen Linien markieren die tektonischen Bruchkanten.
Am heutigen Mittwoch, eine halbe Stunde nach dem Mittagsgel√§ut: Mit St√§rke 6,4 auf der Richterskala sch√ľttelt sich 400 Kilometer von uns entfernt im Hinterland von Zagreb die Erde. Ein Grollen wie Donner. Staubwolken w√§lzen sich durch die Stra√üen der Kleinst√§dte Petrinja und Sisak. Dutzende alte H√§user st√ľrzen in sich zusammen. D√§cher brechen ein. In schwankenden Kircht√ľrmen beginnen die Glocken zu l√§uten. Herabfallende Tr√ľmmer begraben vorbeifahrende Autos und treffen ein zw√∂lfj√§hriges M√§dchen. Es wird als erstes Todesopfer gemeldet, bis zum Abend gelten f√ľnf Menschenleben als verloren. Die Insassen der versch√ľtteten Fahrzeuge k√∂nnen gerettet werden, darunter ein kleiner Bub. Helfer haben mit blo√üen H√§nden Ziegelsteine abgetragen, Holzbalken weggeschleppt.

Die B√ľrgermeister der beiden betroffenen St√§dte geben gerade Pressekonferenzen, als das Ungl√ľck hereinbricht. Der eine auf der Stra√üe, der andere in einem Saal. Als Mikrofonstative und Redepult schwanken, W√§nde knarzen, brechen die Kameraleute ab und bringen sich mit den Interviewten in Sicherheit. √Ąhnliche Szenen spielen sich bei einer Parlamentssitzung in Ljubljana ab. Ein Video zeigt eine Landstra√üe irgendwo auf den D√∂rfern, im Asphalt klaffen parallel mehrere Gr√§ben, metertief und zwei Handbreit breit.

Der ORF-Osteuropa-Experte Christian Ferdinand Wehrsch√ľtz zitiert den B√ľrgermeister von Petrinja, Darinko Dumbovic: ‚ÄěDas ist wie Hiroshima, die halb Stadt gibt es nicht mehr. Ich befinde mich derzeit bei dem toten M√§dchen, und wir warten auf Hilfe.‚Äú  

An den Aufr√§umungsarbeiten in dem 24.000-Einwohner-St√§dtchen Petrinja und anderen betroffenen Orten beteiligen sich Streitkr√§fte, Feuerwehr und Zivilschutz. ‚ÄěNach vorl√§ufigen Sch√§tzungen wurden in den St√§dten Petrinja, Gline und Sisak 1.000 Wohnh√§user besch√§digt‚Äú, schreibt Wehrsch√ľtz.

Ein TV-Reporter wird - ab Minute 1.10 - von einem Nachbeben erschreckt.

Schwer besch√§digt wurde in der 47-000-Einwohner-Stadt Sisak der alte Teil des Krankenhauses. 250 Patienten m√ľssen verlegt werden, unter erschwerten Bedingungen, denn bei 100 handelt es sich um Corona-Erkrankte. Der Strom ist ausgefallen. Die medizinischen Kr√§fte arbeiten mithilfe der Beleuchtung ihrer Mobiltelefone.

Zur Pandemie: In Kroatien, vier Millionen Einwohner, sind bei mehr als eine Million Corona-Tests √ľber 200.000 Menschen positiv getestet worden. Am Virus gestorben sind 3.800, das entspricht im Vergleich zu Deutschland einer mehr als doppelt so hohen Todesrate.

Im benachbarten Slowenien ist das Atomkraftwerk Krsko, Luftlinie vom Epizentrum 80 Kilometer entfernt, automatisch abgeschaltet worden.

Das Erdbeben ist das zweite, das Kroatien während der Corona-Pandemie getroffen hat. Zuletzt am 22. März, damals in Zagreb mit Stärke 5,4. Gestern gab es zwei Erdstöße im jetzigen Zerstörungsgebiet, die allerdings keine Schäden verursachten. Ein Dutzend Nachbeben erschreckten die Menschen bis zum Abend.

Die Twitter-Nachricht von Sportredakteur Augustin aus dem Passauer Medienzentrum ist dem Korrespondenten des Bayerischen Rundfunk ins Auge gestochen. Er findet mehrere Zeugen, die belegen, dass ein Ausl√§ufer der Erdbebenwelle deutlich im Passauer Westen zu sp√ľren war. Dies f√ľhrte zu dieser Radiomeldung.

Die sogenannte Adriatische Platte, geologisch ein Minikontinent in der Form eines Sporns, routiert gegen den Uhrzeigersinn und dr√ľckt auf die Eurasische Platte. Dies l√∂ste die schweren Erdbeben von Friaul 1976, bei der Passauer Feuerwehrleute als Katastrophenhelfer mitwirkten, das Erdbeben in Montenegro 1979 sowie die genannten Erdbeben aus.

√úberwachungskameras in Superm√§rkten fangen Szenen ein, wie Ware aus den Regalen st√ľrzt, Verk√§uferinnen, Kassierinnen und Kunden ins Freie fl√ľchten:

Eine Video√ľberwachung zeigt, wie beim Beben ein Paar ins Freie fl√ľchtet und sich tr√∂stet. Ein junger Mann eilt herbei, um eine √§ltere Angeh√∂rige aus dem Haus zu holen.

Ein junger Mann wird beim Gitarrenspiel von den Erdst√∂√üen √ľberrascht.

Aufr√§umarbeiten in den Tr√ľmmerfeldern:

Zusammenfassung des öffentlich-rechtlich kroatischen Fernsehens HRT

 
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