Samstag, 19. September 2020
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Bayern >> Freitag, 26. Juni 20

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Zugang zur ehemaligen "Fieberambulanz" des Klinikums Passau auf der Rückseite des Gebäudes. Hier sind Abstriche fürs Testlabor gemacht, Corona-Patienten versorgt worden. (Foto: Tobias Köhler/ Bürgerblick)
Seuchenlage im Passauer Land

Fieberambulanz am Klinikum schließt

Am Klinikum Passau schließt heute die Sonderaufnahmestelle fĂŒr Patienten mit Corona-Verdacht, die sogenannte Fieberambulanz. Die Patienten sollen sich kĂŒnftig wieder an ihre HausĂ€rzte oder den Notdienst der KassenĂ€rztlichen Vereinigung, Telefon 116 117, melden, heißt es.

Die Fieberambulanz war zu Beginn des ausgerufenen Katastrophenfalls, am 19. MĂ€rz, eingerichtet und ab 6. April von dem von der Stadt zum Seuchenarzt berufenen Dr. Armin Spechter und dessen Praxisteam betreut worden. In diesem Zeitraum, 99 Tage, sind 1.800 Corona-Tests, Abstriche vom Rachen- oder Nasenraum, genommen worden.

Das Landratsamt Passau hat gestern mitgeteilt, das sich die Summe der registrierten Infizierten in der Pandemie um zwei auf 598 erhöht hat.

22. Juni

Landkreis und Stadt Passau haben am Ende letzter Woche jeweils einen neuen Corona-Erkrankten gemeldet. Die Zahl der registrierten FÀlle summiert sich damit im Landkreis auf 595, in der Stadt auf 134. Im Klinikum Passau sind - Stand Donnerstag - drei Corona-Patienten in stationÀrer Behandlung, davon einer auf der Intensivstation.

20.Juni

Aus aktuellem Anlaß ein Blick nach GĂŒtersloh. Deutsche Fleischindustrie. Corona deckt AbgrĂŒnde auf.

Bis heute frĂŒh um 2 Uhr frĂŒh haben die Behörden gebraucht, um Adressdaten aller BeschĂ€ftigten des Konzerns „Tönnies“ ausfindig zu machen. FĂŒr 30 Prozent, also fast jeder dritte Mitarbeiterin oder Mitarbeiter, konnte oder wollte der Arbeitgeber anfangs keine Wohnadresse angeben.

Illegale BeschĂ€ftigte? Es wird geprĂŒft.

Die Adressen sind wichtig gewesen, weil diese Menschen in QuarantĂ€ne versorgt werden soll, damit sie keinen Kontakt zur Bevölkerung haben. SchlafstĂ€tten mit „Matratzentausch“ – in der Ausbeutung von osteuropĂ€ischen BeschĂ€ftigten werden viele Register gezogen, damit sich „Billigfleisch“ rechnet.

Dies alles wird bekannt in einer aktuellen Pressekonferenz, in welcher der Jurist Dr. Thomas KuhlbuschThomas Kuhlbusch (45), Leiter im Landratsamt GĂŒtersloh fĂŒr Gesundheit, Ordnung und Recht, Fragen der Reporter beantwortet.

Mittlerweile mehr als 1.000 Infizierte. "Sie können das Virus lĂ€sst sich nicht bescheißen. Es springt da ĂŒber, wo der Abstand nicht eingehalten wird", sagt Kuhlbusch. Er kritisiert damit die Verharmloser der Seuche.

Es wurden fĂŒr die betroffenen OsteuropĂ€er Hotlines in drei Sprachen geschaltet, damit sie sich nicht im Stich gelassen fĂŒhlen, falls der Arbeitgeber nicht seiner Verantwortung nachkommt, sie jetzt fallen lĂ€sst.

Von "Tönnies" war niemand zur Pressekonferenz erschienen.

***

Dem Schutz vor grĂ¶ĂŸeren Tröpfchen mussten sich heute selbst die Tröpfchenverharmloser hingeben, die Corona-Rebellen.

Ohne Masken, aber mit Regenschirmen trafen sich die Staatskritisierenden auf dem Kleinen Exerzierplatz von Passau. Mindestens zwei Dinge vereinen die Demonstrierenden: Unzufriedenheit und der Glaube, dass die Regierenden Corona als Machinstrument missbrauchen.

300, 250, 150 Corona-Rebellen.

Mit den Teilnehmerzahlen der letzten Samstage ist zunehmend das Niveau der RedebeitrĂ€ge gesunken. Diese haben stellenweise „Pegida-Niveau“ erreicht: „Wir sind das Volk!“ Und das lĂ€sst sich von „denen da oben“ nichts sagen. Basta!

Beamte der Polizeiinspektion zogen es vor, im Trockenen zu bleiben; verfolgten vom Streifenwagen aus das mĂŒrrische Völkchen.

19. Juni

Nach der erfolgreichen Klage eines frÀnkischen Gastwirts vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof fÀllt ab sofort die CoronasperrzeitbeschrÀnkung.


Mit dem zweiten Teil seiner Klage war der Wirt nicht durchgerungen: Die Maskenpflicht fĂŒr Bedienungen im Freien sollte seiner Meinung nach fallen.
Doch Wirte und Bedienungen, das hat Ischgl gezeigt, können die Virausausbreitung rasch vorantreiben. Sie haben wie die SupermarktverkĂ€uferin tagtĂ€glich Hunderte Kontakte. 

Die Sperrzeit war zuletzt ausgeweitet worden auf 22 Uhr. Das Passauer Rathaus teilte den Eilbeschluss am Abend gegen 21 Uhr mit.

Wieder wĂŒtet das Vorus in der Fleischindustrie, diesmal beim Schlachter Tonnies in GĂŒtersloh, Nordrhein-Westfalen.
MinisterprĂ€sident Armin Laschet, der stets mit Lockerungen voranging, legt heute in dieser Region den RĂŒckwĂ€rtsgang ein. Schulen und Kitas geschlossen, 7.000 Mitarbeiter in ĂŒberwachter QuarantĂ€ne; bislang sind erst gut 1.000 von ihnen getestet, 800 positiv.

17. Juni

Söder-Zitate aus der Pressekonferenz mit Merkel am Abend.

  • „Wir haben Tausende bis Zehntausend Leben gerettet, das haben wir gemeinschaftlich geschafft“
  • „Das ist der Beweis, dass das deutsche Volk gut mitgemacht hat und wir die richtigen Weichen gestellt haben.“
  • „Wir haben keine Veranlassung, leichtsinnig zu sein.“
  • "Lebensfreude - nicht ohne Vernunft"

Vor allem die Reisebewegungen werde man beobachten, sagte Kanzlerin Merkel auf Nachfrage zu einer möglichen zweiten Infektionswelle.

Schweden ist wegen der hohen Infektionszahlen derzeit nicht freigegeben.

16. Juni

Nach 93 Tagen endet morgen der seit 16. MÀrz ausgerufene Katastrophenfall in der Corona-Pandemie. Die allgemeinen KontaktbeschrÀnkungen - Mundnasenschutz in geschlossenen öffentlichen RÀumen und generell Mindestabstand - gelten weiterhin.

Das gab heute MinisterprÀsident Markus Söder bekannt. Die Lockerungen ab morgen:

  • Treffen im öffentlichen Raum bis zu zehn Personen
  • Treffen im privaten Raum ohne Teilnehmerlimit, aber nach den Möglichkeiten des Sicherheitsabstands
  • Veranstaltungen bis zu 100 Personen im Freien, auch in der Gastronomie
  • Veranstaltung bis zu 50 Personen in InnenrĂ€umen, auch in der Gastronomie
  • Sperrstunde verlĂ€ngert von 22 auf 23 Uhr
  • VerkĂ€uferinnen und Rezeptionisten brauchen keine Mundnasenbedeckung mehr, wenn eine Trennscheibe sie schĂŒtzt


Ab 22. Juni:

  • Kulturveranstaltungen bis zu 100 Zuschauer - mit Masken und Abstand - in geschlossenen RĂ€umen, bis zu 200 im Freien
  • HallenbĂ€der, Thermen und HotelschwimmbĂ€der können öffnen - einschließlich der Wellnessbereiche.
  • In SupermĂ€rkten und EinkaufsmĂ€rkten sind 10 statt bisher 20 Quadratmeter pro Person erlaubt, doppelte KapazitĂ€t

FĂŒr Großveranstaltungen darĂŒber hinaus besteht wahrscheinlich ĂŒber den 31. August hinaus keine Erlaubnis. Der Blick nach China zeige, wie schnell sich die Situation wieder Ă€ndern könne, sagte Söder. 

Ab September ist wieder normaler Schulbetrieb vorgesehen.

12. Juni

Hier finden Sie Antworten auf alle Fragen, welche Regeln ab Montag gelten: Corona-Info.

Die bayerischen Sonderregeln zum Seuchenschutz entfallen ab Montag, die bundeseinheitlichen bestehen bis Monatsende:

  • Treffen mit bis zu zehn Personen oder den Angehörigen zweier HausstĂ€nde 
  • Abstands- und Hygieneregeln 
  • Keine Großveranstaltungen bis zum 31. August 

Das bayerische Gesundheitsministerium nennt es „FrĂŒhwarnsystem“: Ab 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche sind in der betroffenen Kommune Lockerungen aufzuheben. Diese kritische Grenze liegt 

  • In Passau bei 18 Infektionen
  • Im Landkreis bei 67 Infektionen

Die Neuinfektionen lagen in den vergangenen Wochen maximal im einstelligen Bereich. Sind von den VirenausbrĂŒchen begrenzt nur Einrichtung betroffen wie Altenheime, KrankenhĂ€user oder MassenunterkĂŒnfte fĂŒr Asylbewerber und FlĂŒchtlinge, beschrĂ€nken sich die Maßnahmen auf dieses Umfeld.

Mehr Corona-Tote als offiziell registriert?
Interessante Daten hat der Passauer Radiologe Stefan Braitinger heute auf seinem Netzauftritt veröffentlicht. Es sind Grafiken ĂŒber die statistischen SterbefĂ€lle aus einer europĂ€ischen Datenbank, allgemeine Zahlen, nicht speziell Corona betreffend. SpĂ€testens zum Jahresende, wenn eine umfassende Auswertung vorliegt, könnte sich die These bestĂ€tigen, das die Zahl der Verstorbenen im Zeitraum der Pandemie weitaus höher liegt als der Zuwachs durch die offiziell registrierten Corona-Toten. Mitte MĂ€rz steigt die Kurve an, im April werden in allen Altersgruppen so viele TotesfĂ€lle wie noch nie zuvor registriert; in den skandinavischen LĂ€ndern sticht Schweden, dessen Sonderweg mitlerweile selbstkritisch betrachtet wird, durch eine hohe Übersterblichkeit heraus.

Bestimmte BĂŒrgerbewegungen, denen sich die „Alternative fĂŒr Deutschland“ anschließt, reden die Corona-Gefahr klein und stellen die Maßnahmen als mutwillig streng, als staatliche WillkĂŒr dar. Sie wollen nicht anerkennen, dass die Menschheit und ihre Gelehrten mit dieser Seuche Neuland betreten, Politik und Wissenschaft wie ein besonnener Autofahrer im Nebel fahren: langsam, auf Sicht. Hinterher festzustellen, dass ohnehin kein Hindernis im Weg war, schmĂ€lert das verantwortungsvolle Vorgehen nicht; hat keine Kritik verdient. 

Dieses Magazin hatte bereits mit Blick auf die lokalen statistischen Sterbezahlen der Stadt Passau veranschaulicht, dass wĂ€hrend der letzten großen Grippewelle die jĂ€hrliche Todeszahl von durchschnittlich 600 um etwa 40 angestiegen ist, diese mutmaßlichen Grippetote verteilten sich auf einen Zeitraum von sechs Monaten. WĂ€hrend der Hochzeit der Corona-Pandemie haben innerhalb weniger Wochen 21 Passauer ihr Leben verloren; zur registrierten Zahl kĂ€me die Dunkelziffer hinzu, die sich zum Jahresende im Sterberegister verbirgt.

Die Grafik, welche Braitinger veröffentlichte, deutet hier darauf hin, dass die Seuche zu TodesfĂ€llen gefĂŒhrt hat, welche in die Corona-Statistik nicht eingegangen sind. Zumal heute bekannt ist, dass die KrankheitsverlĂ€ufe sehr komplex sind, das Virus nicht nur die Lunge angreift, sondern unter anderem Nierenversagen oder SchlaganfĂ€lle hervorrufen kann. 

Lokale Corona-Zahlen weichen von offiziellen Bundesstatistiken ab
Diese Redaktion hat zudem festgestellt, dass die offiziellen Zahlen, welche das Robert-Koch-Institut und das bayerische Gesundheitsministerium in die Statistik einfließen lassen, mit den tatsĂ€chlichen CoronafĂ€llen, welche die Kommunen an die Lokaljournalisten direkt ĂŒbermitteln, nicht ĂŒber einstimmen. Eine Anfrage beim Ministerium hatte zur Antwort, dass der Fehler bei der DatenĂŒbertragung, der Software liegen könnte; oder beispielsweise ein Todesfall nicht eingetragen wird, weil im Anhang bestimmte Dokumente fehlen.

Im „Corona-Liveticker“, den die PNP fĂŒhrt, sind die ministeriellen Zahlen kritiklos ĂŒbernommen worden, obwohl den Lokalredaktionen die abweichenden Meldungen der Kommunen vorliegen.

Zum Stichtag heute heißt es beispielsweise in der PNP, die Zahl der Corona-TodesfĂ€lle liege in Passau bei 18, korrekt liegt sie seit vielen Wochen bei 21. Unterschied 17 Prozent!

Die Zahl der Corona-FĂ€lle im Landkreis Passau wird mit 582 angegeben, obwohl seit Freitag vergangener Woche die vom Pressesprecher des Landratsamtes ĂŒbermittelte korrekte Zahl vom Gesundheitsamt bekannt ist: 594. Warum sind in der offiziellen Statistik von Bund und Land zwölf FĂ€lle unterschlagen worden?

Die fehlerhaften Angaben setzen sich fort in der Angabe der sogenannten Inzidenz, der Infektionen je 100.000 Einwohner. Laut PNP liegt sie statistisch bei 301 im Landkreis, tatsÀchlich bei 309.

Journalismus ist in diesen Tagen mehr denn je ein Rund-um-die-Uhr-Job. Der Reporter ist zur HĂ€lfte seiner Arbeitszeit damit beschĂ€ftigt, GerĂŒchten, die der Redaktion zugetragen werden nachzugehen; zudem die offiziellen Verlautbarungen nachzuprĂŒfen. Pressemitteilungen werden von uns grundsĂ€tzlich nicht ohne Recherche und Nachbearbeitung veröffentlicht.

Hunderte WG-Zimmer und 1-Zimmer-Wohnungen stehen leer
Ein Leser sendet uns ein Bildschirmfoto, das durch das lokale Netz wanderte: In Passau seien wegen Corona laut eines studentischen Mietportals "10.565 WG-Zimmer und Wohnungen" freistehend. Dass dieser Wert fĂŒr eine 52.000-Einwohnerstadt unglaublich wĂ€re, ĂŒbergeht der flĂŒchtige Betrachter. Er nimmt die Botschaft mit: dramatischer Leerstand. Der Wohnungsmarkt in Passau hat sich tatsĂ€chlich gedreht. Das Angebot ĂŒbersteigt neuerdings bei weitem die Nachfrage. Studenten haben ihre Wohnungen oder Zimmer aufgegeben, weil sie in diesem Semester mietkostenfrei bei den Eltern wohnen können. Das digitale Studium erfordert keine Anwesenheit am Studienort. Ausgeblieben sind zudem viele der ĂŒblichen 1.500 Auslandsstudenten, weil die Anreise nicht möglich war oder sie kein Risiko eingehen wollten.

TatsĂ€chlich sind in Passau derzeit laut dem genannten Mietportal 360 Zimmer und Wohnungen auf dem Markt verfĂŒgbar; die Zahl der Suchenden bewegt sich hingegen seit Beginn der Corona-Pandemie auf diesem Portal im einstelligen Bereich. 

Die mangelnde Nachfrage nach Wohnraum spĂŒren selbst die Studentenwohnheime, deren Appartements wegen der gĂŒnstigen Miete normalerweise schnell vergriffen sind. Letzte Woche hat das Studentenwerk ĂŒber Radio mitteilen lassen, dass in Regensburg und Passau WohnheimplĂ€tze zur VerfĂŒgung stehen; eine neue Situation.

Es ist nicht verwunderlich. Die UniversitĂ€t hat sich auf ihrer Netzseite mit folgenden Worten an die Studierenden gewandt: „Sie mĂŒssen fĂŒr das Studium bis auf Weiteres nicht in Passau oder auf dem Campus sein. Wenn Sie noch in der Heimat sind, reisen Sie bitte vorerst nicht nach Passau an, wenn es fĂŒr Sie nicht unbedingt erforderlich ist.“ 

Das erste digitale Semester der UniversitĂ€tsgeschichte ist ausgerufen worden. Selbst Klausuren können von Zuhause aus am Rechner erledigt werden. 

Mittwoch, 10. Juni


Alle europĂ€ischen LĂ€nder außer Spanien und Norwegen öffnen zum 15. Juni ihre Grenzen. Österreich war einseitig vorgeprescht, damit wieder Touristen ins Land kommen. Reisen in Nicht-EU-LĂ€nder bleiben ein Risiko, da der Staat kein zweites Mal fĂŒr Heimholung aufkommt, RĂŒckkehrer bei verĂ€nderter Lage mit QuarantĂ€ne rechnen mĂŒssen. Reisewarnungen in die meisten Nicht-EU-LĂ€nder bleiben bestehen.

In Passau gibt es einen neuen Infektionsfall. Die Zahl summiert sich auf 133; 21 Menschen sind verstorben, davon 20 Rentnerinnen und Rentner aus Altenheimen. Im Klinikum werden aktuell zwei Corona-Erkrankte behandelt; einer intensivmedizinischen Betreuung bedĂŒrfen sie nicht. Das Robert-Koch-Institut registrierte gestern, dass mit 555 Neuinfizierten die Ausbreitung leicht ansteigt; so hoch lag der Wert seit dem 30. Mai nichtmehr. Es wĂ€ren die Auswirkungen der Lockerungen vor 14 Tagen, der Woche nach dem Vatertag, nach "Christi Himmelfahrt."

Können KlĂ€ranlagen als FrĂŒhwarnsystem eingesetzt werden? Im Abwasser der menschlichen Ausscheidungen lĂ€sst sich feststellen, ob sich VirustrĂ€ger darunter befinden. Die ausgeschiedenen Viren sind zwar nicht mehr infektiös, aber nachweisbar.

Der Corona-Check-In im Klinikum Passau ist beschleunigt worden. Besucher und Patienten werden nicht mehr von Krankenschwestern mit kontaktlosem FiebermessgerÀt, sondern von einer an der Decke installierten WÀrmebildkamera kontrolliert. Patienten haben Vortritt vor Besuchern, die Sicherheitsleute sortieren die Wartenden.

Von Masken und Disziplin
WĂ€hrend in den Arztpraxen und Kliniken die Maske fĂŒr Medizinier, fĂŒr Pflege- und Putzpersonal zum pflichtbewussten Alltag geworden ist, mehrt sich draußen das Murren um den "Maulkorb", vor allen in der Gastronmie. Die Widerwillingen lassen die Mundnasenbedeckung am Kinn baumeln oder bedecken nur den Mund; doch wenn nicht Mund und Nase gleichzeitig bedeckt sind, ist der Passivschutz vor Mikrotröpfchen wirkungslos. Zu den Massenverbreitern können diejenigen werden, welche den ganzen Tag ĂŒber viele Menschenkontakte haben: Busfahrer und Zugbegleiterinnen, Wirte und Kellnerinnen, Supermarktkassierer und Standlfrauen. Mit der Maske schĂŒtzen sie die Kunden vor diesem Risiko; umgekehrt vermeiden es Kunden mit Maske, diese potentiellen Massenverbreiter anzustecken. 

Dienstag, 9. Juni

Die Fitnessstudios haben seit gestern wieder geöffnet. UmkleiderĂ€ume, Duschen und Sauna bleiben geschlossen. Die Kunden erscheinen in Sportklamotten, dĂŒrfen an den GerĂ€ten ohne Masken trainieren. BetĂ€tigungen, bei denen der Mensch extrem außer Atem kommt und der Ausstoß von Tröpfchen besonders hoch wĂ€re, werden nicht erlaubt. Squash zum Beispiel oder Zirkeltraining.

Im Passauer Erlebnisbad zogen erstmals wieder ein paar Dutzend GĂ€ste die ersten Runde dieser Badesaison. Auch hier gelten spezielle Hygieneregeln. Tanzunterricht mit Abstand oder festem Partner ist wieder erlaubt.  

Die aktuellen Corona-Zahlen: 47.602 (plus 42) Infizierte in Bayern, 2.501 (plus 1) Tote; fĂŒr Niederbayern 4.753 Infizierte (plus 3) und 282 Tote. Die Inzidenz, Infizierte je 100.000 Einwohner, liegt damit bayernweit bei 362, in Niederbayern bei 384. Die Ausbreitung ist seit Wochen sehr gebremst, im Landkreis zuletzte vier Erkrankte am Freitag gemeldet, in Passau seit Tagen zum Stillstand gekommen.

Theaterbesuche sind ah 15. Juni wieder bis 50 Zuschauer mit Abstand und Maske erlaubt. Das Passauer Opernhaus zĂ€hlt 350 PlĂ€tze; bei einem Siebentel an Auslastung ist dies wohl kaum rentabel. Starten können unter diesen Bedingungen kleinere BĂŒhnen.

Mit 583 Infizierten im Landkreis und 133 in der Stadt (26 und 18 Tote) weichen die offiziellen Zahlen des Gesundheitsministeriums von den tatsĂ€chlichen vor Ort genannten weiterhin ab. Im Landkreis sind es 594 Infizierte (11 mehr als in der ministeriellen Statistik), in Passau 132 Infizierte (minus 1), aber 21 Tote (plus 3). 

Freitag, 5. Juni

Die NachbarlĂ€nder leben gut von den reisefreudigen Deutschen. In der Nacht auf Donnerstag haben Österreich und heute Mittag Tschechien ihre Seuchengrenzsperren aufgehoben. Geld ins Land zu bringen ist dringlicher geworden als das Virus draußen zu halten.

FĂŒr die Bewohner der NachbarlĂ€nder selbst geht es noch nicht so locker her. Wer keinen triftigen Grund hat auszureisen, dem droht bei der RĂŒckkehr noch immer CoronaquarantĂ€ne.

In Passau hat sich auf der "Straße der Kaiser und Könige", der touristischen Hauptstraße gen Österreich, die durch die Innenstadt ĂŒber den Inn hinunter ins Donautal fĂŒhrt, der Verkehr schlagartig vervielfacht; die Fahrt ins Blaue oder zur Billigtanke.

Auf dem Papier sind deutschen StaatsbĂŒrgern nach wie vor touristische Reisen oder Besuchsfahrten ins Nachbarland untersagt, sofern letztere keinen belegten partnerschaftlichen oder familiĂ€ren Hintergrund haben. Ein Sprecher der Bundespolizei verweist auf die Seiten des Innenministeriums; die Regeln wĂŒrden uneingeschrĂ€nkt gelten bis 15. Juni. Hier die Formulare fĂŒr triftige familiĂ€re und sonstige Angelegenheiten. In der RealitĂ€t sind die Kontrollen durch die Bundespolizei aber so gut wie abgeschafft. Leserinnen berichten von Innviertler Biergartenbesuchen und maskenfreien Bedienungen.

Ein Makel der europĂ€ischen Innengrenzen bleibt auch nach dem 15. Juni: Die Grenzkontrollstelle auf der Autobahn A3, das Relikt aus der Zeit der FlĂŒchtlingsbewegung, das StauĂ€rgernis fĂŒr Pendler. Viele Lokalpolitiker fordern lĂ€ngst das Ende dieser Schikane, aber Innenminister Horst Seehofer hat immer wieder die VerlĂ€ngerung durchgesetzt. "Am 12. September feiert diese Grenzkontrolle ihr fĂŒnfjĂ€hriges JubilĂ€um", sagt ein Sprecher der Bundespolizei mit sĂŒffisantem Unterton. Sollte Seehofer nicht plötzlich umschwenken, was derzeit unwahrscheinlich ist, wird diese Einreisekontrolle bis November erhalten bleiben; so lange lĂ€uft die aktuelle Sonderregelung.

Mittwoch, 3. Juni

Mit 130 Milliarden Euro will die Staatsregierung Deutschland „mit Wumms aus der Krise fĂŒhren“, wie Vizekanzler Olaf Scholz mehrmals betonte, als wolle er den Journalisten eine Überschrift diktieren. Kanzlerin Merkel hat am Mittwoch um 22.30 Uhr die Eckpunkte des Corona-Konjunkturprogramms vorgestellt. Der wichtigste: Die MehrwertsteuersĂ€tze werden ab 1. Juli bis Ende des Jahres von 19 auf 16 und von 7 auf 5 Prozent gesenkt.   

„Gute Demokratie dauert, 21 Stunden haben wir verhandelt“, sagte MinisterprĂ€sident Markus Söder. Die Binnennachfrage zu steigern, den fehlenden Export auszugleichen und den Wohlstand der BĂŒrger zu erhalten, sei das staatspolitische Ziel gewesen. Das „HerzstĂŒck“ sei die Mehrwertsteuersenkung, eine Idee der Union; die Wirtschaft solle sie an die Verbraucher weiterreichen, damit der Konsum angeregt wird.

Es lohne sich wieder MöbelmÀrkte zu besuchen, Waschmaschinen zu kaufen, aber auch Autos, sagte Söder. Die Mehrwertsteuersenkung betreffe alle Klassen und Motoren. Auf einzelne Branchen sich zu konzentrieren, damit sprach er die AutokaufprÀmie an, habe man nicht als den richtigen Weg gesehen.

In Zahlen ausgedrĂŒckt: Ein Auto fĂŒr 20.000 Euro wird um gut 500 Euro gĂŒnstiger; eine Waschmaschine fĂŒr 500 Euro um 13 Euro; eine Luxuslimousine von 75.000 Euro um knapp 2.000 Euro. Beim Kauf eines Magazins BĂŒrgerblick am Kiosk wĂ€ren es in der Zeit der Mehrwertsteuersenkung 4,12 Euro statt 4,20 Euro.

Weitere Punkte:

  • Bonus von 300 Euro je Kind
  • Hilfe fĂŒr Kommunen: Die EinbrĂŒche der Gewerbesteuer gleicht der Bund zur HĂ€lfte aus, beteiligt sich zusĂ€tzlich an den Ausgaben fĂŒr Mietbeihilfen.
  • Ein Klacks im 130-Milliarden-Paket (umgerechnet 1.500 Euro je Einwohner) sind 50 Millionen Euro fĂŒr ein Zukunftspaket „Klimaschutz und Digitalisierung“, das sind 60 Cent je Einwohner.
  • Die BeitrĂ€ge zur Sozialversicherung (maximal 40 Prozent) und die Strompreiserhöhungen (EEG-Umlage 2020 maximal 6 Cent, 2021 6,5 Cent) werden bis Ende 2021 gedeckelt
  • Weitere UnterstĂŒtzung sind eingerechnet fĂŒr MittelstĂ€ndler, Kleinunternehmer, Kulturbetriebe und Sozialunternehmer
  • Bei der MobilitĂ€t wird auf E-Autos, Wasserstofftechnik, moderne Nutzfahrzeuge und moderne Flugzeuge gesetzt; der öffentlichen Nahverkehr wird gestĂ€rkt.

    Deutschland könne dieses Paket leisten, es schnĂŒre den nachfolgenden Generationen nicht die Luft ab, hieß es.

Dienstag, 2. Juni

Kreuzfahrtschiffe, die in zweiter und dritter Reihe parken, TouristengedrÀnge am Kai und in den Gassen - diese Szenen wird es in Passau wohl lÀngere Zeit nicht mehr geben. In 22 Punkten hat das Rathaus mit seinem Tochterunternehmen Stadtwerke festgelegt, unter welchen Auflagen die Kreuzfahrt Mitte Juni beginnen kann.

Ein wesentlicher Punkt: Die Passagiere mĂŒssen einen aktuellen Corona-Test vorweisen, das Schiffspersonal sich regelmĂ€ĂŸigen Tests unterziehen.

Die strengen Vorschriften erklĂ€rt der OberbĂŒrgermeister damit, dass die Passauer Bevölkerung mit umsichtigen Verhalten die Infektionszahlen geringgehalten hat und er diese auf keinen Fall einem unkalkulierbaren Infektionsrisiko aussetzen möchte. Die LĂ€nden bleiben grundsĂ€tzlich gesperrt. Kreuzfahrtschiffe dĂŒrfen nur mit Ausnahmegenehmigungen anlegen, wenn deren Betreiber bestimmten Auflagen erfĂŒllen und das Gesundheitsamt zugestimmt hat.

  • Die Liegestellen in der Altstadt sind wegen der beengten Situation fĂŒr die Kreuzfahrt auch mit Ausnahmen nicht freigegeben.
  • Es dĂŒrfen keinesfalls Schiffe anlegen, deren Passagiere in anderen HĂ€fen zu gestiegen sind.
  • Die ersten Reedereien haben bereits ihre Anfragen gestellt. Sie sind darauf hingewiesen worden, dass die Zahl der Passagiere nur maximal die HĂ€lfte der KapazitĂ€t begrenzt ist, ebenso die ZusammenkĂŒnfte in den InnenrĂ€umen nach der staatlich festgelegten Höchstzahl.
  • Der Reiseveranstalter muss sein Konzept vorlegen wie mit Corona-VerdachtsfĂ€llen oder Corona-erkrankten Verfahren wird, wie diese nach den QuarantĂ€nevorschriften versorgt und nachhause gebracht werden.
  • Bei der Schiffsbesatzung sind auch wĂ€hrend der Reise regelmĂ€ĂŸige Tests nachzuweisen, bei Passagieren ein ausreichend aktueller Test vor Reiseantritt.
  • Zudem ist der Nachweis erforderlich, Ă€hnlich wie in EinkaufsmĂ€rkten, dass die auf dem Schiff zur VerfĂŒgung stehenden FlĂ€chen ausreichen, problemlos die MindestabstĂ€nde einzuhalten.
  • Wegen der Abstandsregeln dĂŒrfen die Schiffe nicht nebeneinander liegen.
  • Beim Ein- und Ausschiffen dĂŒrfen sich keine Menschenansammlungen bilden.
  • Beim Aufenthalt auf der LĂ€nde ist Mundnasenbedeckung Pflicht.
  • Schiffspersonal, die an den Strom- und WasseranschlĂŒssen hantieren, mĂŒssen Handschuhe tragen.

Passagiere, Schiffspersonal und die Beteiligten an Land haben sich grundsĂ€tzlich an die Seuchenvorschriften zu halten. FĂŒr Taxifahrer, Busfahrer, Chauffeure und Lieferanten heißt das, dass sie sich auf der SchiffslĂ€nde so kurz wie möglich aufhalten und vermeiden, dass sich Warteschlangen bilden. "Notfalls mĂŒssen die Fahrer in ihren Fahrzeugen warten."

  • ReisegepĂ€ck und Schiffsbedarf dĂŒrfen auf der LĂ€nde nicht zwischengelagert werden.

Manche werden es vielleicht vergessen haben: In Seuchenzeiten gelten strenge Vorschriften fĂŒr die MĂŒllentsorgung. Was fĂŒr Privathaushalte mit Mitgliedern, die sich in QuarantĂ€ne oder Isolation befinden, gilt, gilt generell fĂŒr die SchiffsabfĂ€lle: verschlossene BehĂ€lter, Personal mit SchutzausrĂŒstung; der KapitĂ€n persönlich oder eine von ihm beauftragte Person hat das Verladen zu ĂŒberwachen.

Die Passagiere werden in einem gesonderten Bereich außerhalb des Schiffes auf etwaige Corona-Symptome kontrolliert; dies mĂŒsse so erfolgen, dass der Betrieb auf der LĂ€nde nicht behindert wird. Passagiere die als Verdachtsfall gelten und nicht an Bord gehen dĂŒrfen, mĂŒssen betreut und den Behörden gemeldet werden.

30. Mai, Samstag

Auf einer eingezĂ€unten FlĂ€che zwischen den Platanen auf dem Kleinen Exerzierplatz haben rund 270 Menschen, die sich "Corona-Rebellen" nennen, ihre fĂŒnffte Samstagskundgebung abgehalten.


Auf der FlĂ€che wĂ€re laut Auskunft der Behörden fĂŒr 400 Leute Platz gewesen. Der Veranstalter organisierte die ZĂ€hlung, um den Zutritt zum "KĂ€fig" zu kontrollieren, mit einer netten Geste: Ordner drĂŒckten jedem Eintretenden eine Margarite in die Hand; die Blumen wurden abgezĂ€hlt in einem Zinneimer vorgehalten.

Die grĂ¶ĂŸte Veranstaltung hatte vorigen Samstag mit weit ĂŒber 300 Teilnehmern stattgefunden. Alle HintergrĂŒnde ĂŒber die Bewegung erfahren Sie im neuen BB-Magazin.

Die Veranstalter kĂŒndigten an, mit dem Auftritt von Virologen fĂŒr mehr Aufmerksamkeit zu sorgen. Der Passauer Frauenarzt Ronald W., der vor drei Wochen als Hauptredner gesprochen hatte, der zusammen mit dem Virologen Sucharit Bhakdi einen Verein und eine Seite im Netz fĂŒhrt, war erneut nicht erschienen.

Die Chronik der Demoreihe:

  • Kleine Gruppe am Ludwigsplatz, VerstĂ¶ĂŸe gegen Abstandsregeln und blockierte FußgĂ€ngerzone
  • 250 Leute an der sĂŒdöstlichen Ecke des Kleinen Exerzerplatzes, in kuscheliger Enge; erneuter Verstoß gegen Abstandsregeln
  • 275 Leute auf dem Messeparkplatz; deutlicher Abstand, denn die Stadt droht mit Bußgeld von 500 Euro gegen VerstĂ¶ĂŸe
  • 300 Leute auf der fĂŒr diese Höchstmenge begrenzten FlĂ€che auf dem Kleinen Exerzerplatz; mit ZĂ€hlkontrolle; zudem drei Dutzend ZaungĂ€ste, denen der Zutritt verweigert worden war.
  • 270 Leute auf einer grĂ¶ĂŸeren eingezĂ€unten FlĂ€che des Kleinen Exerzerplatzes; 400 Menschen wĂ€ren diesmal erlaubt gewesen; weniger Teilnehmer von außerhalb; schlechtes Wetter.

Der Platz war auch heute mit großem Polizeiaufgebot von allen Seiten bewacht. Es gab keine ZwischenfĂ€lle. 

Donnerstag, 28. Mai

Auf dem Volksfestplatz von Freyung sind in den letzten drei Wochen 500 PflegekrĂ€fte freiwillig auf Corona getestet worden. Alle verliefen negativ. Das Gesundheitsamt hat die Teststraße auf Empfehlung des Robert-Koch-Instituts eingerichtet.

In Einrichtungen wie Altenheimen, BehindertenwerkstĂ€tten oder Asylbewerberheimen können eingeschleppte Viren zu MassenausbrĂŒchen fĂŒhren.

Das Landratsamt Passau meldet heute keine Neuinfektionen, aber den Tod einer 87-jÀhrigen Patientin.

"In einer Welt voller Fakenews und AluhĂŒte brauchen wir Mathematikunterricht mehr als je zuvor!", schreibt der Wiener Wissenschaftsredakteur Florian Aigner.

Anmerkung des Autors: Wer rechnen kann, könnte sich selbst erklĂ€ren, warum eine ungebremste Corona-Ausbruchswelle nicht nur die Kliniken, sondern auch Leichenbestatter und Friedhöfe ĂŒberfordern wĂŒrdeIn einer Stadt wie Passau leben in der höchsten Risikogruppe der ĂŒber 80-JĂ€hrigen 3.500 Menschen, davon 800 "geschĂŒtzt" in Altenheimen, die anderen alleinstehend oder in Familien. Von 31 infizierten Rentnerinnen und Rentnern sind Ihnen Passau Altenheimen 20 verstorben. Was das unter 3.500 betagten Rentnerinnen und Rentnern anrichten wĂŒrde, kann sich jeder mit einfachen mathematischen Kenntnissen selbst ausrechnen. Zur EinschĂ€tzung ist diese Zahl wichtig: rund 620 Passauerinnen Passauer werden jedes Jahr zu Grabe getragen; im extremen Grippejahr waren es drei Dutzend mehr.

Diese Informationen kennen BĂŒrgerblick-Abonnenten bereits aus dem Maimagazin.

Die Reisebusunternehmer dĂŒrfen auf Soforthilfe hoffen. Mit mehrenen Buskorsos haben sie in Berlin auf ihre Notlage aufmerksam gemacht. Jetzt signalisiert Verkehrsminister Andreas Scheuer, dass 170 Millionen Euro als Soforthilfe ausgereicht werden.

Unbeschwerte Busreisen an die Adria?
In einem Gratisblatt bietet ein Veranstalter aus Passau-Kohlbruck auf einer Doppelseite Busreisen von der Ostsee bis nach Kroatien an. Von Maskenpflicht und Abstand ist kein Wort die Rede, der Spruch lautet: "Reisen Sie gemeinsam - egal ob mit Autos, Bus oder Flugzeug." 

Im Hafen Racklau parken zwei Dutzend stillgelegte Reisebusse eines großen Unternehmers aus Bad FĂŒssing. Zu seinen besten Kunden gehörten die Kreuzfahrtunternehmen.

Corona lÀsst Passauer Seilbahndebatte verstummen
Mit Corona haben sich viele Themen rund um dem Busunternehmer erledigt, beispielsweise die im Vorjahr heftig diskutierten Reisebusverkehre durch die historische Innstadt, die mit einem vom Stadtrat verhĂ€ngten Durchfahrtsverbot fĂŒr Reisebusse endete. Die PlĂ€ne um eine Seilbahn auf die Veste Oberhaus dĂŒrften in der Tourismuskrise ebenso erstmal vom Tisch sein.

Bildzeitungskampagne gegen Drosten
Die Bild-Zeitung hat niederlĂ€ndische Wissenschaftler zitiert, um den Berliner Virologen Christian Drosten zu diskreditieren. Sie gehört nach Vermutung des Medienkritikers Stefan Niggemeier zu einer viel grĂ¶ĂŸeren Kampagne mit dem Titel „Merkel-muss-weg“. Die von der Bild-Zeitung zitierten Wissenschaftler des EU-Corona-Projekts "Recover", namentlich der Antwerpener Mikrobiologe Hermann Goossens, haben heute öffentlich erklĂ€rt, dass sie gegen "manipulative Interviews", die zur Fehlinterpretation der Wissenschaft fĂŒhren können Stellung beziehen. Sie nehmen damit Dorsten als Kollegen in Schutz.

Trump bedauert 100.000 Corona-Tote
Donald Trump hat heute den Angehörigen der 100.000 Corona-Toten mit einer Nachricht auf Twitter sein Beileid ausgedrĂŒckt. Er schreibt auf Twitter: "Wir haben gerade einen sehr traurigen Meilenstein erreicht. Allen Familien und Freunden der verstorbenen möchte ich mein tief empfundenes MitgefĂŒhl und meine Liebe fĂŒr alles aussprechen, wofĂŒr diese großartigen Menschen standen und reprĂ€sentierten."

