Sonntag, 22. Mai 2022
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Passauer Land >> Samstag, 22. Januar 22

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Blick vom Maxdenkmal zur AfD-Versammlung, im Hintergrund die Kette der Antifa. (Foto: mediendenk)
Corona-Demos

Antifa gegen AfD: Schreierei am Passauer Domplatz

Wer schreit, hat keine Argumente? Falls dies zutrÀfe, wÀre der Passauer Domplatz heute Tummelplatz der Leerdenker gewesen.

Menschen mit Mikrofon schreien sich trotz VerstĂ€rker die Kehlen heiser. GegenĂŒber halten Skandierende in LautstĂ€rke dagegen. Etwa 80 Leute auf beiden Seiten und 20 Meter Abstand dazwischen. Den leeren Raum fĂŒllt ein Teil der Dutzenden PolizeikrĂ€fte, die als Beobachter, Bewacher und BeschĂŒtzer dieser angemeldeten Demos aufgezogen sind. "Heute ist Stadler besonders laut", merkt ein Beobachter der Exekutive an.

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Blick von der linken Gegendemo zur AfD-Versammlung, dazwischen PolizeikrÀfte. (Foto: mediendenk)
Es war der vierte Coronademosamstag, den AfD-Landtagsabgeordneter Ralf Stadler ausgerufen hat. Dessen AnhÀnger schmelzen seit dem Höchststand beim Auftakt zum Neujahrstag, 250 Köpfe, zunehmend ab; heute auf ein Drittel.

Stattdessen ist montags 20 Kilometer flussaufwĂ€rts die Stadt Vilshofen zum Pilgerort der Coronamaßnahmengegner, Impfunwilligen und Staatsverdrossenen geworden. Dort reagiert ebenfalls ein SPD-BĂŒrgermeister, aber dessen Stadtrat gibt dieser Klientel die Freiheit zu marschieren. In Passau sind nur stationĂ€re Kundgebungen unter Maskenpflicht erlaubt.

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Einsatzleiter der Polizeiinspektion und der Zentralen Einsatzdienste beobachten das Demo-Geschehen vom Rande aus. (Foto: mediendenk)
Vilshofen zĂ€hlte am letzten Montag mehr als zehnmal so viele Leute wie heute Passau: 900. Das Wochenmagazin „Die Zeit“ hat dieses PhĂ€nomen in einer Reportage beleuchtet. Was macht dieses DonaustĂ€dtchen so attraktiv? Die Antwort hat mehrere Bestandteile: die bereits genannte Marscherlaubnis; die fehlenden Gegendemos, die strategisch wichtige Punkte besetzen, in Passau war es heute wieder vier; keiner fĂŒhlt sich abgeschreckt vom AfD-Stempel, denn als Versammlungsleiter tritt ein augenscheinlich politisch neutraler Mann auf, ein Berufsesoteriker, dessen GeschĂ€ftsmodell daraus besteht, „belebtes Wasser“ zu vermarkten.

ZurĂŒck zum Domplatz: Das turbulente Demogeschehen vor einer katholischen Kathadrale hĂ€tten einen unbedarften Beobachter heute vermuten lassen, dass die Proteste einen ganz anderen, einen aktuellen Hintergrund haben.

Als sich Gegendemonstranten mit Anti-AfD-Schild und dem Transparent "Menschenrechte statt rechte Menschen" im RĂŒcken der AfD-Kundgebung, am Maxdenkmal postieren,verliert Stadler die Nerven. "Ja wo hamma denn mia!", ruft er, man lasse sich nicht alles gefallen. Er entreißt den Provokateuren das Propaganda-Material. Beamte des Einsatzzuges klĂ€ren die Lage. Der linke "Infoticker Passau" hat das kurze Schauspiel auf Video festgehalten und auf Twitter veröffentlicht.

hud