Sonntag, 14. August 2022
·

Passauer Land >> Samstag, 02. Juli 22

bild_klein_20309.jpg
Szene aus "Shakespeare in Love": Joachim Vollrath als Lord Wessex und Kammerschauspielerin Ursula Erb als Elisabeth I. (Foto: Peter Litvai)
"Shakespeare in Love" im Opernhaus

Premiere mit Patzer

Nach bedrĂŒckender Kriegsoper erhellen die Burgfestspiele die Stimmung mit der Liebeskomödie „Shakespeare in Love“.

Weil das Tief vom Atlantik mit kĂŒhler Luft und Regen am Nachmittag die DreiflĂŒssestadt erreichte, musste die Premiere von der Veste Oberhaus ins Opernhaus verlegt werden. Das kam dem StĂŒck nicht zugute, denn die BĂŒhne war fĂŒr die Inszenierung zu klein. Es fehlte den Mitwirkenden an Raum und die Dekoration wirkte ĂŒberladen. Schiffsheck und Steuerrad, Segel und Strickleiter, Treppen und große Kisten verwehren teilweise den Zuschauern in den vorderen Reihen den Blick auf die Handlung. Lobend erwĂ€hnt sei die KostĂŒmschneiderei, die uns eindrucksvoll die Mode des elisabethanischen Zeitalters vorfĂŒhrt: Halskragen, PuffĂ€rmel, weite Hosenbeine und StrĂŒmpfe.

bild_klein_20316.jpg
Szene aus "Shakespeare in Love": (Foto: Peter Litvai)
Regisseur Marcus Everding nahm Anleihe bei drei MĂŒnchner Schauspielschulen und der Passauer „Athanor Akademie“, um das Ensemble des Landestheaters auf 18 Darsteller aufzustocken. Die fiktive Geschichte setzt „Romeo und Julia“ eine zweite Ebene auf: Der britische Schauspieler und Dramatiker Shakespeare verliebt sich in eine adelige "Julia" namens Viola de Lesseps, wĂ€hrend er seine berĂŒhmte Dichtung verfasst.

Die Hauptdarsteller Paul Behrens (Shakespeare) und Larissa Sophia Farr (Viola) ernten zum Schluss viel Applaus. Die Schauspielkunst der alten Garde ist wie gewohnt vortrefflich: Ursula Erb als Königin Elisabeth, Joachim Vollrath als Lord Wessex und Jochen Decker als Fennyman.

Eine Nachwuchsschauspielerin, die vom Publikum aus das Spiel verfolgt, kommentiert in der Pause die Leistung ihrer Kolleginnen und Kollegen kritisch: „Man sieht in ihren Augen, dass sie den Text im Kopf durchgehen und nicht richtig im Spiel sind.“ Im zweiten Teil, so fĂŒgt der Autor an, verlor sich diese SchwĂ€che.

bild_klein_20310.jpg
Szene aus "Shakespeare in Love": Antonia Reidel als Amme, Larissa Sophia Farr als Viola und Joachim Vollrath als Lord Wessex. (Foto: Peter Litvai)
Man solle nicht vergessen zu lachen, sagt Tamino Rötzer im Prolog auf Englisch. Das lauteste GelĂ€chter bringen jedoch nicht die eher durchschnittlichen Witze hervor, sondern ein Missgeschick: Jonathan Specht schleudert bei einer Tanzeinlage ungewollt seinen linken Schuh ins Parkett, blickte in seiner Schrecksekunde dem Flugobjekt hinterher, um das Spiel dann ungerĂŒhrt fortzusetzen. Der Schuh war an einer Wandleuchte angeprallt und – ohne erkennbare Folgen fĂŒr Anwesende – in der sechsten Reihe des Parketts zu Boden gefallen. Als die Schauspieler in eine folgenden Szene darauf mit Degen schwenken, ist manchen Zuschauern die Sorge anzusehen, ob wenigstens diese fest in den HĂ€nden liegen.

Drangvolle Enge auf der BĂŒhne, kleine Pannen, zeitweise unkonzentriertes Spiel - diese Premiere war keine perfekte. Dennoch entlĂ€sst das nachsichtige Publikum die Mitwirkenden mit reichlich Applaus.

Korbinian Strohhuber

Diesen Beitrag lesen Sie kostenlos dank zugeneigter Abonnenten und treuer Reklamekunden.  

"Shakespeare in Love"  nach dem Drehbuch von Marc Norman & Tom Stoppard, BĂŒhnenfassung von Lee Hall

Besetzung
Will Shakespeare  - Paul Behrens
Viola de Lesseps - Larissa Sophia Farr
Amme - Antonia Reidel
Sir Robert de Lesseps - Olaf SchĂŒrmann
Lord Wessex - Joachim Vollrath
Königin Elisabeth I. - Ksch. Ursula Erb
Tilney - Alexander Nadler
Christopher Marlowe - Julian Ricker
Henslowe - Lukas Franke
Burbage - Reinhard Peer
Fennyman - Jochen Decker
Mistress Quickley - Friederike Baldin
Ned Alleyn - Maximilian Peisl
John Webster - Nhut Minh Huynh
Ralph - Jonathan Specht
Peter - Niklas Schinke
Sam - Nicolai Mondschein
Wabash - Tamino Rötzer

Regie Marcus Everding
Ausstattung Kathrin Younes
Musik Bernd Meyer
Dramaturgie Dana Dessau