Friday, 23. January 2026
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Leerstehende Häuser: Passau, Theresienstraße. (Foto: mediendenk)
Fakten zur Pestel-Studie

Wohnungsnot und Leerstand: Warum die Neubau-Debatte zu kurz greift

Passau/ Berlin - Heute diskutiert der Deutscher Bundestag über „Schrottimmobilien“ – während die Tagespresse eine Studie verbreitet, die vor allem eines fordert: Neubau. Wie belastbar diese Zahlen sind und was sie ausblenden, zeigt der Blick nach Bayern.

Der „Soziale Wohn-Monitor 2026“ des Pestel-Institut beziffert den Fehlbedarf im Freistaat auf 233.000 Wohnungen. Auftraggeber ist das „Bündnis Soziales Wohnen“, ein Zusammenschluss unter anderem aus Deutschem Mieterbund und IG BAU. Die Stoßrichtung ist klar: mehr Neubau, insbesondere im sozialen Wohnungsbau.

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Ohne Einordnung: Wohnungsstudie. (Quelle: PNP)
Anschaulicher wird der Befund in der Pro-Kopf-Betrachtung. In Bayern fehlen rechnerisch etwa 18 bezahlbare Wohnungen je 1.000 Einwohner, in Nordrhein-Westfalen rund 21 je 1.000. Der Mangel ist geringer, als es die absoluten Zahlen vermuten lassen. Für Passau läge dieser Wohnungsmangel statistisch bei knapp 1.000. Das Rathaus kann allerdings wegen der vielen Neubauten der letzten Jahre keine „Wohnungsnot“ erkennen – und hat das Instrument der Mietpreisbremse verhindert. Der Mieterschutzbund kritisierte dies scharf.

Ein zweiter Blick verändert das Bild deutlich. Der Zensus 2022 weist für Bayern rund 300.000 leerstehende Wohnungen aus. Kurzfristig beziehbar waren davon etwa 87.000. Rein rechnerisch ließe sich damit rund ein Drittel des von Pestel ausgewiesenen Fehlbedarfs decken – ohne Neubau. Der Leerstand wurde damals für Passau mit 5,66 Prozent angegeben.

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Verwahrloste Häuser: Passau, Große Klingergasse. (Foto: mediendenk)
Genau diesen Widerspruch griff heute auch das ARD-Morgenmagazin auf. Bürgermeister schilderten dort das gleiche Problem: hoher Bedarf auf der einen Seite, leerstehende oder blockierte Immobilien auf der anderen – und zu wenige rechtliche Instrumente, um Eigentümer zur Nutzung zu bewegen. Die Blockierer wehrten sich zudem mit Klagen, wenn gegen Leerstand oder Verfall vorgegangen. Das könne „ewig“ dauern, wie ein Bürgermeister deprimiert feststellte.

Die Tagespresse druckt die Pestel-Zahlen ohne Einordnung ab. Leerstand, regionale Unterschiede und Interessenlage des Auftraggebers bleiben unerwähnt. Ebenso fehlte die Einordnung, als „Pestel“ im Vorjahr aufzeigte: 1.300 Wohnungen würden in Passau fehlen, 810 stünden seit mehr als einem Jahr leer. Auch wenn die Auftraggeber der Studien nicht genannt werden: Es gibt eine lange Tradition von Pestel-Studien im Auftrag des „Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel“ und der „Deutschen Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau“.

Zwei Einschränkungen bleiben: Nicht jeder Leerstand liegt dort, wo die Nachfrage hoch ist, und viele Gebäude sind sanierungsbedürftig. Politisch aber ist die Schlussfolgerung eindeutig: Die Wohnungsnot ist nicht nur ein Bauproblem. Sie ist auch ein Bestandsproblem.

In Passau beschränkt sich das „Leerstandsmanagement“ vor allem auf Ladenflächen, auf die Wirtschaft.

Während vielerorts über fehlende Neubauten geklagt wird, steht heute im Deutscher Bundestag ein anderes Stichwort auf der Tagesordnung: Leerstand – verhandelt unter dem Label „Schrottimmobilien“. Zwei Anträge von Grünen und Linken zielen darauf, verwahrloste, leer stehende oder spekulativ gehortete Gebäude zu erfassen, Kommunen mehr Eingriffsrechte zu geben und ungenutzten Wohnraum wieder dem Markt zuzuführen. Bevor der nächste Baukran gefordert wird, lohnt der Blick auf das, was längst da ist – aber leer steht.

red