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Wissenschaftsminister Bernd Sibler betrachtet an der Uni Passau eine Präsentation zur digitalen Lehre. (Foto: Tobias Köhler)
Corona-Semester startet

Zoom: Virtuelle Lehre mithilfe eines US-Datensaugers?

Wissenschaftsminister Bernd Sibler hat heute frĂĽh fĂĽr die Studierenden den Start des Corona-Semesters ausgerufen. In Passau mĂĽssen sich 12.000 Studenten und Studentinnen auf Heimarbeit am Bildschirm einstellen. Hier setzt die Universität auf die US-Software „Zoom“, die wie Facebook oder Whatsapp immer wieder als heimlicher Datensauger enttarnt worden ist. 

Können die Studenten zum Einsatz solcher Programme gezwungen werden?

„Die Hochschulen setzen auf Online-Lehre“, so hätten sich alle Länder abgestimmt, lässt Sibler ĂĽber seine Pressesprecherin mitteilen. 

Nach Wissenschaft und Politik betritt das Bildungssystem Neuland. Europäische oder deutsche Lösungen fĂĽr digitales Lehren und Lernen, welche die gesetzlichen Grundlagen des Persönlichkeitsschutzes und der Datenschutzgrundverordnung erfĂĽllen, gibt es offenbar nicht. In der Not greift die Universität Passau, wie wahrscheinlich viele andere, auf das Angebot des amerikanischen Anbieters „Zoom“ zurĂĽck; eine Art Facebook fĂĽr Videokonferenzen. 

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hat letzte Woche über „Zoom“ kritisch geschrieben: Die Software gebe sich als Betriebssystem aus und sichere sich so weitgehende Zugriffsrechte auf dem Rechner des Anwenders.

Was in der Vergangenheit bemängelt, und teilweise angeblich korrigiert worden ist:

  • Zoom gibt Daten an Facebook weiter, selbst wenn der Anwender sich nicht ĂĽber Facebook angemeldet hat
  • Zoom behält Zugriff auf die Kamera (Ăśberwachung), selbst wenn das Programm vom Rechner gelöscht worden ist
  • Zoom kann die Passwörter des Anwenders auslesen

In den USA haben sich im Vorjahr deshalb New Yorker Staatsanwälte mit Zoom beschäftigt. 

Die Mitwirkenden der Universität Passau, von der Studentin bis zum Professor, sind zur Corona-Seuche zuletzt jeden Abend um 18 Uhr mit einem Informationsticker beliefert worden. Die Inhalte waren angeblich oft sich wiederholend und zunehmend belanglos, sodass viele abgeschaltet haben. Eine Stichprobe ergibt: Nicht alle Studierenden wissen, dass das Semester am 20. April mit dieser amerikanischen Plattform beginnen soll.

VerfĂĽgen alle Dozenten und Studierenden ĂĽberhaupt ĂĽber die erforderliche Technik zu Hause?

Zoom-GrĂĽnder tausendmal reicher als die Diekmanns
Der 49-jährige Zoom-Gründer Eric Yuan ist ein Gewinner der Corona-Krise. Seit der Plattformgründung vor neun Jahren stieg sein Vermögen geschätzt auf 32 Milliarden Euro. Quelle: Business Insider. Es entspricht dem tausendfachen Vermögen des Medien- und Immobilienimperiums Diekmann („Passauer Neue Presse“). In einer früheren Fassung hatte es geheißen, beide seien gleich reich. Bei der englischen Übersetzung hat der Sonntagsredakteur, eine Null, drei Nullen vergessen.

Lehren und lernen am Bildschirm stellt die Teilnehmenden vor neue Herausforderungen. Ein hohes Maß an Selbstdisziplin ist gefragt. Es kommt dem Studium jener Zeit wieder nahe, als die Studierenden noch nicht von einem schulähnliches System an die Hand genommen worden sind. Welche Kosten kommen auf die Universitäten zu? Ein Einzelabo beginnt bei 13 Euro monatlich.

Sibler: "Unglaublicher Kraftakt"
„Mir ist bewusst, dass die jetzige Situation einen unglaublichen Kraftakt für die gesamte Hochschulfamilie bedeutet“, lässt Sibler sich in seiner Schlussbemerkung zitieren. Er vertraue fest darauf, dass diese Herausforderung gut bewältigt werden könne. Alle müssten zusammenhalten, jeder sein Möglichstes tun.

In einer Handreichung der Verantwortlichen der Uni Passau heiĂźt es: â€žDie Universität setzt auf das Programm Zoom.“ Nur diese Lösung könne vom „Zentrum fĂĽr Informationstechnologie und Medienmanagement (ZIM) unterstĂĽtzt werden. Es wird behauptet, "nur diese ist nach Datenschutzgrundverordnung geprĂĽft."

Lehren ohne physische Präsenz
Die Dozierenden werden darauf hingewiesen, dass „die virtuelle Kommunikation nicht vergleichbar ist mit der gewohnten Lehrtätigkeit in Präsenz“.  â€žIn vielen Fällen sehen Sie nicht unmittelbar, was ihre Studierenden tatsächlich gerade machen oder ob sie denn ĂĽberhaupt noch physisch anwesend sind.“

Vorteile von "Zoom"
Dieses Videokonferenzwerkzeug sei auch von technisch weniger Versierten anwendbar und leicht zu bedienen, es bleibe auch in groĂźer Runde stabil, wird angefĂĽgt, In der kostenlosen Version ist "Zoom" auf 40 Minuten limitiert. Nur der Gastgaber einer Konferenz benötigt ein Konto, alle anderen Teilnehmer können eingeladen werden. 

Anmerkung: Diese Redaktion hat sich seit mehreren Jahren im Austausch dienstlicher Nachrichten, Bilder und Videos von den US-privatwirtschaftlichen Datensammlern verabschiedet und benutzt statt WhatsApp den Schweizer Anbieter "Threema". Er garantiert keinerlei Datenspeicherung auf jedweden Servern. Das Schweizer Pendant zu „Zoom“ wäre „Wire.“

 
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