Trump statt Merkel: Deutschland hÀtte dreimal so viele Tote
Die New York Times hat Berechnungen veröffentlicht, wonach die USA mit einem deutschen Weg etwa ein Drittel dieser Toten hÀtten verhindern können; statistisch gesehen sind in den letzten drei Monaten tÀglich 1.100 US-Amerikaner an Corona verstorben.

HÀtte Deutschland amerikanische VerhÀltnisse, wÀren das 275 Tote je Tag, in der Summe 25.000. Die tatsÀchliche Zahl der registrierten Verstorbenen liegt in Deutschland bei 8.500, das sind ein Drittel; die Zahl der Corona-Verstorbenen liegt im Durchschnitt der Zeitspanne der letzten drei Monate bei Reisebusse Tagesschau Scheuerunter 100, derzeit bei 50 bis 60.

Corona-Genesene berichten von SpÀtfolgen
Das Magazin "Stern" greift einen Bericht der "New York Times" auf ĂŒber den 71-jĂ€hrigen Virologen Peter Piot, der sein Leben dem Kampf gegen Ebola und HIV gewidmet hat. Der Seuchenmediziner hat den Corona-Virus am eigenen Leib erfahren und ist nach eigener Schilderung knapp dem Tod entkommen. Er berichtet wie manch andere Genesene von seinen SpĂ€tfolgen, körperliche Anstrengung wie Treppensteigen oder lĂ€ngere GesprĂ€che fĂŒhrten schnell zu Atemnot.

Corona tötet auch Sportliche
Eine Passauer Ärztin, Anfang 60, berichtet, dass sie einen sportlichen Wanderfreund, der im selben Alter wie Piot war, durch Corona verloren hat. Man habe sich Mitte MĂ€rz wie immer in St. Anton getroffen; fĂŒnf Leute aus ihrem Stammlokal, darunter der Wirt, seien, wie sie spĂ€ter erfahren hat, an Corona krankt. Sie selbst hatte das GlĂŒck sich nicht angesteckt zu haben.

Donnerstag, 24. MĂ€rz

Am Freitag in einer Woche dĂŒrfen die FreibĂ€der wieder öffnen.

Die niederbayerischen ThermalbĂ€der in Bad Griesbach und Bad FĂŒssing bereiten sich darauf vor. Der Zugang der BadegĂ€ste wird je nach FlĂ€che beschrĂ€nkt.

Das Stadtgebiet Passau meldet am Abend zwei neue Infektionen, die neuer Summe betrÀgt damit 132. Sieben Passauer befinden sich im Krankheitsstadium.

Die Zahl der Verstorbenen betrÀgt bis heute 21; davon betreffen 20 TodesfÀlle die insgesamt 31 Infizierten in den stÀdtischen Altenheimen.

Im Klinikum Passau wird ein Corona-Patient beatmet, fĂŒnf weitere liegen auf der Intensivstation.

Im Landkreis Passau sind keine neuen FĂ€lle mehr gemeldet worden. Es bleibt in der Summe bei 590 FĂ€llen seit Infektionsausbruch.

Corona-Statistik: Irgendetwas stimmt nicht
Dieses Magazin hat beim Bayerischen Gesundheitsministerium nachgefragt, warum die offiziellen ministeriellen Zahlen, die auch das Robert-Koch-Institut meldet, den tatsÀchlichen mittlerweile zunehmend hinterherhinken.

Es handle sich um wahrscheinlich um einen Softwarefehler bei der Übertragung, erklĂ€rt heute ein Pressesprecher aus MĂŒnchen. Er hat aber keine ErklĂ€rung, warum die Differenz zwischen der lokalen Meldung und dem Ministerium immer weiter anwĂ€chst. Dies hat die BB-Redaktion beobachtet.

Aktuell meldet das Ministerium in der Fortschreibung 571 Corona-Infektion im Landkreis Passau, tatsÀchlich sind es 590, also 19 FÀlle sind unter den Tisch gefallen.

Wie groß ist Kontaktkreis der Neuinfizierten?
Das Landratsamt Passau hat unsere Anfrage bezĂŒglich der 14 Neuinfektionen beantwortet. Wir wollten wissen, wie groß die Kontaktkreise sind, wie viele in QuarantĂ€ne mĂŒssen. "Die Zahl der Kontaktpersonen beschrĂ€nkt sich in den allermeisten FĂ€llen auf etwa fĂŒnf Personen", schreibt Pressesprecher Christoph Kölbl.

Dies belegt, dass sich die Leute konsequent in einem engen Umfeld bewegen.

Allerdings: In einigen wenigen FĂ€llen habe es Kontaktpersonen im zweistelligen Bereich gegeben. Dies deute darauf hin, dass es hier zu VerstĂ¶ĂŸen gekommen ist. "Dies beobachten wir mit großer Sorge und appellieren an das Verantwortungsbewusstsein", schreibt Köbl.

 

24. Mai

Am Sonntag hat der Landkreis vier weitere Infektionen gemeldet. Damit ist die Zahl an Neuinfektionen in Stadt und Land nach fast wochenlangem Stillstand angewachsen um 15.

Freitag 22. Mai

Das ist keine gute Nachricht zum Beginn des Wochenendes.

Wie sich die Corona-Infektionen entwickeln, wie sich die Lockerungen auswirken, darĂŒber wissen wir frĂŒhestens nach zwei Wochen Bescheid. So lange dauert es von der Ansteckung, ĂŒber den Ausbruch der Krankheit bis zum Testergebnis. So gesehen liest sich die Mittagsmeldung aus dem Passauer Landratsamt beunruhigend: Nach fĂŒnf Tagen ohne Neuinfektionen gibt es jetzt zehn neue FĂ€lle. Die Corona-Erkrankten stehen nicht im Zusammenhang mit Altenheimen, MassenunterkĂŒnften fĂŒr Migranten oder Schlachthofmitarbeiter. Es sind Corona-Infizierte aus dem hĂ€uslichen Bereich, wie der Pressesprecher betont.

Ob es sich um die negativen Auswirkungen der Lockerungen handelt oder einen statistischen Ausrutscher, wird sich im Laufe der nÀchsten Tage zeigen.

Die Phase, in der unsere Gesellschaft in der Seuchenzeit eingetreten ist, nennt sich wissenschaftlich "PrĂ€ventionsparadox". Wenn vorbeugende Maßnahmen, in diesem Fall der konsequente Seuchenschutz erfolgreich sind, dazu fĂŒhren, dass die befĂŒrchtete Wucht der Pandemie ausbleibt, lehnen bestimmte Menschen sich entspannt zurĂŒck und glauben "Das wars dann". Doch bei Pandemien kann der Weg in den Alltag der RĂŒckschlag in die Krise sein.

Es ist fast auf den Tag genau zwei Wochen her, dass die AusgangsbeschrĂ€nkungen in Bayern aufgehoben worden sind. Es war wieder erlaubt, sich mit wenigstens einem Mitglied eines anderen Hausstandes zu treffen. Am Mittwoch vor zwei Wochen durften auch die großen GeschĂ€fte aufsperren. Die Warnungen der Wissenschaftler, welche die Lockerungen skeptisch sahen, wurden in den Wind geschlagen. 

Corona-Fall im stÀdtischen Fleischhygienebetrieb
Die Pressestelle des Rathauses teilt mit, dass ein Mitarbeiter der "StĂ€dtischen Fleischhygiene" positiv auf Corona getestet worden ist. Dies ist der einzige Fall einer Testreihe unter 75 BeschĂ€ftigten, die vom Gesundheitsministerium nach den VorfĂ€llen in Straubing in allen bayerischen Schlachthöfen angeordnet worden ist. Eine hohe Ansteckungsgefahr durch MassenunterkĂŒnften fĂŒr Leiharbeiter gibt es in Passau nicht. "Alle Mitarbeiter snd festangestellt, werden sehr gut bezahlt und fair behandelt", wird SchlachthofgeschĂ€ftsfĂŒhrer Alois Schmalhofer in der Pressemitteilug zitiert. Seit 23. MĂ€rz gelte die Maskenpflicht fĂŒr alle BeschĂ€ftigten. 

FĂŒr den CoronavirustrĂ€ger von der Fleischhygiene wurde Isolation angeordnet. Er hatte angeblich keine direkten Kontakte zu Schlachthofmitarbeitern, deshalb sind keine weiteren QuarantĂ€nemaßnahmen erforderlich.

Mittwoch. 20. Mai

Kultusminister Michael Piazolo gibt Zahlen fĂŒr das Corona-Abitur bekannt: Heute beginnen die PrĂŒfung fĂŒr 35.000 GymnasiumsabgĂ€nger; einen Monat spĂ€ter als ĂŒblich. Am 27. April hatte fĂŒr die Abiturienten die RĂŒckkehr in den Unterricht unter EinschrĂ€nkungen begonnen. Vier Wochen dauerte die Zwangspause.

Die bayerischen Gymnasiasten legen drei schriftliche AbiturprĂŒfungen ab: heute im Fach Deutsch, am 26. Mai in Mathematik und am 29. Mai in einem dritten Wahlfach. Die mĂŒndlichen PrĂŒfungen in zwei weiteren FĂ€chern finden nach den Pfingstferien, zwischen 15. und 26. Juni statt. Sonderregelungen bei der Notenberechnung sorgen dafĂŒr, dass alle gleich und fair behandelt werden.

Dienstag, 19. Mai

Wie steht es mit SolidaritĂ€t, Umsicht und Fairness in Seuchenzeiten bei der neu eröffneten Gastronomie? Welche Wirte halten die Vorschriften der Infektionsschutzverordnung vorbildlich ein und welche scheren sich weniger?

Darum gehtÂŽs:

  • Tische und StĂŒhle so aufzustellen, dass zwischen fremden GĂ€sten der Abstand von 1,50 Meter garantiert ist
  • Je Tisch erlaubt sind eine Familie oder Mitglieder von maximal zwei HausstĂ€nden 
  • GĂ€ste mĂŒssen registriert werden, damit notfalls Infektionsketten nachvollzogen werden können.
  • Der Wirt muss ein Schutz- und Hygienekonzept vorlegen
  • ServicekrĂ€fte dĂŒrfen nur mit Maske bedienen.

Ein Biergarten in Hacklberg: Der Wirt hat eine gute Gesichtfarbe bekommen, denn er stand gestern von frĂŒh bis spĂ€t an der Einlasskontrolle. "Es ist aufwĂ€ndig mit Schildern, Zettel und Formularen", sagt er. Aber er erhalte positive RĂŒckmeldungen. Den GĂ€sten wird der Tisch zugewiesen; fĂŒr jede Tischnummer muss ein Gast das Kontaktformular ausfĂŒllen. Die Registrierung dient der Sicherheit, dass gegebenfalls Infektionsketten verfolgt werden können. Der Bonus in der Corona-Krise ist ein großer Biergarten, in diesem Lokal 400 PlĂ€tze. Auf seinen Terrassen hat der Wirt wegen der Abstandsbestuhlung die HĂ€lfte der PlĂ€tze verloren. 

„Wir gehen mit klarer Kante vor“, sagt ein anderer junger Restaurantbesitzer. Er habe beispielsweise die Reservierung einer Runde von sechs MĂ€nnern abgelehnt. „Ich bin den anderen GĂ€sten schuldig, dass ich konsequent vorgehe.“ Sie wĂŒrden sich bei denjenigen sicher fĂŒhlen, die das professionell umsetzen. Nur so könne das GeschĂ€ft wieder anlaufen, sagt er.

Wirt in Haidenhof-Nord angezeigt
Im Polizeibericht ist heute vermerkt, dass ein Wirt in Haidenhof-Nord die erste Anzeige bekommen hat. VerstĂ¶ĂŸe waren von einem asiatischen Restaurant in der Königsberger Straße gemeldet worden. Auf der FreischankflĂ€che hielt sich gestern gegen 20.45 Uhr eine Gruppe von mehr als ein Dutzend GĂ€sten auf. Mehrere Streifenwagen rĂŒckten an. Die Bewirteten erhielten einen Platzverweis.

Vorbildlich wĂŒrden Wirte am Rathausplatz, in Hacklberg und am InnstĂ€dter Kirchenplatz die Seuchenschutzregeln umsetzen, teilen uns BB-Leser heute mit. Umgekehrt gĂ€be es Lokale, die sich nicht darum scherten; genannt wird ein CafĂ© mit Aussichtsterrasse im Neumarkt.

ZustĂ€ndig fĂŒr die Kontrollen ist die Polizei. Bei VerstĂ¶ĂŸen drohen laut dem bayerischen Corona-Bußgeldkatalog den Verantwortlichen Strafen von 5.000 Euro. Die OrdnungsĂ€mter können je nach Sachlage und Vermögen des Betroffenen das Bußgeld anpassen; mindestens 150 Euro, maximal 25.000 Euro.

Montag, 18. Mai

Die Gastronomie darf im Freien wieder öffnen.

Die Lockerungen gelten in Österreich seit Freitag. Es darf im Freien bewirtet werden, mit Infektionsschutz und Mundnasenbedeckung im Service. Die Regeln sind ein bisschen unterschiedlich.

  • Bayern: Tische mit Abstand, zusammensitzen dĂŒrfen Familienmitglieder oder Menschen maximal aus zwei HausstĂ€nden; jeder Gast muss sich registrieren lassen, damit Infektionsketten nachvollziehbar bleiben.
  • Österreich: Tische mit Abstand, maximal vier Personen an einem Tisch, unabhĂ€ngig von Familie oder Hausstand, erklĂ€rt der Wirt. Kinder zĂ€hlen bei der ViererbeschrĂ€nkung nicht. Ein GĂ€stebuch muss er nicht fĂŒhren. Da wie dort: KontaktflĂ€chen – laminierte Speisekarte, TischflĂ€che und Stuhllehnen – mĂŒssen nach jedem Gast desinfiziert werden.

Wer grĂ¶ĂŸe FreiflĂ€chen hat, kann die beschrĂ€nkte GĂ€stezahl erhöhen. Die Stadt kommt den Wirten entgegen, ihnen weitere PlĂ€tze im Umfeld ihrer Lokale unbĂŒrokratisch zuzuteilen. Die GebĂŒhren, berechnet nach Quadratmeter, werden heuer von der Stadt nicht erhoben.

Trotzdem: Bewirtung mit Seuchenschutzmaßnahmen ist zeit- und personalaufwĂ€ndig. "Gut möglich, dass es sich fĂŒr manche Betriebe nicht rechnet, jetzt schon zu öffnen", sagt ein Beobachter. Wer hohe Betriebs- und Personalkosten hat und diese mit den maximal möglichen UmsĂ€tzen vergleich, könnte zum Ergebnis kommen: MinustgeschĂ€ft. im Vergleich zum Samstag, 16. Mai

Ab nĂ€chster Woche ist die Bewirtung, beschrĂ€nkt durch die Abstandsregeln, im Lokal erlaubt. Die Sperrstunde ist diese Woche auf 20 Uhr, ab nĂ€chster Woche auf 22 Uhr festgesetzt. 

Lufthansa hebt im Juni ab

Bisher sind auf dem Luftkorridor ĂŒber Passau tagtĂ€glich nur eine Handvoll Flugzeuge unterwegs; vor allem arabische und serbische Fluglinien, Frachtflugzeuge. Ab Juni sind wieder Flugzeuge mit dem Kranich dabei.

80 Maschinen, 106 Ziele
Lufthansa verkĂŒndet heute die "gute Nachricht", dass mit dem Juni-Flugplan die ersten 80 Flugzeuge wieder zum Einsatz kommen. Sie fliegen106 Ziele an, davon 20 auf anderen Kontinenten. Mallorca und Mexiko, Kreta und Johannesburg.  

Freitag, 15. Mai

***
Der Landkreis Passau hat heute seine Corona-Statistik aktualisiert.
Die Situation in Salzweg hat sich entspannt: Von den ehemals 77 Erkrankten, darunter mehr als 50 aus der Asylbewerberunterkunft "Salzweger Hof", ist bis auf 3 fĂŒr alle die Isolation aufgehoben worden.

In 16 der 38 Landkreiskommunen wurden keine neue Infektionen registriert. Die Entwicklung belege, dass die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger solidarisch und verantwortungsvoll sich verhalten, erklĂ€rt Landrat Raimund Kneidinger in einer Pressemitteilung. Die Zahl der Toten in Zusammenhang mit Corona bleibt im Landkreis bei 26.

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Donnerstag, 14. Mai


Die Stadt Passau verzeichnet seit mehreren Tagen keine Neuinfektionen mehr. Ein 77-jĂ€hriger BĂŒrger ist verstorben. Im Klinikum werden sechs Erkrankte behandelt, davon einer beatmet auf der Inetnsivstation.

Wirte und Kneipenbesitzer bereiten sich darauf vor, dass sie am kommenden Montag unter bestimmten Voraussetzungen wieder öffen können.

  • Vorteile haben Betriebe mit BiergĂ€rten und FreiflĂ€chen, denn draußen darf ab Montag wieder bewirtet werden; mit Abstand und Maskenpflicht fĂŒr das Servicepersonal. Sperrstunde 20 Uhr.
  • Kommenden Montag, 25. Mai, ist die Bewirtung mit entsprechenden Auflagen drinnen wieder erlaubt. Sperrstunde 22 Uhr; mit Abstand und Maskenpflicht fĂŒr Servicepersonal, KĂŒche und GĂ€ste; letztere dĂŒrfen die Maske nur am Tisch abnehmen. Sperrstunde 20 Uhr.

Worauf die Betreiber zu achten haben:

  • die GĂ€ste mĂŒssen, wie bei den Friseuren die Kunden, registriert werden, damit eventuelle Infektionsketten nachverfolgt werden können
  • um gemeinsame KontaktflĂ€chen zu vermeiden sind Salz- und Pfefferstreuer, Blumenvasen oder Speisekarten nicht erlaubt; es sei denn, diese GegenstĂ€nde werden nach jeder Benutzung desinfiziert oder man behilft sich mit Einwegspeisekarten.
  • regelmĂ€ssiges LĂŒften der RĂ€ume und Reinigung der KontaktflĂ€chen wie Tische und StĂŒhle nach jedem Wechsel der GĂ€ste

Hier die konkreten Anweisungen.

Die Reaktionen sind verschieden. "Zuviel Aufwand. Da brauche ich ja noch mehr Personal", sagt ein Kneipenwirt im Neumarkt; es wĂŒrde sich nicht rechnen, unter diesen UmstĂ€nden zu öffnen.

"Man darf nicht jammern, sondern muss das Beste daraus machen. Die GĂ€ste werden denjenigen belohnen, bei dem sie sich sicher fĂŒhlen", sagt das Mitglied einer Wirtsfamilie. Man hat vorbereitet, dass die Bestellungen am Tisch weitgehend digital abgewickelt werden können. "Wenn man die richtigen Kassensysteme hat, geht das", sagt er.

Jeder Tisch trĂ€gt einen QR-Code, mit dem die GĂ€ste per Handy auf die digitale GetrĂ€nke- und Speisekarte gelangen. Wenn alles programmiert ist, sollen spĂ€ter bis ins Detail - beispielsweise SonderwĂŒnsche fĂŒrs Steak - die Bestellung zum Service geschickt werden können. "Im Endeffekt könnten wir zu Stoßzeiten, dann sogar Personal sparen", sagt der innovationsfreudige Wirt. Damit die GĂ€ste am Montag schneller einchecken können, bietet er das Registrierungsformular zum Ausdruck im Netz an. Kontaktlose Bezahlung soll kĂŒnftig per Handy, per Papypal, möglich sein.

Die Steuererleichterung, von 19 auf 7 Prozent fĂŒr Speisen, nennt er eine "spĂŒrbare Entlasung." An einem Schnitzel fĂŒr 12 Euro musste der Wirt frĂŒher fast zwei Euro an den Fiskus abgeben, jetzt sind es 80 Cent; fast 1,20 Euro mehr in die Tasche des Wirtes. Zehn Prozent mehr an Einnahmen.    

Am Pfingstwochenende, 30. Mai, sind weitere Öffnungen in Aussicht gestellt worden: Hotels, Ferienwohnungen, Camping, Schlösser, Seenschifffahrt und Freizeitparks; ebenso mit strengen Auflagen. Geschlossen bleiben alle Eirichtungen, in denen die VirusĂŒbertragung sich nicht verhindern ließe wie SchwimmbĂ€der, Wellnesseinrichtungen und Sauna. 
FĂŒr die Öffnung von Hotels gelten strenge Auflagen, die insbesondere umfassen

Freitag, 8. Mai

Ab Morgen werden die Besuchsverbote in Altenheimen und KrankenhĂ€usern teilweise aufgehoben. Wie die Pressesprecherin des Klinikums Passau mitteilt, dĂŒrfen die Patienten von einer benannten Bezugsperson einmal tĂ€glich Besuch erhalten; zwischen 14 und 18 Uhr.

Das Prozedere: Der Besucher muss sich an der Pforte registrieren lassen, erhÀlt einen Passierschein, mit dem er an der jeweiligen Station vorsprechen kann.

Motorradtouren sind wieder erlaubt. An schönen Tagen, vor allen am Wochenende, treibt dieser Umstand den Chirurgen in den KrankenhĂ€usern den Schweiß auf die Stirn. Er bedeutet fĂŒr sie: mehr Unfallopfer, mehr schwere Verletzungen. Jeder fĂŒnf Verkehrstote in Bayern ist ein Motorradfahrer. Nach der verkehrsruhigen Zeit wird es jetzt umso mehr hörbar, welchen Krach die Maschinen bei Spurts oder Kavalierstarts in der Innenstadt, bei Hochgeschwindigkeitsfahrten im Donautal entwickeln. "Hohe Drehzahlen oder manipulierte Auspuffanlagen erzeugen extreme LarmbelĂ€stigungen, die nicht nur störend, sondern auch gesundheitschĂ€dlich sind", appelliert heute das PolizeiprĂ€sidum in der Oberpfalz an die Vernunft.

Seuchengesetze: 126 Anzeigen seit Mittwoch
gelten keine AusgangsbeschrĂ€nkungen mehr, aber weiterhin KontaktbeschrĂ€nkungen: die Abstandsregeln gelten auf der Straße wie am Spielplatz. Die Bilanz der niederbayerischen Polizei: 4.600 Kontrollen, 126 Anzeigen wegen VerstĂ¶ĂŸe im öffentlichen Raum. Hier gibt stehen Antworten auf viele Fragen, die Seite des Ministeriums.

Donnerstag, 7. Mai

Nach einem Infektionsstillstand von mehr als einer Woche sind im Stadtgebiet am heutigen Donnerstag zwei neue Infektionen registriert worden. Die Summe liegt damit bei 128; davon werden 26 als Erkrankte gefĂŒhrt. Die Belegung im Klinikum mit Corona-Patienten ist leicht gestiegen auf sieben, davon sind drei in intensivmedizinischer Behandlung, davon zwei an Beatmungsmaschinen. Die neuen Ansteckungen, man muss etwa zwei Wochen zurĂŒckrechnen, ereigneten sich in der Woche nach Ostern.

Im Landkreis haben sich die Infektionen um fĂŒnf erhöht auf 563; 171 Landkreisbewohner gelten noch als erkrankt. Hier die Zahlen nach Gemeinden aufgeschlĂŒsselt.
Ob es sich bei den Neuinfizierten um Bewohner aus dem "Salzweger Hof" handelt, hier werden 89 MĂ€nnern, Frauen und Kinder einer Durchseuchung ausgesetzt, ist nicht bekannt. Die Nachfrage der BB-Redaktion, wie die Lage in diesem Asylbewerberheim aktuell ist, wurde bislang nicht beantwortet.
Dieses Magazin hat allerdings angestoßen, dass die Infektionszahlen der einzelnden Gemeinden im Landkreis Passau und im Landkreis Freyung-Grafenau fortan bekannt gegeben werden.  

***

Dienstag, 6. Mai

Ab morgen entfĂ€llt die allgemeine AusgangsbeschrĂ€nkung, aber die Kontakte sollten auf Hausstand und Besuche im Familienkreis beschrĂ€nkt bleiben; der Umgang mit Hausstandsfremden reduziert bleiben auf das „absolute Minimum“. Es gelten zudem die Abstandsregeln.

  • Ab morgen werden SpielplĂ€tze wieder geöffnet; Abstand einhalten; BolzplĂ€tze bleiben geschlossen.
  • Ab 11. Mai: Sport „mit Abstand“ wie Tennis, Leichtathletik, Gold, Segeln und Reiten, auch in der Halle; Flugsport.
  • Ab 11. Mai: Bibliotheken, Museen, Galerien, Ausstellung – mit der Regel 20 Quadratmeter je Besucher.
  • Ab 11. Mai: Fahrschulen mit Maske im Auto, Abstand im Unterricht; Musikschulen mit Abstand und Einzelunterricht; auch Zuhause.
  • Ab 9. Mai wird das Besuchsverbot in KrankenhĂ€usern und Altenheimen gelockert; registrierte Kontaktpersonen und feste Besuchszeiten; Maske und Abstand.
  • In den Schulen, die ab 11. und 18. Mai schrittweise öffnen, wird der Betrieb durch wöchentlichen Wechsel zwischen Klassenzimmer und Zuhause lernen entzerrt.
  • Die Kinderbetreuung wird ebenso schrittweise hochgefahren; in der Tagespflege maximal fĂŒnf Kinder gleichzeitig.


In der Woche vor Pfingsten sieht der Bayernfahrplan neue Lockerungen vor allem in Handel und Gastronomie vor. Maskenpflicht gilt rigoros in geschlossenen RĂ€umen wegen der Ansteckungsgefahr durch schwebende Mikrotröpfchen, die jeder Mensch bereits beim Sprechen ausstĂ¶ĂŸt. Im Freien genĂŒgt es grundsĂ€tzlich, auf Abstand zu achten.

Einzelhandel

Ab 11. Mai dĂŒrfen GeschĂ€fte mit mehr als 800 Quadratmeter VerkaufsflĂ€che öffnen. Es gelten Maskenpflicht, Abstand und Hygiene und mindestens 20 Quadratmeter FlĂ€che je Kunde.
In Einkaufszentren nicht nur in den GeschÀften, auch in den GÀngen.

Gastronomie und Hotels
Lokale, die große FreiflĂ€chen haben sind im Vorteil.

Ab 18. Mai Betrieb im Freien möglich. Mit Hygiene- und Abstandsregeln. BiergĂ€rten mĂŒssen um 20 Uhr schließen.

Am 25. Mai dĂŒrfen Speiselokale öffnen. Es gelten die Hygiene- und Abstandsregeln, deshalb darf nur jeder zweite Tisch besetzt werden. GĂ€ste dĂŒrfen Maske darf nur am Sitzplatz abnehmen; Maskenpflicht zudem fĂŒr das Personal in KĂŒche und Service.

Am 30. Mai dĂŒrfen Hotels wieder öffnen; allerdings nicht Wellnesseinrichtungen wie Sauna oder Schwimmbad.

Nagel- und Kosmetikstudios dĂŒrfen am 11. Mai unter denselben Vorschriften wie  die Friseure öffnen.

„Es wird mit großer Sicherheit zu einer zweiten und eventuell auch dritten Infektionswelle kommen.“ Davon gehen viele Wissenschaftler aus, deshalb brauchen wir neue Werkzeuge wie die Corona-App. Das sagte heute Vormittag Roland Wieler vom Robert-Koch-Institut.

Das Leben mit Abstand und Mund-Nasen-Bedeckung wird demnach noch lange Zeit zur neuen NormalitÀt des Alltags gehören.

MinisterprĂ€sident Söder hat angekĂŒndigt, dass er GaststĂ€tten und Hotels bis Pfingsten schrittweise öffnen will. Zwei Millionen Menschen sind in Bayern in Kurzarbeit, sagt VizeprĂ€sident Aiwanger. Der Patient „Wirtschaft“ mĂŒsse bald genesen; vor allem die Autoindustrie. Erst, wenn man wieder Freunde und Oma besuchen kann, denke man daran, ein neues Auto zu kaufen. 

Die Pandemie ist erst gestoppt, wenn mindestens 60 Prozent der Bevölkerung infiziert worden sind oder ein Impfstoff greift. Die Lokalpresse berichtet heute von einer Studie aus Heinsberg, deren Hochrechnung die SchÀtzung ergeben, dass möglicherweise 1,8 Millionen Deutsche Corona bereits hatten. Das klingt viel, aber ist unbedeutend wenig, nÀmlich gerade mal 2,2 Prozent der Bevölkerung. Das bestÀtigt die Annahme der Wissenschaftler, dass wir erst am Anfang stehen.

Passau virusfrei?
In Passau haben sich seit einer Woche keine Neuinfektionen mehr ergeben. Es hat sich offenbar die provinzielle Struktur und die Disziplin der Bevölkerung ausbezahlt. In einer Stadt im Mittelalter könnte man jetzt die Stadttore schließen und zu eine normalen Leben zurĂŒckkehren. Aber das ist bloße Theorie. TĂ€glich pendeln Tausende Menschen in die Stadt.

Im Landkreis ist der Ausbruch in einem Salzweger Asylbewerberheim zum Drama geworden. Über 89 Menschen, darunter die HĂ€lfte Kinder, ist eine Ausgangssperre verhĂ€ngt worden. Wie die Situation in den MassenunterkĂŒnften der Migranten sich darstellt, hat uns die Bezirksregierug auf anfrage geschildert. Dazu folgt ein eigener Bericht.

Vergleichen wir die bundesweiten Zahlen mit den lokalen Zahlen:

  • Registrierte Infizierte sind es deutschlandweit 163.900, also 0,2 Prozent; in Passau 126, das sind 0,24 Prozent.
  • Wenn nach der Heinsberg-Studie schĂ€tzungsweise 1,8 Millionen Deutsche infiziert sind, wĂ€ren das umgerechnet auf Passau 1.144 Bewohner. 
  • Demnach liegt die Zahl der tatsĂ€chlich Infizierten etwa zehnmal so hoch wie die registrierte
  • Anschaulich umgelegt: In vier Fußballmannschaften befindet sich ein Infizierter.

Wieler gab neue Statisiken bekannt: Jeder 5. Infizierte wird ein Fall fĂŒr die Klinik. Jeder 24. Infizierte stirbt. Jeder 36. Infizierte entwickelt eine LungenentzĂŒndung. 

Die KapazitÀt der Tests ist auf 140.000 pro Tag ausgeweitet worden; 133 Labore sind beteiligt. Seit Beginn der Pandemie wurden 2,4 Millionen Menschen getestet; jeder 14. war VirustrÀger.

Wie gut die LĂ€nder das Virus im Griff haben und wie unberechenbar es ist, lĂ€sst sich an den Todeszahlen je 100.000 Einwohner vergleichen. Diese Rate liegt 

  • In den USA bei 21 (insgesamt 67.700 Tote)
  • In Schweden bei 27 (2.700 Tote)
  • In Spanien bei 54 (25.300 Tote)
  • In Großbritannien bei 43 (28.400 Tote)
  • In Deutschland bei 8 (6.800 Tote)

Nach diesem Vergleich weiß man, warum Politiker und Mediziner bewundernd nach Deutschland blicken. Wieler betont, es sei vor allem ein Verdienst der deutschen Disziplin.

WĂ€hrend die Infektionsrate in Deutschland gesunken ist, 10 Infizierte stecken nur 7 neue an, bleiben die Todeszahlen hoch. Das liegt daran, dass es viele AusbrĂŒche in Altenheimen und KrankenhĂ€usern gegeben hat, wo die gesundheitlich schwĂ€chsten Mitglieder der Gesellschaft betroffen sind. Die aktuellen Zahen zeigen die Entwicklungwie es vor zwei Wochen war, also der vorletzten Aprilwoche.

Die Tragik zeigt sich bei den Altenheimen in Passau: Von den 31 infizierten Rentnerinnen und Rentnern haben bislang 19 Corona nicht ĂŒberlebt. WĂŒrde die Durchseuchung ungebremst auf die Ă€ltere Bevölkerung durchschlagen, wĂŒrden im Stadtgebiet Passau wahrscheinlich mindestens so viele Beerdigungen auf einen Schlag anfallen wie sonst auf zwei Jahre: 1.200. TodesfĂ€lle unter JĂŒngeren nicht eingerechnet. Über 80 sind 3.500 Stadtbewohner, etwa 800 leben in Altenheimen, alle anderen im eigenen Haushalt oder in Familien (mehr dazu im aktuellen Mai-Heft).

Die Frage ob Kinder mehr oder weniger ansteckend sind, dafĂŒr gibt es bislang keine belastbaren Studien. Wieler erklĂ€rt allerdings, dass vieles dafĂŒr spricht, dass Kinder keine so große Rolle weil Verbreitung der Krankheit spielen wie bei der Grippe. Wann ist du berĂŒcksichtigen, dass kleine Kinder du hier Sozialverhalten schwierig den Abstand einhalten können, Ă€ltere Kinder verhielten sich diszipliniert.

Die bayerische Sozialministerin Carolina Trautner kĂŒndigt an: Es soll kĂŒnftig erlaubt werden, dass Kinder aus drei verschiedenen Familien sich in privaten, kontrollierbaren Spielgruppen treffen können. Die Vorschulkinder sollen ab 25. Mai zugelassen werden. 

Schulöffnungen:  ab 11. Mai  die vierten Grundschulklassen und die Vorabschlussklassen aller anderen Schularten (30 Prozent aller SchĂŒler); ab 18. Mai weitere Klassen, aber zeitlich abwechselnd, damit der Schulbetrieb entzerrt wird (50 Prozent aller SchĂŒler). Die Masken werden im zunehmenden Betrieb Pflicht werden. Eltern können wegen Angehörigen Zuhause, die zur Risikogruppe, ihre Kinder vom PrĂ€senzunterricht berfreien lassen. Ebenso befreit sind gefĂ€hrdete LehrkrĂ€fte ĂŒber 60 vom PrĂ€senzunterricht.

Montag, 4. Mai, 45. Tag und vorletzter Tag der "AusgangsbeschrÀnkungen", 66. Tag der bayerischen Infektionskette, 8. Tag der weitergehenden Lockerungen

Ein StĂŒck NormalitĂ€t kehrt zurĂŒck: Ab heute gilt in Passau wieder die ParkgebĂŒhrenordnung. Neu mit Abstand, Maske und beschrĂ€nktem Zugang: der Friseurbesuch und Gottesdienste. Viele Friseure haben ausnahmsweise heute montags geöffnet.

Samstag, 2. Mai, 43. Tag der "AusgangsbeschrÀnkungen", 64. Tag der bayerischen Infektionskette,6. Tag der weitergehenden Lockerungen

Unter den unter Hausarrest gestellten 89 MĂ€nnern, Frauen und Kinder im "Salzweger Hof" hat sich die Zahl der Infizierten um 10 auf 52 erhöht. Die Behörden haben es unterlassen, die Lage rechtzeitig zu entschĂ€rfen. In einem Altenheim wĂ€re bei dieser Seuchenlage nach den Erfahrungen in Passau mit mehr als 30 Toten zu rechnen. Die Menschen der Durchseuchung zu ĂŒberlassen erscheint fahrlĂ€ssig. 

Am Dienstag hatte das Landratsamt den 23. Todesfall gemeldet, eine 67-jÀhrige Frau. Ob sie aus dem Asylbewerberheim stammt, ist nicht bekannt.

Zum Vergleich: Im Salzweger Asylbewerberheim sind jetzt mehr als ein Drittel so viele Infizierte wie im gesamten Stadtgebiet Passau seit Ausbruch der Seuche registriert worden sind. 

In der Stadt Passau hat sich die Todesserie unter den Altenheimbewohnern fortgesetzt. Die Frau ist das 19. Todesopfer von insgesamt 31 infizierten Altenheimbewohner; insgesamt sind es damit 20 Corona-Tote im Stadtgebiet. Die Zahl der Infizierten ist nach sieben Tagen erstmals wieder um einen gestiegen. Die Stadt hat angekĂŒndigt, die Infiziertenzahlen aufgrund der Stagnation nur mehr einmal wöchentlich bekannt zu geben. 

Mittwoch, 29. April, 40. Tag der "AusgangsbeschrÀnkungen", 61. Tag der bayerischen Infektionskette, 3. Tag der weitergehenden Lockerungen

Menschen ohne Mimik
Die Leitung des Supermarkts stellt die Musik etwas lauter, wahrscheinlich, um die Stimmung etwas aufzuhellen. Stumme Gestalten schieben ihre Einkaufswagen durch die GĂ€nge. Sie bewegen sich zueinander wie abstoßende Magneten; ausweichend, voneinander entfernend, wenn sie sich zu nahe kommen. Die Kassiererin lĂ€chelt nicht. Oder doch? Der schwarze Stoff, verhĂŒllt ihre untere GesichtshĂ€lfte wie der Schleier einer strengglĂ€ubigen Muslima. Der Einblick in das Mienenspiel ist verwehrt. Genervt, gelangweilt, gut drauf? Sie erledigt ihre Arbeit wie teilnahmslos. „Komische Welt, in der wir leben!“, sagt der Kunde – und das weiße Vlies verschluckt seine Worte. Keiner reagiert. Einkaufen wird zum Eintritt in ein 3-D-Kino fĂŒr Endzeitstimmung. Menschen, die ihrer Mimik beraubt sind, haben etwas Roboterhaftes.

Plexiglasschutz ersetzt Maske?
Journalisten sind auch Auskunftsdienste. Anruf eines TankstellenpĂ€chters. „Muss ich eine Maske tragen, wenn ich ohnehin an der Kasse meine Plexiglasschutz aufgebaut habe?“ Das Ding aufzusetzen sei auf Dauer unertrĂ€glich. „Ich werde mich er kundigen und rufe zurĂŒck“, sagt der Reporter. Er sitzt gerade an einer schriftlichen Anfrage an das Landratsamt. 

Spezielle Anfragen zur Maskenpflicht? Mal im Rathaus nachfragen. Die fĂŒr AuskĂŒnfte befugten Pressesprecherin sind gerade in Besprechungen. Beim Ordnungsamt mĂŒssten sie es wissen. Sie verweisen auf die Seite des Ministeriums, da seien alle hĂ€ufig gestellten Fragen aufgelistet. Ob die Plexiglasscheibe die Maske ersetzt, ergibt Suchanfrage aber nicht. Anfrage beim „Freund und Helfer.“ Die Polizeibeamten arbeiten an der Front, sie kontrollieren die Maskenpflicht, sie mĂŒssten es wissen. 

Volltreffer. Die Polizei fĂŒhre einen internes Nachschlagwerk, in dem Fragen zu SonderfĂ€llen aufgelistet sind, sagt Pressesprecher Markus Fuchs. Er wird fĂŒndig. „Verkaufspersonal muss die Mund-Nasen-Bedeckung tragen, unabhĂ€ngig davon ob es hinter einer Plexiglastrennwand sitzt.“ Man kommt ins GesprĂ€ch. Die Polizei gehe bei den Kontrollen mit „FingerspitzengefĂŒhl“ vor. FĂŒr die BĂŒrger sind die Masken wohl weniger ein Problem, weil Einkauf oder Busfahrt nach einer halben Stunde vorbei sind. Die meisten halten sich daran. Das Personal, dass Kunden bedient, muss sie stundenlang tragen und sei zu bedauern. „Man kann nur hoffen, dass sie ab und zu Pausen einlegen dĂŒrfen.“ 

RĂŒckruf beim TankstellenpĂ€chter. Der hat inzwischen seine eigene Lösung gefunden. „Ich muss die Maske ja nur aufsetzen, wenn Kunden reinkommen“, sagt er. So mache er es.

