Dienstag, 20. April 2021
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Lokalnachrichten >> Donnerstag, 08. Oktober 09

Provinzieller Medienkrieg

BĂĽrgerblick und die PNP-Verlegerin

Passau – Das Passauer Stadtmagazin Bürgerblick wird heute in vielen Münchner Zeitungen zitiert, weil es ein Exklusiv-Gespräch mit dem Polizisten veröffentlichte, der knapp einem Mordanschlag entkam. Jetzt will er sich öffentlich bis zum Prozess nicht mehr äußern. Möglicherweise hat ihm sein Dienstherr einen Maulkorb verpasst. Die PNP-Kollegen müssen wegen einer Anordnung der Verlegerin den Bürgerblick-Bericht umgehen.

Während auch der Bayerische Rundfunk mit einem mehrmaligen Verweis auf das lokale Stadtmagazin das erste Gespräch des verletzten Polizeibeamten aufgreift, stecken die Journalisten der Verlagsgruppe Passau (PNP, Am Sonntag) im Dilemma: Die Verlegerin hat verboten, das Lokalmagazin Bürgerblick zu nennen oder zu zitieren. Bürgerblick und das herausgebende Pressebüro mediendenk wird quasi totgeschwiegen wie zu frühreren Zeiten das missliebige Scharfrichterhaus (linke Kabarettistenszene). „Ein Wunder ist das nicht“, sagt ein PNP-Journalist. Bürgerblick berichtete auch schon mal mit provokativen Schlagzeilen wie „Dorfmafia aus CSU und PNP“.

Verlegerin Simone Tucci-Diekmann ist offensichtlich immer noch verärgert, dass der unabhängige Bürgerblick die Personalpolitik ihres Hauses an den Pranger gestellt hat und immer wieder Interna preisgibt – auch online: Die virtuelle Hetze erfreut sie nicht.

Nichtsdestotrotz hat Bürgerblick der PNP mitgeteilt, dass mit Quellenangabe das Gespräch mit dem Polizeibeamten kostenlos verwendet werden darf. Es wird nicht passieren (siehe morgige Ausgabe), weil die Redakteure nicht das Sagen haben.

Mit einem kleinen Trick arbeitete der Lokalsender UnserRadio, an dem die Verlagsgruppe beteiligt ist: Als der Bürgerblick-Herausgeber in einem Journalistenkurs zu Schulungszwecken eine Telefonkonferenz mit dem im Fokus der Medien stehenden Polizeibeamten herstellte, bedient man sich eines Trittbrettfahrers: Der Sender behauptet auf seiner Online-Seite dann prompt, ein Radiomitarbeiter habe ein Gespräch mit dem Polizeibeamten geführt. Die Quelle „Bürgerblick“ nennt man auch hier geflissentlich nicht.

In Passau kocht wegen "Bürgerblick" ein putziger Provinzkrieg der Medien.

 
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