Dienstag, 11. August 2020
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Braune Terror-Zelle

Mannichl: "Ich kam sofort ins Nachdenken"

Passau / Zwickau/ Augsburg – Sie schickten harmlose Briefbombenattrappen an Medien und Polizei, sie erschossen heimtückisch neun Ausländer und eine Polizistin. So stellt sich die Bandbreite der Verbrechen von 1997 bis heute dar, welche einem rechtsextremen Terror-Trio aus Sachsen nach bisheriger Spurenlage angeheftet werden. Die Tatorte verteilen sich über das gesamte Bundesgebiet – und auch der ungeklärte Fall Mannichl rückt wieder in den Fokus.

„Natürlich kam ich sofort ins Nachdenken, da wäre ich ein schlechter Polizist“, sagte Alois Mannichl heute auf Anfrage. Er hat die Passbilder der beiden Neonazis in der Zeitung gesehen. Könnte einer davon auch sein Täter gewesen sein? „Ich werde mich nicht in den Medien äußern, bevor die Ermittlungsbehörden offiziell an mich herangetreten sind“, bleibt er die Antwort schuldig. Er ist noch nicht befragt worden. „Bisher hat noch keiner mit mir Kontakt aufgenommen“.

Ein Pressespecher des Bayerischen Landeskriminalamtes: "Es wird jetzt geprüft, in wie weit Bezüge hergestellt werden können". Die Sonderkommission sei im Mai aufgelöst worden, werde aber nicht mehr aktiviert.

Waren Mitglieder dieser gefährlichen braunen Zelle aus Sachsen zum Beispiel im Juli 2008 bei der Beerdigung des 79-jährigen Alt-Nazis Friedhelm Busse, einem rechten Idol. Nachdem eine Fahne mit dem verbotenen Hakenkreuzsymbol auf dem Passauer Friedhof niedergelegt worden war, kam es unter Einsatzleitung von Polizeichef Mannichl zu mehreren Festnahmen. Der Vorfall löste damals Diskussionen über ein NPD-Verbot aus, weil der Parteichef selbst in der ersten Reihe stand.

Ein halbes Jahr später, am 13. Dezember 2008, wurde der Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl vor seiner Wohnungstür mit einem Messer angegriffen und erlitt einen Bauchstich, laut seinen Angaben von einem Täter mit rechtem Hintergrund. Bevor dieser zustach, soll der Satz gefallen sein: „Schöne Grüsse vom nationalen Widerstand. Du trampelst nimmer auf den Gräbern unserer Kameraden herum!“ Der Fall ist bis heute ungeklärt.

Das rechtsextreme Trio aus Sachsen, die beiden tot aufgefundenen Uwe M. und Uwe B sowie ihre in U-Haft schweigende Komplizin Beate Z., gibt den Ermittlern viele Rätsel auf. Es sind gerade diese ungewöhnlichen Fakten und Umstände, die auch für die mysteriöse Messerattacke auf den Passauer Polizeichef sprechen.

  • Die Verbrechen wurden anscheinend planlos verübt, die Opfer willkürlich ausgewählt.
  • Alle Taten wurden am helllichten Tage und nicht nachts verübt – das erhöht den Schrecken.
  • Es wurden nie Bekennerbriefe geschrieben, auch Gleichgesinnte wurden nicht eingeweiht. Das machte es den Ermittlern fast unmöglich, an Hinweise zu kommen.
  • Auf DVDs, die im abgebrannten Wohnhaus des Trios gefunden wurde, erklären die beiden Neonazis laut einem „Spiegel-Bericht“, ihre Gruppe sei ein „Netzwerk von Kameraden mit dem Grundsatz Taten statt Worte“. In der "Bild am Sonntag" wird ein Ermittler zitiert, dass es auf jeden Fall weitere "Unterstützer" in dieser braunen Zelle gab, die sich "nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) nennt. Eine vierte Person wurde festgenommen. 

Mannichl hat sich mit seinen energischen Einsätzen gegen die rechte Szene in Passau hervorgetan. Der Verfassungschutz hat nach dem Attentat auf den niederbayerischen Polizeichef behauptet, man habe eine lückenlose Kenntnis von allen relevanten Mitgliedern der rechtsextremen Szene. Mannichl wurde damit indirekt unglaubwürdig gemacht.  Hinzu kam, dass alle großen Agenturen und Medien Mannichls Täterbeschreibung falsch wiedergaben (Phantomzeichnung), weil sie ihm irrtümlich Angaben einer anderen Zeugin unterschoben.

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