Zu alt um zu leben?
Irgendein Politiker hat den Spruch abgelassen, man mĂŒsste doch das wirtschaftliche Leben nicht fĂŒr Alte herunterfahren, die sowieso nur mehr ein halbes Jahr lang zu leben haben.

Was wÀre wenn, tatsÀchlich bestimmte Menschenleben plötzlich wieder weniger wert wÀren als andere? Alte, Behinderte, Kranke, Schwule, Schwarze, Juden. Solche AnsÀtze gab es schon mal, gibt es in bestimmten LÀndern immer noch. Meint der das ernst?

Der Reporter nimmt einen Taschenrechner zur Hand, um sich der Lage zu vergewissern, die eintreten wĂŒrde, wenn Boris Palmer der OberbĂŒrgermeister von Passau wĂ€re. 3.500 Passauer sind Ă€lter als 80. Davon leben 800 derzeit im „Corona-GefĂ€ngnis“ Altenheim, der Rest in Familien, mit Partner oder alleinstehend Zuhause. Dann lassen wir Corona mal einschlagen, mal ungeachtet dessen, dass JĂŒngere ebenso betroffen wĂ€ren. 

60 Prozent der infizierten Altenheimbewohner sind verstorben
Erste Frage: Wie tödlich ist Corona eigentlich unter den ĂŒber 80-JĂ€hrigen? Die Sterberate in Passau lĂ€sst erschaudern. 18 der 31 infizierten Altenheimbewohner sind mittlerweile verstorben. Mehr als jeder zweite – 60 Prozent! 

Angenommen durch Isolation und einen Schutzschirm ĂŒber die PflegekrĂ€fte wĂŒrden wenigstens die Bewohner in den Altenheimen geschĂŒtzt, dann verblieben 2.700 „externe“ Alte. Corona rafft 60 Prozent dahin, macht 1.600 Tote auf einen Schlag. Zum Vergleich: Gut 600 Passauer werden jĂ€hrlich zu Grabe getragen, davon sind ein Drittel jĂŒnger als 80. Es wĂ€ren also auf einen Schlag so viele Beerdigungen in dieser Altersgruppe wie Passau sonst in vier Jahren hat. 

Um 14.50 hat das Landratsamt Passau mit einer Sondermeldung auf die Anfrage dieses Magazins reagiert. Konkrete Zahlen wurden erstmals genannt. Im "Salzweger Hof" leben nach einem Corona-Fall 89 Menschen (Anm. d. Red.: darunter etwa die HĂ€lfte Kinder) in Isolation. Nachdem bei einem Bewohner der Einrichtung der Corona-Test positiv war, sind dessen Kontaktpersonen vom Gesundheitsamt getestet worden. Hier zeigt sich, dass in diesen MassenunterkĂŒnften die von der Regierung vorgegebenen Abstandsregeln nicht eingehalten werden können: 41 Mitbewohner haben sich infiziert! Anstelle die Lage zu entzerren, die Infizierten abzusondern, hat sich die Behörde entschieden, fĂŒr alle Bewohner die Isolation anzuordnen.

"Das muss fĂŒr die Leute wie U-Haft sein", sagte heute der Salzweger BĂŒrgermeister Josef Putz entsetzt. In dem Haus leben nach seiner Information viele Migranten, die lĂ€ngst eingegliedert sind und einer Arbeit nachgehen. Der Helferkreis habe sich alle die Jahre vorbildlich gekĂŒmmert, staatliche Hilfeleistungen habe man oft angefragt, aber nicht erhalten. Viele Salzweger BĂŒrger, darunter vor allem die LehrkrĂ€fte und Betreuerinnen, welche die Kinder kennen, sind in großer Sorge um deren Wohl.

Heute vormittag: Das Landratsamt hat weitere Auskunft zum Corona-Fall "Salzweger Hof" verweigert. Der BĂŒrgermeister der Gemeinde Salzweg ist selbst erst nach vier Tagen, am um Dienstag 11 Uhr informiert worden. Er hĂ€tte sich eine transparentere Vorgehensweise des Landratsamtes gewĂŒnscht, wird er spĂ€ter in einem Telefonat beklagen.

GrundsĂ€tzliche Frage: Warum haben die BĂŒrgermeister im Landkreis Passau nicht das Recht zu wissen, wie die Infektionslage in ihrer Gemeinde ist? Sie könnten Vorsorge treffen, Maßnahmen ergreifen und die Bevölkerung besser zum Verhalten motivieren oder sensibilisieren.

Der neue gewĂ€hlte Landrat Raimund Kneidinger, der am 1. Mai sein Amt antritt, ist BĂŒrger der betroffenen Gemeinde Salzweg. Es liegt in seiner Hand die Informationspolitik des Landkreises zu Ă€ndern. 

BĂŒrgerblick hat eine schriftliche Anfrage nach dem Bayerischen Pressegesetz Artikel 4, Auskunftspflicht, an den Landrat gerichtet, bestimmte AuskĂŒnfte eingefordert. Der Journalist sieht sich als Vertreter des öffentlichen Interesses verpflichtet, diese AuskĂŒnfte notfalls einzuklagen. Die Haltung des Autors: Im ausgerufenen Katastrophenfall ist das Informationsrecht der Bevölkerung höher als sonst zu bewerten. Der Landkreis hat BĂŒrgerinnen und BĂŒrger zu unterrichten, wo und wie stark bestimmte Landkreisgemeinden betroffen sind, ob es besondere Infektionslagen in den akut gefĂ€hrendete Einrichtungen gibt: Altenheime (hohes Todesrisiko) oder Aslybewerberheimen (hohe Ausbreitungsgefahr). 

Dienstag, 28. April, 39. Tag der "AusgangsbeschrÀnkungen", 60. Tag der bayerischen Infektionskette, 2. Tag der weitergehenden Lockerungen

Die Pressepolitik von Landratsamt und Stadt Passau ist in Corona grundverschieden. Über Infektionen in stĂ€dtischen Altenheimen wird transparent und detailliert informiert, ĂŒber VirusausbrĂŒche in Einrichtungen des Landkreises hĂ€lt das Landratsamt sich bedeckt. Jetzt ist es geschehen und wurde der Presse ĂŒber die Bevölkerung zugetragen: Es hat ein Asylbewerberheim erwischt.

Letzten Freitag sind die Infektionszahlen im Landkreis sprunghaft gestiegen, um 56 FĂ€lle. Der Pressesprecher erklĂ€rte dies damit, dass sich im Vergleich zu den Vortagen die verfĂŒgbaren TestkapazitĂ€ten deutlich erhöht hĂ€tten. 

Es war nur die halbe Wahrheit: Das Virus ist im Asylbewerberheim von Salzweg eingeschleppt worden und hat sich dort ausgebreitet. Wo Menschen auf engem Raum leben (mĂŒssen), Abstandsregeln in der Praxis nicht eingehalten werden können, ist die Gefahr akut. 

Altenheime und Asylbewerberheime sind in der Pandemie eine Herausforderung. In den Altenheimen sind strikte Maßnahmen verordnet worden, um die Rentnerinnen und Rentner vor dem tödlichen Virus zu schĂŒtzen. In einem Asylbewerberheim mĂŒssen nach einem Ausbruch MĂŒtter, Kinder, Familien und junge MĂ€nner, die auf engstem Raum wohnen, mit nicht minder strengen Regeln angehalten werden, in QuarantĂ€ne oder Isolation zu bleiben. Altenheim wie Asylbewerberheim werden, da gibt es nichts zu beschönigen, zum Corona-GefĂ€ngnis. Ausgangssperre in ihrer hĂ€rtesten Form.

GerĂŒchte ĂŒber entlaufene Infizierte
Am vergangenen Freitag lagen die ersten Testergebnisse vor, dass Bewohner des „Salzweger Hofes“, der Asylbewerberunterkunft im Ortskern, infiziert sind. Landratsamt und Gesundheitsamt sahen sich offenbar ĂŒberfordert, die Nachricht zu ĂŒberbringen und die Maßnahmen einzuleiten. Sie schalteten die Polizei zur Amtshilfe ein. Um 16.30 Uhr trafen mehrere Streifenwagenbesatzungen ein. Das haben viele Salzweger mitbekommen.

„Wir haben niemanden einfangen oder festnehmen mĂŒssen“, erklĂ€rt ein Polizeisprecher auf Anfrage.

Aber: Es gab ĂŒber die HintergrĂŒnde keine Nachricht in den Medien. Die Pressesperre des Landratsamtes zeigt sich verhĂ€ngnisvoll. Übers Wochenende gĂ€rt die GerĂŒchtekĂŒche. Der Polizeieinsatz wurde im Volksmund damit erklĂ€rt, dass Corona-Erkrankte die Isolation nicht befolgen, als akute  Ansteckungsquelle mit Fieber durch den Ort laufen wĂŒrden.

In dieser Isolation, die mindesten zwei Wochen dauern wird, sich ĂŒber Monate hinziehen kann, wenn sich weitere anstecken, leben unterschiedlichste Nationen und Religionen zusammen: Familien und junge MĂ€nner aus Nigeria, Afghanistan und Syrien, auch Kurden. Jeder wird abhĂ€ngig davon, welche Nachrichtenlage er von Fernsehen und Netzwerken kennt, das Virus als harmlos oder höchst gefĂ€hrlich einstufen; nicht anders wie draußen in der deutschen Bevölkerung werden die unterschiedlichsten Meinungen aufeinander treffen.

Der Landrat und sein Krisenstab haben sich zu Beginn der Krise entschieden, dass lokale Brennpunkte der Virusausbreitung der Presse nicht mitgeteilt werden. Der Reporter nennt diese Entscheidung falsch. Denn die Bevölkerung hat ein berechtigtes Interesse zu erfahren, wo und wann sich das Virus besonders ausbreitet. Dass Persönlichkeitsrechte gewahrt werden mĂŒssen, ist selbstverstĂ€ndlich.

Verantwortlich fĂŒr die restriktive Öffentlichkeitsarbeit sind, in den letzten Tagen seines Amtes, Landrat Franz Meyer und die fĂŒr Asyl, Seuchen und Ordnung zustĂ€ndige Regierungsdirektorin Verena Schwarz.

Asylheim wird fĂŒr 80 Menschen zum GefĂ€ngnis
Die Situation ist in Salzweg dramatisch: Es wohnen dort etwa 40 Erwachsene, 40 Kinder; viele Familien. Die Behörden haben einen Sicherheitsdienst bestellt, der Tag und Nacht den Eingang bewacht. Die Menschen dĂŒrfen das Haus nicht verlassen, mĂŒssen versorgt werden; vor allem Kindernahrung und Windeln. Nach Informationen dieses Magazin haben sich bisher rund drei Dutzend Bewohner angesteckt. Es ist zu befĂŒrchten, dass sich Corona in der beengten Situation unter allen Bewohnern ausbreitet. Es gibt nur eine GemeinschaftskĂŒche. Dass das Haus ein ehemaliges Hotel war, ist von Vorteil, denn viele Zimmer haben eigene Duschen und Toiletten. 

Wie viele Asylbewerber konkret betroffen sind, wie die Leute mit dieser fĂŒr sie schwer ertrĂ€glichen Isolation umgehen und versorgt werden, darĂŒber will das Landratsamt heute noch Auskunft geben.

Corona-Fahrplan fĂŒr Bayern

MinisterprĂ€sident Söder hat Lockerungen in Aussicht gestellt, wenn die Infektionszahlen sich weiterhin gut entwickeln und zugleich bestehende Maßnahmen verlĂ€ngert:

  • Messfeiern und Demonstrationen sind im kleinen Rahmen mit Abstand wieder erlaubt ab 4. Mai. Drinnen 2 Meter Abstand, im Freien 1,50 Meter.
  • Wirte können frĂŒhestens ab Ende Mai, um Pfingsten herum darauf hoffen, dass sie unter bestimmten Auflagen ihre Lokale wieder betreiben können
  • Nach einer erfolgreichen Klage dĂŒrfen auch große LĂ€den wieder öffnen, wenn sie die LadenflĂ€chen auf maximal 40 Kunden (800 Quadratmeter) beschrĂ€nken
  • Einkaufszentren bleiben bis auf LĂ€den der Grundversorgung weiterhin geschlossen
  • Bis zum Sommer wird es wohl keine NormalitĂ€t an den Schulen geben
  • Wenn sich Studien bestĂ€tigen, dass die kleinsten Kinder am wenigsten ansteckend sind, könnte hier - umgekehrt zu den Schulen - bei den Kitas mit den jĂŒngsten Gruppen der Betrieb in absehbarer Zeit wieder aufgenommen werden

Montag, 27. April, 38. Tag der "AusgangsbeschrÀnkungen", 59. Tag der bayerischen Infektionskette, 1. Tag der weitergehenden Lockerungen

Die stillen Ostertage haben in der SeuchenbekÀmpfung vor allem in Passau Erfolge gebracht: seit vier Tagen keine neue Infektionen mehr!

Die Zahl der Patienten im Klinikum ist auf weniger als die HÀlfte des Höchsstandes gesunken: 18. Zwei Corona-Erkrankte werden beatmet.

Im Landkreis Passau hatten wir dagegen eine leicht sprunghafte Erhöhung. Ob diese anhÀlt, wird sich in den nÀchsten Tagen zeigen. Menschen am Land und in der Stadt verhalten sich oft unterschiedlich.

Zum VerstĂ€ndnis: Die Zahlen, die wir heute sehen, sind ein Abbild der Situation von vor etwa zwei Wochen. Bis zu vierzehn Tage vergehen von der Ansteckung bis zum Ausbruch, erst bei akuten Symptomen kommt der Erkrankte zum Test, das Ergebnis lĂ€sst ein, zwei Tage auf sich warten. Dann erst geht der Fall in die Statistik, in die Corona-Kurve ein. 

Coronaparty aufgelöst
Wie die Polizei meldet, ist am Sonntag um 21.20 Uhr am Römerplatz eine "Coronaparty" aufgelöst worden. Acht Leute hatten sich getroffen, um Geburstag zu feiern. Die Anzeigen summieren sich auf 1.000 Euro Ordnungsgeld wegen Verstosses gegen das Seuchengesetz.

Mit Tempo 107 im Stadtverkehr
SonntĂ€gliche Radarkontrolle an der vierspurigen Donaufuferstraße "Am Anger": 50 der 3.168 gemessenen Autofahrer missachten Tempo 50, der schnelleste hat 107 km/h drauf. Die Kontrollen fanden stadteinwĂ€rts von 13 bis 19.30 Uhr statt. Dem schnellsten Raser drohen ein Bußgeld von 280 Euro und zwei Monate Fahrverbot. Die Polizeimaßnahme zeigt zudem: 500 Autos pro Stunde sind in der Pandemie am Anger unterwegs. 

Bayern bewegt sich. Schulen fĂŒr PrĂŒfungsjahrgĂ€nge auf. LĂ€den auf. Aber was fĂŒr eine Zettelwirtschaft! Ladeninhaber sind stundenlang damit beschĂ€ftigt gewesen, Plakate und Hinweise auszudrucken und anzubringen. Hinzu kommt die neue Maskenpflicht.

  • Mindestabstand am Eingang
  • Mindestabstand am Kassenband
  • GebĂŒhrender Abstand von der Kassiererin
  • ZĂŒgig den Einkauf einpacken
  • Erst zum Bezahlen zur Kasse treten
  • Keine Waren in die Hand nehmen, die nicht tatsĂ€chlich gekauft werden
  • Mindestabstand von 1,5 Meter in allen GĂ€ngen und Fluren
  • Nicht mehr als ein Kunde je 20 Quadratmeter
  • Getrennter Eingang und Ausgang – wo es möglich ist
  • Getrennte Laufbereiche durch Bodenmarkierungen
  • Personal steuert das Aus- und Eintreten, wenn es nur eine TĂŒr gibt
  • Schließen der EingangstĂŒr in kleinen LĂ€den, wenn die maximale Kundenzahl erreicht ist
  • AbgezĂ€hlte Einkaufswagen, um die Kontrolle zu behalten
  • Lautsprecherdurchsagen, um die Kunden stets aufs Neue zu sensibiliseren
  • Möglichkeiten zur HĂ€ndedesinfektion
  • Auf Zahlung mit Bargeld verzichten
  • Tastaturen und Bildschirme regelmĂ€ĂŸig desinfizieren

Im Textilhandel bedeutet Mindestabstand:

  • Dem Kunden nicht mehr in die Kleidung helfen
  • Beim Abstecken – wenn verfĂŒgbar – eine echte Virenschutzmaske tragen.

Dies ist ein Ausschnitt der Liste, der Preis fĂŒr die Öffnungen. Und wenn es nicht klappt, so warnen Virologen, wir sehen das etwa in zwei Wochen an den Infektionszahlen, muss schlimmstenfalls alles zurĂŒckfallen in einen rigorosen Stillstand, der in der Bilanz einen noch grĂ¶ĂŸeren Schaden anrichtet. 

Was den Menschen fehlt, ist Geduld. Drei Wochen, das sind in der Zeitrechnung einer Pandemie vielleicht ein StĂŒndchen. Was tatsĂ€chlich eintritt, wenn die Menschen sich zwei Wochen lang absolut voneinander fernhalten wĂŒrden, kein Zutritt von außen in diesen geschĂŒtzten Raum vorausgesetzt: Das Virus wĂ€re ausgerottet. Auf der Suche nach einem neuen Wirt wĂ€re es - unwissenschaftlich - ausgedrĂŒckt verhungert.

Doch diesen absoluten Stillstand gibt und gab es nie und wird es nie geben. Es wĂŒrde heißen: keine Baustellen, kein Handwerk, keine MĂŒllabfuhr, kein Lebensmitteleinkauf. Die wirksamste Maßnahme ist leider die unmöglichste.

Ministerielle Anweisungen und Umsetzung in die RealitÀt
Die Seuchengesetze sind verbundenen mit einer Flut von Anweisungen der Ministerien. Es ist zweifelhaft, ob die Umsetzung in der RealitĂ€t immer möglich ist. Es scheitert oft schon an den KapazitĂ€ten: Welches zusĂ€tzliche Ladenpersonal soll die Kunden ĂŒberwachen und wer kontrolliert das Personal? 

Die Maske als Feigenblatt der Vorsicht?
Auch diese Frage: Wird die Volksmaske als Feigenblatt der Wirtschaft fĂŒr angebliche Vorsicht und Umsicht missbraucht? Denn in Wahrheit mindert sie – bei richtigem Umgang - lediglich, dass in geschlossenen RĂ€umen eventuell weniger Mikrotröpfchen unbekannter Infizierter verteilt werden. Mikrotröpfchen können sich in wenig belĂŒfteten RĂ€umen mehrere Stunden halten. Wird die Maske unsachgemĂ€ĂŸ benutzt, wird sie selbst zur Virenschleuder. Eine Gefahr, die man nicht spĂŒrt, sieht und riecht in den Köpfen der Menschen zu verankern, gelingt leidlich.

800 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sind seit heute allein an den stĂ€dtischen Schulen in Passau wieder auf dem Weg. Im ersten Schritt sind die PrĂŒfungsjahrgĂ€nge dran. Abstand und Mund-Nasen-Bedeckung in Einrichtungen, die eigentlich ein Massenbetrieb sind, geht das ĂŒberhaupt?

Wer sich die Hausmitteilungen der Schulleitungen durchliest, erhÀlt einen Eindruck vom Abenteuer zwischen der geforderten SeucheneindÀmmung und der Umsetzung im Alltag. So sehen deren Listen aus:

  • Schulbeginn zeitversetzt, um die SchĂŒlerströme zu entzerren
  • Es sollen sich keine grĂ¶ĂŸeren SchĂŒlergruppen bilden
  • Klassenzimmer neu aufteilen und strukturieren
  • Nur Unterricht in prĂŒfungsrelevanten FĂ€chern
  • Unterricht in Kleingruppn von maximal 15 SchĂŒlern
  • Vier Quadratmeter FlĂ€che je SchĂŒler – zu jeder Zeit
  • Kein Pausenverkauf, Verpflegung selbst mitbringen
  • Maskenpflicht in GĂ€ngen, Treppenhaus und Toiletten
  • Masken mitbringen, sie können nicht gestellt werden
  • SchĂŒler, die Risikogruppen angehören, können sich Ă€rztlich befreien lassen.

Aber: Wie sieht es aus, wenn Zuhause eine Risikoperson lebt? Mikrotröpfchen: Wer kĂŒmmert sich darum, dass die RĂ€ume gut durchlĂŒftet sind?

„Wir appellieren an die SchĂŒler, sich der GefĂ€hrdungslage bewusst zu sein und gemeinsam das Möglichste zu tun, damit keine Infektionen weitergetragen werden“, schreiben die Verantwortlichen eines Lehrerkollegiums.

Samstag, 25. April, 36. Tag der "AusgangsbeschrÀnkungen", 57. Tag der bayerischen Infektionskette, 1. Tag der weitergehenden Lockerungen

Die Virologen warnen "Moment noch!", die von der Wirtschaft getriebenen Politiker preschen vor, die Lockerungen auszuweiten, die sich fĂŒr Gesundheit und Menschenleben verantwortliche fĂŒhlenden Politiker mahnen zur Geduld. So lĂ€sst sich das aktuelle Spannungsfeld beschreiben. MinisterprĂ€sident Söder, der das Bundesland mit den  höchsten Infektionszahlen fĂŒhrt, zĂ€hlt zu den Letzteren.

Die Infektionszahlen, die wir ab Montag erfahren, lassen uns wissen, wie konsequent die Bevökerung die Kontaktsperren zu Ostern eingehalten haben. Virologen haben heute erste Anzeichen erkannt, dass sie wieder nach oben gehen.

Am Montag erlebt Bayern neue Bewegung. Schulen auf fĂŒr die PrĂŒfungsjahrgĂ€nge; LĂ€den auf unter 800 Quadratmeter. 

Virtueller Sonderparteitag
Die CSU hat angekĂŒndigt, am 22. Mai einen Corona-Sonderparteitag  zum ersten Mal komplett virtuell einzurichten. Deligierte wĂ€hlen sich in die Videokonferenz ein. Digitaler Stargast ist Österreichs Kanzler Sebastian Kurz.

Zu viele Presseanfragen
Das Robert-Koch-Institut erhĂ€lt an einem ruhigen Tag 120 Presseanfragen per E-Mail, das sei nicht zu bewĂ€ltigen, heißt es vom vierköpfigen Presseteam. Die Medienanfragen werden kĂŒnftig nach Reichweite und Relevanz sortiert, damit fallen einige unter den Tisch. Zum Vergleich: Bei BĂŒrgerblick mĂŒssten tĂ€glich rund 350 Nachrichten gesichtet und sortiert werden. Es isr richtig, dass in den Notbesetzungen der Kontaktsperre der Überblick schnell verloren geht. In dringenden FĂ€llen empfiehlt sich der Griff zum Telefonhörer, in sehr wichtigen Fax oder die gute alte Post.  

Kurzarbeit bei den Großverlagen wie "Passauer Neue Presse" und "SĂŒddeutsche"; geplant jetzt auch beim "Spiegel". In Italien droht Pressevielfalt verloren zu gehen, die Unternehmerfamilie Agnelli (Fiat-Chrysler) kauft ein Viertel aller Print-Medien auf, darunter die großen liberalen BlĂ€tter wie "La Stampa" und "La Repubblica." Der kleine "BĂŒrgerblick" plant wieder eine extradicke LektĂŒre in Corona-Zeiten.

Freitag, 24. April, 35. Tag der "AusgangsbeschrÀnkungen", 56. Tag der bayerischen Infektionskette

Der OberbĂŒrgermeister sagt die Passauer Herbstdult ab. "Abgesagt" sind damit wohl unwiderruflich alle großen Veranstaltung des Kultursommers. "Oide Dult" und "Eulenspiegelfestival", die großen Konzerte der "EuropĂ€ischen Wochen", die Burgfestspiele...

Maskenpflicht auf den WochenmÀrkten
Die Stadt Passau hat zudem eine Maskenpflicht bei den EinkĂ€ufen auf den WochenmĂ€rkten verhĂ€ngt: Sie gilt ab Dienstag auf dem Kleinen Exerzierplatz ("Klostergarten"); ebenso beim Wochenmarkt am Domplatz. Wer keine Mund-Nasen-Deckung hat: FĂŒr einen Verkaufsstand mit Stoffmasken sei auf den MĂ€rkten gesorgt, heißt es in der Pressemitteilung

Maskenpflicht ab Montag
Die bayerischen Ministerien erweitern den Corona-Bußgeldkatalog zur Maskenpflicht beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Er gilt ab Montag. Ladenbetreibern, die sich nicht daran halten droht eine Geldbuße von 5.000 Euro. VerstĂ¶ĂŸe der BĂŒrger werden ab 150 Euro geahndet. Landes- und Bundespolizei werden bei den Kontrollen zusammenarbeiten, kĂŒndigt Innenminister Herrmann an. FĂŒr die Mund-Nasen-Bedeckung genĂŒge auch eine selbstgenĂ€hte Maske, ein Tuch oder Schal. In den LĂ€den, die ab Montag öffnen, hat Sicherheitspersonal fĂŒr Abstand und Maskenpflicht zu sorgen.

Die Maskenpflicht gilt im Freien zudem in WartehÀuschen, Bushaltestellen und auf Bahnsteigen.

Im Klinikum Passau ist die Zahl der Corona-Patienten auf 15 gesunken; davon liegen 6 auf der Intensivstation, 2 an Beatmungsmaschinen.

Der 17. Todesfall unter den insgesamt 125 Infizierten im Stadtgebiet, heute plus 2, ist eine 85-jÀhrige Rentnerin. In den Altenheimen Jesuitenschlössl und St. Nikola gibt es aktuell unter den Bewohner angeblich keine neuen VirustrÀger mehr. Sie sind verstorben oder genesen.

Die erneute deutliche Zunahme der Neu-Infektionen im Landkreis (plus 56) erklÀrt der Pressesprecher damit, dass die TestkapazitÀten ausgeweitet worden seien.

GeschÀtzt sind die HÀlfte der Infizierten wieder genesen. Eine Garantie, dass diese immun sind oder nicht mehr ansteckend, können Mediziner bislang nicht geben. Es fehlt an belastbaren Studien.

Donnerstag, 23. April, 34. Tag der "AusgangsbeschrÀnkungen", 55. Tag der bayerischen Infektionskette

In der Corona-Krise greift der Staat weitere Milliarden an.

Eine erfreuliche Nachricht fĂŒr die schwer angeschlagene Gastronomie verschickt die PrĂ€sidentin Angela Inselkammer vom Hotel- und GaststĂ€ttenverband um 3.30 Uhr frĂŒh:

  • Ab 1. Juli wird die Mehrwertsteuer in der Gastronomie fĂŒr Speisen fĂŒr ein Jahr auf 7 Prozent gesenkt. Das entlastet die Betriebe und hilft ihnen schneller wieder auf die Beine.
    Zum VerstĂ€ndnis: An einem Schweinsbraten fĂŒr 12 Euro kassierte der Staat bisher 2 Euro, kĂŒnftig 80 Cent. Dem Wirt bleiben als 1,20 Euro, zehn Prozent mehr in der Tasche.
  • Versicherungsleistungen werden nicht angerechnet: Wirte und Hoteliers schließen zur Grundsicherung ihrer Existenz eine Versicherung fĂŒr Betriebsausfall oder -schließung ab. Diese EntschĂ€digungen sollen spĂ€ter nicht auf Soforthilfe oder Kurzarbeitergeld angerechnet werden.
  • Kurzarbeiterer in der Gastronomie können sich in anderen Berufen zur vollen Höhe ihres frĂŒheren Gehalts steuerfrei etwas dazuverdienen.
  • Kurzarbeitergeld fĂŒr die um mindestens 50 Prozent reduzierte Arbeitszeit wird im vierten Monat auf 70 (Haushalte mit Kindern 77), ab dem 7. Monat auf 80 (87) Prozent des Nettoentgelts erhöht. Die Regelung gilt bis Ende 2020.

Mittwoch, 22. April, 33. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 54. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Stadt und Landkreis Passau melden sieben neue Infizierte. Im Klinikum Passau werden 15 am Virus Erkrankte behandelt; das sind etwa die HĂ€lfte der Patienten zur bisherigen Spitzenzeit. Sieben liegen auf der Intensivstation, davon drei mit Beatmungsmaschinen.

750 Euro in die Stadtkasse brachte eine in Seuchenzeiten unerlaubte Feier in der Josef-Oswald-Straße in Passau-Neustift. FĂŒnf Menschen hatten sich zum Trinken und Spielen getroffen. Um 17 Uhr war den Nachbarn die Party wohl zu laut geworden. Sie alarmierten die Polizei.

Alkohol und Übermut ließen in der Gleiwitzer Straße einen 22-jĂ€hrigen Mann aus dem dritten Stock stĂŒrzen. Er war vor einem Kumpel, 20, auf dem BalkongelĂ€nder herumgeturnt und hatte den Halt verloren. Mit KnochenbrĂŒchen wurde der Verletzte ins Klinikum eingeliefert.

Wie der Friseurbesuch ab dem 4. Mai funktioniert? Der Kunde muss - wie der Friseur - Maske tragen, damit einverstanden sein, dass sein Besuch registriert wird, damit im Notfall eine Infektionskette gebrochen werden kann. Vor dem Haareschneiden ist HaarwÀsche Pflicht, damit mögliche Viren abgetötet werden. "Nahbehandlungen" wie Rasur, Bartpflege oder Wimpern fÀrben sind nicht erlaubt.

Dienstag, 21. April, 32. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 54. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Das Oktoberfest ist abgesagt. Zur unbequemen Botschaft, die absehbar war, haben sich MinisterprĂ€sident Söder und der MĂŒnchner OB Reiter gemeinsam durchgerungen. Auf zwei Schultern verteilt lĂ€sst es sich leichter tragen. 

16. Todesfall
In Passau ist eine weitere Rentnerin, 93 Jahre alt, verstorben, die in einem stĂ€dtischen Altenheim wohnte, in das das Virus eingeschleppt worden. Sie ist eine von 16 Toten im Stadtgebiet bei mittlerweile 121 Infizierten; ein Fall ist heute hinzugekommen. Die Stadt berichtet von 82 BĂŒrgern, die Corona hinter sich haben. Die Mediziner können bis dato nicht hundertprozentig garantieren, dass diese nicht mehr ansteckend oder immun.

Kindernotbetreuung
Ab nĂ€chsten Montag wird die Notbetreuung fĂŒr Kinder erweitert: Alleinerziehende können auf dieses Angebot zurĂŒckgreifen, selbst wenn sie in keinem "systemrelevanten" Beruf tĂ€tig sind; zudem berechtigt sind Eltern, wenn wenigstens einer der beiden in einem "systemrelevanten" Beruf arbeitet.

Im Landkreis Passau wachsen die Fallzahlen weiter an: 444, 11 plus. Ein 82-jĂ€hriger Corona-Patient ist verstorben. Laut Landratsamt gelten 261 Infizierte als "genesen".

Montag, 20. April, 31. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 53. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die niederbayerische Polizei stellt angesichts des teilweise zunehmenden lebhaften Treibens in einer Pressemitteilung nochmals klar: Die Wohnung darf nur aus "triftigem Grund" verlassen werden; EinkĂ€ufe sollen möglichst gebĂŒndelt auf eine Person erledigt werden; der Spaziergang mit einer "haushaltsfremden Person" sei fĂŒr Alleinstehende gedacht und sollte nicht ausgenutzt werden, die bestehenden Kontaktsperren zu umgehen.


OberbĂŒrgermeister JĂŒrgen Dupper betritt am Nachmnittag mit grĂŒner OP-Maske den Großen Rathaussaal. Er streift sie ab, kaum, dass er sich gesetzt hat. Sie hindert eben beim Sprechen. Die Tischmikrofone sind mit Plastikfolie umwickelt. In dieser letzten Stadtratssitzung der alten Amtsperiode verkĂŒnden Dupper und seine Referenten, wie das Virus die Stadt schĂ€digt.

Da sind die 15 Todesopfer, darunter 14 Rentnerinnen und Rentner aus den Altenheimen. Da sind schĂ€tzungsweise mehr als 10 Millionen Euro, die dem StadtsĂ€ckel verlorengehen. Weniger Steuereinnahmen wegen der gedrosselten Wirtschaft, zusĂ€tzliche Ausgaben fĂŒr Gesundheitsschutz, Sicherheit, und Soziales; fehlende Einnahmen wegen des Stillstands in den stĂ€dtischen RĂ€umen: kein Opernhaus, keine Maidult, keine Konzerte, die abgesagte Messe.  

Es sei bereits fix, dass die Gewerbesteuer um gut 6 Millionen Euro einbrechen werde. Bei der Finanzkrise 2008 seien es 10 Millionen gewesen, gibt Dupper zur EinschÀtzung an.

Unterricht via Bildschirm: Gleiche Chancen fĂŒr alle
Insgesamt 1 Million Euro hat der OberbĂŒrgermeister im Alleingang genehmigt, damit Schutzmasken fĂŒr Klinikum und Altenheime, fĂŒr Behörden und Schulen gekauft werden können. 800 SchĂŒlerinnen und SchĂŒler zĂ€hlt die Jahrgangsstufe, die wegen bevorstehender PrĂŒfung ab nĂ€chster Woche wieder antreten soll. Abstand, Masken, Hygiene – das wird ein Kraftakt. Zur digitalen Lehre spricht Dupper ein heikles Thema an. Nicht jeder SchĂŒler habe ein geeignetes EndgerĂ€t Zuhause, gerade diejenigen, die besondere Zuwendung brĂ€uchten. Er werde nach Sponsoren Ausschau halten, notfalls die Schulleitungen anweisen, beim Verleih von GerĂ€ten fĂŒr den Hausgebrauch großzĂŒgig zu sein.

Kinder verbreiten das Virus ebenso wie Erwachsene
Im Radio erzĂ€hlt Virologe Christian Drosten derweil, dass eine neue Studie aus China wenig Hoffnungsvolles ergeben habe: Die Ansteckungsgefahr gehe von Kindern im selben Maße aus wie von allen anderen Altersstufen der Bevölkerung. Er betont diese Studie als Warnung im Hinblick auf die geplanten Schulöffnungen. Und ergĂ€nzt, dass er sich mehrere solche Studien wĂŒnschen wĂŒrde, um mehr Klarheit zu haben.

Zwei StadtrĂ€te haben wĂ€hrend der Sitzung ihre Masken aufbehalten: Stadtbrandrat Andreas Dittlmann (FDP) und VizebĂŒrgermeister Urban Mangold (ÖDP). In den SPD- und CSU-Reihen husten zwei Mitglieder – ohne Maske. Mit Mund-Nasenbedeckung fotografieren und schreiben die Journalisten.

Entspannung in Passau, Stress in Straubing
In Grafiken an der Leinwand wird veranschaulicht, was in diesem Nachrichtenlauf tagtĂ€glich zu lesen ist: Die KapazitĂ€t am Klinikum fĂŒr Corona-Patienten war bislang weit davon entfernt, erschöpft zu sein; die Infektionsrate liegt im Stadtgebiet unter dem niederbayerischen Durchschnitt. Ein neuer Brennpunkt des Ausbruchs soll mit der dreifachen Rate von Passau die Donaustadt Straubing sein. Die Maskenpflicht ist dort sofort heute eingefĂŒhrt worden.

Drinnen Schatten, draußen Sonnenschein
WĂ€hrend drinnen im Rathaussaal die dunklen Schatten der Pandemie nachgezeichnet werden, herrscht draußen eitel Sonnenschein. Das Quartett der Bau- und GartenmĂ€rkte hat wieder geöffnet: Dehner, Baywa, Bauhaus und Kasberger; zudem AutohĂ€user und BuchhĂ€ndler. Die abgeschwĂ€chte Infektionskurve und die verkĂŒndete Ansteckungsrate unter 1 hat in vielen Köpfen den Irrglauben ausgelöst: Wir haben es geschafft! Massenweise schiebt sich wieder Verkehr ĂŒber die SchanzlbrĂŒcke, an den Flussufern und auf dem GrĂŒn verteilen sich dichter die Menschen, viele Dreiergruppen. Das Stadtleben mutet an, als hĂ€tte jemand in einen Ameisenhaufen gestochen. Servus Seuche!

Der Parkplatz eines Baumarkts an der Danziger Straße ist bis zum spĂ€ten Nachmittag die meiste Zeit bis auf den letzten Platz gefĂŒllt. Die Betreiber haben am Haupteingang eine Desinfektionsstation einrichten lassen. Ein Mann und eine Frau mit blauen Masken stehen an einem weißen Tisch wie Kosmetikerinnen, die Testprodukte verteilen. Sie versprĂŒhen statt Parfum Desinfektionsmittel auf HĂ€nde und Einkaufswagengriffe, verteilen statt ProbepĂ€ckchen bei Bedarf eine OP-Maske. Die Hallen und FreigelĂ€nde summieren wohl auf 5.000 Quadratmeter, denn ein Schild erklĂ€rt, dass maximal 250 Personen Einlass gewĂ€hrt werden kann. 20 Quadratmeter je Kunde sind die Mindestabstandsregel. Die beiden maskierten TĂŒrsteher und ihre Hygieneprozedur sorgen bei manchen Hobbyhandwerkern fĂŒr eine gewisse Erheiterung.

KindergĂ€rten, Kitas, KĂŒnstler
MinisterprĂ€sident Söder hat am Morgen erklĂ€rt, dass es weitere Zuwendungen geben werde, um die Corona-Einschnitte ertrĂ€glicher werden zu lassen. GebĂŒhren fĂŒr Kindergarten und Kita sollen den Eltern erlassen, KĂŒnstlern, durch die Sozialkasse unterstĂŒtzt werden, eine monatliche Hilfe von 1.000 Euro gewĂ€hrt werden.        

Konflikt wegen Foto ĂŒber den Grenzzaun
Journalisten berichten in der Regel mehr ĂŒber Dinge, die nicht normal sind. Die Meldung „Hund beißt Mann“ ist weniger spannend als die Nachricht „Mann beißt Hund“. Doch die NormalitĂ€t dieser Tage bestimmt, dass nichts mehr normal ist. Egal, wo der Reporter hinblickt, er wird von ungewöhnlichen Erfahrungen förmlich erschlagen. Nach der Stadtratssitzung hat er einen kleinen, abgeriegelten GrenzĂŒbergang besucht, um die Nachricht abzuklĂ€ren, dass dort angeblich Tag und Nacht im Schichtdienst schwer bewaffnete Soldaten Wache halten. „Sie haben die österreichische Seite fotografiert, das ist nicht erlaubt!“, maßregeln zwei bewaffnete Soldaten des österreichischen Bundesheeres den Reporter am neuen „Eisernen Vorhang“ und stellen den "feindlichen Fotografen" auf bayerischem Territorium. Der Fotobeweis auf Twitter schlĂ€gt hohe Wellen; das Verteidigungsministerium in Wien schaltet sich ein. Mehr dazu im nĂ€chsten Heft.

Kanzlerin Merkel ist in großer Sorge, dass die Menschen angesicht der Lockerungen in der GeschĂ€ftswelt nicht verstanden haben, das konsequente Kontaktsperren nach wie vor gelten mĂŒssen. Die Maske darf nicht zum Feigenblatt fĂŒr die Ungeduldigen werden.

Die "Eröffnungsorgien", der Druck der Wirtschaft, die Neidebatte unter den Branchen und Berufsgruppen, das alles lĂ€sst Merkel offenbar befĂŒrchten, dass der deutsche Erfolg in der Pandemie einen RĂŒckschlag erleben könnte. "Ich halte mich auch an alle Regeln, die verhĂ€ngt worden sind", antwortet sie einem Reporter auf Anfrage. 

