Sonntag, 18. April 2021
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Bayern >> Dienstag, 16. MĂ€rz 21

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Graue Tage: Das Corona-Testzentrum am Klinikum am Tag des Impfstopps für Astrazeneca. (Foto: mediendenk)
Im Wechselbad der Pandemie

Impfstopp: 3.000 Betroffene in Passau

Der Impfstopp wirkt sich dramatisch aus. Rund 1.100 Impfwillige, die in Passau diese Woche an die Reihe gekommen wĂ€ren, mĂŒssen zurĂŒck auf die Warteliste. Fast 2.000 Menschen, die seit Februar ihre Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten haben, leben bis Ende der Woche im Ungewissen, wann oder ob ĂŒberhaupt sie an die zweite Dosis kommen.

Beitrag erschien fĂŒr die Abos Plus und Premium vorgestern.

Deutschland befindet sich in einem neuen Tief der Seuche: die Impfungen am Boden, die Welle am Steigen, der FrĂŒhling im Lockdown. So haben wir uns den Einstieg ins zweite Jahr der Pandemie nicht vorgestellt. Humor hilft. Einer schreibt auf Twitter: „Man fĂŒhlt sich wie das Kind auf der RĂŒckbank, dass die Eltern immer wieder fragt: ‚Wann sind wir endlich da?` - und die Mutter antwortet stets: „Es dauert nicht mehr lang`“.

Zwei neue TodesfĂ€lle: beide ĂŒber 80
Tragisch die Meldung aus Stadt und Land von jeweils einem neuen Sterbefall, ein 85-jĂ€hriger und ein 81-jĂ€hriger Mann. Ob sie geimpft waren, auf der Warteliste standen oder sich nicht impfen lassen wollten? Man weiß es nicht. Die Sprecher der Kommunen behaupten, sie könnten dazu keine Angaben machen. Die GesundheitsĂ€mter wĂŒrden diese UmstĂ€nde nicht ĂŒbermitteln.

Die „unerfreuliche Nachricht“ ĂŒber den Impfstopp bei Astrazeneca fĂŒhre dazu, dass in Passau diese Woche nur etwa die HĂ€lfte der geplanten Impfungen verabreicht werden können, schreibt eine Rathaussprecherin: etwa 700 Erst- und 500 Zweitimpfungen. OberbĂŒrgermeister JĂŒrgen Dupper lĂ€sst sich zitieren: „Vertrauensbildende und vertrauenserhaltende Krisenpolitik sieht anders aus.“ Der RĂŒckschlag reihe sich ein in eine Abfolge von „grĂ¶ĂŸeren und kleineren Stolperern bei der Impfstrategie“. Die Extrakontingente, die fĂŒr besonders schwer betroffene Grenzregionen wie Passau angekĂŒndigt waren, hĂ€tten sich, was Astrazeneca anbelangt, wohl erstmal erledigt.

Lage und Stadt und Landkreis
Das Gesundheitsamt meldet fĂŒr den Landkreis Passau seit der letzten Meldung 73 neue FĂ€lle, damit in der Summe 379. Mit 113 liegt die Siebentagesinzidenz deutlich unter der der Stadt. Eine Anfrage, wie sich der Astrazeneca-Stopp auf die Impfkampagne im Landkreis auswirkt, wurde bis zum Abend nicht beantwortet.

Die Stadt Passau meldet vier neue FĂ€lle, in der Summe 114. Siebentagesinzidenz: 155. Die Lage in den Einrichtungen: in zwei KindertagesstĂ€tten zehn Kinder und drei BeschĂ€ftigte positiv, an zwei Schulen ein SchĂŒler und eine Lehrkraft und erstmals wieder eine Meldung aus zwei Altenheimen, da eine Bewohnerin und dort ein Mitarbeiter.

In Vilshofen und RotthalmĂŒnster werden auf den Isolierstationen 28 Corona-Patienten stationĂ€r behandelt, davon 3 intensivmedizinisch, davon einer kĂŒnstlich beatmet. Im Klinikum Passau werden 23 Patienten, davon 5 Personen auf der Intensivstation und eine Person davon beatmet. Die Welle der Neuinfektionen und wirkt sich erst Wochen spĂ€ter in den Kliniken und auf den Friedhöfen aus.

