Dienstag, 04. Oktober 2022
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Der Angeklagter, kahl rasierter Schädel, wartet in einer Prozesspause mit gesenktem Haupt vor dem Gefangenentransporter. (Foto: mediendenk)
Freyunger Verbrechen

Mordprozess: Warum Wunden der Messerattacke f├╝r liegendes Opfer sprechen

Deggendorf/ Freyung/ Passau - Mit welchem Messer hat der w├╝tende T├Ąter auf die Mutter seines Kindes eingestochen? Ein Brotzeitmesser aus der K├╝che oder ein feststehendes Messer aus einem Milit├Ąrladen, das ihm sein j├╝ngerer Bruder schenkte?

Zwei Gutachter und ein M├╝nchner Gerichtsmediziner konnten vergangene Woche den Mitgliedern der Gro├čen Strafkammer in Deggendorf bei dieser Frage nicht wirklich weiterhelfen. Die Schnitte und Stiche, die der 20-J├Ąhrigen Get├Âteten beigebracht worden sind, lie├čen sich vielen Messern zuordnen, sagten sie ├╝bereinstimmend. Es k├Ânnte das mutma├člich geschenkte Messer gewesen sein, wie es J├Ąger verwenden, aber ebenso ein gew├Âhnliches K├╝chenmesser.

Der Gerichtsmediziner, der bislang letzte Zeuge der Beweisaufnahme am Montag letzter Woche, demonstrierte anhand der beiden vorliegenden Messer, ein Klappmesser und ein feststehendes Messer aus dem besagten Milit├Ąrladen, wie sich verschiedene Wunden bilden, je nachdem, in welchem Winkel die Klinge in die Haut eintritt. Er erkl├Ąrte, bei welcher Stichf├╝hrung sich Klingenbreite und -l├Ąnge ermessen lassen. Zur Anschaulichkeit seiner Erkl├Ąrungen lie├č der Vortragende im Zeugenstand die Klinge zwischen Zeige- und Mittelfinger gleiten. Er habe ein Modell dabei, mit welchem er es noch besser veranschaulichen k├Ânne, bot der Mediziner an. Der Richter hatte genug gesehen und meinte, das sei nicht mehr n├Âtig. Die Mutter der Get├Âteten, die auf der Bank der Nebenkl├Ąger den Mordprozess verfolgt, musste bei dieser Vorf├╝hrung ihren Blick abwenden.

Die Antwort auf die Nachfrage eines Strafverteidigers lie├č die Zuh├Ârenden im Saal aufhorchen. Der Strafrechtsprofessor wollte wissen, ob sich aus den Schnitt- und Stichverletzungen Hinweise ergeben, ob das Opfer bei dem t├Âdlichen Angriff gestanden oder gelegen ist. Der M├╝nchner Gerichtsmediziner dr├╝ckte sich vorsichtig aus, er sprach von Wahrscheinlichkeiten. Die Anordnung der Stiche und Schnitte spreche eher daf├╝r, dass die Ungl├╝ckliche ihrem Angreifer nicht ausweichen konnte, also in liegender Position sich befand. Die Wunden konzentrieren sich auf Kopf, Hals und Schulterbereich. ÔÇ×Bei einer Person, die im Raum steht, w├╝rde man davon ausgehen, dass sie versucht wegzulaufenÔÇť, erkl├Ąrte er. Die Messerattacken w├Ąren nicht so gezielt, w├╝rden sich breiter am K├Ârper verteilen. Das vorhandene Verletzungsbild sei ebenso m├Âglich, wenn das Opfer sich in einer Ecke befindet und nicht ausweichen kann. "Es passt eher zu einer liegenden als zu einer stehenden Person", beantwortete er abschlie├čend die Frage.

Bruder des Angeklagten sagt in zwei Wochen aus
Heute sollte in diesem Mordprozess, ein Wiederaufnahmeverfahren um das Freyunger Verbrechen von 2016, erstmals der Bruder des Angeklagten aussagen. Er hat sich bereit erkl├Ąrt, auf sein Zeugnisverweigerungsrecht zu verzichten. Der Vorsitzende Richter verlas heute das Schreiben seines Zeugenbeistandes. Der Anwalt befindet sich in Urlaub und w├╝nscht Akteneinsicht. Somit legt die Kammer als Termin f├╝r die Aussage fest: Freitag, 19. August. Die Verteidigung hatte den Bruder auf Wunsch des Mandanten geladen. Falls keine weitere Beweisantr├Ąge vorliegen, w├╝rde nach der Aussage des Bruders der Staatsanwalt sein Pl├Ądoyer halten.

Das Modell, mit dem der Gerichtsmediziner die Wundbilder einer Messerattacke demonstrieren wollte, stellt sich als einfach und im Anblick harmlos heraus. Er enth├╝llt f├╝r die Rechtsanw├Ąlte, die in einer Sitzungspause nachfragen, sein Paket: gr├╝ne Schwammkl├Âtze kommen zum Vorschein, die wir von Blumengestecken kennen, und eine Rolle Frischhaltefolie. Die Schwammkl├Âtze simulieren das weiche Fleisch, die dar├╝ber gespannte Frischhaltefolie die sch├╝tzende Haut.  

hud