Der Tag beginnt in Bayern mit einer Entscheidung, die vor Wochen schon heftig diskutiert worden ist: Maskenpflicht! Sie gilt ab nÀchsten Montag.

Die Stoffbedeckung von Mund und Nase ersetzt weder Abstandhalten noch Handhygiene, aber trÀgt möglicherweise dazu bei, dass unbekannte VirustrÀger ihre infektiösen Mikrotröpfchen weniger verbreiten.

Lehre am Bildschirm startet

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An der UniversitĂ€t und der Volkshochschule hat heute die Lehre am Bildschirm begonnen. Drei Stichproben: 

  • Die 19-jĂ€hrige Lehramtsstudentin erhĂ€lt einige PrĂ€sentationen ĂŒber eine Whatsapp-Gruppe. Sie soll sich erstmal damit beschĂ€ftigen. „Ich bin gespannt auf die erste Live-Vorlesung.“ Wann die ist? „Keine Ahnung“.
  • Jurastudent Kai, 20, sagt: „Bei mir geht es frĂŒhestens am Nachmittag los.“ Er verscherbelt derweil gebrauchte Möbel auf Ebay. Um 14 Uhr startet die erste Vorlesung, Strafrecht, gut 300 Teilnehmer. Normalerweise lĂ€uft dieser Vorlesung im Audimax. Begeistert klingt er nicht, aber dann hat liegt er entspannt im Bett, den Flachrechner auf dem Schoß, neben sich Kaffeetasse, Stift und Block und das Strafgesetzbuch. Der Dozierende startet um 14.15 Uhr. Er ĂŒbt mit den Teilnehmern, das digitale „Hand heben“ per Knopfdruck, erklĂ€rt, dass die Technik maximal 100 Studierende in den Diskussionsraum heben kann. Im Strafrecht gehöre zum Training die Stimme zu erheben, zu argumentieren. Die digitale Lehre hat so gesehen ihre Grenzen. Er bittet um VerstĂ€ndnis: „Verzeihen Sie uns, falls anfangs etwas holprig lĂ€uft.“
  • Die Sprachkursteilnehmerin, 32, sitzt pĂŒnktlich um 8 Uhr am Schreibtisch vor dem Handy, den Knopf im Ohr. „Rechner habe ich keinen“, sagt sie. Bei der Volkshochschule klappt es offensichtlich vorbildlich. Das Programm nennt sich „Meet Jitsi“. Es lĂ€uft anonym ohne Anmeldung und Kosten. Der Lehrer, um die 60, fĂŒhrt mit seinem Kurs durch den ganzen Vormittag. Nur einmal muss er neu starten, als die Leitung nach 90 Minuten abbricht. Server ĂŒberlastet? 

Einzelhandel: Masken und Desinfektionsmittel besorgen
Die Passauer GeschĂ€ftswelt bereit sich auf die Öffnung der LĂ€den bis 800 Quadratmeter am kommenden Montag vor. Desinfektionsmittel, Abstandsmarkierungen, Maskenpflicht. Die Inhaber sind damit beschĂ€ftigt, sich das Material zu besorgen.

Um 16.15 Uhr tagt im Großen Rathaussaal der Stadtrat in Corona-Notbesetzung. Hier geht®s zur Tagesordnung. Der CDU-Fraktionschef, der wegen seiner Corona-Infektion in diesen Ausschuss nicht bestellt worden war, ist nicht vertreten. Die Krankheit hat er seit drei Wochen hinter sich.

Sonntag, 19. April, 30. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 52. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Masken gegen Mikrotröpfchen
In Sachsen wird ab Montag die generelle Maskenpflicht, in Mecklenburg-Vorpommern eine Woche spĂ€ter fĂŒr Taxis und Busse eingefĂŒhrt. In Passau sind MaskentrĂ€ger noch eher die Ausnahme. Busfahrer tragen sie seit Tagen regelmĂ€ssig.

Was in diesem Nachrichtenlauf oft erwĂ€hnt worden ist: Das Virus ĂŒbertrĂ€gt sich sehr wahrscheinlich bereits durch "verseuchte Atemluft". Mikrotröpfchen verbreiten sich schwebend nicht nur durch Niesen und Husten, Sprechen genĂŒgt. Umso lauter, desto heftiger, zeigen Studien. In geschlossenen RĂ€umen, die nicht gut belĂŒftet sind, können sich die infektiösen Schwebeteilchen mehre Stunden halten.

AufzĂŒge meiden
Weniger ratsam erscheint es deshalb, bestimmte öffentliche RĂ€ume mit schlechter BelĂŒftung zu nutzen; beispielsweise die Aufzugskabinen am Hauptbahnhof, am Poststeg oder in BĂŒrotĂŒrmen. Inhaber von BĂ€ckereien und kleinen LadengeschĂ€ften, so hat der Reporter beobachtet, handhaben es instinktiv richtig, indem sie die LadentĂŒren offen halten. Mit Beginn der warmen Jahresszeit sollten gut belĂŒftete RĂ€ume, Fenster und TĂŒren auf, weniger das Problem sein. Der Mindestabstand zu Mitmenschen bleibt die wichtigste Grundvoraussetzung.

Sporttreibende sind Tröpchenschleudern
Weiterer Aspekt: Bei Radfahrern und Joggern werden selbst im Freien MindestabstĂ€nde von mehreren Metern zum Vordermann empfohlen. Der Sportreibende, schnell atmend, keuchend, brustend, zieht einen Schleier von Mikrotröpfchen hinter sich her. Die Infizierten umgibt ein "Viruswölkchen". 

TV-Tipp "Die Getriebenen"
Falls Sie es verpasst haben, das ursprĂŒnglich fĂŒrs Kino geplante und jetzt ins ARD-Programm ĂŒbernomme Dokudrama ĂŒber die 63 entscheidenden Tage der FlĂŒchtlingskrise 2015 "Die Getriebenen." Passau wurde damals zum "Lampedus Deutschands." Das Casting fĂŒr die Besetzung hat gute Arbeit geleistet. Die Politiker, von Kanzlerin Merkel ĂŒber MinisterprĂ€sident Seehofer bis Kanzler Kurz in Wien, werden von Darstellern gespielt, die teilweise eine frappierende Ähnlichkeit mit den Originalen haben.

Das bayerische Venedig blick ins italienische: Da wie dort ist eine ungewöhnliche Ruhe eingekehrt, berichtet Kollegin Petra Reski.

Samstag, 18. April, 29. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 51. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Das Landratsant meldet neun neue Corona-FÀlle: 421 insgesamt. Die Infektionsdichte nÀhert sich langsam dem Stadtgebiet an.

„Da bin ich gespannt, wie der Ansturm bewĂ€ltigt wird“, sagt der GesprĂ€chspartner. Wie Abstand und Hygiene eingehalten werden, wenn am Montag in Bayern wieder die Gartencenter und BaumĂ€rkte öffnen, mag sich manch einer schwer vorstellen.

Die Regel lautet: maximal ein Kunde je 20 Quadratmeter VerkaufsflĂ€che, Mindestabstand zu jeder Zeit und das Gebot der Staatsregierung, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Die Warteschlange mit Abstand wĂŒrde sich wohl Hunderte von Metern hinziehen. Der Zugang wird deshalb zeitweise bereits bei der Einfahrt zum Parkplatz geregelt werden mĂŒssen, Autos in der Warteschlange sind ohne Ansteckungsrisiko.

Ein Behördensprecher erklĂ€rt: "OrdnungskrĂ€fte werden wohl an der Einfahrt dafĂŒr sorgen mĂŒssen, dass nur so viele Autos auf den Parkplatz einfahren, wie Menschen im Markt erlaubt sind." 

Hornbach: Mundschutz ist eine Bitte
„Damit trotz der Lockerungen die Infektionen weiter eingedĂ€mmt werden, tragen unsere Mitarbeiter im Markt kĂŒnftig Mundmasken. Wir bitten auch Sie, sich bei einem Marktbesuch entsprechend zu schĂŒtzen“, schreiben die Verantwortlichen vom Hornbach in Passau-Stelzlhof. Der Service „Bestellen und liefern lassen“ werde sofort eingestellt. 65 Mitarbeiter sind dort beschĂ€ftigt, 10 seit der ersten Stunde. Der Mark feierte im Februar sein 25-jĂ€hriges Bestehen.

Baywa: Kostenloser Mundschutzpflicht und "Bitte im Auto auf Einlass warten!"
Die Baywa in Grubweg  durften Handwerker mit Gewerbeschein auch wĂ€hrend der Sperre mit Gewerbenachweis betreten. Das sind die Hinweise, welche die Betreiber veröffentlich haben; Mundschutz wird kostenlos gestellt:

  • „Einlass: Vermeiden Sie beim Besuch Ihres Marktes Stoßzeiten. Es dĂŒrfen nur 2 Personen gemeinsam den Markt betreten. Bitte warten Sie bei Einlassschlangen in Ihrem Auto oder verschieben Sie Ihren Einkauf auf einen spĂ€teren Zeitpunkt. Wir behalten uns im Falle eines erhöhten Besucheraufkommens vor, die Besucherströme zu regulieren.
  • Kontakt: Bitte vermeiden Sie BerĂŒhrungen und reduzieren Sie den Kontakt auf ein absolut nötiges Minimum. Gruppenbildungen sind ausdrĂŒcklich zu vermeiden.
  • Mundschutz: Beachten Sie bei unseren MĂ€rkten in Bayern die Mundschutzregelung. Unsere MĂ€rkte sollten nur mit einem Mundschutz betreten werden. Falls Sie keinen dabei haben, dann stellen wir Ihnen gerne einen Mundschutz zur VerfĂŒgung.
  • Abstand: Bitte halten Sie unbedingt mindestens zwei Meter Abstand zu Ihren Mitmenschen, zum Beispiel an der Kasse (beachten Sie bitte auch die Abstandslinien an den Kassen), an der Info oder in GesprĂ€chen mit unseren Mitarbeitern.
  • Kasse: Betreten Sie den Kassenbereich erst nach Aufforderung.
  • Service: Bitte haben Sie dafĂŒr VerstĂ€ndnis, dass es zu lĂ€ngeren Wartezeiten kommen kann und bestimmte Serviceleistungen im Moment, regional unterschiedlich, nicht angeboten werden können.
  • Zahlung: Wenn möglich, dann verzichten Sie bitte auf die Nutzung von Bargeld. Zahlen Sie im Idealfall per Kartenzahlung, Apple Pay oder mit anderen kontaktlosen Zahlungsmitteln.“

Dehner: Einmal-Mundschutz fĂŒr 1 Euro
Beim Gartenmarkt Dehner in Passau-Neustift wird der Online-Service fortgefĂŒhrt. Das Betreten ist nur erlaubt mit einem „Mund-Nasen-Schutz“, das dĂŒrfen TĂŒcher, Schals oder Schutzmasken sein. „Sollten Sie keinen Mundschutz zur Hand haben, können Sie bei uns einen Einmal-Mundschutz fĂŒr 1,00 Euro erwerben“, heißt es. Die Mitarbeiter tragen Einweghandschuhe, AbstandsflĂ€chen an der Kasse sind markiert, es gelten dieselben Regeln wie bei der bei Baywa.

Bauhaus: kein Mundschutz notwendig, ein halber Meter Abstand weniger
Beim Bauhaus in Haidenhof-Nord wird darauf hingewiesen, dass Abholungen erst sechs Stunden nach der Bestellung möglich sind. Hier wird der Mindestabstand beim Einkauf ab Montag fĂŒr Kunden nur mit 1,50 Meter vorgeschrieben. „Abstand halten, EinkĂ€ufe auf das Notwendige reduzieren und soziale Interaktion begrenzen sind auch hier das Gebot der Stunde. Wir bitten unsere Kunden, weiter solidarisch, geduldig und besonnen zu bleiben“, heißt es. Der Mundschutz wird nicht erwĂ€hnt. Nachtrag: In der Praxis wird sich spĂ€ter zeigen, dass am Haupteingang auf Wunsch kostenlos Masken ausgegeben werden.

Freitag, 17. April, 28. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 50. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Wie geht es mit den Gottesdiensten weiter?
Der Passauer Bischof lĂ€sst ĂŒber seine Pressestelle mitteilen, dass eine Entscheidung frĂŒhestens am Dienstag fallen werde. Man warte ab, was die GesprĂ€che auf Bundes- und Landesebene ergeben. Messfeiern sollen laut Regierung wieder möglich sein, wenn Abstand und Hygiene in den Kirchen den Seuchenvorschriften entsprechen.

Desinfektionsmittel im Weihwasserkessel?
Was auf die GlĂ€ubigen zukĂ€me: Betreten der Kirche, Sitzen in den BĂ€nken - alles mit Abstand. Empfehlenswert wĂ€re im geschlossenen Raum eine Mund-Nasen-Bedeckung. Der Empfang der Heiligen Kommunion wĂŒrde sich wegen des engen Kontakts zwischen Geistlichen und GlĂ€ubigen wohl verbieten, zudem der Mundschutz hinderlich wĂ€re. Die Weihwasserspender wĂŒrden sich gefĂŒllt mit Desinfektionsmittel am Eingang zur Handhygiene eignen.

Freiluftmesse mit Abstand?
Ein risikoarmes Inszenario wÀre bei schönem Wetter ein Freiluftgottesdienst, dem die GlÀubigen mit Mindestabstand beiwohnen. Auf dem autofreien Domplatz, 4.500 Quadratmeter, könnten sich theoretisch 280 bis 500 Menschen (zwei oder eineinhalb Meter Abstand) aufstellen.

Das Bistum Passau hat das Verbot einer lebendigen Gemeinschaft mit Angeboten via Bildschirm ĂŒberbrĂŒckt: Online-Seelsorge und LiveĂŒbertragungen.

Gute Nachricht am spÀten Nachmittag: Im Stadtgebiet Passau sind am zweiten Tag in Folge keine neuen Corona-Infizierten zu verzeichnen. Die Zahl der Corona-Patienten im Klinikum hat sich auf 19 verringert; von den 7 auf der Intensivstation werden 3 beatmet.

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Die Lage in den stÀdtischen Altenheimen: In Neustift je zwei Bewohner und Mitarbeiter infiziert; im Jesuitenschlössl ein Bewohner; in Grubweg zwölf Bewohner und sieben Mitarbeiter, in St. Nikola elf Bewohner und zehn Mitarbeiter.

Schlechte Nachrichten aus dem Landkreis: vier neue TodesfÀlle, darunter ein 63-jÀhriger Mann. Die Zahl der Infizierten hat sich um 14 auf 412 erhöht.

Soforthilfe 17 Tage nach dem Antrag: Die gute Nachricht kam mitten in der Nacht. Bei den Inhabern vieler Passauer Betriebe blinkte sie gestern nach Mitternacht im E-Mail-Postfach mit dem Betreff auf: „Ihr Antrag auf Soforthilfe Corona“. Die Sachbearbeiter schieben offenbar viele Überstunden.

Die GĂ€rtnerei-Inhaberin, der Kaffeehausbetreiber, der RestaurantpĂ€chter, ja auch der BĂŒrgerblick-Herausgeber erhielten diesen Text: „Sehr geehrte Damen und Herren, wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass ihr Antrag auf Soforthilfe bewilligt werden konnte. Den Betrag haben wir bereits auf das von ihnen angegebene Konto ĂŒberwiesen, sodass ihnen die Finanzierungshilfe in KĂŒrze zur VerfĂŒgung steht 
 Wir wĂŒnschen ihnen alles Gute - bleiben sie gesund! Mit freundlichen GrĂŒĂŸen, ihr Corona-Sofort-Hilfe-Team“.

Betriebe ĂŒber zehn Angestellte werden maximal 15.000 Euro erhalten, maximal 9.000 Euro die kleineren und die Solo-SelbstĂ€ndigen.

So sieht unser Bescheid aus. BĂŒrgerblick hat den Antrag vor 17 Tagen gestellt. Ein Freiberufler, der zu unserem Netzwerk gehört, berichtet, dass er als Solo-SelbststĂ€nder eine Soforthilfe von 3.200 Euro innerhalb weniger Tage schon Anfang April verhalten habe. Die ersten 1.000 AntrĂ€ge gingen schnell, dann summierten sie sich bayernweit auf 400.000, wie gestern Hubert Aiwanger bekannt gab.

Die staatliche ÜberbrĂŒckung soll helfen, dass trotz fehlender Einnahmen die Betriebs- und Produktionskosten fĂŒr drei Monate gestemmt werden können. Betriebe mit vielen Angestellten senken ihre laufenden Kosten zusĂ€tzlich durch Kurzarbeit. Viele haben zudem ihre Mietzahlungen eingestellt.

„Wir haben 14 Angestellte, aber niemanden entlassen. Alle bis auf die Lehrlinge sind auf Kurzarbeit“, erzĂ€hlt ein Gastronom. Mit dieser kleinen Mannschaft habe er auf Abholservice umgestellt, aber das sei nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“, blickt er auf seine frĂŒheren UmsĂ€tze. Vom Staat seien jetzt 15.000 Euro geflossen.

Wie kommt BĂŒrgerblick ĂŒber die Runden? Wie die Mitwirkenden sich einschrĂ€nken und einbringen, wie die laufenden Kosten sich summieren, was zahlende Leser und Wirtschaftskunden bringen, lesen Sie im nĂ€chsten Heft. Die staatliche Hilfe deckt einen Bruchteil der laufenden Betriebs- und Produktionskosten. Im vorigen Heft haben uns unterstĂŒtzt: treue Wirtschaftskunden mit 1.300 Euro, darunter mit 600 Euro unsere Druckerei "Passavia"; AOK und Sparkasse mit je 1.000 Euro, Vermieter mit NachlĂ€ssen von insgesamt 1.200 Euro.

Zudem freut sich das BB-Team ĂŒber 17 neue Abonnenten, davon drei Viertel mit Premium-Abos ĂŒber 100 Euro im Jahr; ĂŒber eine Handvoll Spenden in der Summe von rund 350 Euro.

Die „Vollbremsung“ habe viel gebracht, wie Gesundheitsminister Jens Spahn heute auf der Bundespressekonferenz erklĂ€rte. Er erwĂ€hnte einen interessanter Nebenaspekt, die Zahl der Herzinfarkt-Patienten ist offenbar gesunken.

Seit 12. April genesen in Deutschland mehr Menschen an Corona als sich neu anstecken. 10.000 Intensivbetten sind noch frei. „Das macht uns demĂŒtig, aber nicht ĂŒbermĂŒtig.“

Warum bewÀltigt Deutschland die Pandemie besser als andere?

Trotz aller Kritik sei das Gesundheitssystem gut ausgestattet, sagt Spahn

  • Die gute Arbeitsaufteilung. KrankenhĂ€user konzentrieren sich auf die schweren FĂ€lle, das engmaschiges Netz von HausĂ€rzten um die leichten VerlĂ€ufe; sechs von sieben Covid-19-Patenten werden ambulant begleitet.
  • Die hohe TestkapazitĂ€t. Bis 1,7 Millionen Corona-Tests bisher. 350.000 je Woche, das doppelte wĂ€re möglich, wenn es bei den Reagenzien keine EngpĂ€sse gĂ€be.

Die Kritik, dass flĂ€chendeckende Massentests fehlten, kann Spahn nicht verstehen, denn diese seien nur eine Momentaufnahme, wenig sinnvoll. „Schon eine halbe Stunde nach einem Test kann derjenige wieder infiziert sein.“

Wichtiger hĂ€lt Spahn, die Tests bei PflegebedĂŒrftigen auszuweiten, die zwischen Altenheimen oder Kliniken verlegt werden mĂŒssen, um Sicherheit fĂŒr die Einrichtungen zu gewinnen.

Weniger Herzinfarkte in Corona-Zeiten?
Interessanter Aspekt: Spahn sagt, dass die Einlieferung an Herzinfarktpatienten gesunken sei. Warum, wisse er nicht.

Liegt es am entschleunigten Leben, am gedrosselten Verkehr in den StĂ€dten? 

Der Maskennotstand ist offenbar behoben: Der Bund hat ĂŒber direkte Kontakte nach Asien, wobei Konzerne mit guten Verbindungen geholfen haben, 80 Millionen Schutzmasken beschafft, darunter 20 Millionen der Virenschutzklasse FFP2. Man sei auf ZwischenhĂ€ndler "nicht mehr so angewiesen". Zugleich werden mit Förderung des Bundes einheimische Masken produziert in zweistelliger Millionenhöhe produziert. Man wisse nicht, wie die Pandemie sich entwickle. UnabhĂ€ngigkeit sei wichtig.

Zehn Infizierte stecken nur mehr sieben an
Roland Wieler vom Robert-Koch-Institut erklÀrt, dass die Ansteckungsrate unter 1 gesunken sei, aktuell auf 0,7. Zehn Infizierte stecken nur mehr sieben an, die Kontaktsperre, der Hausarrest, wirkt. Anfangs hatten 10 Infizierte nehr als 30 weitere angesteckt.

Spahn bedankte sich bei den BĂŒrgern, die persönlichen Verzichte an Ostern bereitwillig hinnahmen, aber auch bei den „Ungeduldigen“. Wenn wir lernten, mit dem Virus zu leben, zu "neuer NormalitĂ€t" finden, dann hĂ€tten wir eine Chance da gut durchzukommen, als Gesellschaft, als Nation.

Ärzte und Pfleger besser schĂŒtzen
Wieler vermeldete, dass sich immer mehr medizinisches Personal anstecken wĂŒrde; zuletzt waren es fĂŒnf Prozent der Neuinfizierten.

Die aktuelle Corona-Lage
134.000 VirustrĂ€ger, 81.000 Genesene, 3.000 Neuinfizierte pro Tag; steigende Todeszahlen, mehr als 300 pro Tag. Die Todesrate betrĂ€gt – berechnet auf die offiziell bekannten Infizierten – 2,9 Prozent, also knapp 3 Corona-Patienten je 1.000 Infizierter.

Hohe Todesrate in Passau
In Passau, wo viele Altenheime betroffen sind, liegt statistisch die Sterberate sehr hoch: 14 von 120 offiziell bekannten Infizierten, das wĂ€ren ĂŒber zehn Prozent.

***
Donnerstag, 16. April, 27. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 49. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Bayern hat seinen Corona-Fahrplan vorgestellt. „Wir haben das GlĂŒck, dass wir nicht ZustĂ€nde erleben wie anderswo“, sagt MinisterprĂ€disent Söder. Der bayerische Corona-Fahrplan folge einer „ehrlichen und durchdachten“ Philosophie. „In der Ruhe liegt die Kraft.“

  • Söder spricht von einem „Maskengebot“ im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen in LĂ€den. Sollte das nicht klappen, kommt die Maskenpflicht. Es genĂŒgt eine selbstgemachte Mund-Nasen-Bedeckung, das kann auch ein Schal sein.
  • Die AusgangsbeschrĂ€nkungen gelten bis 4. Mai; gelockert ist die Kontaktsperre zwischen fremden HausstĂ€nden fĂŒr Alleinstehende, es darf eine haushaltsfremde Person zu Besuch kommen.
  • Ab 20. April: Baumarkt- und Gartencenter dĂŒrfen öffnen. Vom Parkplatz bis zu den VerkaufsrĂ€umen, maximal eine Person je 20 Quadratmeter, mĂŒssen die Abstandsregeln eingehalten werden; zudem das Maskengebot. 

    Pressemitteilung der Stadt Passau zum Corona-Fahrplan.

Die geöffneten Garten- und BaumĂ€rkte sollen wahrscheinlich die Volksseele befrieden, denn fĂŒr die BeschĂ€ftigung in Haus und Garten haben jetzt viele im Stillstand der Pandemie Zeit. Ob sich der "Ansturm" mit Abstand umsetzen lĂ€sst oder diese Zentren neue Keimzellen fĂŒr das Virus werden, wird sich zeigen. 

  • Ab 27. April dĂŒrfen LĂ€den bis 800 Quadratmeter öffnen, das sind etwa 80 Prozent der 60.00 GeschĂ€fte. 

"Wir sind nicht ĂŒber den Berg“, sagt Söder. Aber Bayern habe frĂŒher als andere mit den Maßnahmen begonnen. Die Zahl der Toten ist erstmals ĂŒber 1.000 gestiegen. „Das sind 1.000 zu viel, das tut uns weh und deshalb gibt es keine Entwarnung.“

  • Die GroßkaufhĂ€user und Einkaufszentren werden mindestens zwei bis drei Wochen noch geschlossen bleiben
  • Ab. 4. Mai dĂŒrfen Friseursalons und Fußpflege öffnen, aber mit Maskengebot, Abstandsregeln und besonderem Schutzkonzept
  • In Geduld ĂŒben mĂŒssen sich Wirte und Hotelbetreiber. In Restaurants lĂ€sst sich Mundschutz nicht umsetzen, der Tourismus steht still. 

Söder erwÀhnte dazu die bitteren Erfahrungen, wie Gastronomie zur Virenschleuder wurde: Aprés-Ski in Ischgl, Starkbierfest in Tirschenreuth und Fasching invHeinsberg.

Anmerkung der Redaktion: Viele Wirte haben erfolgreich auf Lieferservice umgestellt, ein gesonderter Beitrag ist dazu geplant.

  • 2020 wird als Jahr ohne Volksfeste in die Geschichte eingehen. Bis 31. August sind keine Großverstaltungen erlaubt. Das Karpfhamer Volksfest und Maidult sind bereits abgesagt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Wiesn stattfindet“, sagt Söder. Die offizielle Entscheidung steht noch aus.

„Wir haben frĂŒher begonnen als andere und Bayern gut geschĂŒtzt“, sagt Söder. Man werde nicht „unkontrolliert, sondern klug“ agieren. Zeitversetzt mit zwei bis drei Wochen ist an den aktuellen Zahlen ersichtlich, was das Verhalten der Bevölkerung in der Vergangenheit gebracht.

  • Gottesdienste mit bestimmten Vorgaben sind ab Mai wieder möglich. Mit „klugen Konzepten“, um den Abstand zu organisieren; eventuelle mehrere Messen zeitversetzt fĂŒr kleineren Gruppen.
  • Schule und Kindergarten: Distanz und Mundschutz sind fĂŒr die Kleinen nicht durchsetzbar, deshalb bleiben Grundschule und Kitas geschlossen, fĂŒr letztere wird die Notfallbetreuung ausgebaut, wenn Eltern oder Allerziehend in systemrelevanten Berufen arbeiten.
  • Ab 27. April Schulbeginn fĂŒr alle, die in PrĂŒfungsvorbereitungen und vor AbschlĂŒssen stehen; vom BerufsschĂŒler bis zum Abiturienten. Es werde kein „Not-Abi“ geben, sagt Söder. Man wolle den Lehrern Zeit geben, sich vorzubereiten.

Ebenso stehen die Schulen vor den Herausforderungen, Hygiene und Abstand umzusetzen. Mehr Details folgen Ende April.

Die Situation in KrankenhÀusern und Altenheim soll insofern verbessert werden, dass das Personal mit Serientests Sicherheit gewinnt. Bayern beklagt viele Tote durch eingeschleppte Viren in Altenheimen.

400.000 AntrÀge auf Soforthilfe
Vize Hubert Aiwanger beklagt, dass die Wirtschaft in Bayern mit 1 bis 2 Milliarden Euro tÀglich Schaden erleide. Umgerechnet auf die Bevölkerung wÀren das 150 Euro je Einwohner und Tag.

400.000 AntrĂ€ge auf Soforthilfe sind gestellt worden, davon ein Drittel bereits ausbezahlt, sagte Hubert Aiwanger. Die Sachbearbeiter klagten ĂŒber viele AntrĂ€ge, die lĂŒckenhaft ausgefĂŒllt seien, sie nachtelefonieren mĂŒssen.

Söder sagt: „Vor drei Wochen habe ich sehr große Sorgen gehabt und schlecht geschlafen. Jetzt haben wir einen Silberstreifen am Horizont, dass die Maßnahmen wirken.“

Bayern ist laut Söder bei den Corona-Tests vorne dran. 12.000 pro Tag, 25.000 sei das Ziel. „Auf die Einwohnerzahl gesehen testen wir mehr als SĂŒdkorea, Österreich, Japan oder viele andere LĂ€nder.“ Zur Veranschaulichung: In knapp drei Jahren wĂ€re mit der heutigen TestkapazitĂ€t die Bevölkerung einmal durchgetestet, bei der doppelten KapazitĂ€t in 18 Monaten.

Die BĂŒrger sollten so verantwortungsvoll sein und wenigstens die halbe Stunde beim Einkauf Masken aufsetzen, meinte Aiwanger. Die Haltung sollte nicht sein, die Masken muss mir jetzt der Staat geben; diesen Mundschutz könne sich jeder selber nĂ€hen. Mit dieser gegenseitigen RĂŒcksichtnahme sei allen geholfen.

Um 12.25 Uhr hat MinisterprĂ€sident Söder berichtet, wie in Bayern die Maßnahmen der Corona-Lage angepasst werden: Live im Bayerischen Rundfunk.

Freie Fahrt fĂŒr Raser in Corona-Zeiten?

Die Verkehrspolizei Passau stellte erneut fest, dass die verkehrsarmen Zeiten manche Autofahrer zum Rasen verfĂŒhren: Bei einer Radarkontrolle auf der Bundesstraße 8 bei Pocking wurden nachts 24 Autofahrer "geblitzt", davon waren 20 so schnell unterwegs, die Spitze lag bei Tempo138, dass ihnen ein Bußgeldverfahren eingeleitet worden ist
 

Innpromenade: Frau gefesselt abgefĂŒhrt
Darf man in Corona-Zeiten auf einer Parkbank schlafen? Eine Frau dachte sich nichts dabei, wurde von Polizeibeamten geweckt und stellte sich stur, als diese sie nach ihren Personalien fragten. Aufs Polizeiervier, um ihre IdentitĂ€t festzustellen, wollte sie ebenfalls nicht. Der Widerstand endete mit Gewaltanwendung. Sie wurde gefesselt und abgefĂŒhrt. Nachdem die FormalitĂ€ten erledigt waren, durfte sie wieder frei.

Zehn VerstĂ¶ĂŸe gegen AusgangsbeschrĂ€nkungen
Ordnungsstrafen von mindestens je 150 Euro kassierten die Mitglieder einer Vierergruppe, die sich am Halser Stausee, und einer Sechsergruppe, die sich am Grubweger Aktiv-Spielplatz getroffen hatten. Der Aufenthalt im Freien, beschrĂ€nkt auf Personen eines Haushalts, ist nur aus "triftigem Grund" erlaubt. 

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Mittwoch, 15. April, 26. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 48. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Scholz waren die Moderatoren. Die LĂ€nder haben sich in den Corona-Maßnahmen abgestimmt. Merkel sagte, es ist „ein Zwischenerfolg, nicht mehr und nicht weniger“. Er sei „zerbrechlich“.

  • Das Kontaktverbot wird bis 3. Mai verlĂ€ngert. Keine Familienbesuche, keine Spritztouren, keine Gottesdienste
  • Schutzmasken werden nicht Pflicht, aber dringend empfohlen in geschlossen RĂ€umen: Bus, U-Bahn, LĂ€den, SupermĂ€rkte.
  • GeschĂ€fte kleiner als 800 Quadratmeter dĂŒrfen ab Montag öffnen.
  • Sofort öffnen dĂŒrfen AutohĂ€user, FahrradlĂ€den und BuchhĂ€ndler.
  • FĂŒr alle gilt: Hygienekonzept vorlegen, Abstandsregeln garantieren. Es darf keine Warteschlangen geben. Menschenansammlungen mĂŒssen vermieden werden.
  • Friseure dĂŒrfen ab dem 4. Mai unter strengen Auflagen öffnen, nur mit „SchutzausrĂŒstung“ arbeiten
  • Schule: Mit den Abschlussklassen soll ab 4. Mai begonnen werden, oberste Grundschulklassen zuerst.
  • Kindergarten: Sie bleiben weiter geschlossen. Die Notbetreuung wird ausgeweitet.
  • Söder spricht das Problem an: FĂŒr kleine Kinder seien Masken und Abstand nicht zumutbar
  • Großveranstaltungen und Fußball sind bis zum Sommer nicht denkbar
  • Tourismus, Reisen und Gastronomie stehen auf der Warteliste

Alle 14 Tage werden die Entscheidungen der Corona-Lage neu angepasst

Am spÀten Nachmittag nennt das Rathaus die neuen Zahlen: Die Zahl der Toten in Zusammenhang mit der Lungenerkrankung "Covid-19" hat sich um 2 auf 14 erhöht. Ein stadtbekannter Mediziner und eine 92-jÀhrige Rentnerin, eine weitere Bewohnerin aus einem stÀdtischen Altenheim, sind verstorben. Im Klinikum Passau werden zwei Dutzend Patienten stationÀr behandelt, ein Drittel davon benötigen Intensivmedizin. Die Zahl der Infizierten: 120, plus 4.

Bayernweit ist heute ein Anstieg der Corona-Toten um mehr als 100, ein trauriger Höchsstand, gemeldet worden: 995, plus 104.

%PIC16643%Die Passauer Gesellschaft ist erschĂŒttert. Auf der Corona-Intensivstation des Klinikums Passau ist gestern Abend einer der berĂŒhmtesten Mediziner ihrer Stadt verstorben: Professor Dr. Hannes Schedel, Leiter der gleichnamigen Rehaklinik fĂŒr Krebspatienten in Kellberg.

Er ist aus dem Leben gerissen worden im Alter von 59 Jahren.

Schedel war ein Mediziner, der sein Leben der Hilfe von Krebspatienten verschrieben hat. "Jeder Patient soll die Therapie erhalten, die auf ihn zugeschnitten ist", war sein Reha-Konzept. FĂŒr bedĂŒrftige Patienten hat er einen eigenen Sonderfonds eingerichtet, damit sie Behandlungen erhalten, die von der Krankenkasse nicht ĂŒbernommen werden. 

Anfang letzter Woche war der Mediziner in die Intensivstation eingeliefert worden. Er hatte sich nach einem Skiunfall  in Tirol einer Operation unterziehen mĂŒssen, war danach angeblich schwer angeschlagen. Seine Klinik, die 1960 sein Vater gegrĂŒndet hat, war wegen der Corona-Lage seit 25. MĂ€rz geschlossen. Dort trauern 140 Mitarbeiter um ihren Chef.

Der Klinikleiter ist in der Statistik der 13. Todesfall in Zusammenhang mit Corona im Stadtgebiet. Er hinterlÀsst eine Frau, zwei Töchter und einen Sohn.

Am 17. Januar hatte der Mediziner seinen letzten öffentlichen Auftritt beim Neujahrsempfang im Rathaus. 

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Dienstag, 14. April, 25. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 47. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Corona-Kurve zeigt die Entwicklung in Bayern und wir dĂŒrfen stolz sein: Die Disziplin eines Großteils der Bevölkerung, die konsequente Kontaktsperre, hat die Ausbreitung des Virus gebremst, aber es reicht noch nicht ganz. Mehr dazu weiter unten im Text von der Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts.

Tragische Corona-Situation in den Passauer Altenheimen.
Die eingeschleppten Viren haben zwei weitere Bewohnerinnen, 90 und 94, sterben lassen. Damit erhöht sich die Zahl der Toten in Zusammenhang mit Corona im Stadtgebiet auf zwölf. Die Zahl der Infizierten steigt um 2 auf 116.

Von den 116 positiv Getesteten sind nahezu die HÀlfte Altenheimbewohner oder Altenheimmitarbeiter. In vier Passauer Altenheimen haben sich 22 PflegekrÀfte und 31 Rentnerinnen und Rentner angesteckt, bei Letzteren kam es zu mehreren TodesfÀllen.

Passau Stadt und Land: 68 Corona-Patienten in stationÀrer Behandlung
%PIC16639%Wie derzeit die Corona-Auslastungen in den drei KrankenhĂ€usern Passau, Vilshofen und RotthalmĂŒnster aussieht, zeigen unsere Grafiken. Insgesamt befinden sich 68 Corona-Patienten in stationĂ€rer Behandlung, davon 18 auf Intensivstationen, davon wiederum 12 an Beatmungsmaschinen. 7 der Patienten, darunter 1 in Intensivbehandlung, stammen nicht aus Stadt und Landkreis Passau, sondern aus Nachbarlandkreisen; bekanntlich ist Rottal-Inn besonders betroffen.

%RPIC16638%Blick ins Rathaus: Die letzte Stadtratssitzung in alter Besetzung wird am kommenden Montag abgehalten. Zur Tagesordnung.

Der Corona-Krise angepasst wird sich das Gremium in Notbesetzung treffen, der OberbĂŒrgermeister plus 12 statt 44 StadtrĂ€te. Je drei CSU und SPD-Vertreter, zwei von der ÖDP, je einer von GrĂŒne, Passauer Liste, Freie WĂ€hler und FDP.

Die erste Sitzung des neugewĂ€hlten Stadtrates, bei der die Stellvertreter des OberbĂŒrgermeisters gewĂ€hlt und neue Vertreter vereidigt werden, ist fĂŒr Montag, 4. Mai geplant.

Die verkehrsarme Zeit wird genutzt, um Straßenarbeiten zu erledigen.

  • Auf den Hauptverkehrsachsen frischen Bauhofmitarbeiter die Markierungen der Fahrradwege auf.
  • In der Lindau wird die Fahrbahn verengt und auf Tempo 30 beschrĂ€nkt. Die Bauarbeiten fĂŒr den Hochwasserschutz beginnen.
  • In Haidenhof-Nord wird ein Glasfaserkabel verlegt, bis voraussichtlich 17. April ist die Spitalhofstraße ab der Kreuzung Danziger Straße stadteinwĂ€rts gesperrt.

Blick ins Gericht: Wegen der Kontaktsperren und Abstandsregeln finden nur Verhandlungen statt, die unbedingt notwendig sind. Beschuldigte in Strafsachen dĂŒrfen beispielsweise nicht lĂ€nger als sechs Monate in Untersuchungshaft festgehalten werden; bei FĂŒhrerscheinentzug gilt es Fristen einzuhalten, damit die Betroffenen keine Nachteile haben.

Blick in die Justiz: Am Amtsgericht finden derzeit an manchen Tagen nur eine Handvoll Verhandlungen statt. Wo es geht, werden kleinere Delikte von der Staatsanwaltschaft großzĂŒgig abgewickelt, mehr als sonst wird auf dem schriftlichen Wege erledigt, Strafbefehl statt Anklage. Die AnwĂ€lte werden oft miteingebunden und zeigen sich kooperativ.

Am Landgericht gibt es diese Woche nur vier Sitzungen, darunter morgen eine Berufungsverhandlung.

Getrennte ArbeitsplÀtze sichern Notdienst
In fast allen Behörden ist ein Teil der Belegschaft in Heimarbeit geschickt worden oder bummelt Überstunden ab. Durch die rĂ€umliche Trennung ist gesichert, dass im Falle einer Infektion die Behörde funktionstĂŒchtig bleibt, einer fĂŒr den anderen einspringen kann.

Ab kommendem Montag sind die Gerichtstermine wieder normal angesetzt. Ob das so bleibt, wird sich morgen entscheiden, wenn die Bundesregierung bekannt gibt, wie es in der Corona-Krise weitergeht.  

Die Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts von heute Vormittag zusammengefasst:

Zwei Etappenziele sind erreicht:

  • Die Corona-Pandemie ist mit Beginn des FrĂŒhjahrs von der Grippewelle entkoppelt.
  • Die KapazitĂ€t der Intensivstationen und die erhöhte Zahl der BeatmungsgerĂ€te reichen aus, wenn sich die Lage nicht dramatisch verschlimmert.

