Dienstag, 24. November 2020
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Wirtschaft >> Donnerstag, 09. April 20

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Lokaljournalismus

Zahlende Leser sind Rettungsschirme

Der Journalist ist in diesen Krisentagen hin- und hergerissen.

Soll sein Herz bedrĂŒckt sein darĂŒber, dass seine Leistung - wie diejenige vieler gesellschaftlicher relevanter Berufe - immer noch zu wenig geschĂ€tzt wird? Den Kolleginnen in den großen Verlagen droht Kurzarbeit, wenn sie nicht schon eingesetzt hat.

Nein, sein Herz hĂŒpft manchmal vor Freude, weil seine Botschaft mehr und mehr angekommen ist: Freiheitlicher, der Demokratie dienender Journalismus kann nur von der Gesellschaft getragen werden und darf nicht von der Wirtschaft abhĂ€ngig sein. Das zeigt sich in dieser Krise.

Transparenz ist das oberste Gebot. Die ehrlichen Verleger sollten uns jetzt sagen, wie viel Geld sie in die Redaktionen stecken, wieviel ins Marketing, was die Werbekunden aufbringen und die Abonnenten und KĂ€ufer am Kiosk, wie Chefredakteure und GeschĂ€ftsfĂŒhrer bezahlt werden.

Abonnenten sind schwer zu gewinnen, die Tageszeitungen verlieren jĂ€hrlich drei bis fĂŒnf Prozent.

Wir haben seit Anfang MÀrz ein Dutzend neuer Abonnenten hinzubekommen, davon sieben als Premiumförderer mit 100 Euro im Jahr. Wir feiern jeden Einzelnen, denn sie sind wie Butter auf hartes Brot.

Heute kam eine Spende per Post ĂŒber 50 Euro, am Konto gingen 250 Euro an Spenden ein. Das ist die schönste Motivation. In der Sperrwies mag man diese Summen belĂ€cheln. BĂŒrgerblick bĂ€ckt kleine Brötchen, aber sie schmecken offenbar.

NatĂŒrlich ist dieses Lokalmagazin BĂŒrgerblick mit 100.000 Euro Jahresumsatz, ein Zwei-Mann-Betrieb mit einem Netzwerk von einem Dutzend Mitwirkender als Freie oder Studenten, nur ein winziges Beiboot auf dem sturmgepeitschten Ozean der Presse. Es geht vielleicht nicht so schnell unter, weil sich jeder am Riemen reißt und in die Ruder legt.

Die Verlagsgruppe Passau GmbH ist - am Umsatz gemessen - ein 2.700mal so großer Pressedampfer. Da helfen keine Ruderer mehr, wenn die Maschinen stoppen.

Der BB-Herausgeber sichert sich seine Existenz als freier Mitarbeiter fĂŒr andere Verlage, ein Umsatz von knapp 25.000 Euro im Vorjahr. Mit Beginn der Corona-Krise sind diese monatlichen Einnahmen auf null gefallen. Klar, in der Krise konzentrieren sich die Verlage auf ihre eigenen Mitarbeiter.

Der "Zusatzverdienst" der PNP-Verlagsgruppe? Sie holt sich Auftrieb im Immobilien- und BaugeschÀft.

Im nÀchsten Heft werden wir offenlegen, was wir verdienen, damit sie wissen, ob es fair und gerecht ist.

Journalismus, so die Auffassung des Autors, ist ein existenzieller Dienst in einer demokratischen Gesellschaft und keine Nudelfabrik, kein GeschĂ€ftsmodell. Man muss dafĂŒr brennen, denn was gibt es schöneres, als ein erfĂŒlltes Leben.

Wir treten alle nach Corona in eine neue Welt, denn in dieser Auszeit lassen sich viele Dinge grundsĂ€tzlich hinterfragen. Und es wĂ€re schade, wenn in der Zeit nach der QuarantĂ€ne, der Entschleunigung und des Nachdenkens, alles so weiterlaufen wĂŒrde wie bisher.

Corona wirkt wie ein gigantischer Rettungsschirm, den sich die Erde selbst aufgespannt hat. Alles, was wir fĂŒr so wichtig gehalten haben, gibt es derzeit nicht mehr. Reisen und Partys, Fitnesstudio und Stammtisch, Theater und Kino,

Wir mĂŒssen uns zurechtfinden in einem Leben, dass sich auf unsere engsten Mitmenschen reduziert. Kein Grund, sich die Köpfe einzuschlagen, aber eine Chance, voneinander zu lernen.

Hubert Jakob Denk

 
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