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Bayern >> Freitag, 24. Juli 09

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Schwere Vorwürfe gegen den österreichischen Möbelriesen XXXLutz: ver.di-Chef Frank Bsirske trat in Passau vor die Medien. (Photo: Köhler/ mediendenk)
Aufstand gegen XXXLutz

Gewerkschaft hat Ottfried Fischer am Kieker

Passau/ Wels  – XXXLutz will IKEA als weltgrößten Möbelhändler überholen – auf Kosten der Beschäftigten? Die Gewerkschaft ver.di ließ ihren Bundeschef Frank Bsirske vor der XXXLutz-Filiale in Passau auftreten und den „ultrabrutalen“ Umgang und die Ausbeutung der Mitarbeiter belegen. Die ver.di-Kampagne gegen den Möbelgiganten macht auch vor dem bekannten Werbezugpferd Ottfried Fischer nicht Halt.

Die Gewerkschaft ver.di hat allein für Bayern und Baden-Württemberg 1.226 Einzelfälle mit Arbeitszeitverstößen dokumentiert. Üblicherweise arbeiteten in Möbelunternehmen 70 Prozent der Beschäftigten in Vollzeit, unter XXLutz soll diese Quote, so die bekannte Vorgabe, auf 30 gesenkt werden.

Weniger Vollzeit trotz Millionengewinne

Von den 18.500 Beschäftigen sind demnach künftig nur mehr höchstens 5.500 in der Lage, eine Familie zu ernähren. Das ist der eigentliche Skandal, der einem Konzern anhaftet, der zig Millionen erwirtschaftet und Gewinne geschickt versteckt. Die deutschen Ableger des österreichischen Mutterkonzerns mit Sitz in Wels sind mittlerweile so verschachtelt, dass sich trotz Veröffentlichungspflicht im Bundesanzeiger die Bilanzen schwer auslesen lassen.

Der Schauspieler und Kabarettist Ottfried Fischer (55, "Bulle von Tölz") wirbt vor allem im Radio für das Unternehmen „mit dem roten Stuhl“. Die XXXLutz-Chefs haben den gewichtigen Bayern als Aushängeschild gleich mit eingekauft, als sie das Passauer Familienunternehmen „Hiendl“ schluckten.

Offene Kritik am Kabarettisten Fischer

Darf sich ein prominenter Künstler, der von der SPD als Delegierter für die Wahl des Bundestagspräsidenten ernannt wird, von einem solchen Unternehmen vor den Karren spannen lassen? Kann er die Hand aufhalten, ohne sich dafür schämen zu müssen? In zwei Briefen hat sich ver.di-Funktionär Dirk Nagel an Ottfried Fischer gewandt und um Stellungnahme gebeten – ohne Erfolg.

Das Schweigen hat Folgen: Morgen wollen XXXLutz-Mitarbeiter angeblich in eine Veranstaltung des Kabarettisten in Landshut platzen und die Zuschauer aufklären. Solange nichts bewiesen sei, gelte die Unschuldsvermutung, gibt eine Managerin die grundsätzliche Einstellung des Künstlers wider. Er habe die Briefe der Gewerkschaft nie erhalten. Er sei ständig unerwegs.

Das Geschäftsmodell XXXLutz fuße auf „Druck, Einschüchterung und Lohndumping“, zählte ver.di-Chef Bsirske einem Reporter des Bayerischen Rundfunks auf. Stundenzettel kursieren, wonach ein Lehrling mehr als zwölf Stunden, andere sogar bis zu achtzehn Stunden am Tag leisten mussten. XXXL-Hiendl-Filialleiter Jochen Fisecker verweist solche Anschuldigungen in der „Passauer Neue Presse“ ins Reich der Märchen: Wenn das Möbelhaus nur achteinhalb Stunden offen habe, wie solle das gehen? Es geht: Denn in Wahrheit hat das Möbelhaus eine Stunde länger offen und es gibt auch Auslieferungslager und Montage.

Nach Bsirskes Worten wurde auch versucht, Betriebsräte zum Ausstieg zu bewegen, mit Zahlungsangeboten bis zu 130.000 Euro. In Passau hat sich ein aktiver Betriebsrat noch rechtzeitig vor der Übernahme gegründet. Die Österreicher quälen die Niederbayern mit Gängelei: Sie drohten mit Schließung, um sich Hunderte von Arbeitsgerichtsprozessen vom Hals zu schaffen. Es ging vor allem um Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Gegen eine einmalige Abfindung von bis zu 10.500 Euro pro Beschäftigten (ingesamt 2,5 Millionen) verzichten die Mitarbeiter schließlich auf ihre Forderungen und willigten auch ein, dass die Arbeitszeit von 37,5 auf 42 Stunden erhöht wird. Die Beschäftigungs- und Standortgarantie wurde daraufhin gegeben – aber nur ein Jahr.

Wegen "Wartungsarbeiten" sind heute alle Internetseiten von XXXLutz weder in Deutschland noch in Österreich erreichbar.

 
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