Die Infektionszahlen haben sich auf hohem Niveau eingependelt.

„Wir sollten die Maßnahmen und die Disziplin aufrechterhalten, umso schöner wird die Belohnung sein“, versucht RKI-PrĂ€sident Roland Wieler die Bevölkerung zu motivieren, nicht nachzulassen.

Deutschland steht - bei aller Tragödie um jeden Corona-Toten - so vorbildlich da, dass sich auslĂ€ndische Regierungen nach dem Erfolgsrezept erkundigen. Der BĂŒrgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, und „Downing Street 10“, der Londoner Regierungssitz, hĂ€tten ihn angerufen, nennt Wieler zwei Beispiele.

Aktuelle Lage:

  • Weltweit sind zwei Millionen Menschen infiziert
  • Nordamerika und Europa sind die Brennpunkte
  • Die USA, viermal so bevölkerungsreich wie Deutschland, zĂ€hlen 558.000 FĂ€lle und 22.100 Tote. Das entspricht 170 Infizierter je 100.000 Einwohner.
  • Bundesweit sind mehr als 125.000 Infizierte registriert
  • Die TodesfĂ€lle in Zusammenhang mit Corona summieren sich in Deutschland auf knapp 2.700
  • Bei zwei Prozent der Infizierten in Deutschland entwickelte sich eine LungenentzĂŒndung
  • Jeder sechste Infizierte wird ein Fall fĂŒrs Krankenhaus

Was wird das Robert-Koch-Institut morgen der Kanzlerin sagen?

  • Die Disziplin eines Großteils der Bevölkerung, die konsequente Kontaktsperre, hat die Ausbreitung des Virus gebremst, aber es reicht noch nicht.
  • Anfang MĂ€rz hat statistisch gesehen ein Infizierter 3 Mitmenschen angesteckt, jetzt liegt der Wert bei 1,2; es steigt also weiterhin leicht an.
  • Beim Wert 1 oder darunter können die Maßnahmen gelockert werden. Das hat das RKI bereits zu Beginn der Maßnahmen als Empfehlung verkĂŒndet.
  • Etwa die HĂ€lfte der Corona-Infizierten ist wieder gesund (eine SchĂ€tzung, weil es noch keine RĂŒckmeldepflicht gibt).
  • Es gibt die ersten anerkannten Tests mit denen festgestellt werden kann, wer Antikörper gebildet, Corona bereits hinter sich hat. 
  • Aber: Ob und wie lang man gegen das Virus immun ist, kann keiner sagen. Es fehlt an aussagekrĂ€ftigen Studien.
  • 300.000 Einwohner haben freiwillig die Corona-App "Datenspende" heruntergeladen. Eine weitere anonyme "Überwachungs-App", die den Benutzer nach zufĂ€lligen Kontakten mit Infizierten informieren soll, ist noch im Test.
  • "Volksmasken" vermindern die Verbreitung zusĂ€tzlich, aber ersetzen nicht HĂ€ndehygiene, Abstand, Nies- und Hustenetikette
  • Wer sich angesteckt hat, kann den Erreger bereits verbreiten, obwohl er an sich keinerlei Krankheitsanzeichen bemerkt; die treten frĂŒhestens, wenn ĂŒberhaupt, nach drei Tagen ein. 
  • Den Schulbetrieb wieder aufnehmen? Wenn es soweit sein ist, dann erst mit den JahrgĂ€ngen beginnen, die reif genug sind, sich an die Abstandsregeln zu halten.

"Das Robert-Koch-Institut fordert dennoch auf die Obduktion von Corona-Toten zu verzichten", schreibt heute die Tageszeitung "Die Welt". Eine solches Verbot gibt es nicht, sagt Wieler bei der Pressekonferenz. Solche Behauptungen verÀrgerten ihn. Es ist offenbar ein Passus, der einen besonders vorsichtigen Umgang mit Seuchenopfern vorschreibt, falsch ausgelegt worden.

Nachtrag vom Polizeibericht:

Mit 160 km/h ĂŒber leere Bundesstraße

Die freien Landstraßen werden von einigen wenigen "sportlichen Autofahrern" als Rennstrecken missbraucht, weil sie keine Kontrollen befĂŒrchten. So haben wir das vor einigen Tagen geschrieben. Jetzt stellt sich heraus: Die Polizei fĂŒhrt Radarkontrollen selbst in verkehrsarmen Zeiten durch. Auf der Bundesstraße 85 bei Tiefenbach war am Ostermontagnachmittag ein Autofahrer mit 161 km/h unterwegs. 1 Monat FĂŒhrerschein weg, 240 Euro an Geldbuße, zwei Punkte. 24 weiteren Autofahrern ist diese Radarkontrolle zum VerhĂ€ngnis geworden.

Auf den Radwegen dagegen geht es in Corona-Zeiten dagegen belebter und manchmal eng zu. Auf dem Radweg an der Bundesstraße 388, Höhe Passau Grubweg, stieß am selben Tag im Gegenverkehr eine Salzweger SchĂŒlerin, 13, mit einem Mann, 54, aus Hauzenberg zusammen. Beide stĂŒrzten, der Radler so schwer, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Die SchĂŒlerin war wohl aus Unsicherheit zur falschen Seite hin ausgewichen.

AusgangsbeschrÀnkung
Je 150 Euro Ordnungsstrafe kostet zwei jungen MĂ€nnern ein Verstoß gegen die Seuchengesetze am Ostersonntag zur Mittagszeit. Sie hatten sich auf einem Supermarktplarkplatz an der Neuburger Straße getroffen, um gemeinsam Alkohol zu kippen. Wer seine Wohnung verlĂ€sst, braucht einen "triftigen Grund", zum Beispiel sportliche BetĂ€tigung an frischer Luft. Spritztouren oder Treffen zum Zechen sind wĂ€hrend der AusgangsbeschrĂ€nkungen nicht erlaubt.

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Ostermontag, 13. April, 24. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 46. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Frankreich hat die Ausgangssperre bis zum 11. Mai verlÀngert.

Der Passauer Polizeibericht kennt nur vier Meldungen vom Ostersonntag: 

  • 14-jĂ€hriger Mountainbiker, ohne Helm, stĂŒrzt mittags an der UnterilzmĂŒhle. Mit Ellbogen- und HĂŒftverletzungen kommt er zur Behandlung ins Krankenhaus. Warum dieser Sport in Corona-Zeiten keine gute Idee ist, schreibt das Fachmagazin.
  • Ein 25-jĂ€hriger Autofahrer, der mittags im Stadtgebiet unterwegs war, setzte sich offensichtlich bekifft ans Steuer. Verkehrskontrolle, Bluttest, Anzeige. LektĂŒre dazu.
  • Ähnlich erging es abends um 8.30 Uhr in Salzweg einen 25 Jahre Ă€lteren Autofahrer: Er hatte bei der Verkehrskontrolle eine Alkoholfahne. Alkomat, Geldbuße und Fahrverbot. Der Bußgeldkatalog dazu.
  • In Hutthurm war frĂŒh um 9 Uhr ein 55-JĂ€hriger verbotswidrig mit einem Roller unterwegs. Die Verkehrskontrolle ergab: Zweirad fĂ€hrt schneller als 25 km/h und dafĂŒr hatte er keinen FĂŒhrerschein. Mehr dazu.

Telefonat mit einer ehemaligen Mitbewohnerin in Paris. "Ich lebe mit meinem Freund auf 44 Quadratmeter mitten in der Stadt. Wenn wir nach draußen wollen, mĂŒssen wir eine Art SelbsterklĂ€rung ausfĂŒllen, den Grund benennen und unterschreiben. Anfangs auf Papier, jetzt gibt es das Formular im Internet zum AusfĂŒllen und man kann es bei der Kontrolle am Handy vorzeigen. Die BegrĂŒndung kann sein Einkaufen gehen oder ein Spaziergang, aber maximal eine halbe Stunde. Joggen gehen wie in Bayern ist nicht erlaubt."

Telefonat mit einem Freund in Kapstadt. "Die Regeln hier sind viel strenger als bei Euch. Nicht einmal das Gassigehen mit dem Hund ist erlaubt. Zum GlĂŒck wohne ich weit außerhalb des Zentrums, fast am Land. Ich sehe die Wanderwege, die in die Berge fĂŒhren. An solchen Tagen sind da normal Hunderte SpaziergĂ€nger unterwegs, jetzt kann ich sie an einer Hand abzĂ€hlen. Zur Ausgangssperre sind weitere Verbote gekommen: Der Verkauf von Alkohol und Zigaretten ist nicht mehr erlaubt. Warum weiß ich nicht. Das fĂŒhrt jetzt vermehrt zu EinbrĂŒchen, der Schwarzmarkt blĂŒht. Vor wenigen Wochen war ich mit meiner Frau in Indien. Wir haben erfahren, wie die GroßstĂ€dte von Smog belastet sind. Jetzt erhalte ich Nachrichten wie diese: Sie können das erste Mal in ihrem Leben nachts den Sternenhimmel sehen. "

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Ostersonntag, 12. April, 23. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 45. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Das Pontifikalamt vom Domberg beginnt um 9.30 Uhr.

Tag der Nachrichtenaskese; Natur betrachten; abends Tatort schauen.

Der Reporter, der das klösterliche Leben aus Exerzitien an Kartagen kennt, kocht und bedient seine Hausgemeinschaft in Selbstisolation nach Tagen der Fastenspeise mit einem OstermenĂŒ. Die Lammkeule vom Wochenmarkt ĂŒber Nacht im 80-Grad-Backofen gegart, GemĂŒsesuppe aus den Resten vom Vortag, frische Ananas kandiert in Rohrzucker-Kokosfett mit Vanilleeis. 

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Samstag, 11. April, 22. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 44. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Um 22 Uhr hĂ€lt der Passauer Bischof Oster vor leeren Bankreihen der Andreaskapelle und laufenden Kameras seine Osterpredigt. Er begrĂŒĂŸt diejenigen, die vielleicht „zufĂ€llig“ eingeschaltet haben.

Jeder sehe die Welt anders, beginnt er. Es habe mit der Einzigartigkeit zu tun, „denn Gott schafft nur einzigartige Lebewesen“, nicht einmal jeder Grashalm sei dem anderen gleich; aber die verschiedene Sicht auf die Dinge habe auch mit der unterschiedlichen persönlichen Entwicklung und Erziehung zu tun. „Manchen Mist haben wir selbst verursacht, manches ist uns anerzogen worden, Ehrgeiz zum Beispiel, oder dass Jungen nicht weinen und MĂ€dchen nicht vorlaut sein sollen.“

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder Gottes, kommt ihr nicht ins Himmelreich“, zitiert er aus dem MatthĂ€us-Evangelium. Das Kind habe eine ursprĂŒngliche Freude am Leben, denn es erlebe sich beschĂŒtzt. Im Erwachsenwerden verliere es seine Unschuld, nicht im sexuellen Sinn, sondern im Verlust der Arglosigkeit. Den Zauber zum Neuen im Kleinen zu erkennen, schwinde. „Wir berechnen Kosten und Nutzen.“

Der Bischof spricht vom Zugang zum Glauben. „Manchmal kann es eine Not sein wie die Coronakrise“, sagt er. Gott lasse sie zu, dass wir erkennen, was eigentlich wirklich wesentlich ist im Leben. Selbst ein schlichter Glaube könne sehr tief sein, herrĂŒhrend vom Vorbild der betenden Großmutter oder wachsen, wenn er gesetzt ist vom Wissen der Geschichte Jesu.

Der Bischof ruft auf, allen zu danken, „die sich um die Gesundheit kĂŒmmern oder ihre riskieren im Dienst, damit anderen geholfen wird“, die dafĂŒr sorgten das weitergeht, was notwendig ist. „Jesus will uns verwandeln und er will von dieser Verwandlung niemanden ausschließen“, schließt er seine Predigt.

In Corona-Zeiten zĂ€hlte zu den FĂŒrbitten auch diese: „FĂŒr unsere Gemeinden, die nicht miteinander Ostern feiern können.“ Den Friedengruß geben sich der Bischof und seine Zelebranten mit einem lĂ€chelnden Kopfnicken weiter.

Der BundestagsprÀsident Frank-Walter Steinmeier hat am Karsamstagabend eine Osteransprache zur Corona-Krise gehalten. "Die Welt danach wird eine andere sein", sagt er. Wie sie aussehen wird, das liege jetzt an uns.

Die Pandemie zeige, dass das immer nur Schneller, Höher, Weiter ein Irrtum war, dass wir verwundbar sind.

Steinmeier nannte den "Kraftakt", den dieses Land leiste, beeindruckend. "Jeder hat sein Leben radikal geÀndert und rettet damit tÀglich Menschenleben."

Steinmeier appelierte an die Skeptischen und Verdrossenen: "Vertrauen Sie der Politik, denn die Regierenden wissen um ihre Verantwortung."

Wie es weitergeht, darĂŒber wĂŒrden nicht Politiker und Experten entscheiden, "sondern wir alle". Es hĂ€nge ab von "unserer Geduld und Disziplin, wenn es uns am schwersten fĂ€llt."

An die Regierungskritiker und Verschwörungstheoretiker: "Diesen Kraftakt leisten wir nicht, weil eine eiserne Hand uns zwingt, sondern weil wir eine lebendige Demokratie mit verantwortungsbewussten BĂŒrgern sind."

Über die Zeit nach Corona: Steinmeier sieht die Menschheit an einer Wegscheide. "Lernen wir aus den Erfahrungen, den guten und schlechten, die wir jeden Tag in der Krise machen!" Die Wegweiser zeigten sich jetzt schon: "Entweder jeder fĂŒr sich, Ellbogen raus und hamstern und die eigenen SchĂ€fchen ins Trockene bringen. Oder das Engagement fĂŒr den anderen, die explodierende KreativitĂ€t und Hilfsbereitschaft" Er blickt fragend in die Zukunft: Schenken wir den Paketboten und Kassiererinnen weiterhin die WertschĂ€tzung, die sie verdienen? Erinnern wir uns, was Pflege, soziale Berufe, Kinderbetreuung uns wirklich wert sein mĂŒssen?

Und die wohl wichtigste Frage: "Helfen diejenigen, die das wirtschaftlich gut schaffen, denen wieder auf die Beine, die besonders hart gefallen sind?"

An Europa und seine Nachbarn gewandt: "Suchen wir auf der Welt gemeinsam nach einem Ausweg - oder fallen wir zurĂŒck in Abschottung und AlleingĂ€nge?"

Steinmeier sagt: Diese Pandemie sei kein Krieg, sondern eine PrĂŒfung unserer Menschlichkeit. "Sie ruft das Schlechteste und das Beste im Menschen hervor."

Aufgeschnappt am Passauer Wochenmarkt.
„Ich bin jetzt wieder in Vollzeit beschĂ€ftigt“, erzĂ€hlt eine Rentnerin am Wochenmarkt dem BĂ€ckereiverkĂ€ufer. "Wie meinen Sie das?" „Naja, der Kindergarten ist zu und ich bin jetzt die Betreuerin.“

„Meine Wohnung war noch nie so sauber, sogar die BĂŒcher habe ich alle schon abgestaubt. So grĂŒndlich war mein FrĂŒhjahrsputz noch wie“, erzĂ€hlt eine Hausfrau Mitte 40 ihrer Bekannten. Von Langeweile könne keine Rede sein. „Wir machen regelmĂ€ĂŸig einen Spaziergang hinaus in den Wald, der liegt ja gleich vor der TĂŒr.“ „Genau wie bei uns“, sagt das GegenĂŒber. Man genieße das.

Am Karsamstag steht die Passauer Gesellschaft geduldig in den aufgefĂ€cherten Warteschlangen zum Ostereinkauf. Im kĂŒhlen Schatten reihen sich die Menschen vor der kleinen BĂ€ckereie in der Löwengrube oder in die warme Sonne blinzelnd in der BĂ€ckereifiliale am Residenzplatz; an letzterem Ort studiert ein stadtbekannter Kabarettist zum Zeitvertreib den Aushang am Schaufenster.

Wie vertreibt man sich die Zeit in der Warteschlange? Ein Student Ă€lteren Semesters fĂŒhrt am Domplatz vor, dass es auch ohne Wischen am Handy geht. Er hat eine Zeitung mitgebracht, blĂ€ttert in der LektĂŒre bis er an der Reihe ist. „Der NĂ€chste bitte, was darf es sein?“ Heute steckt die MetzgereiverkĂ€uferin jedem Kunden eine Scheibe LeberkĂ€se mit einem gefĂ€rbten Osterei in die TĂŒte.

Am Domplatz beim Einkauf gesichtet: Der berĂŒhmteste Kleinkunstveranstalter der Stadt, der bei der Selbstisolation der alten Heimat wohl den Vorzug vor der Landeshauptstadt gegeben hat; der Domprobst, der mit den Fleisch- und Wursthungrigen bei einer Metzgerin ansteht; ein Passauer Original, der GlaskĂŒnstler vom Residenzplatz, der sich beim KrĂ€uterpflanzenverkĂ€ufer nach dem hĂŒbschen GewĂ€chs erkundigt, das mit seinen weißen BlĂŒten ins Auge sticht: Schlehendorn.

Nur eine Handvoll Wochenmarktbesucher tragen eine Mund-Nasen-Bedeckung. In ein paar Wochen sieht das wahrscheinlich anders aus. 

Haben Sie Markus Lanz gesehen? Es gibt mehr neue Fragen als Antworten zu Corona.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck behauptet bei Lanz, dass wahrscheinlich schon 15 Prozent der Bevölkerung immun seien und die Sterblichkeitsrate von Corona statistisch lediglich bei knapp 4 Todesopfern je 1.000 Infizierter liege.

Sind die Weltgesundheitsorganisation oder das Robert-Koch-Institut, die aus den bekannten Infizierten und den registrierten Corona-Toten einen wesentlich höhere Sterblichkeitsrate errechnen, verantwortungslose Panikmacher?

Zusatzfrage: Gibt es bei den Corona-Toten keine Dunkelziffer? Veranlasst nach jedem Sterbefall am Land der Hausarzt, dass der Verstorbene posthum getestet wird?

Streeck erwĂ€hnt es, aber es fĂ€llt in der Bewertung weitgehend unter den Tisch. Seine Aussagen stĂŒtzen sich auf die Ergebnisse von 500 Getesteten im deutschen Corona-Brennpunkt Heinsberg. Dass dort, wo die Pandemie besonders wĂŒtet, mehr Menschen das Virus bereits durchgemacht haben, ist plausibel. Aber: Kann man von 0,0006 Prozent der Bevölkerung in Heinsberg auf ganz Deutschland schließen?

„Die Zeit“ berichtet heute zudem, dass die Heinsberg-Studie von einen PR-Unternehmen unterstĂŒtzt werde, zu dessen MitbegrĂŒnder Ex-Bild-Chefredakteur Kai Diekmann zĂ€hlt. Unterstellte man Propagandaabsicht, Streecks öffentliche Stellungnahmen, die seine Kritiker als zu voreilig sehen, haben Durchschlagkraft: Politik und Medien stĂŒtzen sich darauf, um nach Lockerungen zu rufen.

Reisefreiheit in weiter Ferne
Tags zuvor bei Lanz: Karl Lauterbach, Seuchenwissenschaftler (Fachbegriff: Epidemiologe) und Bundestagsabgeordneter, stellt klar, dass wir bei diesem Virusausbruch erst am Anfang und nicht am Ende stĂŒnden. Die Pandemie werde uns noch Jahre begleiten. Man werde sich auf ein Leben mit Abstand einstellen mĂŒssen. Reisefreiheit und Massenbetrieb im Freibad oder am Strand lĂ€gen in weiter Ferne.

Corona-Achse: Wien-MĂŒnchen-Berlin
70 Prozent unter 2.700 Befragten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ stimmen zu, dass das konsequente Handeln von Kanzler Kurz in Österreich richtig war. MinisterprĂ€sident Söder scheint das Nachbarland als Modell fĂŒr seine eigene Strategie zu benutzen. Mit nur wenigen Tagen VerspĂ€tung greifen die österreichichen Maßnahmen mehr oder minder Ă€hnlich in Bayern; Bayern wiederum ist weitgehend Vorreiter fĂŒr die Politik in Berlin und den anderen BundeslĂ€ndern.

Seuchen-Mathematik und menschlicher Irrtum
Die deutsche Coronakurve, soviel lĂ€sst sich feststellen, biegt sich nicht hoch in die Senkrechte. Die Wucht einer unkontrollierten Epidemie, die typische Exponentialfunktion, bliebt uns bislang erspart. Was diese in den KrankenhĂ€usern bewirken wĂŒrden, zeigen uns die Bilder aus den Seuchenzentren.

Nochmals zur Veranschaulichung der Exponentialfunktion, was ohne Kontaktsperre und Abstand passieren könnte: Wenn ein Infizierter drei Mitmenschen ansteckt, sich dies jeden vierten Tag wiederholt, wie viele Infizierte ergĂ€be das nach 40 Tagen? Die meisten Menschen schĂ€tzen „ein paar Tausend“, die höchsten SchĂ€tzungen liegen bei „15.000“. Das Vierfache ist korrekt. Sehen Sie die Zahlenreihe selbst: 3 – 9 - 27 – 81 – 243 – 729 – 2.187 – 6.561 – 19.683 – 59.049.

Passau zÀhlt 3.000 Bewohner "80plus"
Wird dem Virus kein Einhalt geboten, wĂŒrde also ein Infizierter ausreichen, die Bevölkerung einer Stadt wie Passau in 40 Tagen anzustecken. In Passau werden durchschnittlich 50 Menschen je Monat zu Grabe getragen, 600 ĂŒbers Jahr. WĂŒrde die Seuche auf einen Schlag allein die ĂŒber 80-JĂ€hrigen hinwegraffen, es wĂ€ren mehr als 3.000 Tote. Selbst wenn es nur ein Bruchteil wĂ€re, die Serie der SĂ€rge und GrĂ€ber will sich keiner ausmalen.

Der Hamburger Pathologe Professor Klaus PĂŒschel hat bei Lanz im Prinzip gesagt, dass alte Menschen so oder so sterben mĂŒssten. Er bezweifelt, dass Corona bei betagten Infizierten stets die ausschlaggebende Todesursache sei; er stellte bei mindestens zwei Leichenöffnungen Hirnschlag oder Herzinfarkt fest. Was der vorzeitige oder rasche Seuchentod unter den Alten in der Summe bedeutet, hat er wohl nicht hinterfragt.  

"Flexibles Semester" fĂŒr Studierende
FĂŒr die Studierenden sieht die Situation ĂŒberall auf der Welt anders aus. Österreich hat das Semester abgesagt, Bayern will im Hauruckverfahren am 20. April mit Bildschirmlehre beginnen und nennt es „flexibles Semester“; Argentinien sieht die Ferientermine flexibel und zieht die Sommerferien vor.

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Freitag, 10. April, 21. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 43. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Passauer Pandemie-Glocken, die seit 19 Tagen um 15 Uhr zum Gebet gegen die Seuche lÀuten, werden heute das erste Mal schweigen. Am Karfreitag, der Gedenktag an Jesu Leid und Tod, sind in den Kirchen die Kruzifixe mit violettem Tuch verhangen und alle Klangkörper bleiben stumm.

15 Uhr: Pontifikalamt live im Netz
%PIC16629%Bischof Stefan Oster zelebriert das Pontifikalamt zum Karfreitag live aus der Andreaskapelle, ein Kirchenraum am Domberg, der sich nordöstlich von der Kathedrale befindet. Die gestrige GrĂŒndonnerstagsmesse hat gezeigt, wie gut die QualitĂ€t des digitalen Erlebnisses fĂŒr die GlĂ€ubigen sein kann. Mehrere Kameras sind im Einsatz, die Regie lĂ€sst den Zuschauer mal dem Chor, mal dem Orgelspieler, mal dem Bischof nahe sein; das ist eindrĂŒcklicher wie beim analogen Gottesdienst.

Kirchen- und KameramĂ€nner mĂŒssen sich an die Anweisungen des Ordnungsamtes halten. "Maximal drei von uns Fernsehleuten dĂŒrfen im Kirchenraum sein", erklĂ€rt ein Mann von der TV-Technik. Er selbst wechselt im Übertragungswagen sich mit einem Kollegen ab, denn in dem engen Raum sind in der Pandemie selbst zwei zuviel.

Vom Krimi des Lebens
Osters Predigt geht heute so: Stellen Sie sich vor, Sie lesen einen Krimi und je tiefer sie einsteigen, desto mehr steigt die schreckliche Erkenntnis, dass es sich um ihr eigenes Leben handelt, sie der nĂ€chste Todeskandidat sein könnten. Dann tritt der Autor, ein Kriminalbeamter, in den Raum und verspricht, dass er auf sie aufpasst. Er kenne den Mörder und kann sie beschĂŒtzen. Im Gleichnis des Bischofs ist Jesus der Kriminalbeamte.

FrĂŒhlingserwachen
%PIC16627%Ringeltauben haben einen zehn Meter hohen, wohl 100 Jahre alten Zwetschgenbaum, in einem Garten am sĂŒdlichen Innufer als Nistplatz entdeckt. Im Dickicht eines efeuumwucherteren Astes bauen sie das Nest. Das MĂ€nnchen fliegt aus, um Baumaterial zu holen, das Weibchen richtet das neue Zuhause ein. Markantes Merkmal dieser Taube, die lateinisch "Columba palumbus" heißt, sind die weißen Abzeichen an FlĂŒgeln und Hals.

"Was ist das fĂŒr ein merkwĂŒrdiges, hell brummendes DauergerĂ€usch?". In den BlĂŒten des Wildkirschbaumes hört man die Bienen summen. 

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Donnerstag, 9. April, 20. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 42. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Gesundheitsminister Jens Spahn sagt bei der Bundespressekonferenz am frĂŒhen Nachmittag: „Wir dĂŒrfen jetzt nicht nachlĂ€ssig werden.“ Dieses Osterfest nicht wie gewöhnlich feiern zu dĂŒrfen, sei ein tiefer Einschnitt, der allen viel abverlange.

Aber: Jeder Deutsche, der sich konsequent an die Kontaktsperren hĂ€lt, kann als persönlichen Erfolg verbuchen, dass die Welt mit Anerkennung und Verwunderung auf die deutsche Corona-Kurve blickt. „Die Infektionskurve verlĂ€uft linear und nicht exponentiell“, blickt Spahn hoffnungsvoll auf die Entwicklung. Die tĂ€gliche Steigerung betrage vier bis fĂŒnf Prozent; dazu habe “maßgeblich das umsichtige Verhalten“ der Bevölkerung beigetragen. „Wenn wir wieder persönlichen Kontakt suchen und in Gruppen feiern“, sei der Erfolg dieser Anstrengungen dahin.

Erfolg der Disziplin: Deutschland kann den Nachbarn helfen
Auch hierin ist Deutschland dank der Disziplin des Großteils der Bevölkerung vorbildlich in der Welt: „40 Prozent der Intensivbetten sind aktuell noch frei, deshalb können wir Patienten aus den NachbarlĂ€ndern aufnehmen und behandeln“, sagt Spahn. Zudem liege Deutschland mit 100.000 Tests tĂ€glich an der Spitze.

Bluttest sollen Tödlichkeit der Corona-Seuche entschlĂŒsseln
Das RKI will laut PrĂ€sident Lothar Wieler mit Blutproben aus der Bevölkerung Studien betreiben, um mehr ĂŒber Corona zu erfahren. Wie viele haben ohne Beschwerde die Krankheit hinter sich gebracht? Wie viele sind bereits immun? Wie hoch ist die tatsĂ€chliche Sterblichkeitsrate? Bisher kann diese nur aus den registrierten Infizierten und den Verstorbenen berechnet werden, berĂŒcksichtigt die Dunkelziffer der Nichtgetesteten, Symptomfreien nicht.

  • Sofortstudie durch Analyse von 5.000 Blutproben
  • Stichprobenhalte Blutuntersuchungen in Krisengebieten: In vier noch auszuwĂ€hlenden Orten, die von der Seuche besonders betroffen sind, sollen 2.000 Menschen untersucht werden
  • Blutuntersuchungen von 15.000 ausgewĂ€hlten Menschen in 150 Regionen; diese umfangreichste Studie soll im Mai beginnen.

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Mittwoch, 8. April, 19. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 41. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Am Klinikum Passau herrscht in diesen Tagen angespannte Ruhe. In Abteilungen, die mit der Seuche nicht befasst sind, ist weniger los als sonst. In der Chirurgie werden nur unverschiebbare Operationen erledigt, eine Handvoll an einem Tag.

In der Corona-Abteilung hat das medizinische Personal das erste Mal in seiner Laufbahn erlebt, wie das Virus zu lebensgefĂ€hrlicher LungenentzĂŒndung fĂŒhrt, wie die Schwererkrankten an Sauerstoffmangel leiden; wie unter anderem eine Rentnerin aufgegeben werden musste. 

Leidiges Thema: Wie sieht es mit den Schutzmasken aus?
Über BaumĂ€rkte hat das Klinikum weitere 2.500 Virenschutzmasken der Klasse "FFP2“ erhalten, schreibt Pressesprecherin Elke Zanner auf Anfrage. 1.000 waren mit einer Lieferung des Technischen Hilfsdienstes Ende MĂ€rz eingetroffen.

Dieser Vorrat von 3.500 wĂŒrde 50 MaskentrĂ€gern, die mindestens dreimal am Tag den Mund-Nasen-Schutz wechseln, einen knappen Monat ausreichen.

Das gesamte Personal, das mit Corona-Patienten Kontakt hat, trage seit 10 Tagen diese FFP2-Masken; von der Putzfrau bis zum Chefarzt, schreibt sie. „Wir hoffen auf weitere Lieferungen vom Freistaat“, schreibt Zanner. Zur Erinnerung: Der erste Corona-Erkrankte ist vor 36 Tagen eingeliefert worden. 

Es sieht mit Nachschub gut aus, denn bekanntlich sind Anfang der Woche acht Millionen Masken aus China in Bayern eingetroffen.

Patienten scheuen Wartezimmer und KrankenhÀuser
Bundesweit stellen die Mediziner einen Nebeneffekt der Corona-Krise fest: Es ist weniger los in Wartezimmern und Notfallambulanzen. Jeder, der in diesen Tagen Beschwerden hat, der ĂŒberlegt es sich zweimal, ob er einen Arzt aufsuchen soll. Die einen haben Angst vor Ansteckung, die anderen wollen das Gesundheitssystem nicht zusĂ€tzlich belasten, wiederum andere schreckt ab, dass sie keine im Krankenhaus keine Besuche empfangen dĂŒrften. So nimmt selbst der hypochondrische Typ Abstand.

Ob dieser Effekt auch im Klinikum Passau zu spĂŒren ist? 
Man kann wohl erst in einigen Wochen rĂŒckblickend beurteilen, ob Patienten mit entsprechenden Symptomen aus Angst vor Corona das Krankenhaus im Moment meiden, gibt Dr. Gregor Stolz, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme an die Pressesprecherin weiter. „Wir behandeln weiterhin alle Notfallpatienten und nehmen somit jeden Tag Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten auf“, lĂ€sst er sich zitieren.

Werkleiter Stefan Nowack, der Überblick ĂŒber das gesamte Haus hat, beobachtet jedoch schon, „dass sich viele scheuen, das Krankenhaus aufzusuchen.“ Ob das SpĂ€tfolgen habe, lasse sich im Moment schwer beurteilen.

Die Arbeitskollegin, die trotz Zahnschmerzen nicht zum Zahnarzt will, die Rentnerin, die trotz Kreislaufbeschwerden den Besuch beim Hausarzt verschiebt, das alles sind Tatsachen, die wir aus unserer Umgebung kennen.

Wie lÀuft die durch den ausgerufenen Katastrophenfall angeordnete Zusammenarbeit mit den anderen KrankenhÀusern?
„Die Hellge-Klinik ist zurzeit geschlossen. Spezielle Kooperationen durch den Notfallplan gibt es nicht“, heißt es. „Mit den Landkreiskliniken sind wir im tĂ€glichen Austausch und halten uns gegenseitig auf dem Laufenden“, schreibt Zanner.

%PIC16625%Lage im Klinikum: Derzeit werden 29 Covid-19-Patienten stationĂ€r behandelt; davon liegen acht mit kĂŒnstliche Beatmung auf der Intensivstation

Lage im Landkreis: Die Zahl der registrierten CoronavirustrÀger hat sich heute um 19 auf 307 FÀlle erhöht.

Lage im Stadtgebiet: 98 Infizierte, plus 4.

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Dienstag, 7. April, 18. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 40. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Lage in der Stadt: In vier stĂ€dtischen Altenheimen summiert sich die Zahl der Infizierten auf 23 Bewohner und 15 Mitarbeiter. Darunter am schwersten betroffen ist das „Rosenium“ in Grubweg mit 13 Bewohnern und 5 Mitarbeitern. Im Stadtgebiet hat sich die Zahl der Corona – infizierten um 4 auf 94 erhöht. Im Klinikum Passau sind 25 Covid-19-Patienten in stationĂ€rer Behandlung; 9 davon werden kĂŒnstlich beatmet. 

Die Lage im Landkreis: Die Zahl der Corona-FĂ€lle ist um 14 auf 288 gestiegen.

Was ist wichtiger: Kapital oder Menschenleben?
Ein Steuerberater hat mit einem empörten Schreiben sein BĂŒrgerblick-Abo gekĂŒndigt und eine teilweise RĂŒckerstattung gefordert. Er Ă€rgert sich darĂŒber, dass der Autor im Editorial des aktuellen Heftes seine 87-jĂ€hrige Mutter wichtiger nehme als die Wirtschaft; ohne gesunde Wirtschaft gĂ€be es das Gesundheitssystem nicht, das seine Mutter so alt hat werden lassen, fĂŒhrt er unter anderem an. 

So blicken wir zunÀchst auf die Wirtschaft, ob jemand durchs Raster fÀllt:

Corona-Rettungsschirm: 6.000 Euro je Einwohner
Der Staat hat sich dem Grundgesetzes gemĂ€ĂŸ entschieden, dass in dieser Seuche Menschenleben und MenschenwĂŒrde ĂŒber allem steht, kein Mensch dieser schlimmstenfalls tödlichen Lungenkrankheit  ohne medizinische Hilfe ausgeliefert werden darf. Der Wirtschaft wird mit Geld geholfen. Kreditgarantien und Finanzspritzen summieren sich geschĂ€tzt auf eine halbe Billion Euro; das entspricht ungerechnet 6.000 Euro pro Kopf, vom Baby bis zum Greis.

Steuerfreier Bonus fĂŒr Mitarbeiter
Arbeitgeber können BeschÀftigte, die sich in der Krise besonders auszeichnen oder engagieren, mit einem steuer- und sozialabgabefreien Bonus bis zu 1.500 Euro belohnen (gilt bis Ende des Jahres).

Soforthilfe selbst fĂŒr Vermögende
Der Staat gewĂ€hrt Unternehmen eine nach BetriebsgrĂ¶ĂŸe gestaffelte Soforthilfe, bis zu 9.000 Euro fĂŒr Solo-SelbststĂ€ndige, wenn sie in einen „LiquiditĂ€tsengpass“ geraten. Die ursprĂŒngliche Textfassung, dass dieser Antrag nicht statthaft ist, wenn noch private oder betriebliche Mittel zur VerfĂŒgung stehen, wurde nachgebessert. Die AntrĂ€ge sind nach EinschĂ€tzung der Steuerberater auch möglich, wenn die betrieblichen Einnahmen die betrieblichen Ausgaben in den drei folgenden Monaten voraussichtlich nicht decken.

Unternehmerkredite bis zu drei MonatsumsÀtzen
Schnellkredite der KfW-Bank bis zu maximal 800.000 Euro sind fĂŒr Unternehmen  möglich

  • die im Durchschnitt der letzten drei Jahre Gewinne ausgewiesen haben
  • seit mindestens 1. Januar 2019 am Markt aktiv sind
  • In einer Höhe von maximal drei MonatsumsĂ€tzen des Jahres 2019
  • mindesten zehn Mitarbeiter beschĂ€ftigen

Der Kredit kann bei einem Zinssatz von 3 Prozent eine Laufzeit bis zu zehn Jahre haben. Der Staat haftet bei großen Betrieben bis zu 100, bei kleinen bis zu 90 Prozent der Kreditsumme.

Steuerfreier Zuverdienst fĂŒr Kurzarbeiter
Wie auf Kurzarbeit gesetzt ist, kann sich steuerfrei in sogenannten systemrelevanten Branchen und Berufen etwas dazuverdienen, finanzielle Einbußen auszugleichen. Zu solchen Branchen gehören Landwirtschaft und Lebensmittelversorger, aber auch die Medien.

Wie sich die Wirte und Hoteliers retten
Im Hotel- und GaststÀttengewerbe nutzen laut einer Umfrage des bayerischen Branchenverbandes die Möglichkeit

  • Steuerstundung: 85 Prozent
  • RĂŒckzahlung von Steuervorauszahlungen: 40 Prozent
  • Stundung von Sozialabgaben: 52 Prozent
  • Kurzarbeitergeld: 67 Prozent

Wer fÀllt durchs Raster? Wir suchen Beispiele und werden die spÀter in diesem Nachrichtenlauf anbringen.

AuslÀnder sind in Deutschland systemrelevant
Die geschlossenen Grenzen haben gezeigt: Deutschland ist angewiesen auf 80.000 PflegekrÀfte aus dem Ausland, vor allem Osteuropa; hinzu kommen geschÀtzt 300.000 HilfskrÀfte, die in keiner Statistik erfasst sind.

80.000 Erntehelfer werden in der Corona-Krise teilweise mit Sondermaschinen eingeflogen. Deutschlands landwirtschaftliche Großbetriebe brauchen sie fĂŒr Spargel-, Gurken-, Erdbeeren- und Rhabarberernte. Unter der einheimischen Bevölkerung findet sich offenbar niemand, der diese Knochenjobs ĂŒbernehmen möchte.

Handy mit UV-Licht desinfizieren
Das Fraunhofer-Institut arbeitet an einer Lösung, wie Handys und Flachrechner desinfiziert werden können. Desinfektionslösungen schaden den Bildschirmen. Ultraviolettes Licht töten Bakterien und Viren ab. Deshalb wurden kleine Lichtkammern entwickelt, in denen die GerĂ€te fĂŒr wenige Sekunden gelegt werden, Ă€hnlich einem Mini-Backofen. FĂŒr die kommerzielle Produktion sucht das Institut Partner aus der Wirtschaft.

Acht Million Masken fĂŒr Bayern
Am Flughafen MĂŒnchen landete am Montag eine sowjetische Transportmaschine Iljuschin-76 mit einer Millionen Masken aus China. Weitere kamen heute mit der ;ufthansa; insgesamt angeblich acht Millionen Masken. Damit können 10.000 Ärzte etwa ein Jahr lang arbeiten.

Großbritannien: Johnson auf Intensivstation
Boris Johnson, der an Corona erkrankte britische Premierminister, liegt seit zwei Tagen im Krankenhaus, wurde verlegt auf die Intensivstation. Beatmet werden muss er nicht.

Argentinien: 30.000 Festnahmen zur Ausgangssperre
30.000 Festnahmen hat es seit der Ausgangssperre in Argentinien gegeben. Wir dagegen verstĂ¶ĂŸt, muss 48 Stunden lang ins GefĂ€ngnis. Das sĂŒdamerikanische Land hat es ja frĂŒhzeitig drastisch, als die Zahl die infizierten noch Landes weit unter 100 lag. Eingeschleppt hat den Virus, wie die Medien berichten, ein reicher argentinischer GeschĂ€ftsmann, der in der ersten Klasse von China zurĂŒckgeflogen ist und, wie sich spĂ€ter herausstellte, sieben Mitreisende angesteckt hat.

