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Als "Promovent der Germanistik" bezeichnete sich der Grünen-Abgeordnete auf der offiziellen Bundestagsseite.
Akademischer Lebenslauf

Bundestag: Joschka Fischers Nachfolger ein Angeber

Omid Nouripour, Joschka Fischers Nachfolger im Bundestag, 33 Jahre alt, ein grüner Hochstapler?

„Promovent der Germanistik“ gibt er als seine berufliche Qualifikation an. So zu lesen auf der offiziellen Bundestagsseite (www.bundestag.de) und in seiner Biografie als Buchautor (www.herder.de). Er schmückt sich mit diesem akademischen Anstrich, obwohl er nicht einmal ein abgeschlossenes Studium vorweisen kann.

Seit 2002 (!) behauptet der Frankfurter mit Migrationshintergrund (gebürtiger Iraner) immer wieder, er promoviere mit der Dissertation "Deutschland: Heimat, Fremde - über Deutsche Literatur von Nicht-Deutschen".

Richtig ist: Nouripour schrieb sich nach dem Abi in Frankfurt 1997 an der Uni Mainz ein. Er beendete laut eigenen Angaben nach einem Semester sein Grundstudium! Dann wechselte er die Fachrichtung. Abgeschlossenes Studium –Fehlanzeige. Als „promovierender Germanist“ lässt er sich unwidersprochen bis heute bei Angaben zu seiner Person in vielen Veröffentlichungen bezeichnen.

Ein Experte der Uni Mainz verweist auf die Studienordnung: Selbst unter allen möglichen Sonderregelungen (es gab einmal die sogenannten grundständige Promotion) war für den eingebürgerten Iraner die Chance auf eine Doktorarbeit spätestens August 2006 verwirkt.

Als Anfang 2007 sein Buch mit dem anspruchsvollen Titel „Mein Job, meine Sprache, mein Land - Wie Integration gelingt“ erschien, wusste er längst, dass seine Doktorarbeit in Germanistik nur mehr ein Hirngespinst war. In seiner Biografie, die der Herder-Verlag veröffentlicht, heißt es aber: „Nach einem Studium der Soziologie, Philosophie und VWL promoviert er in Germanistik.“

Oder September 2006, als er für Joschka Fischer im Bundestag nachrückte. „Da musste er Angaben über seinen beruflichen Status beim Bundestagspräsidenten abgeben“, bestätigt sein Büroleiter. „Abi; Promovent der Germanistik“, steht nun auf seinem Profil im Bundestag. Ganz nebenbei: Als „Germanist“ hätte er vielleicht wissen müssen, dass sich der Doktorand zu deutsch „Promovend“ und nicht „Promovent“ schreibt.

Mit diesen Widersprüchen konfrontiert, sagt Nouripour: „Ich habe mich nicht erkundigt und zu lange der Illusion hingegeben, das ich das nebenher noch schaffen kann.“ Er werde die Einträge ändern lassen, versprach der grüne Vorzeigepolitiker für Integration.

Hatte er es denn nötig, so zu blenden? „Auf solche Fangfragen werde ich nicht antworten“, winkt er ab und stellt sich unwissend. Er behauptet: „Meinen Internet-Eintrag auf der Bundestagsseite habe ich mir noch nie angesehen.“ Ebenso wenig kennt er angeblich den biografischen Eintrag, den sein Verlag ihm zuschreibt. Und: Wenn Zeitungen ihn als „Germanisten“ titulieren, hätte sie versehentlich alte Quellen abgeschrieben. „Seit zwei Jahren kämpfe ich zum Beispiel darum, dass meine alte Internetseite völlig gelöscht wird.“

Der Grüne Kreisverband Frankfurt nominiert am 28. November seine Bundestagsdirektkandidaten – schwingt er dann wieder sein falsches akademisches Fähnchen?

So flog der Schwindel auf: Die schriftliche Anfrage eines neugierigen hessischen Schülerzeitungsredakteurs brachte ihn ins Schleudern. Der junge Journalist suchte nach „politischen Vorbildern“ und war bei der Internet-Recherche auf die Ungereimtheiten der Biografie des Bundestagsabgeordneten gestoßen. Statt einer schriftlichen Stellungnahme wurde er vertröstet, man würde das lieber in einem Telefongespräch klären.

Als Lebensmotto gibt der grüne Bundestagsabgeordnete an: "Wer etwas bewegen will, muss mit dem eigenen Hintern beginnen". Mit beiden Beinen auf dem Boden zu bleiben, wäre auch nicht verkehrt.
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Anm.d.Red.: Am Tag nach dieser Veröffentlichung hat MdB Nouripour sofort reagiert und seine biografischen Einträge auf der Bundestagsseite und bei seinem Verlag löschen bzw. ändern lassen. Er veröffentlichte diese Stellungnahme.
 
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