1.300 Dosen Astrazeneca auf Lager
„Die heute gelieferten 1.300 Impfdosen von AstraZeneca mĂŒssen nun in den SchrĂ€nken des Impfzentrums in Kohlbruck eingelagert werden“, heißt es. Anders als geplant bleibt das Impfzentrum an diesem Donnerstag und Samstag geschlossen. Am Mittwoch werden Impfwillige Ă€lter als 70 Jahre mit Biontech versorgt. Die Debatte, ab wann HausĂ€rzte impfen dĂŒrfen, stellt sich in Passau teilweise nicht. Einige sind lĂ€ngst in die Impfteams eingebunden und absolvieren Hausbesuche. „Am Mittwoch sind bei mir ein Dutzend Patienten an der Reihe“, berichtet ein Passauer Hausarzt. Er selbst brauchte keine Impfung, denn er hat Corona hinter sich, steckte sich wohl bei einem Hausbesuch an. „Ich hatte die Maske auf und nur einen leichten Verlauf“, erzĂ€hlt er. Der FFP2-Schutz sorgte fĂŒr weniger Virenlast. Wer gegen Maske sei, den könne er nicht ernst nehmen.     

Was sagen Astrazeneca-Geimpfte?
Im Stadtgebiet wurden bislang 9.400 Personen geimpft, davon seit Mitte Februar knapp 2.000 mit Astrazeneca. Der Großteil der Geimpften besteht aus medizinischem Personal, ein kleiner Teil aus Bevorrechtigten unter 65, die beispielsweise unter schweren Vorerkrankungen leiden oder Angehörige betreuen, die als Pflegefall eingestuft sind.

Einer aus der Gruppe der Letztgenannten sitzt dem Reporter am Montagvormittag bei einem DienstgesprĂ€ch gegenĂŒber. „Wir sind ĂŒberraschend aufgerufen worden und im Impfzentrum in Kohlbruck lief alles reibungslos, wunderbar“, erzĂ€hlt er. Er pflegt seine 87-jĂ€hrige Mutter. Die Erleichterung, geimpft zu sein, ist ihm anzumerken. „Sie können die Maske ruhig abnehmen“, sagt der Maskenlose bei geöffneter BalkontĂŒre. Beschwerden? Ein bisschen Schmerzen im Arm am ersten Tag, eine Paracetamol genommen, danach alles gut, sagt er. Wenige Stunden spĂ€ter wird er aus den Nachrichten erfahren, dass er zu den Betroffenen des Impfstopps gehört.

Ebenso ĂŒberrascht und vielleicht beunruhigt von den Neuigkeiten wird an diesem Nachmittag eine Arzthelferin Ende 30, gewesen sein. Sie hat zufĂ€llig am selben Tag bei einem Telefonat dem Reporter berichtet, dass sie beim Februartermin Astrazeneca nicht so gut vertragen habe. Eine Woche lang sei sie außer Gefecht gewesen, MĂŒdigkeit, Kopfweh und Gliederschmerzen. „Aber ich habe damit gerechnet“, sagt sie. FĂŒr ihren Körper sei es eine neue Erfahrung gewesen, denn sie war, wie sie behauptet, noch nie krank. Das Wichtigste war fĂŒr sie die Aussicht, wieder ein unbeschwertes Leben fĂŒhren zu können.

Der pflegende Sohn und die Arzthelferin - es hĂ€ngt vom Urteil der Medizinwissenschaftler ab, wie es fĂŒr sie weitergeht. Die AbwĂ€gung - Schutz gegen Risiko - scheint darauf hinauszulaufen, dass weitergeimpft werden darf. Nach 1,6 Milionen Geimpften hatte es in Europa sieben FĂ€lle mit Thrombosen, darunter drei Tote in Deutschland gegeben. Betroffene waren vor allem Frauen, Alter 20 bis 50.

Der fĂŒr Mittwochabend geplante Impfgipfel von Bund und LĂ€ndern wurde auf Freitag verschoben. Bis dahin sollte von den Instituten ein Ergebnis vorliegen.

 
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