Wie geht Osterbeichte mit Abstand?
„Dass das wichtigste Fest der Christenheit nicht gefeiert werden kann, fordert uns auch im Bistum Passau heraus“, lĂ€sst Bischof Stefan Oster ĂŒber seine Pressestelle mitteilen. Diese Karte – und Osterzeit sei in ihrer Weise einmalig. Auf seine Seite bietet das Bistum eine umfangreiche Betreuung der GlĂ€ubigen an, vom „Zuhause-Gebet“ bis zum „Kinderkanal“. Die Live-Übertragungen der Festgottesdienste beginnen am GrĂŒndonnerstag um 9.30 Uhr mit der Chrisam-Messe, der Weihe der heiligen Öle. Die Feiern ohne Messbesucher finden vor den Kameras in der Andreaskapelle statt.

Die Spende des Sakraments der Buße sei per Telefon oder Internet nicht möglich, teilt der der Bischof zur Osterbeichte mit. Im Beichtstuhl kann sie wegen des mangelnden Sicherheitsabstandes nicht stattfinden; wohl aber auf Wunsch mit Abstand in einem grĂ¶ĂŸeren Raum wie Sakristei oder PfarrbĂŒro „unter Beachtung der gebotenen Diskretion.“

1.200 Kontaktpersonen getestet
Wie auf Anfrage mitteilt wird, hat das Gesundheitsamt bis heute in Stadt und Landkreis rund 1.200 Corona-Tests anordnen lassen. Es handelt sich um die Kontaktpersonen von Erkrankten. Wie viele Tests die SeuchenĂ€rzte der KassenĂ€rztlichen Vereinigung, HausĂ€rzte oder KrankenhausĂ€rzte durchgefĂŒhrt haben, ist der Behörde nicht bekannt. Hier werden lediglich die positiven Befunde gemeldet, worauf die Mitarbeiter beginnen, die gefĂ€hrdeten Kontaktpersonen zu ermitteln.

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Montag, 6. April, 17. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 39. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Bayern und der ĂŒberwiegende Zusammenhalt seiner Bevölkerung setzt in der Corona-Pandemie ein hoffnungsvolles Zeichen: Die Kurve der Infektionszahlen steigt nicht in die Senkrechte, sondern im Gegenteil, die Steigung nimmt etwas ab. Ist das am 17. Tag der Lohn dafĂŒr, dass die meisten Menschen die einschneidenden FreiheitsbeschrĂ€nkungen konsequent und geduldig auf sich nehmen? Mit jedem neuen Tag wissen wir mehr.

In der Grafik verschaffen wir Ihnen einen Überblick, wie die Corona-Stationen im Passauer Land ausgelastet sind.

Die Lage im Stadtgebiet: Eine 86-jÀhrige Patientin ist im Klinikum Passau verstorben. Es ist der vierte Todesfall in der Stadt. Es handelt sich erneut um eine Altenheimbewohnerin. Wie berichtet, ist das Virus in mehreren Passauer Altenheimen eingeschleppt worden.

Die gute Nachricht: Es sind keine neuen Corona-FĂ€lle registriert worden. Stand: 90. Dies lĂ€sst hoffen, dass die einschneidenden Maßnahmen in Passau Wirkung zeigen. 

Eine Reihe von Covid-19-Patienten hat das Klinikum wieder verlassen können. 

FachĂ€rzte fĂŒr Corona-Infizierte
Der Passauer Versorgungsarzt Dr. Achim Spechter hat zusammengestellt, welche FachĂ€rzte im Stadtgebiet fĂŒr Coronavirus-Infizierte zustĂ€ndig sind:

  • Allgemeinmedizin: Dr. Alois Stadler, Fieberambulanz im Klinikum Passau
  • GynĂ€kologie: Dr. Katharina Huber, Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) am Schießstattweg
  • Hals-Nasen-Ohren: Dr. Michael Eckstein, ebenfalls MVZ am Schießstattweg
  • Zahnarzt: MVZ an der Neuburger Straße

Die Lage im Landkreis:
In einem Landkreiskrankenhaus gab es ebenfalls einen neuen Todesfall, ein 79-JÀhriger. Die Zahl der CoronafÀlle erhöht sich um 6 auf 274.

%PIC16620%61 Patienten stationÀr in Stadt und Land
In den drei KrankenhĂ€usern Passau, Vilshofen und RottalmĂŒnster werden mit heutigem Stand insgesamt 61 Corona-Patienten stationĂ€r behandelt, davon 16 mit kĂŒnstlicher Beatmung. 

Was wir nach der Sendung von Anne Will vom Sonntagabend wissen und mitgenommen haben:

  • 800.000 BĂŒrgerinnen und BĂŒrger leben in Altenheimen
     
  • 37 Millionen Schutzmasken sind in Deutschland angekommen, aber 150 Millionen werden in der nĂ€chsten Zeit gebraucht; davon 47 Millionen Virenschutzmasken der Klasse FFP2.
     
  • Wir sollten stets daran denken, dass das Gesundheitssystem auch fĂŒr alle anderen Patienten noch da sein muss; beispielsweise Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten. (Martina Wenker, BundesĂ€rztekammer)
     
  • 2.000 PflegekrĂ€fte haben sich jetzt schon infiziert; besonders leidet das ambulante Pflegepersonal darunter, dass es oft schutzlos von Haus zu Haus unterwegs ist. Anmerkung des Autors: Hinzu kommt die erhöhte Gefahr fĂŒr die zu Pflegenden. (Christel Bienstein, Pflegewissenschaftlerin)
     
  • Eine Pflegekraft betreut in Deutschland im Schnitt dreizehn Patienten, in Norwegen sind es drei.
     
  • MinisterprĂ€sident Söder zahlt allen PflegekrĂ€ften einen Bonus von 500 Euro aus dem Staatshaushalt, freies Essen und GetrĂ€nke dazu. Aber die Löhne im Gesundheitswesen, ja in allen „systemrelevanten“ Berufen, sollte noch nach Corona grundsĂ€tzlich ĂŒberdacht und angepasst werden.
     
  • Der Virenschutz wird kĂŒnftig eine grĂ¶ĂŸere Rolle in unserer Gesellschaft spielen. Es wird nach drei Monaten nicht vorbei sein, sondern eher nach zwei Jahren (Vizekanzler Olaf Scholz gibt wieder, worauf uns die Wissenschaftler vorbereiten)
     
  • Deutschland hat nunmehr knapp 100.000 registrierte CoronavirustrĂ€ger – aber die große Welle wird erst erwartet. Aktuell statistisch gesehen: 1 Infizierter je 1.000 Einwohner. Anmerkung des Autors: Das wĂ€re so, als wĂŒrden im vollen Berliner Olympiastadion drei Schulklassen Infizierter sitzen.

Statistiken hinken der Wirklichkeit 14 Tage hinterher
Die Infektionszahlen der Registrierten, die tĂ€glich bekannt gegeben werden, bilden ab, wie die Situation vor etwa zwei Wochen war. Einfach erklĂ€rt: Wer sich ansteckt, bei dem bricht die Erkrankung nach frĂŒhestens vier und  allerspĂ€testens vierzehn Tagen aus; bis das Testergebnis vorliegt vergehen  weitere vier Tage. So erklĂ€rt es Virologe Alexander KekulĂ©.

Deshalb wird erst in diesen Tagen sichtbar werden, ob die AusgangsbeschrĂ€nkung und Kontaktsperren sich auswirken. Falls dies nicht der Fall wĂ€re, was keiner hoffen will, wĂ€ren noch drastischer Maßnahmen möglich.  Das Leben ruht nicht in allen Bereichen. Auf Baustellen und im Handwerk herrscht Betrieb, dort begegnen sich Menschen noch nicht auf Distanz.

„Wir mĂŒssen die Risikogruppen radikal in Sicherheit bringen“, sagt KekulĂ©. Damit dieser Schutz funktioniere, mĂŒssten auch die Familien des Pflegepersonals sicher sein. FĂŒr alte Menschen, die alleine wohnen, sei letztendlich eine FFP2- Maske ratsam, damit sie beim Einkauf nicht gefĂ€hrdet sind. Testen sei immens wichtig. Es gebe dem Krankenhauspersonal Sicherheit; aber auch derjenige, der seine Großmutter besuchen will, muss wissen: „Ich bin nicht infiziert.“

Virologen wĂŒnschen sich "Volksmaske"
Wir sollten alle die „Volksmaske“, die gebastelten oder genĂ€hte Mund- und Nasenbedeckung anlegen; ein Schal tut es auch. „Den Widerstand von Politik und Robert-Koch-Institut kann ich nicht nachvollziehen“, sagt Virologe KekulĂ©. Textiler Schutz zusĂ€tzlich zum unabdingbaren Abstand und zur Handhygiene sei besser als nichts.

Warum die Politik zögert? Die Antwort gibt KekulĂ© selbst: „Es könnte daran liegen, dass dann der BĂŒrger zurecht fragen wĂŒrde: "Warum kann ich diese Maske nicht in der Apotheke kaufen?“ Dieser ErklĂ€rungsnot wolle man vermutlich ausweichen. Die Masken helfen mehr als eine Ortungssoftware, ist sich KekulĂ© sicher. Er meint die Corona-Alarm-App. Auch die Amerikaner empfehlen jetzt die Maske.

Einreisekontrollen bleiben unabdingbar
Was die geschlossenen Grenzen anbelangt, können wir wohl nicht erwarten, dass die Reisefreiheit bald zurĂŒckkehrt. „DarĂŒber können wir erst nachdenken, wenn die Infektionszahlen im Nachbarland auf demselben Niveau sind und sich entspannt haben. "Bis dahin gilt es zu verhindern, dass Neuinfizierte hereinkommen“, sagt KekulĂ©. Selbstverantwortliches Handeln sei gefragt. „Was kann mein Land fĂŒr mich tun“, sei jetzt die falsche Frage, richtig die Überlegung: „Was kann ich fĂŒr mein Land tun?“

Diskussionsteilnehmer Jens SĂŒdekum, Volkswirtschaftsprofesssor, meinte man sollte bald wieder die notleidenden LĂ€nder wie Italien und Spanien mit Tourismus unterstĂŒtzen. Auf diesen Vorschlag ist niemand eingegangen, da vor allen Lockerungen das Ziel steht, die Infektionsketten zu brechen.

„Absolute Transparenz und höchste Wahrheit“ - das sei das Prinzip der Bundesregierung in der Krise, sagte Vizekanzler Scholz. Den kleinen und mittleren Betrieben mĂŒsse geholfen werden. Zur Wahrheit gehört: "Aber BĂŒrger mit sehr hohen Einkommen zu entlasten, das ist nicht plausibel." Die Last der Krise werden die "Spitzenverdiener 2023 bis 2043" zu schultern haben. Scholz: „Wer 200.000 bis 300.000 Euro im Jahr verdient, fĂŒr den wird es keine Steuerabsenkung geben.“

Wie lief das Wochenende aus polizeilicher Sicht?
22 VerstĂ¶ĂŸe gegen Kontaktsperren und AusgangsbeschrĂ€nkungen haben die Passauer Beamten der Landespolizei am Wochenende festgestellt und geahndet. Sie sind unterstĂŒtzt worden von KrĂ€ften der Bereitschaftspolizei. In 20 FĂ€llen ist ein Bußgeld von 150 Euro verhĂ€ngt worden. „Fast alle Kontrollierten haben sich sofort einsichtig gezeigt“, sagt ein Polizeisprecher.

Was ist erlaubt, was nicht? Die Frage kann sich jeder selbst beantworten. Die oberste Regel heißt „Zuhause bleiben“. FĂŒr alles andere braucht es einen triftigen Grund.

Spritztouren sind nicht erlaubt
"SelbstverstĂ€ndlich sollte alles vermieden werden, was zu UnfĂ€llen fĂŒhren und die Kliniken belasten kann“, erklĂ€rt ein Beamter außerhalb eines PressegesprĂ€chs. Die Ausfahrt mit dem Motorrad oder das Herumfahren mit dem Auto aus Langeweile sei deshalb ein Verstoß. Die Umsicht gilt auch Zuhause. "Ich wĂŒrde meinem Kind jetzt nicht erlauben, auf einen Baum zu klettern." 

„Wildwest-Methoden“ auf dem Schutzmaskenmarkt
MinisterprĂ€sident Markus Söder spricht von „Wildwest-Methoden“, wie auf dem Weltmarkt um Schutzmasken gekĂ€mpft wird. Es werde eher schlimmer als besser, da große LĂ€nder wie USA und Indien jetzt ebenso Bedarf anmelden. Die RĂŒckkehr zu eigenen ProduktionsstĂ€tten ist bereits angelaufen.

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Sonntag, 5. April, 16. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 38. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Der Reporter hat seit Tagen kein gutes GefĂŒhl, wenn die Zeiger der Uhr sich auf fĂŒnf Uhr nachmittags zubewegen. Stets zu diesen Minuten versenden die Pressesprecher von Stadt Passau und Landkreis die neuesten Lageberichte zu Corona.

34 Corona-Patienten stationÀr im Klinikum
Die eingeschleppten Viren in Passauer Altenheimen haben zwei Bewohnerinnen frĂŒhzeitig aus dem Leben gerissen: eine 84-JĂ€hrige und eine 90-JĂ€hrige. Die Zahl der infizierten Stadtbewohner hat sich um zwölf auf neunzig erhöht. Im Klinikum Passau werden so viele Corona-Patienten wie noch nie behandelt: Sieben kĂŒnstlich beatmet, einer auf der Intensiv- und sechsundzwanzig auf der Isolierstation.

Drei neue TodesfÀlle in Stadt und Land
Einen weiteren Todesfall meldet der Landkreis, ein 88-jÀhriger Corona-Erkrankter. Die aktuellen FÀlle: 268, plus 9.

Sonntag mit grĂ¶ĂŸtenteils Stille
Dieser Palmsonntag ist der verkehrsruhigste Sonntag seit fast 50 Jahren gewesen. Damals, im Winter 1973, gab es wegen der Ölkrise an vier Sonntagen ein absolutes Fahrverbot. Im Garten lĂ€sst sich die eine Hummel brummen hören, die Nektar sammelt vom violett blĂŒhenden Lerchensporn. 

WĂ€hrend die Alt-, Inn- und IlzstĂ€dter, die Angerer und viele andere eine fast paradiesische Ruhe genießen, sich Fenster wie sonst selten zur Straße öffnen, Ă€rgern sich die Bewohner im Passauer Westen, die an der Autobahn leben. „Da ist nix mit Ruhe wegen wenig Verkehr“, schreibt ein Schaldinger. Lastwagen und Sattelschlepper donnern ĂŒber die AutobahnbrĂŒcke – fĂŒr sie ist das Sonntagsfahrverbot aufgehoben worden. Das Europa der geschlossenen Grenzen braucht ein Ventil fĂŒr die Versorgung. Allerdings: Auf der Schiene wĂ€re durch den verringerten Passagierverkehr mehr Raum fĂŒr GĂŒter.

Krisenverweigerer und Denunzianten
Die Passauer Polizei berichtet von „zahlreichen VerstĂ¶ĂŸen“ gegen die AusgangsbeschrĂ€nkungen, kann sie allerdings heute nicht beziffern, weil einen Großteil der Kontrollen die Bereitschaftspolizei durchgefĂŒhrt hat. 

Die Polizeibemten haben eine neue Aufgabe: Aus der Bevölkerung gehen immer wieder Hinweise ein ĂŒber Nachbarn oder Passanten, welche angeblich die Kontaktsperren nicht einhalten. „Es gibt berechtigte Anzeigen, aber auch Denunziantentum“, erzĂ€hlt ein Beamter. Beispielsweise die Anruferin, die meldet, dass ihre alte Nachbarin von ihrer Tochter besucht werde, die es doch zu schĂŒtzen gelte. Doch diese hat sich nur, wer sollte es sonst tun, um das Wohl ihrer Mutter gekĂŒmmert.

Sieben Tage blauer Himmel?
Der Wetterbericht sagt fĂŒr die ganze Woche blauen Himmel und frĂŒhsommerliche Temperaturen voraus. Keine Kratzer am Himmel. Eines der wenigen Flugzeuge, die dahinziehen, sind Flugzeuge mit Start- oder Zielflughafen London. „Iran Air“ (Ziel Teheran) um 19.15 Uhr, wenige Minuten davor die ungarische Billigfluggesellschaft „Wizz Air“aus Budapest.

Aufnahmestopp in der Kurzzeitpflege
Das bayerische Gesundheitsministerium verteidigt in einer sonntĂ€glichen Pressemitteilung seine Anweisung, fĂŒr Reha-Einrichtungen einen Aufnahmestopp zu verhĂ€ngen. Es geht um Kurzzeitpflege, um 2.900 PlĂ€tze in 61 HĂ€usern. Ausnahmen gelten, wenn gesichert ist, dass der neue Bewohner 14 Tage in QuarantĂ€ne bleibt.

Corona-Semester als virtuelles Studium
Wissenschaftsminister Bernd Sibler lĂ€sst diesen Sonntag mitteilen, dass das Sommersemester fĂŒr die Studenten mit einer virtuellen Notlösung beginnt (siehe Bericht Rubrik „UniversitĂ€t“).

FFP3-Masken von Eterna?
Die Passauer Hemdenfabrik Eterna hat eine textile Mund- und Nasenschutz fĂŒr 25 Euro wieder aus dem Online-Angebot genommen. Angeblich sind die Masken bereits wieder vergriffen. MerkwĂŒrdig daran ist, dass diese Masken als Schutzklasse „FFP3“ angepriesen worden sind. Dies wĂ€re die höchste medizinische Virenschutzklasse.

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Samstag, 4. April, 15. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 37. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Corinavirus greift Gehirn an?
Am Nachmittag teilt Vizechefredakteurin Sabine RĂŒckert von der „Die Zeit“ den Beitrag einer medizinischen Fachzeitschrift: Es gibt Hinweise, dass das Virus nicht nur im schlimmsten Fall zur LungenentzĂŒndung fĂŒhrt, sondern ĂŒber Nervenzellen ins Gehirn vordringt, Atemstillstand auslösen kann. Dies wĂŒrde erklĂ€ren, warum Erkrankte auch ĂŒber Sinnesstörungen, Geschmacksverlust berichten. 

Wochenmarkt in Seuchenzeiten
Timon braucht Geduld am Wochenmarkt. Die Kunden stehen artig mit großem Abstand in der Schlange vor dem Verkaufswagen einer Rottaler Metzgerin. Zwei SchlĂ€ge der Domuhr verkĂŒnden „halb zehn“. Timon ist in Gedanken, der Mann vor ihm wird nervös, denn er ist zu nahe aufgerĂŒckt. „Wie hĂ€tten Sie das GerĂ€ucherte gern geschnitten?“, fragt die VerkĂ€uferin. Sie packt dem Studenten zum Schluss eine extradicke Scheibe LeberkĂ€se und einen Viertelring KĂ€sewurst als Gratiszugabe in die TĂŒte. Die Domuhr schlĂ€gt wieder zweimal. Eine Stunde hat dieser Einkauf gedauert.

Ein Ehepaar, beide hellgrĂŒne OP-Masken, tritt ins Rechteck der KiesflĂ€che, das die Verkaufswagen bilden. „Kein Foto bitte!“, deuten sie dem Reporter mit den HĂ€nden an. Zwei Frauen, vermummt mit farbenfrohen, selbstgenĂ€hten Stoffmasken, warten am KĂ€sestand. Ansonsten ist die Mund-Nasen-Bedeckung unter den Dutzenden Kunden am Wochenmarkt eher selten zu sehen. „Heute halten wir Abstand!“, begrĂŒĂŸt eine Wochenmarktfrau lachend einen Mann, den sie offenbar als Stammkunde kennt. Ein Typ Mitte 40 mit hoher Stirn und brauner Jacke geht mit einem gelben Meterstab durch die Reihen, klappt ihn auf und misst die Entfernungen zu seinen Mitmenschen. Seine Freunde amĂŒsieren sich.

Das Speiseeisangebot, das kaum einer liest
Das Thermometer klettert auf 13 Grad. Das Pflaster der Steiningergasse wĂ€re an solch sonnigen Samstagen normalerweise bedeckt von Menschentrauben. Am Rindermarkt wĂŒrden MĂŒĂŸiggĂ€ngerinnen in den Sesseln vor einer Straßenbar Prosecco-Aperol schlĂŒrfen, die ersten Touristen mit gezĂŒcktem Handy die Gassen erkunden. Nichts von alledem. Als die Sonnenstrahlen den Morgendunst vertrieben haben und die Steine warmkĂŒssen, bleiben die beliebten Treffpunkte menschenleer. Ein Konditor hat eine große Tafel vor die TĂŒr gestellt, die den Betrachter auf FrĂŒhling einstimmen soll. Mit Kreideschrift zĂ€hlt er seine Eissorten auf, die er in der EiskĂŒhltheke gleich hinter der offenstehenden EingangstĂŒr feilbietet. Die Eistafel starrt ins Leere.

Hochbetrieb auf Baustellen
Kontaktsperren gelten nicht fĂŒr das Handwerk. Im Vergleich zur ĂŒbrigen Wirtschaft herrscht Hochbetrieb. Baumaschinen werkelten am Freitag auf dem PeschlgelĂ€nde. Im Schatten des Stephansdomes versammeln sich am Samstag ein Dutzend MĂ€nner in blaugrauen Latzhosen, Monteure einer Heizungsfirma. 1,5 Millionen Euro investiert das Bistum Passau heuer in die Innensanierung: Elek­tro­in­stal­la­ti­on und Beleuch­tung, Brandschutz nach dem SacrĂ©-Coeur-Drama in Paris. Gottesdienste und Orgelkonzerte nicht zu stören, war eine Herausforderung fĂŒr die Handwerker. Sie ist durch die Corona-Sperre der Kirchen hinfĂ€llig geworden.

Geschlossene Grenzen? Nicht fĂŒr österreichischer Bauunternehmer. Sie karren auf Tiefladern schweres GerĂ€t nach Passau. Damit BauantrĂ€ge durch die Corona-Sitzungspausen nicht liegen bleiben, werden im Notstand Texte neu verfasst, Bauvorhaben von Behörden auf schriftlichem Wege durchgewunken. In allen Behörden? „In Passau werden dringliche Sache im Ferienausschuss behandelt“, sagt Pressesprecherin Karin Schmeller auf Anfrage. "Ferienausschuss" ist die auf die Zahl des Ferienausschusses begrenzte Notstadtratsitzung in der Corona-Krise: zwölf StadtrĂ€te und der OberbĂŒrgermeister.

In der Nagelschmiedgasse vertreibt eine Frau um die 70 das Nichtstun mit Sinnvollem, sie befreit mit einem Besen, der an einem zwei Meter langem VerlĂ€ngerungsstiel steckt, die stockwerkhohen Schaufenster eines GeschĂ€ftshauses von Spinnweben. 

Viel Platz fĂŒr Radler
Die Radfahrer, die ĂŒber die MarienbrĂŒcke radeln, haben freie Fahrt und viel Platz. Die wenigen Autos und Lieferwagen weichen ihnen im weiten Bogen aus, kein Gegenverkehr.

Leere Straßen verfĂŒhren
Der Fahrer eines schwarzen, laut dröhnenden Pick-up-Monsters und der eines roten, tiefergelegten BMW mit Doppelrohrauspuff, sehen in der Krise andere Vorteile. Die weithin autofreie Regensburger Straße wird ihre private Rennstrecke. Tempo 70? Bei diesem schwachen Verkehrsaufkommen hat die Verkehrspolizei sicher Besseres zu tun, als Radarkontrollen aufzustellen.

Wer schneidet wem die Haare?
In den Wohngemeinschaften und Familien stellen sich neue Herausforderungen: Wer schneidet wem die Haare? MĂ€nner greifen mutig zur Maschine. Sechs Millimeter. Pflegeleicht. Alleinstehende Rentnerinnen leiden darunter, dass der Friseurbesuch ausfĂ€llt. Den Blick in den Spiegel ertragen sie nicht, empfinden die Situation als wĂŒrdelos. Tipp: Trockenshampoo. Ein Schweizer Produkt, ein Pulver, das nur natĂŒrliche Bestandteile enthĂ€lt und entfettet, fĂŒhrt die Bewertungslisten an.

Reaktionen auf aktuelle BB-Ausgabe
Auf Twitter schreibt ein BB-Abonnent: „War heute schon im Briefkasten. Meinen Respekt, unter diesen UmstĂ€nden so ein dickes Magazin zu produzieren.“

Ein Steuerberater schreibt als Reaktion auf die aktuelle BB-Ausgabe per SMS: „Ohne funktionierende Wirtschaft gibt es zumindest mittelfristig kein Gesundheitswesen, das Alte und Kranke versorgt und es den Menschen ermöglicht, 87 Jahre und Ă€lter zu werden“ Ein grundsĂ€tzliche Verteufelung der Wirtschaft sei zwar in einigen Kreisen gerade sehr angesagt, aber „besonders intelligent ist es nicht.“ Der BB-Herausgeber hat in seinem aktuellen Editorial die Lage seiner angeblich 87-jĂ€hrigen Mutter geschildert. Reaktion von seiner Mutter bekam dieser inzwischen auch. „Mein lieber Sohn, Du hast mich jĂŒnger gemacht. Ich werde dieses Jahr 89.“ 

Großplakate gehen ins Leere
Ein Baustoffhandel kĂŒndigt auf Großplakaten die Eröffnung seines neuen Centers an. Die Werbung hat sich wohl nicht stornieren lassen, sie geht ins Leere.

JubilÀumsfeier abgesagt
Rechtzeitig storniert hat ein BuchhĂ€ndler die Feier zum 200-jĂ€hrigen JubilĂ€um seines Betriebs. Ein Ausflugsschiff war fĂŒr den Festakt gebucht. Als er vorausschauend den Termin stornierte, habe der Reeder verstĂ€ndnislos reagiert, der Kunde sei ĂŒbervorsichtig. Bald stellte sich heraus, die JubilĂ€umsfahrt wĂ€re in die Zeit der Kontaktsperre gefallen.

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Freitag, 3. April, 14. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 36. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Zahl der registrierten Corona-Infizierten ist im Stadgebiet sprunghaft angestiegen: plus 23 auf 78. Mit 150 Infizierten je 100.000 Einwohne wurde der bayerische Durchschnitt erreicht. 

Die Corona-Lage im Klinikum:

  • sechs Patienten werden kĂŒnstlich beamtet
  • zwei Patienten werden behandelt auf der Intensivstation
  • fĂŒnfzehn Patienten sind in stationĂ€r Behandlung auf der Islorstation

Die Corona-Lage in den Passauer Altenheimen:

  1. "Rosenium" in Grubweg: zehn Bewohner und fĂŒnf Mitarbeiter infiziert; ein Todesfall
  2. "Residenz" Neustift: zwei Bewohner und drei Mitarbeiter infiziert
  3. Malteserheim "St. Nikola": ein Bewohner und ein Mitarbeiter infiziert
  4. "Jesuitenschlössl" Innstadt: ein Bewohner infiziert.

Damit stehen 23 der 78 Passauer Corona-FĂ€lle in Verbindung mit Altenheimen.


Lufthansa: Notlandung im Reichstag?
Kehrt die Lufthansa zurĂŒck in den Schoß des Staates? Das deutsche Flugunternehmen hat in der Corona-Krise 90 Prozent seiner FlĂŒge eingestellt, schließt eine staatliche Beteiligung nicht mehr aus. Seit 23 Jahren ist die Lufthansa vollstĂ€ndig privatisiert, bis 1963 war sie vollumfĂ€nglich in Staatsbesitz.

Wie schaut es aus mit Abstandhalten in den Stadtbussen?
Eine Rathaussprecherin bestĂ€tigt, dass der Fahrplan seit Tagen auf Samstagsbetrieb umgestellt worden sei. Man werde den Takt weiter reduzieren, denn die Auslastung sei gering. Zu den Stoßzeiten morgens mittags und abends, wenn etwas mehr los ist, seien Gelenkbusse eingesetzt, genug Platz zum Abstandhalten.

Stichprobe, Blick auf einen Bus, der die SchanzlbrĂŒcke mit dem Ziel nördlicher Landkreis quert: fĂŒnf Passagiere, ein junger Mann in der letzten Reihe, eine Frau in der ersten und die anderen verteilen sich mit Abstand in der Mitte. Es scheint vorbildlich zu funktionieren. HĂ€ufig sind Stadtbusse zu sehen, die ĂŒberhaupt keine FahrgĂ€ste befördern.

Zusammengepfercht im Minibus
Blick ĂŒber den Tellerrand: In Kapstadt, der Hauptstadt SĂŒdafrikas, scheinen ein halbes Dutzend Familien, welche mit ihren weißen Minibussen das Monopol ĂŒber den Nahverkehr haben, sehr einflussreich zu sein. Trotz der strengen Ausgangssperren und Versammlungsverbote, obwohl die FahrgĂ€ste hier dicht gedrĂ€ngt auf TuchfĂŒhlung unterwegs sind, lĂ€uft ihr Betrieb offensichtlich mit staatlicher Genehmigung uneingeschrĂ€nkt weiter. Corona entlarvt, wo der Abstand zwischen Regierung und Wirtschaft nicht passt.

Immer mehr Restaurants versuchen mit Abholservice die Zwangspause zu ĂŒberbrĂŒcken.
Die InnstĂ€dter Pizzeria „venti tre“ hat mannshohe Aufsteller an die Straßen gestellt, plakatiert mit Klebeband an LitfaßsĂ€ulen. Bei anderen Wirten, zum Beispiel dem Feinschmeckerlokal „Pasta e vino“, muss der VorĂŒbergehende ganz genau auf den Aushang blicken, um vom Abholservice zu fahren. Die Lokale bieten Essen zum Abholen meist zu den ĂŒblichen Öffnungszeiten an. Hier wird nachgetragen. Hinweise an: bestelokale@buergerblick.de. Hinzugekommen, das "Duftleben" in der Theresienstraße.

Mit einem zweisprachigen Aushang, englisch und deutsch, erklĂ€rt die Stadt, warum der Zutritt zu Spielplatz und Park an der Innpromenade mit rot-weißem Absperrband verboten worden ist.

Mehr hÀusliche Gewalt?
Das entschleunigte Leben entspannt auch die Lage bei der Polizei. Weniger EinsĂ€tze. Aber wie sieht es mit der Zunahme derjenigen Delikte aus, die mit dem ungewohnten engen Zusammenleben tun haben, hĂ€usliche Gewalt? Streiten Ehepartnern sich öfter sich bis aufs Blut, handfester Krach zwischen Kindern und Eltern? „Bislang bemerken wir nichts“, sagt ein Polizeipressesprecher.

Dickes Lob an die Post
Die BB-Exemplare, die wir am Donnerstag 16 Uhr an der Zentralpost in der GrĂŒnaustraße eingeliefert haben, landeten bereits heute in den Passauer BriefkĂ€sten. „Bei uns ist es ebenso ruhiger geworden“, sagt ein Mitarbeiter vom Verteilungszentrum in Straubing. Vermutung des Autors: In der Krise halten sich die Menschen mit EinkĂ€ufen im Netz zurĂŒck, das GeschĂ€ftsleben ruht und mit ihm die GeschĂ€ftspost.

Nachdenken in der Corona-Krise: WĂ€re nicht eine Neustruktuierung der Post- und Paketdienste ĂŒberfĂ€llig? Die freie Markt mit seinen verschiedenen Anbietern hat Preiskampf und unfaire Löhne geschaffen, erzeugt unnötigen Stadtverkehr. Warum wird wenigstens am Ende der Kette nicht ein Zusteller je Stadtteil benannt. Der kennt sein Viertel wie seine Westentasche. Jetzt sind es viele und immer wieder neue Zusteller, Unwissende. UPS, Hermes, Pressepost, Deutscher Paketdienst - wenigstens am Endepunkt könnte alles in eine Hand gegeben werden.      

Die Kooperation zwischen BB und „BĂŒcher Pustet“ klappt hervorragend.
„Wir haben heute schon einen Schwung BĂŒrgerblick zur Post gebracht“, sagt GeschĂ€ftsfĂŒhrer Michael Henkel. Wer ein Einzelexemplar der historischen Ausgabe in Krisenzeiten möchte, kann per E-Mail (passau@pustet.de) oder telefonisch bestellen. Zum Kioskpreis ohne Versandkosten. Das aktuelle Heft trĂ€gt die Nummer 134. Die Logistik des BuchhĂ€ndlers ist fĂŒr unser Magazin eine große Hilfe. Es brauchte erst die Krise, um das zu erkennen. Wer jetzt BĂŒrgerblick abonniert, sichtet die Existenz  eines alternativen BlĂ€ttchens, das seit 15 Jahren die Medienvielfalt bedient.

 

Corona-Schutz: Mehr Busse und Bahnwaggons, damit die Passagiere Abstand halten können!
Heute morgen die Warnung vom Robert-Koch-Institut: „Es ist sehr wichtig, dass in den öffentlichen Verkehrsmitteln Abstand gehalten werden kann“, sagt PrĂ€sident Lothar Wieler. Es sei dafĂŒr zu sorgen, dass es dort keine Menschenansammlung gibt. Deshalb empfiehlt er: die Taktung erhöhen, mehr Waggons in den ZĂŒgen, damit sich die Passagiere aus dem Weg gehen können.

In Deutschland hat die Zahl der Todesopfer die 1000er-Marke ĂŒberschritten. Im bundesweiten Durchschnitt sind 96 Infizierte je 100.000 Einwohner registriert, Bayern liegt bei der Durchseuchung (Inzidenz) an der Spitze mit 155; der JĂŒngste Corona-Tote war 28 Jahre alt; 55 Tote waren jĂŒnger als 60; 89 Tote waren zwischen 60 und 69 Jahre alt.

RKI-PrÀsident: Dunkelziffer bei Corona-Toten
Die Zahl der tatsÀchlichen TodesfÀlle werde unterschÀtzt, sagte Wieler. "Es werden eher mehr an Covid-19 sterben als registriert sind". Man werde bei den Toten (Anm. d. Red.: zum Beispiel bei hÀuslich Verstorbenen) mit den Tests nicht immer nachkommen, teilweise bei den Obduktionen den Nachweis nicht mehr erbringen können. Wieler geht deshalb davon aus, dass es also mehr Tote gibt als offiziell gemeldet.

Anmerkung: Die Krankheit, die das Virus auslöst wird als "Covid-19" bezeichnet. 

Die Pressestellen der Kommunen betonen oft, dass der Corona-Tote "Vorerkrankungen" hatte, der Tod "im Zusammenhang" mit Corona erfolgt sei. Diese Mitteilungen werden von Krisenkritikern herangezogen, dass Corona in Wahrheit weniger gefĂ€hrlich sei. Wieler widerspricht heute: Die Sterberate in Deutschland werde weiter steigen. Sie liegt derzeit gemessen an den registrierten Infizierten bei 1,2 Prozent. 

Landestheater verschiebt Wagner-Oper
Das Opernhaus ist seit 11. MÀrz geschlossen, seit dem 20. MÀrz können Theaterleute und Musiker wegen der Kontaktsperre nicht mehr proben. Deshalb werden Produktionen in das nÀchste Jahr verschoben:

  • Wagner-Oper „WalkĂŒre“
  • Vivaldi-Oper „Herkules am Thermodon“

Die SchauspielstĂŒcke „Westend“ und „Ungeduld des Herzens“ ganz ausfallen oder im nĂ€chsten Jahr nachgeholt werden, ist noch offen. Bei der Wagner-Reihe “Der Ring des Nibelungen“ verschieben sich entsprechend auch die FolgestĂŒcke: „Siegfried“ auf das Jahr 2022 und „Die GötterdĂ€mmerung“ auf das Jahr 2023.

Alles andere, wie zum Beispiel die Burgfestspiele, liegt noch in der Schwebe.

Geheimes Corona-Krisentreffen im Rathaus
Wie jetzt bekannt wurde, hat der Ferienausschuss des Passauer Stadtrates am 25. MĂ€rz in einer geheimen Sitzung getagt. um ĂŒber Corona, die Lage und die Prognosen zu beraten. An dieser Sitzung durften nur die FraktionsfĂŒhrer teilnehmen. Warum geheim, zumal hier keine Persönlichkeitsrechte oder geschĂŒtzte Belange besprochen werden? Die Öffentlichkeit soll möglicherweise vor Wahrheiten geschĂŒtzt werden, die zur Beunruhigung, zur Panik fĂŒhren könnten? Beispielsweise darĂŒber, wie lange es wirklich dauert, bis diese Seuche ĂŒberstanden ist. Es wird befĂŒrchtet, dass es sich mehrere Monate hinziehen könnte, Optimisten schĂ€tzen bis Ende Mai. 

In China begann man nach etwa drei Monaten schrittweise zu einem geregelten Leben zurĂŒckzukehren.

Sport: Die Spitzenfußballer bangen um ihre Zukunft. Im Juni laufen viele VertrĂ€ge aus.

Das Robert-Koch-Institut ist von seiner Haltung abgerĂŒckt, dass eine "Voksmaske" ĂŒberhaupt nichts nĂŒtze. 

  • Viele sind infiziert ohne es zu wissen; eine Maske schĂŒtzt das GegenĂŒber um umgekehrt, ist also besser als nichts.
  • Wenn im Freien Masken getragen werden, wird die Gefahr fĂŒr die Menschen permanent sichtbar, dies unterstĂŒtzt diszipliniertes Verhalten. Umgekehrt sollte man sich deshalb keinesfalls in Sicherheit wiegen.
  • Auch mit Maske gilt: Hygieneregeln und Abstand einhalten.

Die Sorge der Politiker, dass die Bevölkerung dem medizinischen Personal die Masken wegnimmt, ist unberechtigt. Man muss unterscheiden: Dort die lizenzierten Virenfiltermasken fĂŒr Ärzte und Pfleger, da die oft selbstgenĂ€hten oder mittlerweile von vielen Schneidereien angebotenen BaumwolltĂŒcher. Dass Ärzte in der Not sich selbst Stoffmasken nĂ€hen, gehört allerdings auch zur Wahrheit des Mangels. 

  • Die Stoffmasken sollten gewechselt werden, wenn sie durchfeuchtet sind
  • Vor Wiederverwendung genĂŒgt es, sie mit Seife (wie die HĂ€nde) gut zu waschen. Viren sind keine Bakterien, deshalb ist auskochen nicht notwendig.

Corona-Schnelltest entwickelt
Den Forschern ist zusammen mit Wissenschaftlern aus Leipzig ein Durchbruch gelungen. Ein Schnelltest, ein Tropfen Blut auf einem Teststreifen lĂ€sst erkennen: Habe ich eine Coronavirus-Infektion bereits hinter mir, bin ich immun? Erkrankte, mit und ohne Symptome, bilden im Blut sogenannte Antikörper, die nachweisbar sind. Wenn der Test massentauglich werden sollte, wĂ€re das ein hilfreicher Schritt. Der Selbsttest zeigt, wer Corona ĂŒberstanden hat und sich in das normale Leben wieder eingliedern kann. Vor allem an der Front des medizinischen Personals wĂ€re dieser Test eine große Hilfe. Vorsicht: Derzeit sollen GeschĂ€ftemacher nicht ausgereifte Schnelltests anbieten!

