Dienstag, 24. November 2020
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Bayern >> Sonntag, 05. April 20

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Wissenschaftsminister Bernd Sibler betrachtet an der Uni Passau eine Präsentation zur digitalen Lehre. (Foto: Tobias Köhler)
Corona-Semester startet

Zoom: Virtuelle Lehre mithilfe eines US-Datensaugers?

Wissenschaftsminister Bernd Sibler hat heute frĂŒh fĂŒr die Studierenden den Start des Corona-Semesters ausgerufen. In Passau mĂŒssen sich 12.000 Studenten und Studentinnen auf Heimarbeit am Bildschirm einstellen. Hier setzt die UniversitĂ€t auf die US-Software „Zoom“, die wie Facebook oder Whatsapp immer wieder als heimlicher Datensauger enttarnt worden ist. 

Können die Studenten zum Einsatz solcher Programme gezwungen werden?

„Die Hochschulen setzen auf Online-Lehre“, so hĂ€tten sich alle LĂ€nder abgestimmt, lĂ€sst Sibler ĂŒber seine Pressesprecherin mitteilen. 

Nach Wissenschaft und Politik betritt das Bildungssystem Neuland. EuropĂ€ische oder deutsche Lösungen fĂŒr digitales Lehren und Lernen, welche die gesetzlichen Grundlagen des Persönlichkeitsschutzes und der Datenschutzgrundverordnung erfĂŒllen, gibt es offenbar nicht. In der Not greift die UniversitĂ€t Passau, wie wahrscheinlich viele andere, auf das Angebot des amerikanischen Anbieters „Zoom“ zurĂŒck; eine Art Facebook fĂŒr Videokonferenzen. 

Die Wochenzeitung „Die Zeit“ hat letzte Woche ĂŒber „Zoom“ kritisch geschrieben: Die Software gebe sich als Betriebssystem aus und sichere sich so weitgehende Zugriffsrechte auf dem Rechner des Anwenders.

Was in der Vergangenheit bemÀngelt, und teilweise angeblich korrigiert worden ist:

  • Zoom gibt Daten an Facebook weiter, selbst wenn der Anwender sich nicht ĂŒber Facebook angemeldet hat
  • Zoom behĂ€lt Zugriff auf die Kamera (Überwachung), selbst wenn das Programm vom Rechner gelöscht worden ist
  • Zoom kann die Passwörter des Anwenders auslesen

In den USA haben sich im Vorjahr deshalb New Yorker StaatsanwĂ€lte mit Zoom beschĂ€ftigt. 

Die Mitwirkenden der UniversitÀt Passau, von der Studentin bis zum Professor, sind zur Corona-Seuche zuletzt jeden Abend um 18 Uhr mit einem Informationsticker beliefert worden. Die Inhalte waren angeblich oft sich wiederholend und zunehmend belanglos, sodass viele abgeschaltet haben. Eine Stichprobe ergibt: Nicht alle Studierenden wissen, dass das Semester am 20. April mit dieser amerikanischen Plattform beginnen soll.

VerfĂŒgen alle Dozenten und Studierenden ĂŒberhaupt ĂŒber die erforderliche Technik zu Hause?

Zoom-GrĂŒnder tausendmal reicher als die Diekmanns
Der 49-jĂ€hrige Zoom-GrĂŒnder Eric Yuan ist ein Gewinner der Corona-Krise. Seit der PlattformgrĂŒndung vor neun Jahren stieg sein Vermögen geschĂ€tzt auf 32 Milliarden Euro. Quelle: Business Insider. Es entspricht dem tausendfachen Vermögen des Medien- und Immobilienimperiums Diekmann („Passauer Neue Presse“). In einer frĂŒheren Fassung hatte es geheißen, beide seien gleich reich. Bei der englischen Übersetzung hat der Sonntagsredakteur, eine Null, drei Nullen vergessen.

Lehren und lernen am Bildschirm stellt die Teilnehmenden vor neue Herausforderungen. Ein hohes Maß an Selbstdisziplin ist gefragt. Es kommt dem Studium jener Zeit wieder nahe, als die Studierenden noch nicht von einem schulĂ€hnliches System an die Hand genommen worden sind. Welche Kosten kommen auf die UniversitĂ€ten zu? Ein Einzelabo beginnt bei 13 Euro monatlich.

Sibler: "Unglaublicher Kraftakt"
„Mir ist bewusst, dass die jetzige Situation einen unglaublichen Kraftakt fĂŒr die gesamte Hochschulfamilie bedeutet“, lĂ€sst Sibler sich in seiner Schlussbemerkung zitieren. Er vertraue fest darauf, dass diese Herausforderung gut bewĂ€ltigt werden könne. Alle mĂŒssten zusammenhalten, jeder sein Möglichstes tun.

In einer Handreichung der Verantwortlichen der Uni Passau heißt es: â€žDie UniversitĂ€t setzt auf das Programm Zoom.“ Nur diese Lösung könne vom „Zentrum fĂŒr Informationstechnologie und Medienmanagement (ZIM) unterstĂŒtzt werden. Es wird behauptet, "nur diese ist nach Datenschutzgrundverordnung geprĂŒft."

Lehren ohne physische PrÀsenz
Die Dozierenden werden darauf hingewiesen, dass „die virtuelle Kommunikation nicht vergleichbar ist mit der gewohnten LehrtĂ€tigkeit in PrĂ€senz“.  â€žIn vielen FĂ€llen sehen Sie nicht unmittelbar, was ihre Studierenden tatsĂ€chlich gerade machen oder ob sie denn ĂŒberhaupt noch physisch anwesend sind.“

Vorteile von "Zoom"
Dieses Videokonferenzwerkzeug sei auch von technisch weniger Versierten anwendbar und leicht zu bedienen, es bleibe auch in großer Runde stabil, wird angefĂŒgt, In der kostenlosen Version ist "Zoom" auf 40 Minuten limitiert. Nur der Gastgaber einer Konferenz benötigt ein Konto, alle anderen Teilnehmer können eingeladen werden. 

Anmerkung: Diese Redaktion hat sich seit mehreren Jahren im Austausch dienstlicher Nachrichten, Bilder und Videos von den US-privatwirtschaftlichen Datensammlern verabschiedet und benutzt statt WhatsApp den Schweizer Anbieter "Threema". Er garantiert keinerlei Datenspeicherung auf jedweden Servern. Das Schweizer Pendant zu „Zoom“ wĂ€re „Wire.“

 
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