Dienstag, 19. Januar 2021
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Lokalnachrichten >> Donnerstag, 24. Dezember 20

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"Stille Nacht": Bei der Freiluftmesse im Klosterhof zu Mariahilf erklingt das Schlusslied; rechts Michael Beck, Leiter der Diözesanbläser. (Foto: mediendenk)
Weihnachten in Seuchenzeiten

Freiluftmesse auf Mariahilf, Pontifikalamt via Bildschirm aus dem Dom

Vier Dutzend GlĂ€ubige haben bei den Paulinermönchen auf Mariahilf die Ersatz-Christmette im Freien gefeiert. Das Pontifikalamt aus dem Dom wurde ab 22 Uhr als Aufzeichnung ins Netz ĂŒbertragen.

„Nehmen Sie die Weihnachtsbotschaft all denen mit nach Hause, die nicht kommen konnten oder möchten“, sagt Pater Thomas Wieczorek. Er zelebriert den Gottesdienst vom Freiluftaltar, einem Marienaltar, der gegenĂŒber dem Eingang zur Wallfahrtstreppe liegt.

Die meisten Gottesdienstbesucher haben einen Schirm mitgebracht, aber sie brauchen ihn nicht, denn bis auf einige wenige Tropfen bleibt es trocken. Der Großteil der GlĂ€ubigen findet auf zwölf BierbĂ€nken unter großen Schirmen Platz, weitere GrĂŒppchen stehen verstreut mit Abstand im Klosterhof. Die Mönche haben die Seuchenschutzregeln sehr strikt umgesetzt.    

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Paulinerpater Thomas Wieczorek zelebriert die Christmette vom Marienalter im Innenhof. (Foto: mediendenk)
Die Mitglieder vom Chor und von den BlechblĂ€sern unter der Leitung von Michael Beck verteilen sich in großem Abstand auf dem GelĂ€nde, die Posaunisten und Trompeter stehen wie im Spalier in den Bögen des Kreuzgangs an der Einfahrt, die SĂ€ngerinnen nahe dem Freiluftaltar und eine Solistin an der Krippe gegenĂŒber.

Damit die Menschenansammlungen geringgehalten werden und die Besucher rechtzeitig vor der Ausgangssperre Zuhause sind, waren zwei Weihnachtsmessen angesetzt worden, um halb 5 und um 7 Uhr. Sie werden bewusst kurzgehalten, um die Ansteckungsgefahr zu verringern, nach weniger als einer Stunde erteilt der Priester den Schlusssegen.

Freiluftgottesdienste im kleinen Kreis sind in der Seuche eine lebendige Alternative zur BildschirmĂŒbertragung. KirchenmĂ€nner zeigen sich landesweit einfallsreich und flexibel. Die Tagesschau berichtet von einem Pastor, der vom Flachdach seines Gemeindehauses die Weihnachtsbotschaft per Lautsprecher verkĂŒndet; gerade so, wie die Muezzins von ihren Minaretten aus zum Gebet rufen. Die Dorfbewohner lauschen an offenen Fenstern.

Um 22 Uhr, eine Stunde nach Ausgangssperre, lĂ€uten alle Passauer Kirchenglocken stĂŒrmisch eine Viertelstunde lang. Sie rufen zum Pontifikalamt mit Bischof Stefan Oster, das - um 18 Uhr aufgezeichnet - als Wiederholung im Netz ĂŒbertragen wird.

„Ich habe mich danach gesehnt, dass wir ankommen, in dieser herausfordernden und schwierigen Zeit“, beginnt Bischof Oster seine BegrĂŒĂŸung. Seine Stimme klingt hörbar bedrĂŒckt, ja leicht angeschlagen in all seinen Reden an diesem Abend.

"Das Virus scheint sich wie eine dunkle Wolkendecke ausgebreitet zu haben“, sagt er. Pandemie, das klinge wie DĂŒsternis. Wer könne noch feiern, wenn so viele nicht gemeinsam feiern können? In Altenheimen, KrankenhĂ€usern und Wohnungen seien Menschen einsam und „Umarmungen fallen flĂ€chendeckend aus.“

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Im DomgestĂŒhl treffen sich die GlĂ€ubigen nach Familien getrennt mit Abstand. (Quelle: Niederbayern TV)
Das Virus verschĂ€rfe die bestehenden Krisen: die Umweltkrise, die Krise der weltweiten Migrationsbewegungen, die Krise der Demokratie - und die Krise der Kirche. Der Bischof fragt: Wenn die Kirche in der Krise ist, glaubten die Menschen dann noch an Weihnachten, an das Licht des Erlösers?

In der Krise zeige sich, dass die Guten besser und die Schlechten noch schlechter werden, sagt Oster. WĂ€hrend einerseits die SolidaritĂ€t wachse, nĂ€hmen andrerseits Ausbeutung und Marginalisierung der Schwachen zu. „Und mir scheint, dass auch die Dummheit nicht weniger wird.“

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Bischof Stefan Oster in seiner Weihnachtspredigt: Er selbst sei auch anfangs der falschen Schönheit nachgelaufen. (Quelle: Niederbayern TV)
Oster sieht die Pandemie aber als Chance zu neuer Erkenntnis. „Kann es sein, dass wir Weihnachten nur mehr fĂŒr den Ă€ußeren Putz und Kommerz gelebt, noch mehr kĂŒnstliche Lichter angezĂŒndet haben, Ă€ußere Umtriebigkeit, um zu verdecken, dass von innen gar nicht mehr so viel in uns leuchtet?“, fragt er. Könne es sein, dass wenn das alles wegfĂ€llt, wir uns die Frage wieder stellen, was Weihnachten eigentlich bedeute? Sicher ist er sich nicht, denn er schiebt den Satz hinterher: „LĂ€sst die Krise also den Glauben wachsen oder lĂ€sst sie ihn erst recht verdunsten?“

Wirkliche Schönheit, die berĂŒhre, leuchte wie Weihnachten von innen, war seine Botschaft. Wie er selbst anfangs der falschen Schönheit erlegen ist, hatte er zu Beginn seiner Predigt mit persönlichen Worten erzĂ€hlt: "Als junger Kerl habe ich mich besonders fĂŒr schöne MĂ€dels interessiert, aber festgestellt, dass ich diejenigen, die am meisten Geld und MĂŒhe in ihre Schönheit investierten, irgendwann gar nicht mehr so schön fand.“ Sie erschienen ihm wie eine “herausgeputzte Fassade, innerlich blass, ichbezogen, selbstinteressiert und damit uninteressant.“

Als Schlusslied stimmten Chor und Orchester im Dom das "Oh Du fröhliche" an. Die "Stille Nacht", welches die Freiluftmette auf Mariahilf beendete, erklang nicht.

Um 14.30 Uhr hatte die Altstadtpfarrei auf dem Domplatz eine Senioren-Christmette abgehalten, um 16 Uhr ein Kinderkrippenspiel.

 
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