***

Donnnerstag, 2. April, 13. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 35. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Lage in Stadt und Land
Die Zahl der InfektionsfÀlle hat sich in der Stadt um 3 auf 57, im Landkreis um 19 FÀlle auf 194. Stadt und Land haben damit eine registrierte Durchseuchung von mindestens 1 Person je 100.000 Einwohner.
Eine 95-jĂ€hrige Frau wird im Stadtgebiet als das zweite Todesiopfer registriert. 

Klinikum werden 20 Corona-Patienten behandelt, davon werden 5 kĂŒnstlich beatmet.

Soldaten testen Corona-App
Die Bundeswehr testet die Corona-App, die zum Einsatz kommen soll. Sie zeichnet auf, wer wann wo mit dem Kontakt hatte. Die persönlichen Daten bleiben anonym. Stellt sich heraus, dass man in der Umgebung eines Infizierten war und Ansteckungsgefahr droht, erfolgt eine Warnung per SMS. Die Teilnahme ist freiwillig. Kannst du den Merkel sagt, sie wĂŒrde diese App auch benutzen. 

BĂŒrgerblick erscheint mit Corona-Chronik
Das Lokalmagazin BĂŒrgerblick ist trotz der Krise - Einbruch der Werbewirtschaft - auf den Markt gekommen. Die "Notausgabe" ist umfangreicher als normal, 74 statt 60 Seiten. Kostenlose AnzeigenblĂ€tter wie "Wochenblatt" und "Am Sonntag" sind vorĂŒbergehend eingestellt worden, das Gastromagazin "Pasta!" hat auch ausgesetzt.

***

Mittwoch, 1. April, 12. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 34. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Laut Bayerischem Gesundheitsministerium liegt die TestkapazitÀt bei 13.000 am Tag. Mehr als 110.000 Testergebnisse liegen mittlerweile vor, davon fielen statistisch gesehen 8,7 Prozent positiv aus.

Der Landkreis Passau meldet um 17 Uhr, dass sich die TodesfĂ€lle statistisch heute um zwei weitere auf fĂŒnf erhöht haben.
Im Klinikum Passau starb ein 65-jĂ€hriger Corona-Patient, der kĂŒnstlich beamtet worden ist. Ein weiterer LandkreisbĂŒrger, 70, positiv auf Corona getestet, erlag in einer "auswĂ€rtigen Klinik", wie es heißt, einem Herzinfarkt. RĂŒckfragen sind nicht möglich, da der Pressesprecher die Mitteilung abgesetzt und sich dann verabschiedet hat. Insgesamt sind im Landkreis 32 neue FĂ€lle registriert worden, damit aktuell 175. Somit sind 91 von 100.000 Einwohnern infiziert.

Die Lage in Passau: 55 Corona-Infizierte (plus 3).  Im Klinikum Passau werden 22 Patienten, auch von außerhalb, behandelt; davon fĂŒnf kĂŒnstlich beatmet und einer auf der Intensivstation. Die Situation in den Altenheimen wurde aktualsiert (siehe weiter unten).

Verpflegungszuschuss fĂŒr PflegekrĂ€fte
Das Virus schenkt ein klein bisschen Lohngerechtigkeit. Wie Gesundheitsministerin Melanie Huml mittags der Presse mitteilt, erhalten ab sofort alle bayerischen PflegekrĂ€fte einen tĂ€glichen Zuschuss von 6,50 Euroa fĂŒr Verpflegung. Das Geld wird dem "Sonderfond Conrona-Pandemie" entnommen. Diese Zuwendung gilt fĂŒr alle Einrichtungen, vom Altenheim bis zum Klinikum; sie schließt alle Mitwirkenden ein, von der medizinischen Assistentin ĂŒber den Verwaltungsangestellten bis zur Reinigungsfrau.

Drei Corona-Tote im Landkreis
Das Landratsamt Passau teilt mittags mit, dass im Krankenhaus Vilshofen ein 79-jĂ€hriger Corona-Patient verstorben ist; der dritte registrierte Tote im Landkreis in der Corona-Krise. Wie das Gesundheitsamt auf Anfrage mitteilt, werden posthum auf Corona positiv getestete Verstorbene nicht in die Statistik aufgenommen, wenn die Todesursache eindeutig anders gelagert ist; wie etwa Tod durch Unfallverletzungen oder Blinddarmdurchbruch.    

Dienstag, 31. MÀrz, 11. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 33. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Zur Ruhe kommen. Nachdenken. Über sich selbst. NĂ€her seiner Familie sein. Das Wesentliche entdecken. Das sind Stimmen, die der Reporter von Menschen aus der QuarantĂ€ne wahrnimmt. Manche empfinden es, als wĂ€ren sie aus ihrem Hamsterrad gestoßen worden. Erst empört darĂŒber, dann die Augen öffnend und sich gewahr werdend, dass es da noch was anderes gibt. Leben. Das alte, rastlose war wie eine Flucht. Ob es anhĂ€lt? "Wir werden daraus lernen und uns neu ausrichten", sehen viele optimistisch in die Zukunft. Ob es gelingt? 

Auch das wird wahrgenommen: Das erste Mal hören Politiker wachsam auf die Wissenschaft - und sind taub auf dem Ohr der WirtschaftsflĂŒsterer. Das Virus verwirklicht fĂŒr einen Moment, was die junge Klimaschutzbewegung sich in ihren kĂŒhnsten TrĂ€umen nicht hĂ€tte vorstellen können: Flugzeuge bleiben am Boden, die Kreuzfahrt liegt still und der SUV bleibt in der Garage.

Dieses Video, aus dem Italienischen ĂŒbersetzt, mag vielleicht ein bisschen kitschig sein, aber es trifft bei vielen Leuten den Nerv. "Ein Brief von Covid-19", wie es der unbekannte Autor nennt.
Die Nachrichtenlage finden Sie weiter unten.

Bitte nehmen Sie die QuarantĂ€ne Zuhause und Abstandhalten im Freien sehr ernst oder sprechen Sie ihre Mitmenschen darauf an, wenn diese glauben, es nicht ernst nehmen zu mĂŒssen. Bayern befindet sich erst am Anfang dieses Seuchengeschehens. Jeder einzelne kann seinen Beitrag leisten, wenn er sich und andere schĂŒtzt. Viele tragen keine Symptome und wissen ĂŒberhaupt nicht, dass sie ansteckend sind. Man muss von einer hohen Dunkelziffer ausgehen.

%PIC16611%Corona-Infektionen in mittlerweile drei Passauer Altenheimen haben den OberbĂŒrgermeister zu neuen "AllgemeinverfĂŒgungen" veranlasst, um diese besonders gefĂ€hrdeten Stadtbewohner zu schĂŒtzen.

  • Die Bewohner dĂŒrfen das GelĂ€nde nur aus "triftigem Grund" zwischen 7 und 9 Uhr und von 13 bis 15 Uhr verlassen.
  • Ausgang und RĂŒckkehr sind von der Heimleitung schriftlich zu dokumentieren
  • Neue Bewohner dĂŒrfen nur aufgenommen werden, wenn eine zweiwöchige QuarantĂ€ne gewĂ€hrleistet werden kann
  • Altenheimmitarbeiter sollen die Kontakte zu Kollegen und Bewohnern auf ein Mindestmaß beschrĂ€nken; falls dies organisatorisch nicht möglich ist, besteht Maskenpflicht
  • Altenheimbetreiber mĂŒssen bis spĂ€testens 5. April einen Notfallplan vorlegen, wie sie in einem Coronafall verfahren.
  • FĂŒr jedes Altenheim muss ein Seuchenbeauftragter benannt werden

Mit diesen FĂ€llen haben die Mitarbeiter vom Gesundheitsamt und Ärzte in Passau zu kĂ€mpfen:

  • 1. Altenheim Rosenium Grubweg1: zehn infizierte Bewohner, davon einer verstorben; ein Mitarbeiter
  • 2. Altenheim Seniorenresidenz Neustift: ein infizierter Mitarbeiter
  • 3. Altenheim St. Nikola: einr infizierte Mitarbeiterin und eine infizierte Bewohnerin (neu)
  • 4. Altenheim Jesuitenschlössl: ein infizierter Bewohner (neu)

Insgesamt haben sich die CoronafÀlle heute um 7 auf insgesamt 52 FÀlle erhöht. Damit liegt die "Durchseuchung" in der Stadt exakt bei einer Person je 1.000 Einwohner.

Die 87-jĂ€hrige Mutter des Reporters hat angerufen. "Kannst Du mir bitte eine Maske besorgen?" Sie hat die Nachrichten aus Österreich gesehen. Es werde bei uns doch auch bald Pflicht werden und sie möchte auf ihren tĂ€glichen kleinen Spaziergang nicht verzichten. Sie wird morgen eine FFP3-Maske mit dem gefĂŒllten Einkaufskorb bekommen. Der Reporter hat in seiner CampingausrĂŒstung welche gefunden, aus der Vogelgrippezeit.

Im Landkreis Passau hat sich heute die Zahl der registrierten Infektion um 23 auf 154 erhöht.


Die SĂŒddeutsche Zeitung meldet, dass Bayern nach der Lockerung der AusgangsbeschrĂ€nkungen die Maskenpflicht einfĂŒhren will. Eine Notproduktion von 1 Million Masken je Tag soll mit einheimischen Firmen aufgebaut werden. Auch in Bayern hergestellte Beatmungsmaschinen sind in Planung.

Die medizinische Lage in Passau: Im Klinikum Passau werden derzeit sieben Coronavirus-Patienten, der jĂŒngste 50 Jahre alt, kĂŒnstlich beatmet. Weitere siebzehn Corona-Erkrankte liegen auf der Isolierstation stationĂ€r. 

Es handelt sich bei den beatmeten Corona-Patienten an den BeamtungsgerĂ€ten nicht, wie man vermuten möchte, um infizierte Bewohner aus einem Altenheim in Grubweg, sondern um andere Patienten ab 50 Jahre; manche kommen auch von außerhalb des Stadtgebiets.

Im Grubweger Altenheim war die Seuche eingeschleppt worden, zehn Rentnerinnen und Rentner haben sich angesteckt, ein Mann starb.

%PIC16610%"Es gibt keine Alternative zur QuarantĂ€ne", spricht sich der fĂŒr die Corona-Seuche bestellte Passauer Versorgungsarzt Armin Spechter fĂŒr die AusgangsbeschrĂ€nkungen aus. Der Blick in die Intensivstation am Klinikum Passau zeige, wie wichtig diese Maßnahme sei.

Wie viele Masken und Schutzbekleidungen hat Spechter in der Gemeinschaftspraxis? Er schĂ€tzt 20 StĂŒck. Seine Tochter arbeite im selben Beruf, sei unterwegs, um bei Coronavirus-VerdĂ€chtigen Abstriche zu nehmen, erzĂ€hlt er. In seiner Hausarztpraxis hat er spezielle Sprechstunden fĂŒr Infektionserkrankugen eingefĂŒhrt, damit Kontakte mit den anderen Patienten ausgeschlossen sind.

Welche positiven Aussichten gibt es? Vielleicht könnte man im Mai beginnen, eine neue Testreihe einzufĂŒhren: Wie weit ist die Durchseuchung vorangeschnitten, welche BĂŒrger haben ImmunitĂ€t entwickelt und können wieder in den normalen Alltag zurĂŒckkehren? Diesen Aspekt zu untersuchen, sei vor allem fĂŒr das Ă€rztliche Personal wichtig. Noch seien die Labore nicht in die Lage, die gebildeten Antikörper nachzuweisen. Zeit und Geduld haben, so lernt der Mensch in Seuchenzeiten, sind neue Werte.

Im Katastrophenfall ist der Versorgungsarzt dafĂŒr zustĂ€ndig, die ambulante Betreung der Stadtbevölkerung zu sichernt:  rund 30 HausĂ€rzte, 20 FachĂ€rzte, 30 ZahnĂ€rzte und eine handvoll Psychologen.

Minister PrĂ€sident Söder sagt, dass Maskenpflicht in Bayern erst mal kein Thema sein. Wichtiger sei es, das medizinische Personal zu versorgen. 

Was soll man in einem Land auch anderes sagen, wenn Schutzmasken Mangelware sind?

Die Ansteckungswelle in Bayern, so Söder gestern, scheint etwas gebremst zu laufen. Die Zahl der registrierten Infizierten verdoppelte sich zuletzt alle 2,6 Tage, jetzt dauert es 5. Die ersten Auswirkungen der AusgangsbeschrÀnkungen?

Paketboten mit Masken
11.20 Uhr: An der HaustpĂŒr klingelt ein Paketbote, der fĂŒr den Nachbarn etwas abgeben will: Er hĂ€lt drei Meter Abstand, trĂ€gt OP-Maske; ein osteuropĂ€ischer Mann um die 50.

Fußball mit Pappkameraden als Zuschauer
Der Fußball und seine Partner suchen sich in der Corona-Publikumspause neue GeschĂ€ftsmodelle: Jeder kann sich als Pappkamerad im Stadion aufstellen lassen. Foto einschicken, kostet 19 Euro. So wird es diskutiert bei „Borussia Mönchengladbach“. Abgeschaut in USA, den Basketballern in Lincoln.

In Rimini hat ein 101-jĂ€hriger die Coronaerkrankung ĂŒberlebt. Das berichtet der BĂŒrgermeister der Presse. Unbeschadet erlebt hat der GlĂŒckliche bereits die Spanische Grippe und den Weltkrieg. 

QuarantÀne im Feuerwehrhaus
Die Feuerwehrleute in Bergen auf der Insel RĂŒgen habe sich nach einem negativen Coronatest zu einem freiwilligen Schritt entschlossen, um vermeiden, sich anzustecken und jederzeit einsatzbereit zu sein: Sie quartierten sich geschlossen im GerĂ€tehaus ein, zwei Wochen ohne Freunde und Familie. Bekannt wurde dies, weil QuarantĂ€ne-Kanzlerin Merkel sich mit einem persönlichen Anruf bei den Feuerwehrleuten ihres Wahlkreises nach dem Befinden erkundigen wollte.

GrĂŒnen-Stadtrat als Krisenarzt bestellt
Zum „Versorgungsarzt“ in der Corona-Seuche
hat OberbĂŒrgermeister JĂŒrgen Dupper den fĂŒr die GrĂŒnen in den Passauer Stadtrat gewĂ€hlten 52-jĂ€hrigen Arzt Dr. Achim Spechter (7.092 Stimmen) bestellt. Der Internist betreibt seit 14 Jahren eine Hausarztpraxis, ist niedergelassen in der Neuen Mitte.

***

Montag, 30. MÀrz, 10. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 32. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Österreich ab Mittwoch Maskenpflicht
Kanzler Kurz lĂ€sst ab Mittwoch in allen SupermĂ€rkten Masken ausgeben. "Ab diesem Zeitpunkt ist es Pflicht, diese beim Einkauf zu tragen", schreibt er. Einfache Masken sind kein Ersatz fĂŒr Abstandhalten, kein garantierter Virenschutz, aber schĂŒtzen andere und sich selbst. Es gibt vermutlich viele VirentrĂ€ger ohne Symptome, die bereits beim Sprechen infektiöse Speichelspritzer verteilen. Wer Maske trĂ€gt, kann sich selbst mit verseuchten HĂ€nden nicht infizieren, weil er sich nicht an Nase und Mund fassen kann. Zur Maske gehöre sinnvollerweise eine Brille, sagen Ärzte, weil der Erreger vor allem auch durch die Bindehaut ĂŒbertragen wird.

Selbst die gĂŒnstigen OP-Masken fĂŒr wenige Cent sind in Deutschland nicht erhĂ€ltlich. Viele NĂ€herinnen und Schneider wie in Passauerin Elke Burmeister produzieren jetzt Volksmasken in Eigenregie. "Die Maske könnte ein Modetrend werden, wenn sie hilft, umso besser?", sagt sie. Gut funktionieren Masken aus Baumwollstoff, die mit "selbst gebastelten Filtern vom Stausauger oder von Slipeinlagen" aufgerĂŒstet werden können, wie Burmeister weiß.

Dieser Redaktion liegen abenteuerliche Informationen vor: Eine Privatkinik hatte den Ärzten vor wenigen Tagen noch untersagt, keine Schutzmasken zu tragen. Es wĂŒrde "die Patienten verschrecken." Mittlerweile nĂ€hen sich Ärzte in selbst Baumwollmasken, die wiederverwendbar und auszukochen sind. Es sei bessser als nichts. Der Mangel an Masken und Schutzbekleidung ist die deutsche Krise in der Corona-Krise. Woher nimmt Österreich die Masken als Massenware fĂŒr die Bevölkerung?

Seuchengesetze fĂŒr HausmĂŒll in Kraft
In Haushalten, in denen CoronavirustrĂ€ger oder VirusverdĂ€chtiger wohnen, ist jeglicher Abfall, der normalerweise getrennt wird, in "möglichst reißfesten AbfallsĂ€cken" wie RestmĂŒll zu sammeln: Altpapier, BiomĂŒll, Verpackungen. Die SĂ€cke mĂŒssen gut verknoten oder zugebunden ĂŒber die RestmĂŒlltonne entsorgt werden. Jeglicher anderer Recyclingabfall (Glas, Elektro, Batterien) oder Pfandflaschen wird aufbewahrt und dann entsorgt, wenn die Isolation- oder QuarantĂ€nezeit der Bewohner zu Ende ist. FĂŒr alle anderen BĂŒrger gilt das Gebot der Abfalltrennung. "Alle diese Maßnahmen sind richtig, aber viel zu spĂ€t", sagt ein Arzt. Die Maßnahmen gelten nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts.

Um 17.30 Uhr gibt das Landratsamt bekannt, dass die Zahl der Infizierten sich um 3 auf 120 FĂ€lle erhöht hat. Die Infektionsrate liegt bei 63 Einwohner je 100.000 Einwohner- 

In Ungarn hat PrĂ€sident Urban die Corona-Krise missbraucht, um mit Notstandsgesetzen die Macht entgĂŒltig an sich zu reißen. Er prangert letzten freien Medien an, in der Krise von der Bevölkerung Geld zu schnorren. Journalisten, die "Falschnachrichten" verbreiteten, drohe GefĂ€ngnis. Die Schere im Kopf werde wirken, sagt ein Kommentator des Bayerischen Rundfunks.

Versorgungsarzt fĂŒr Stadtgebiet eingesetzt
Neue Anweisung aus dem Ministerium: Die Kommunen mĂŒssen einen "Versorgungsarzt" benennen, der in der BekĂ€mpfung der Seuche dafĂŒr sorgt, dass ausreichend Ärzte, SchutzausrĂŒstung und Medikamente vorhanden sind. 

"Ich bin ĂŒberrascht wie viele Leute auf der Straße unterwegs sind", sagt ein Mediziner. In der Passauer Innenstadt und im Bahnhofsviertel sei kaum etwas von den AusgangbeschrĂ€nkungen zu bemerken. Die Supermarktangestellten seien nervös bemĂŒht Abstand zu halten; die Einkaufenden eher unbekĂŒmmert. Warum Paare gemeinsam einkaufen gehen, verstehe er nicht. Jugendliche, die zu viert und fĂŒnf unterwegs sind, seien keine Seltenheit. An den Kassen sind Bodenmarkierungen angebracht, damit Mindestabstand gehalten wird. "WĂ€hrend die Frauen sich penibel daran halten, oft mehr als zwei Meter, nehmen die MĂ€nner es eher lĂ€ssig."

MinisterprÀsident Markus Söder hat die aktuellen AusgangsbeschrÀnkungen bis 19. April verlÀngert.

Die Zahl der Corona-Infizierten Bewohner im Altenheim in Passau-Grubweg hat sich um drei auf zehn erhöht. Insgesamt gibt es sechs neue FĂ€lle. Im Klinikum Passau werden jetzt achtzehn Corona-Patienten behandelt, davon fĂŒnf an Beatmungsmaschinen und sieben auf der Intensivstation.

Allein die deutschen Arztpraxen benötigten in den kommenden Monaten mehr als 100 Millionen Schutzmasken, meldet die SĂŒddeutsche Zeitung. 

%PIC16500%Heute 18 Uhr: Debatte um Gesetze gegen HasskriminalitÀt im Internet
Wie groß ist in der Corona-Krise das Interesse an Live-Übertragungen von ehemals öffentlichen Veranstaltungen im Netz? Der Deutsche Journalistenverband und der Deutsche Anwaltverein werden heute eine Podiumsdiskussion mit Justizministerin Lamprecht zum neuen Gesetzpaket „Gegen HasskriminalitĂ€t“ ĂŒbertragen. Das Gesetzpaket ist umstritten, weil es in die Freiheitsrechte im Internet eingreifen könnte. „Richtiger Schritt oder falsche Richtung?“. Lamprecht wird den Gesetzentwurf vorstellen und danach wird sie mit Juristen und Journalisten darĂŒber diskutieren. www-alex-berlin.de/tv/livestream. Heute 18 bis 19.30 Uhr. www.alex-berlin.de/tv/livestream

Altenheime mĂŒssen Seuchenbeauftragte benennen
Nachdem sich die FĂ€lle mit infizierten Altenheimbewohner hĂ€ufen, diese Menschen besonders gefĂ€hrdet sind an COVID-19 grausam zu sterben, die ersten Todesserien sich in den Statistiken niederschlagen, hat Gesundheitsministerin Melanie Huml neue Anweisungen erlassen. Die Pflegeheime mĂŒssen einen Seuchenbeauftragten benennen, der die Ausbreitung protokolliert, dafĂŒr sorgt, dass Betroffene sofort isoliert und in Corona-Kliniken verlegt werden. Die Mitarbeiter von Pflegediensten und Angehörige, die Pflege leisten, können sich bei den rund einer zehn bayerischen Fachstellen telefonisch oder per E-Mail beraten lassen. 

AusgangsbeschrÀnkungen: 16 Anzeigen in Passau
Kein Nachtleben, keine Partys, keine alkoholisierten Gruppen, die sich prĂŒgeln könnten. „Es sind ruhige Zeiten fĂŒr uns“, sagt ein Passauer Polizeibeamter. Umso mehr können sich die KrĂ€fte darauf konzentrieren, die AusgangsbeschrĂ€nkungen zu kontrollieren. Die Beamten der Polizeistation Passau werden von Bereitschaftspolizisten unterstĂŒtzt. Am Wochenende stellten die Beamten 16 Anzeigen aus. Die VerstĂ¶ĂŸe: Menschen sind in kleinen Gruppen unterwegs oder zu zweit mit Mitgliedern aus fremden Haushalten; oder sie halten den Mindestabstand nicht ein. Die Bußgelder beginnen bei 150 Euro.

Bei der Verkehrspolizei wird die Ruhe in den tĂ€glichen Presse aus Sendung erkennbar. Immer hĂ€ufiger heißt es „Fehlanzeige“, keine Vorkommnisse.

Frischluftsuchende im Wald
Der Spaziergang an frischer Luft ist der neue Volkssport geworden. „Auf meinen Strecken im Neuburger Wald, wo ich frĂŒher maximal fĂŒnf Leute getroffen habe, begegneten mir jetzt fĂŒnfzig“, sagt ein 30-jĂ€hriger Mountainbiker aus Hacklberg.

Kurzarbeit im GetrÀnkehandel
Beim einem der grĂ¶ĂŸten GetrĂ€nkehĂ€ndler der Region sind die UmsĂ€tze angeblich um 30 Prozent zurĂŒckgegangen. Die Kunden der Gastronomie sind weggebrochen. Kurzarbeit. „Wenn das nicht bald aufhört, wird es schlimm“, sagt ein Mitarbeiter.

Gedruckter April-BĂŒrgerblick erscheint
Nach einem Kraftakt aller Mitwirkenden geht das April-Magazin BĂŒrgerblick Passau in Druck. Herausgeber und Grafiker hat sich in Heimarbeit abgewechselt, eine Handvoll Medienstudenten die Redaktion unterstĂŒtzt. 

Ab dem Tag, an dem erste COVID-19 Patient im Klinikum Passau eingeliefert worden ist, 3. MĂ€rz, hat der Journalist Hubert Jakob Denk von frĂŒh bis spĂ€t die Ereignisse und Nachrichten vor der HaustĂŒr und in der Welt aufgezeichnet. Sie sind auf diesem Nachrichtenlauf zu finden. Es waren nach 21 Tagen 100 DIN-A-Seiten. Mehr zum Magazin in KĂŒrze.

Die Corona-Krise mit all ihren Folgen lehrt uns, wie wichtig unabhĂ€ngiger, freiheitlicher Journalismus ist. Diese wichtige SĂ€ule der Demokratie darf nicht umfallen, wenn die Wirtschaft einbricht. Die Journalisten brauchen zahlende Leser und UnterstĂŒtzer. Hinter BĂŒrgerblick steht kein Verleger, sondern ein freier Journalist. Verlage haben teilweise auf Kurzarbeit umgestellt; GratisblĂ€tter, die vollumfĂ€nglich von der Werbewirtschaft abhĂ€ngig sind, wurden vorĂŒbergehend eingestellt.

Neben zahlenden Abonnenten und KioskkĂ€ufern haben diese Ausgabe unterstĂŒtzt die Sparkasse Passau und die AOK mit je 1.000 Euro, mit dreistelligen BetrĂ€gen die monatlichen UnterstĂŒtzer Druckerei "Passavia", die Bio-BĂ€ckerei Wagner und Elektriker Michael Kapfer. Die Telepark Passau hat technische UnterstĂŒtzung geleistet, am Heimarbeitsplatz das Internet innerhalb kurzer Zeit auf die schnellste Leitung geschaltet. Eine Magazinproduktion ĂŒber 75 Seiten mit den Mitwirkenden ausschließlich ĂŒber das digitale Netzwerk zu koordinieren und zu erstellen, ist Neuland und bedarf starker Nerven.

Sonntag, 29. MÀrz, 9. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 31. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Zahl der Coronavirus-Infizierten hat sich im Altenheim in Grubweg um eine weitere Bewohnerin auf sieben erhöht. Damit sind es in Passau, Stand Sonntagabend, 39 FĂ€lle. Im Klinikum werden vierzehn Patienten behandelt, davon vier auf die Intensivstation und zwei unter kĂŒnstliche Beatmung.

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Samstag, 28. MÀrz, 8. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 30. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Stadt Passau meldet um 18.10 Uhr den ersten Corona-Todesfall. Ein 87-jĂ€hriger Mann, der sich in einem Altenheim in Passau-Grubweg infiziert hatte. Bereits am Donnerstag war im Kreiskrankenhaus RottalmĂŒnster eine 70-jĂ€hrige Rentnerin verstorben, die an Corona litt.

Die Zahl der Infizierten im Stadtgebiet hat sich heute um 10 auf 37 erhöht. Sechs der Neuinfizierten sind Bewohner des Altenheims "Rosarium" in Passau-Grubweg, darunter der gemeldete Todesfall.

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Freitag, 27. MÀrz, 7. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 29. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die letzte Pressemitteilungen vor dem Wochenende waren keine erfreulichen. Das Coronavirus hat in Passau zwei Altenheime erreicht. Zwei der neun Coronapatienten im Klinikum werden kĂŒnstlich beatmet.

Eine Altenheimbewohner aus Grubweg und ein Altenheimmitarbeiter sind positiv getestet worden. Der 87-jÀhrige Rentner kommt auf die Intensivstation des Klinikums.

Im Kreiskrankenhaus RottalmĂŒnster ist am Donnerstag eine 70-jĂ€hrige schwerkranke Patientin verstorben. Bei dieser Rentnerin hatte sich erst im Nachhinein beim Test herausgestellt, dass sie vom Coronavirus infiziert war.

Der fĂŒhrende Krisenmanager in Passau ist OberbĂŒrgermeister JĂŒrgen Dupper. Er ist mit seinen Funktionen fĂŒr das stĂ€dtische Krankenhauswesen und die Organisation des landkreisĂŒbergreifenden SanitĂ€tsdienstes zustĂ€ndig. KrankenhĂ€user, Privatkliniken, Rehakliniken, Kinderklinik und Bezirksklinik mĂŒssen gemĂ€ĂŸ einer AllgemeinverfĂŒgung der Ministerien vom 24. MĂ€rz jetzt Hand in Hand arbeiten, um die KapazitĂ€ten in der Pandemie zu stĂ€rken. Als Ă€rztlicher Koordinator ist fĂŒr das Stadtgebiet Klinikumsdirektor Dr. Hans Emmert bestellt worden. Das Treffen aller Verantwortlichen fand am gestrigen Freitag statt.

Die Situation am Klinikum:

  • An den 27 vorhandenen Beatmungsmaschinen sind derzeit 2 Corona-Patienten und 8 andere Notfallpatienten angeschlossen; somit sind 17 BeatmungsgerĂ€te auf Reserve.
  • Zu den beiden Corona-Patienten unter kĂŒnstlicher Beamtung kommen sieben weitere, die stationĂ€r behandelt werden.
  • Von den 34 PlĂ€tzen der Intensivstation sind 2 von den genannten Corona-Patienten belegt, 11 von anderen Notfallpatienten; somit sind 13 auf Reserve

Kurzfristig, so heißt es in dem veröffentlichten Papier, könnten neun weitere PlĂ€tze auf der Intensivstation mit BeatmungsgerĂ€ten geschaffen werden – wenn diese geliefert werden.

Eine Meldung am Rande: Die Stadt Passau hat alle ParkgebĂŒhrenautomaten stillgelegt. Denn viele Automobile sind in der Heimarbeit Stehmobile geworden und brauchen Platz.

Grenztankstelle ist Geistertankstelle
Hinweis an alle Tanktouristen: Die Fahrt nach Achleiten erĂŒbrigt sich. Die Grenztankstelle ist zur Geistertankstelle geworden, geschlossen. Gestern sah der Reporter, das immer noch einige wenige Autofahrer sie anfahren, dann umkehren und sich der Einreisekontrolle unterziehen mĂŒssen.

Kommunen im Stress der Neuregelungen
Ministerien geben seit dem ausgerufenen Katastrophenfall den Kommunen tagtÀglich neue Anweisungen, was neu zu regeln ist. Mehrmals am Tag bis zu 20 Seiten dicke Schriften. Man komme kaum hinterher es zu lesen, sagt ein Beamter. Die RathÀuser arbeiten seit Tagen im Krisenmodus.

27 Infizierte im Stadtgebiet
%PIC16597%Die Zahl der infizierten im Stadtgebiet ist auf 27 gestiegen. Hinzu gekommen sind gestern eine Frau, 42, und zwei MĂ€nner, 62 und 50. Tags davor gab es zwei positiv Getestete, eine Frau 55 und ein Mann 59.

Das stĂ€dtische Ordnungsamt hat fĂŒr 100 Kontaktpersonen QuarantĂ€ne angeordnet.

Ins Bewusstsein sollte sich jeder rĂŒcken: Wenn QuarantĂ€ne (VirusverdĂ€chtige) oder Isolation (VirustrĂ€ger mit und ohne Symptome) Menschen trifft, die wichtige Strukturen unserer Gesellschaft aufrechterhalten, kann es zu folgenschweren EngpĂ€ssen kommen. In der Medizin gelten im Notstand besondere Regeln: Wer sich infiziert, arbeitet weiter, wenn er sich in der Lage fĂŒhlt.

Neues Wort im "Krieg gegen Corona": Triage
Die Mitwirkenden in den KrankenhĂ€usern sind nicht zu beneiden. Sie mĂŒssen mit dem Mangel an Schutzmasken und Schutzkleidung zurechtkommen, im Kopf durchspielen, dass die „Triage“ eintritt. Was dieses Wort bedeutet? Es beschreibt die schrecklichste Lage der Humanmedizin, wenn den zu Rettenden zu wenig Retter oder Rettungsmaterial gegenĂŒberstehen. Die Ärzte mĂŒssen entscheiden, welchen Verletzten oder Erkrankte sie bevorzugt an die Reihe nehmen. Patienten nach ErsteinschĂ€tzung sortierten. Eine Situation wie auf einem militĂ€rischen Schlachfeld. Keiner will das.

Diese Krise wird zur Katastrophe, wenn die Triage eintritt. Es geht nicht um das politische und gesellschaftliche KrĂ€ftezerren "Gesundheit oder Wirtschaft", sondern um eine Kernfrage fĂŒr unsere Zivilisation: Wollen wir die MenschenwĂŒrde auf dem Altar des Wohlstands opfern?

Anmerkung des Autors: Wer diese Tragik versteht, wird  jede erdenkliche Vorsichtsmaßnahme zu treffen, damit er nicht selbst zum Verbreiter der Krankheit wird. Aus Eigenverantwortung, vorausblickend, ĂŒber das Mass jeder gesetzlichen Anordnung hinaus.

Die Zahl der CoronavirustrÀger hat in Bayern die 10.000er Marke, in Niederbayern fast 1.000er Marke erreicht.
Der Landkreis Rottal-Inn hat mit einer Durchseuchung von 141 Menschen je 100.000 Einwohner einen Spitzenwert; Bayern liegt bei 78, Niederbayern bei 81, Passau Landkreis 38 und Stadt 46.

Deutschland hat auf die Bevölkerung gesehen die höchste Ausstattung an BeatmungsgerĂ€ten, der Notstand liegt woanders: zu wenig Schutzbekleidung, zu wenig Atemschutzmasken. 

Die Produzenten sind in Asien und USA. Ohne Schutz sind Ärzte und Pflegepersonal nicht in der Lage die Patienten so zu behandeln, wie es sein sollte. Weltweit hat der Kampf um das Schutzmaterial begonnen.

Im Passauer Klinikum sind 1.000 Masken (FFP2) gestern eingetroffen. Mindestens drei Masken pro Tag brauchen Ärzte im Einsatz.

In den USA werden SanitÀtsschiffe des MilitÀrs als NotkrankenhÀuser vorbereitet. Das Land, viermal so viele Menschen wie Deutschland, steht am Anfang der Krise.

Ein Papst Franziskus ohne Publikum hat angesicht der weltweiten Seuche den Sondersegen "Urbi et Orbi", der Stadt Rom und dem Erdkreis, erteilt.
Ein historischer Moment, wie so viele in dieser Zeit. Dieser pĂ€pstliche Segen wird das erste Mal außerhalb der hohen Kirchenfeste, Ostern und Weihnachten gegeben. Seine Mahnung im Gebet: â€žWir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrĂŒtteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört.“

Die konsequenten Kontaktsperren und unser eingeschrÀnktes Leben sind höchst dringlich: In drei KrankenhÀusern von Stadt und Land werden derzeit zwei Dutzend Corona-Patienten stationÀr behandelt; sechs davon liegen auf der Intensivstation.

Gut möglich, dass darunter FÀlle aus dem Nachbarlandkreis Rottal-Inn sind, wo Infektionsrate dramatisch ansteigt. Ob das Verhalten der Bevölkerung die Epidemie beschleunigt oder abschwÀcht, das wird sich nÀchste Woche zeigen.

Einen sichtbaren Erfolg des angeordneten öffentlichen Stillstands können die Mitarbeiter im Gesundheitsamt in FĂŒrstenzell erkennen: Der Kontaktkreis der Infizierten wird zunehmend kleiner, die Chance, die Ausbreitung unter Kontrolle zu halten, steigt. So wie es die Mediziner vom Robert-Koch-Institut dringend fordern: die Infektionsketten brechen! Das Gesundheitsamt ist mit Mitarbeitern des Landratsamte von einst vier auf zwölf verstĂ€rkt worden.

Die Zahl der TodesfÀlle hat sich in vier Tagen in Bayern verdoppelt auf 52.

Die Lage an den KrankenhÀuser im Detail:

  • im Klinikum Passau zehn Patienten, davon zwei auf intensiv;
  • im Krankenhaus Vilshofen zwölf Patienten, davon zwei auf intensiv;
  • im Krankenhaus RotthalmĂŒnster zwei Patienten auf intensiv.
  • im Krankenhaus Wegscheid gibt es keine Intensivbetten. 

Die KapazitÀt:

  • 85 Isolierbetten in den drei LandkreiskrankenhĂ€usern, davor 39 in Vilshofen.
  • 45 Isolierbetten fĂŒr Corona-Patienten im Klinikum Passau, davon 34 intensiv; bis zu 27 Patienten können gleichzeitig beatmet werden; 

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Am 23. MĂ€rz hat das Bayerische Gesundsheitsministerim mitgeteilt, dass im Zentrallager des Freistaates 800.000 Schutzmasken eingetroffen seien. Die SeuchenausrĂŒstung werde ĂŒber die 111 OrtsverbĂ€nde des Technischen Hilfswerkes an KrankenhĂ€user und Artpraxen verteilt. Nachtrag: Heute sind 1.000 Masken am Klinikum Passau eingetroffen. Wenn zehn Ärzte sie im Einsatz tragen, mindestens drei pro Tag benötigen, reichen sie fĂŒr einen Monat.


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26. MÀrz, 6. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 28. Tag der Infektionskette.

Corona-Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums: Die „Politik ist im Krisenmodus“, die Bevölkerung mĂŒsse die „tiefsten Einschnitte in der Geschichte der Bundesrepublik“ ertragen und das Gesundheitssystem bereite sich auf die grĂ¶ĂŸte Herausforderung seit 75 Jahren vor.

„Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm“, sagt heute Gesundheitsminister Jens Spahn. Die IntensivkapazitĂ€ten zu verdoppeln, sei die Anstrengung der Kliniken und KrankenhĂ€usern.

Es seien 300.000 bis 500.000 Test in der letzten Woche durchgefĂŒhrt worden, „wohl die meisten im Vergleich aller LĂ€nder“.

Nach Ostern werde man feststellen: Wo stehen wir mit den Maßnahmen?

Professor Wieler vom Robert-Koch-Institut betont, dass auch JĂŒngere und Gesunde daran sterben können. Das sehe man in den NachbarlĂ€ndern. Je mehr erkranken, desto wahrscheinlicher, dass wir solche FĂ€lle erleben.

Die Inzidenz der Seuche ist auf 44 (Infizierte je 100.000 Einwohner) gestiegen deutschlandweit. Vergleich: Hamburg 69, Bayern 61. Wie die Dynamik sich entwickle, könne man nicht abschÀtzen.

Brisantes Telefonat: Bayerische HĂ€ndler fĂŒr Arbeitsschutzbekleidung behaupten, sie könnten Schutzmasken massenhaft aus China einkaufen. Allein die Angst vor Haftung wĂŒrde sie daran hindern.

"Es gibt keine Lieferprobleme fĂŒr diese Chinaware", erklĂ€rt der Anrufer. Allerdings: Die HĂ€ndler wĂŒrden die Finger davon lassen, weil fĂŒr diese Importe vorgeschriebene Zertifizierungen fehlten; sie sĂ€hen sich in der Haftung, wenn solche Masken beispielsweise spĂ€ter im Handwerk benutzt werden und sich als unwirksam zeigen. Die chinesische Norm nennt sich „KN95“, die europĂ€ische „FFP1“, FFP2“.

Umgekehrt lĂ€sst die Bayerische Staatsregierung bekanntlich bei Textilfabrikanten Stoffmasken (12 Euro das StĂŒck) nĂ€hen - Masken ausdrĂŒcklich ohne medizinische Zertifizierung. Sie sind frei bestellbar (Lieferzeit nach Ostern).

Anmerkung des Autors: FĂŒr die Bevölkerung wĂ€re jedwede Schutzmaske sinnvoll. Sie schĂŒtzt besser als nichts. Der Virus schlummert bekanntlich in vielen Infizierten ohne Symptome und kann selbst bei feuchter Aussprache ĂŒbertragen werden. Die "offenen Wunden" des Menschen sind Bindehaut, SchleimhĂ€ute in Mund und Nase. 

Frage an die Verantwortlichen: Gelten fĂŒr den Staat andere Regeln als fĂŒr die HĂ€ndler? Warum bestellt die Staatsregierung nicht selbst in China? 

Am 5. Tag der "AusgangsbeschrĂ€nkungen" verstĂ€rkt sich in der Politik das KrĂ€ftezerren: Gesundheit oder Wirtschaft? Humane Medizin oder soziale HĂ€rten? 
Ostern mĂŒsse Schluss sein, das halte die Wirtschaft sonst nicht mehr durch, sagen die einen; darunter VizeprĂ€sident Hubert Aiwanger. Innenminister Horst Seehofer dagegen plĂ€diert fĂŒr Disziplin, keinesfalls eine Lockerung der Maßnahmen aus ökonomischen GrĂŒnden. Wissenschaftler rufen dazu auf, alles zu tun, die Infektionsketten unter Kontrolle zu halten, zu brechen, die Seuche einzudĂ€mmen.

Geschlossene Restaurants und Kantinen: Die Lebensmittellieferanten erleben RekordumsĂ€tze, weil die Menschen öfters Zuhause kochen und essen. Angesichts der Krise werden grĂ¶ĂŸere Anschaffungen auf das Notwendige begrenzt, dies fĂŒhrt zu EinbrĂŒchen im Handel, wie man sie noch nie erlebt habe, sagen Marktforscher; auch der Online-Handel lĂ€uft gebremst.

Kurzarbeit oder Überstunden abbummeln? â€žIch lasse meine Leute Überstunden abbauen, manche gehen in Minusstunden“, sagt ein großer Passauer AutohĂ€ndler. Kurzarbeit komme fĂŒr ihn nicht infrage. Er habe die MĂ€rzlöhne schon voll ĂŒberwiesen, die Mitarbeiter brauchten das Geld. "Ich hoffe, dass alle um ns herum nicht krank werden."

Anders die Lage bei dem verschachtelten und weit verzweigten Medienunternehmen „Passsauer Neue Presse“. Hier ist in vielen Gesellschaften und Abteilungen Kurzarbeit eingefĂŒhrt worden, der Betrieb der beiden Tochtergesellschaften „Am Sonntag“ und „Wochenblatt“ ruht.
 

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25. MÀrz, 5. Tag der "AusgangsbeschrÀnkung", 27. Tag der Infektionskette.

Im Nachbarlandkreis Rottal-Inn entwickelt sich die Ausbreitung deutlich. 119 Corona-FĂ€lle je 100.000 Einwohner. 

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Infektionsrate in Bayern liegt aktuell bei 67, in der Stadt Passau (22 FĂ€lle) bei 42, im Landkreis Passau (54 FĂ€lle) bei 28.

Im Klinikum Passau werden aktuell acht Patienten behandelt. Im Krankenhaus Vilshofen zuletzt sechs, davon zwei auf der Intensivstation.

Der Himmel wird so frei seit vermutlich 70 Jahren nicht mehr. Paris schließt seine GroßflughĂ€fen, Russland alle FlĂŒge ins Ausland.

Was in der Welt gerade passiert, fasst die New York Times zusammen

  • Jeder, der New York verlassen hat, soll sich selbst in QuarantĂ€ne begeben, fordert Trumps Corona-Koordinator
  • Trump Ă€ußert sich empört darĂŒber, das Land schließen zu mĂŒssen, um die Ausbreitung des Virus einzudĂ€mmen
  • Indiens Premierminister verhĂ€ngt fĂŒr 1,3 Milliarden Menschen eine Ausgangssperre
  • In SĂŒdkalifornien stirbt ein MinderjĂ€hriger an Corona
  • Prominentes Opfer wird der US-Dramatiker Terrence McNally, Jahrgang 1938 ("Opus Christi", "Kuss der Spinnenfrau")

24. MÀrz, 4. Tag der "AusgangsbeschrÀnkungen", 26. Tag der Infektionskette.

Geschlossene Grenzen fĂŒhren zeitweise zu chaotischen ZustĂ€nden in Passau: Heimkehrer gen Osteuropa sitzen fest.

SanitĂ€tsdienste und Feuerwehr sind durch eine neue Fluchtbewegung gefordert. "Es entwickelt sich eine Lage wie 2015, nur in umgekehrter Richtung", berichtet ein FeuerwehrfunktionĂ€r. Der Passauer Winterhafen Racklau, im Sommer ein Caravanparkplatz, wird offenbar als provisorischer Übernachtungsplatz eingerichtet. 

Was ist los? Hundert OsteuropĂ€er, darunter Sinti und Roma, offensichtlich auch Erntehelfer, sind wegen der Corona-Krise auf der fluchtartigen Reise in ihre rumĂ€nische Heimat. Teilweise in ĂŒberbesetzten Fahrzeugen, teilweise mit der Bahn. Familien, Kinder, Frauen und MĂ€nner. An der bayerische-österreichisch Grenze wird ihnen von den österreichischen Beamten die Einreise verwehrt. Aus verschiedenen GrĂŒnden: mangelhafte Papiere, mangelhafte Fahrzeuge, ĂŒberfĂŒllte Fahrzeuge. 

Die Bundespolizei versucht das Problem in den Griff zu bekommen, hilft angeblich bei der BĂŒrokratie. Die Grenze ist trotzdem zum Nadelöhr geworden, denn Österreich und Ungarn öffnen fĂŒr diese RĂŒckreisenden einen "Grenzkorridor" nur zu bestimmten Zeiten. "Sie dĂŒrfen beispielsweis eum 17 Uhr passieren und mĂŒssen sich dann spĂ€testens und 21 Uhr an der österreichischen--ungarischen Grenze melden", erklĂ€rt ein Eingebundener.

Da die Menschen notgedrungen in ihren Autos ĂŒbernachten mĂŒssen, die AutobahnparkplĂ€tze nicht alle aufnehmen können, wird heute Abend der Hafen Racklau als provisorischer Übernachtungsplatz vorbereitet. "Wir stellen Dixi-Klos auf", sagt ein Helfer.

Ähnlich angespannt war die Lage nach 17 Uhr am Hauptbahnhof durch festsitzende Bahnreisende. Augenschein um 19.30 Uhr: Ein Dutzend Bundespolizisten ist im Einsatz, aber die Ansammlung Wartender ist offenbar aufgelöst. Die Anzeigetafel in der Bahnhofshalle mahnt: "Fahren Sie nur, wenn es unumgĂ€nglich ist. Geben Sie Acht auf sich und andere. FahrplanĂ€nderungen: Informieren Sie sich vor Fahrtantritt im Internet."

Der Landkreis Passau erlebt heute mit acht neuen FÀllen den "bisher stÀrksten Anstieg" seit Beginn der Pandemie, schreibt Pressesprecher Christoph Kölbl. Stand nunmehr: 47. Die Infektionsrate liegt mit 24 je 100.000 Einwohner relativ niedrig.

Die Ausbreitung ist regional sehr unterschiedlich. Aus Hessen wissen wir, dass es einzelne Gemeinde heftig treffen kann. Der Passauer Landrat hat verfĂŒgt, dass die betroffenen Gemeinde der Öffentlichkeit nicht bekannt gegeben werden. Es handelt sich um fĂŒnf verschiedenen Infektionsketten, also Örtlichkeiten, und zehn EinzelfĂ€lle. Bisher sei es noch jedes Mal gelungen, alle Kontaktpersonen zu ermitteln und in QuarantĂ€ne zu schicken, heißt es. Man habe die Lage also unter Kontrolle.

Ob und wie viele UnterstĂŒtzer das Gesundheitsamt zur Recherche braucht, werde abgeklĂ€rt. Es gibt viele Angebote von Freiwilligen, das Bundesministerium hat eine Ausschreibung veranlasst (zu finden weiter unten).

Im Krankenhaus Vilshofen werden derzeit sechs Corona-Patienten behandelt, davon zwei auf der Intensivstation. Weitere sieben Infizierte sind am Klinikum Passau in Behandlung.

In Passau hat sich die Zahl der registrierten Corona-VirustrÀger um um drei weitere erhöht: zwei Frauen, 33 und 55 Jahre alt, und ein 31-jÀhriger Mann. Damit sind es 17 FÀlle und die Infektionsrate ist auf 33 je 100.000 Einwohner gestiegen. Deutscher Durchschnitt: 38. Italien: 107.

Der Passauer Bischof lÀdt die GlÀubigen morgen ein, mit ihm den Rosenkranz zu beten, wenn um 15 Uhr die Seuchenglocken lÀuten.

Die WeltbĂŒrger sind durch Grenzen und Reisesperren getrennt wie in ihrer Geschichte - aber im Schicksal wie BrĂŒder vereint. 
"Unser Premierminister hat gerade den nationalen Ausnahmeszustand ausgerufen", schreiben Freunde aus Indien, die vor zwei Jahren beim Auslandsstudium in Passau waren. Das öffentliche Leben ruht dort seit heute Mittag wie in Bayern, mit strenger Ausgangssperre.

Muss eine landesweite Massenbewegung von Studentinnen und Studenten, die in KĂŒrze an ihre Studienorte zurĂŒckkehren, unterbunden werden? Viele kehren in Bayern zum 1. April in neue oder alte UnterkĂŒnfte zurĂŒck, neue Kontaktgruppen bilden sich in Wohngemeinschaften.

Gesundheitsministerin Huml und Bildungsminister Silber stehen vor einer entscheiden Frage, die sie angesichts der Kontaktsperren und AusgangsbeschrĂ€nkungen in der Corona-Krise baldmöglichst zu klĂ€ren haben: Ist es realistisch, dass die UniversitĂ€ten am 19. April wieder öffnen? Wollen wir in den nĂ€chsten Tagen eine neue Reisebewegung im Land lostreten? 

Die Zeit drĂ€ngt. 400.000 Studenten, von denen viele nicht am Heimatort studieren, wĂŒrden sich nach und innerhalb Bayerns bald in Bewegung setzen, um ihre Studienorte aufzusuchen. Jeder dritte wohnt in einer Wohngemeinschaft, es bilden sich nach der RĂŒckkehr in den Studienorten neue Kontaktgruppen.

Mietbeginn ist meist 1. April
Ihre neue Bleibe oder einen Wechsel in Wohnungen, Studentenwohnheime und Wohngemeinschaften haben die meisten ab 1. April gebucht. Wie viele der zigtausenden Austausch- und Auslandsstudenten werden zusÀtzlich anreisen?

Umziehen, gemeinsam Möbel schleppen, Wohngemeinschaften oder Hausstand grĂŒnden und auflösen. Allein in Passau gibt es 12.000 Eingeschriebene. Im Vorfeld des Semesterbeginns wĂŒrde wohl in wenigen Tagen dieses rege Treiben einsetzen, falls es nicht schon begonnen hat. Das ist angesichts der Corona-Ausbreitung von Virologen sicher nicht erwĂŒnscht.

Residenzpflicht fĂŒr Frischluftsuchende
Im Gegenteil: BĂŒrgermeister von Touristenorten, die beliebte Ausflugsziele sind, fordern eine "Residenzpflicht", wie wir sie von Asylbewerbern kennen. Sie sehen ein erhöhtes Corona-Risiko durch Frischluftsuchende, die ĂŒber Landkreisgrenzen hinweg mit dem Auto anfahren. Manche Ausflugsgebiete haben zur Warnung Wanderwege und Parks gesperrt.

Stress fĂŒr Risikogruppen
Wenn Studenten in Hunderten HĂ€usern ein- und ausziehen, zurĂŒckkommen, ist das fĂŒr die betagteren Bewohner zusĂ€tzlicher Stress. „Ich vermeide jede Begegnung mit den jungen Leuten im Hausflur, das wird jetzt schwierig werden“, sagt eine 82-jĂ€hrige Altstadtbewohnerin. In Ihrem Haus wohnen fast ausschließlich Studenten, erzĂ€hlt sie.

Die Beobachter vom Robert-Koch-Institut, welche die anonymen Handydaten der Bevölkerung aufzeichnen und auswerten lassen, dĂŒrften angesichts der studentischen ReiseaktivitĂ€ten, der neuen Massenbewegung im Land in große Sorge geraten. Der Reisende und seine Begegnungen, und nur dieser Umstand, haben bekanntlich das Virus weltweit verbreitet.

UniprÀsidenten warten auf Anweisung
In einer Videokonferenz haben sich die Unidirektoren vor Kurzem beraten. Man warte auf Anweisung vom Ministerium, sagt eine Uni-Pressesprecher auf Anfrage.

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23. MÀrz, 3. Tag der "AusgangsbeschrÀnkungen", 25. Tag der neuen Infektionskette.

In Klinikum Passau werden derzeit sieben Corona-Patienten behandelt.
Keiner von ihnen muss kĂŒnstlich beatmet werden. 26 BeatmungsgerĂ€te stehen bereit. Einer der Ersterkrankten hatte entlassen werden können.

Wie Pressesprecherin Elke Zanner auf Anfrage berichtet, haben KrĂ€fte des Katastrophenschutz mittlerweile ausreichend zusĂ€tzliche SchutzanzĂŒge und Desinfektionsmittel geliefert. Dringend Nachschub benötige man bei den Schutzmasken. Weitere BeamtungsgerĂ€te seien angefordert, weil man "mit dem Höhepunkt der Coronawelle erst rechne", lĂ€sst Werksleiter Stefan Nowack mitteilen. Im Ernstfall wĂŒrden Ärzte anderer Abteilungen in die Coronabehandlung eingebunden, Mitarbeiter aus dem Ruhestand zurĂŒckgeholt. Was die Nachfrage anbelangt, auslĂ€ndische Ärzte zu akquirieren, die Passau an ihrer Zulassung arbeiten, meint Nowack: "Mit diesem Thema haben wir uns noch nicht beschĂ€ftigt." Wichtig sei es auf KrĂ€fte zurĂŒckzugreifen, die sich in den AblĂ€ufen auskennen. Um neue anzulernen fehle die Zeit.

Im Stadtgebiet ist die Zahl der Coronavirus-Infizierten auf 16 geklettert; Altersdurchschnitt 52, zehn MĂ€nner, sechs Frauen. Die jĂŒngste Betroffene ist eine 22-jĂ€hrige Frau, der Ă€lteste Patient ist 84. Aus wie vielen verschiedenen Kontaktkreisen die VirustrĂ€ger stammen, wird nachberichtet. 

Rettungsdienst: NotÀrzte und RettungssanitÀter sind ab sofort angewiesen, bei allen EinsÀtzen Schutzkleidung zu tragen.

Stadtverkehr: Autofahrer mit Anwohnerparkausweisen dĂŒrfen auf gebĂŒhrenpflichtigen ParkplĂ€tzen kostenlos parken. Da die meisten Fahrzeuge nicht in Betrieb sind, mangelt es an Platz.

Einkaufen: Wer lokalen Handel und Gastronomie unterstĂŒtzen mag, die Citymarketinggemeinschaft veröffentlicht auf ihrer Seite neue Angebote zu Versand und Lieferung.

Tourismus: In der Corona-Krise ist die Flusskreuzfahrt genau so gestoppt wie die Seekreuzfahrt: Alle Passauer Anlegestellen sind bis auf Weiteres fĂŒr Kreuzfahrtschiffe gesperrt.

MĂŒllentsorgung: Wer seine AbfĂ€lle zum Recyclinghof bringt, muss sich auf eingeschrĂ€nkte Öffnungszeiten und Wartezeiten einstellen. Die Zufahrt wird wegen der Kontaktsperre reguliert. Hier alle Infos

AuslĂ€ndische Ärzte, Medizinstudenten, Asylbewerber. Wie können diese Personengruppen in der Corona-Krise hilfreich werden?

Die Bezirksregierung in Oberbayern ist bayernweit dafĂŒr zustĂ€ndig, dass auslĂ€ndische Ärzte, die auf ihre Zulassung hinarbeiten, im Notfall kurzfristig einspringen können.

Beispiel Passau: Ein 42-jĂ€hriger Internist aus SĂŒdamerika, an BeatmungsgerĂ€ten ausgebildet, sitzt Zuhause, weil seine Volkshochschulkurse ruhen. Seine Unterlagen sind beim Notar, aber der einzige staatliche Dolmetscher will 1700 Euro fĂŒr die Übersetzung. Der Bezirk Oberbayern hat fĂŒr solche Ärzte bereits bĂŒrokratische HĂŒrden erlassen, damit sie befristet bis Ende des Jahres die Kliniken unterstĂŒtzen können.

Wie kann man Ärzte wie den genannten Internisten rascher ins System bringen, sie bei finanziellen und bĂŒrokratischen HĂŒrden unterstĂŒtzen?

Das Robert-Koch-Institut ruft Medizinstudenten auf, sich zu bewerben, um mit einem freiwilligen Urlaubssemster - gegen faire Bezahung - die GesundheitsĂ€mter zu unterstĂŒtzen; sie sollen bei der Recherche der Kontaktpersonen zu Infizierten mithelfen, um die Ausbreitung unter Kontrolle zu halten. Wie kommen konkret die GesundheitsĂ€mter an diese Freiwilligen? Wer koordiniert das? Wo schlagen die Bewerbungen auf? ZustĂ€ndig ist an erster Stelle das Bayerische Gesundheitsministerium.

In den UnterkĂŒnften sitzen Asylbewerber - in der Seuche gefĂ€hrlich - auf engsten Raum, haben keine Arbeitserlaubnis. Wird darĂŒber nachgedacht, diese als Freiwillige in der Landwirtschaft einzubinden, die jetzt mangels Erntehelfer aus den osteuropĂ€ischen LĂ€ndern Notstand hat? ZustĂ€ndig fĂŒr solche Sonderregelungen wĂ€re wohl in erster Linie das Bayerische Landwirtschaftsministerium. 

Kurzarbeiter dĂŒrfen sich in der Landwirtschaft Geld dazu verdienen, ohne AbzĂŒge befĂŒrchten zu mĂŒssen. Die Bundesagentur fĂŒr Arbeit (BA) bei Kurzarbeit 60 Prozent des Lohns, fĂŒr BeschĂ€ftigte mit Kindern 67 Prozent. Die Sozialabgaben, die auf den ausgefallenen Lohn fĂ€llig wĂ€ren, ĂŒbernimmt die Arbeitslosenversicherung.

Das Bayerische Gesundsheitsministerim teilt mit, dass im Zentrallager des Freistaates 800.000 Schutzmasken und 235.000 Flschen Handdesinfektionsmittel eingetroffen seien. Die SeuchenausrĂŒstung werde ĂŒber die 111 OrtsverbĂ€nde des Technischen Hilfswerkes an KrankenhĂ€user und Artpraxen verteilt.

700.000 Masken hatte der Freistaat gekauft, 100.000 das stillgelegte BMW-Werk beigesteuert. Bayerische Textilfirmen prodzuzieren neuerdings statt Mode oder AutositzbezĂŒge Schutzmasken.

In Mitterteich stellen die Glaswerke Schott Glasröhrchen her, die weltweit fĂŒr Spritzen und Ampullen benötigt werden. Die Produktion unter den Auflagen der Kontaktsperre aufrecht zuerhalten, ist ein Herausforderung fĂŒr jeden Betriebet: Das Schott-WerksgelĂ€nde sei in 23 verschiedene Zonen aufgeteilt worden, in denen sich eine begrenzte Zahl von BeschĂ€ftigten abgetrennt voneinander bewegen können, teilt das Ministerium mit. 

Telefonat mit dem Klinikum Passau: Bei den 14 BeschĂ€ftigten, die positiv getestet wegen des eingeschleppten Corona-Virus in Isolation sind, soll es sich nicht ausschließlich um Ärzte handeln. Eine genaue Zahl ĂŒber betroffene Mediziner und Pflegepersonal wurde nicht genannt.

Bei QuarantĂ€ne soll es fĂŒr Kontaktpersonen, die im Gesundheitswesen arbeiten, Lockerungen geben. Dies hat das RKI heute bekannt gegeben. Wer ohne Symptome ist, dĂŒrfte unter entsprechenden Schutzmaßnahmen weiterarbeiten. 

Aus der Morgenkonferenz des Robert-Koch-Instituts zur aktuellen Lage:
Dynamische Entwicklung, GesundheitsÀmter mit Medizinstudenten verstÀrken, alle Anstrengungen unternehmen, die Ausbreitung unter Kontrolle zu behalten.

Wie stark ein Land, eine Region und dessen Gesundheitswesen von der Corona-Pandemie belastet ist, sagt die sogenannte Inzidenz, dieser Wert:
Wie viele FĂ€lle je 100.000 je Einwohner? Denn der Vergleich der absouten Zahlen hat keine Aussagekraft.

Dramatisch ist nach wie vor die Lage in Italien, am Beginn der Epidemie stehen die USA. 

  • 89 FĂ€lle je 100.000 Einwohner in Italien.
    53.587 FĂ€lle, mehr als 4.827 Tote.
  • 27 FĂ€lle je 100.000 Einwohner in Deutschland.
    22.276 FĂ€lle, plus 4.000; 86 Tote und 2.809 Genesene.
     
  • 8 FĂ€lle je 100.000 Einwohner die USA.
    26.000 FĂ€lle, plus 7.000.

Der Autor errechnet: WĂŒrde die Lage Italiens in Deutschland eintreten, hĂ€tten wir knapp 74.000 Infizierte, davon 20 Prozent Schwererkrankte, die klinischer Behandlung bedĂŒrfen, also knapp 15.000 Patienten. Gespiegelt auf die USA: 300.000 Corona-Infizierte, 60.000 Klinikpatienten. 

In Deutschland fĂŒhrt Hamburg mit 55 FĂ€llen je 100.000 Einwohner die Infektionsrate an, Sachsen-Anhalt liegt bei 10 am unteren Ende. (Die Inzidenz unserer Region wird  in KĂŒrze nachgetragen)

„Wir sehen weltweit unterschiedliche Dynamiken, aber Fallzahlen und Verstorben nehmen zu“, sagt RKI-Professor Wieler. Er nennt die deutsche Strategie einen "Dreiklang":

  • Konsequente EindĂ€mmung
  • Schutz der Risikogruppen
  • Ausbau der KapazitĂ€t in der Ă€rztlichen Versorgung, vor allem mit BeatmungsgerĂ€ten und Intensivbetten

GrĂ¶ĂŸte Anstrenung: Kontrolle ĂŒber Ausbreitung behalten
„Es ist und es bleibt wichtig, Infizierte und Kranke so frĂŒh wie möglich erkennen“, sagt Wieler. VirustrĂ€ger isolieren, Kontakte identifizieren und in QuarantĂ€ne schicken. Bei dieser zunehmend schwierigen Aufgabe, Verdoppelung der FĂ€lle derzeit alle drei Tage, sollen Medizinstudenten die GesundheitsĂ€mter unterstĂŒtzen. Es gelte die „Infektionsketten zu brechen.“

Studenten sollen GesundheitsĂ€mter unterstĂŒtzen
Medizinstudierende, die ein Urlaubssemester einlegen wollen, können sich fĂŒr eine sechsmonatigen Corona-Einsatz bewerben, die GesundheitsĂ€mter bei ihrer Arbeit zu unterstĂŒtzen. Es geht vor allem darum, die Kontrolle ĂŒber die Ausbreitung zu behalten, Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln, diese anzurufen, die Statistiken weiterzuschreiben. Ausschreibung.

Kluft zwischen "Wissen und Handeln"
In Zusammenarbeit mit der UniversitĂ€t Erfurt werden Befragungen durchgefĂŒhrt, die belegen: Der Anteil der Bevölkerung, die das Risiko wahrgenommen haben, ist deutlich gestiegen. „Aber zwischen Wissen und Handeln liegt noch immer eine Kluft.“ 

Aus eigener Erfahrung weiß man: Verhalten Ă€ndert sich, wenn es zur Gewohnheit wird. Abstand halten, HĂ€nde waschen.

Der Autor ergĂ€nzt: Die Vorstellung im Kopf behalten, jeder Mitmensch wĂ€re schwer grippekrank. Könnten und wĂŒrden wir beim Verlassen der HĂ€user alle Schutzmasken tragen, wie in vielen anderen LĂ€ndern, wĂ€ren jeder Einzelne besser sensibilisiert und alarmiert. Jeder Schutz ist besser als keiner. 

Gute Nachricht: starke TestkapazitÀt
Deutschland mangelt es an Schutzbekleidung, aber liegt bei den LaborkapazitĂ€ten fĂŒr Tests „im Vergleich zu vielen anderen LĂ€ndern weit vorne“, sagt Wieler. 

FrĂŒhestens ab Mittwoch wird sich zeigen, ob die Maßnahmen greifen, ob sich die Deutschen konsequent und solidarisch verhalten, ob es wirkt.

***

22. MÀrz, 2. Tag der "AusgangsbeschrÀnkungen", 24. Tag der neuen Infektionskette.

Die Nachrichtenlage ĂŒberschlĂ€gt sich: Deutschland wird ab sofort von einer Kanzlerin aus dem "Home Office" regiert. Der ersten Quelle, es war Regierungssprecher Seibert, wollte man kaum glauben: Der Arzt, der Merkel gegen Pneumokokken geimpft hat, ist auf Corona "positiv" getestet worden; die Kanzler muss jetzt - wie alle Kontaktpersonen Infizierter - in 14-tĂ€gige hĂ€usliche QuarantĂ€ne.

***
Kanzlerin Merkel schafft klare Regeln fĂŒr alle: strenges Kontaktverbot statt strikte Ausgangsperre; gilt fĂŒr mindestens 14 Tage.

  • Maximal zu zweit nach draußen: Wer allein ist, darf mit einer Person zusammen oder - Ausnahme - mit den Mitgliedern seines Hausstands sich bewegen. 
  • Mindestens 1,50 Meter Abstand: zum Beispiel beim Einkauf, in der Warteschlange, im Bus.
  • Individueller Sport erlaubt; keinem wird verboten, an die "frische Luft" zu gehen.
  • „Gruppen feiernder Menschen sind drinnen und draußen inakzeptabel“
  • In der Gastronomie sind nur Liefer- und Abholdienste erlaubt, fĂŒr Verzehr Zuhause
  • SĂ€mtliche Dienstleistungen fĂŒr Körperpflege geschlossen, auch Tattoo-Studios.
  • Alle Betriebe mit Publikumsverkehr mĂŒssen Schutzmaßnahmen fĂŒr Besucher treffen

Merkels Appell: „Bitte ziehen sie alle mit!“ Sie lobte, dass „Abermillionen aus Gemeinsinn und FĂŒrsorge“ sich an die BeschrĂ€nkungen bereits halten. Das Allerwichtigste sei die „Abstandsregeln“ einzuhalten, wiederholt sie. Das Risiko reduziere sich nahezu auf null ab 1,50 Meter.

23.190 Infizierte und 93 Tote ist aktuell der Corona-Stand in Deutschland.

„Mein Leben besteht im Wesentlichen aus Telefonaten und Videokonferenzen“, sagt Merkel auf die Frage eines Bildreporters zu ihrem persönlichen Verhalten. Sie fahre nirgendwo mehr hin.

„Tun Sie, was richtig ist fĂŒr unser Land, zeigen Sie Vernunft und Herz“, sagt Merkel. Wir schuldeten den Gesundheitsdiensten dafĂŒr zu sorgen, dass sich das Virus nicht zu rasch ausbreite.

Um 22 Uhr befasst sich heute "Anne Will" in ihrer Talkshow mit dem "Ausnahmezustand." GÀste: MinisterprÀsident Markus Söder, Virologin Melanie Brinkmann, Bundeskanzleramtschef Helge Braun, Notaufnahme-ChefÀrztin Bernadett Erdmann, Kripo-Bundesvorsitzender Sebastian Fiedler.

Das Landratsamt Passau meldet um 16 Uhr, dass die Zahl der Infizierten im Landkreis auf 36 gestiegen ist. Die Statistik des Gesundheitsministeriums in MĂŒnchen hĂ€ngt am Wochenende hinterher, nennt den Stand vom Freitag: 25.

Die "AusgangsbeschrĂ€nkungen", der Autor nennt sie "bedingte Ausgangsperre", werden wohl in KĂŒrze bundesweit angepasst. Maximal zwei Menschen dĂŒrfen sich draußen versammeln; gemeint ist wohl aus demselben Haushalt, da beim Treffen verschiedenen Haushaltsmitglieder die Ansteckungsgefahr wieder gegeben wĂ€re. Die Mediziner gehen davon aus, dass viele Menschen bereits infiziert und ansteckend sind, aber es mangels Symptome nicht wissen.

Großbritannien kratzt Kurve: Corona-Schutz
Brexit-Brite Boris Johnson gehörte wie Trump zu den Corona-Krisenverweigerern. Er wollte das Land der Seuche ausliefern, abwarten, bis die ImmunitĂ€t der Massen eingetreten, die Gefahr vorĂŒber ist. Heute lenkt er um: Pubs, Restaurants sofort schließen! Er hat offenbar eingesehen, dass sein Gesundheitssystem die Krise nicht stemmt. 

Erdbeben in Seuchenzeiten
In Kroatien ist Zagreb von zwei ErdstĂ¶ĂŸen erschĂŒttert worden. 17 Verletzte. Wegen der Coronakrise wird den Helfer "Mindestabstand" empfohlen. Wie soll das gehen?

Viren-"Spritzschutz" fĂŒr alle Kassiererin
Recherche dieses Journalisten, GesprĂ€ch mit Ärzten: Die "Bediensteten an der Front", die abends wieder zuhause bei ihren Liebsten sind, brauchen dringend Schutz: Andere LĂ€nder haben lĂ€ngst Masken und Schutzkabinen aus Plastikfolie fĂŒr Supermarktkassiererinnen. Das Virus wird durch Niesen, Husten und selbst feuchte Aussprache ĂŒbertragen. Die Bindehaut ist bei Tröpcheninfektionen eine Schwachstelle des Menschen, deshalb ist Augenschutz besonders wichtig. Handschuhe helfen allenfalls, ihren TrĂ€ger stets daran zu erinnern, dass er sich nicht ins Gesicht, an Mund oder Nase fassen, die Augen reiben soll. Einweghandschuhe nach dem Gebrauch korrekt abstreifen und entsorgen, Stoffhandschuhe desinfizieren und waschen. 

Postler und Kuriere schutzlos
Eine Postbotin erzĂ€hlt, dass man nur eine "fĂŒnfminĂŒtige Einweisung" erhalten habe. Es gebe Desinfektionsspray am Arbeitsplatz, aber das dĂŒrfe fĂŒr unterwegs nicht mitgenommen werden, zĂ€hle als Diebstahl. Dass der EmpfĂ€nger nicht mehr jeden Empfang bestĂ€tigen muss, Unterschrift leisten, ist bereits angeordnet worden. "Handschuhe mĂŒsste ich mir selbst besorgen", sagt sie. 

Deutschland hat keine Schutzmasken fĂŒr die Bevölkerung. Es ist zur Herausforderung geworden, wenigstens Ärzte und PflegekrĂ€fte "an der Front" zu versorgen. Mitarbeiter hĂ€uslicher Pflegedienste, welche die schwĂ€chsten Mitglieder in dieser Pandemie betreuen, mĂŒssen notgedrungen auf diesen Schutz verzichten; passiv wie aktiv. 

Wie der Journalist es macht
An dieser Stelle möchte ihnen der Journalist kurz erzĂ€hlen, welche Prozedur zum Eigenschutz in seiner Hausgemeinschaft und im BĂŒro (es wird getrennt benutzt) seit mehreren Tagen eingefĂŒhrt worden ist: Wer vom Einsatz zurĂŒckkommt, legt Handy, SchlĂŒssel, Brieftasche auf einem Tablett ab; dort werden sie desinfiziert. Derweil das Spray einwirkt (30 Sekunden), ĂŒbt sich der Besitzer in der Handhygiene 2020, danach nimmt er seine Utensilien wieder auf. Mit gewaschenen HĂ€nden das ungereinigte Handy wieder anzufassen, das war jedem schnell klar, wĂ€re wirkungslos. Das Ziel ist erreicht, die Prozedur ist selbst im Stress zur Gewohnheit geworden. 

Maske und Brille verringt Infektionsrisiko
In TV-Sendungen wird von Verantwortichen oft betont, dass Schutzmasken ĂŒber - das medizinische Personal hinaus - nur fĂŒr Infizierte sinnvoll sei. Frage: WĂŒrde das nicht zur Stigmatisierung fĂŒhren? MaskentrĂ€ger sind CoronavirustrĂ€ger? Der Notstand ist beschĂ€mend. Es fehlte an der Vorsorge, an VorrĂ€ten.

Ein Mediziner, der diesen Autor berĂ€t, erklĂ€rt: "SelbstverstĂ€ndlich wĂŒrde eine Schutzmaske jedem nĂŒtzen: Man kann sich nicht mehr selbst an Nase und Mund fassen, das schĂŒtzt unterwegs besser als Desinfektionsspray oder Handschuh - verringert die Infektionsgefahr". Er empfiehlt wegen der gefĂ€hrdeten Bindehaut unbedingt zusĂ€tzlich eine Brille.

Maske und Brille schĂŒtzen selbstverstĂ€ndlich bei der Begegnung in öffentlichen RĂ€umen, wie im Supermarkt. (siehe dazu weiter oben "Viren-"Spritzschutz" fĂŒr alle Kassierinnen)

Gesundheit, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung und Soziales - alle Lebensbereiche sind berĂŒhrt; 83 Milllionen BĂŒrger sind betroffen. Die UnbekĂŒmmerten und die Besorgten, die Wissenden und die Uninformierten. FĂŒr die Medien wird es zur Mammutaufgabe, das einzufangen, Fragen abzutragen, Orientierung zu geben. 

Jörg Schönenborn hat im ARD-Presseclub mit GĂ€sten zu Corona diskutiert. Er muss erfahren, das dieses Thema jeden Rahmen sprengt. Zeitlich und inhaltlich. 

Standpunkte aus der Sendung:

  • Acht Millionen Menschen gehen nicht in die Schule. Wiir brauchen kostenlose neue Software, dass Lehrer ihre SchĂŒler ĂŒber Bildschirm unterrichten können. 
  • Im Gegensatz zur Spanischen Grippe vor 100 Jahren oder der Pest vor 700 Jahren im Mittelalter kann der Mensch heute auf fortschrittliche Strukturen zĂ€hlen: Intensivmedizin und digitale Kommunikation.
  • Obdachlose haben ein riesiges Problem; Versorgung, UnterkĂŒnfte und Spenden fallen weg. Sie dĂŒrfen nicht vergessen werden.
  • Das Fernsehen ist gefordert, denjenigen Menschen StĂŒtze zu sein, die nicht das GlĂŒck haben in einem Haus mit Garten zu wohnen, die sich in ihre kleinen Wohnungen zurĂŒckziehen mĂŒssen.
  • Schutzmasken fĂŒr alle? In Asien sei die Atemmaske gegen schlechte Luft „kulturell“ bedingt. FĂŒr Klinikpersonal und Infizierte sei sie sinnvoll, fĂŒr die anderen nicht. Handschuhe zu tragen sei nicht verkehrt, es erinnere den HandschuhtrĂ€ger: Fass Dich nicht ins Gesicht!
  • Die Grenzen des globalen Handels lassen sich erkennen, der Mangel fehlender Autonomie: Ein Europa oder Deutschland, dass keine Wirkstoffe herstellen kann, um eigene Medikamente zu produzieren, darf es kĂŒnftig nicht mehr geben.
  • Es wĂ€chst neue SolidaritĂ€t: China hilft den Italienern. Aber auch umgekehrt: Export von Schutzbekleidung wird verboten.
  • Stadt und Land: In dĂŒnn besiedelten Gebieten lĂ€sst sich leichter die Kontrolle ĂŒber das Virus gewinnen; dort sind eventuell Massentests angebracht.

Die Diskutierenden waren: 

  • Cerstin Gammelin, SĂŒddeutsche Zeitung
  • Cornelia Schmergal, Der Spiegel
  • Christiane Woopen, CERES, Uni-Köln / Europ. Ethikrat
  • Ranga Yogeshwar, freier Wissenschaftsjournalist

Vom Autoindustrieland zum Vorreiter autarker Öko-Strukturen?
Nachtrag des Autors zur Sendung: Autarke Versorgung fĂŒr wichtige Lebensbereiche ist nicht nur in der Krise hilfreich, auch ökonomisch (ArbeitsplĂ€tze) und ökologisch (kurze Wege) sinnvoll. These: Corona wird ein tiefgreifendes Umdenken bringen, mit positiven Auswirkungen, die sich heute noch keiner vorstellen kann. Neue ProduktionsstĂ€tten werden wachsen und neue ArbeitsplĂ€tze geschaffen. Deutschland erkennt, dass man vom Auto allein nicht leben kann. 

Am Ende klapptÂŽs nicht, weil ein StĂŒck aus China fehlt
Ein Bayerwald-Unternehmer im produzierenden Gewerbe im Telefonat vorgesterm sinngemĂ€ĂŸ: Am Ende erkennt man, dass man irgendein Produkt nicht auf den Markt bringen kann, weil der Schraubverschluss aus China fehlt. 

So blau war der Himmel lange nicht mehr
"Schon gemerkt, der Himmel ist blau wie nie. Kein Flugzeug, kein Kondensstreifen." Der Anruf eines BB-Fotografen. Stimmt. Der Luftkorridor ĂŒber Passau ist an diesem Sonntag fast leer. Am Abend ziehen zwei Urlaubsflieger vorĂŒber, Heimkehrer in ein Deutschland im Ausnahmezustand: aus Thailand mit Ziel Fankfurt, aus Ägypten mit Ziel DĂŒsseldorf.

Argentinien greift rigoros durch
Neue Nachricht aus SĂŒdamerika, wo der ehemalige Passauer BR-Korrespondent Ivo Maruczyk sitzt: 3.000 Menschen sind in Argentinien verhaftet worden, weil sie gegen die Ausgangssperre verstoßen haben. Unternehmen, deren Mitarbeiter „an der Front arbeiten“ – Stichwort Supermarktkassiererin – sind verpflichtet, diese mit Schutzbekleidung auszustatten. Es gibt daran offensichtlich keinen Mangel. Fotos zeigen Menschen auf der Straße, die alle die teuren FFP3-Masken tragen; und es gibt solche Lösungen: An den Kassen sitzen Mitarbeiterinnen hinter einer Schutzfolie.

***
21. MÀrz, 1. Tag der "AusgangsbeschrÀnkungen", 23. Tag der neuen Infektionskette.

Es sind stets Reisende, die den Virus einschleppen und verbreiten. In Passau soll es den neuen Corona-Fall eines Krankengymnasten geben, der beim Skiurlaub in Österreich war. Er behandelte danach Patienten, wurde krank und ließ sich testen. Wie viele Kontaktpersonen, darunter vermutlich behandelte Kunden, in QuarantĂ€ne mĂŒssen, wird der Reporter am Montag vom Gesundheitsamt erfahren.

Corona-Kranker soll hohe Strafe zahlen 
Ein Mann um die 30 aus Argentinien soll umgerechnet 100.000 Euro Strafe zahlen, weil er fĂŒr die Heimreise von Uruguay als Corona-Kranker an Bord eines Schiffes gegangen war. 400 Passagiere sind seit heute in QuarantĂ€ne. Der Fieberkranke war nach Ankunft getestet worden – positiv. Argentinien steht am Anfang dieser Seuchenausbreitung.

"Ich glaube, fĂŒr jeden vernĂŒnftigen Menschen ist klar, dass wir in dieser Situation keine vollen BiergĂ€rten oder Wirtsstuben akzeptieren", lĂ€sst sich Innenminister Joachim Herrmann am Abend in einer Pressemitteilung zitieren. Seine PolizeikrĂ€fte wĂŒrden das Gastronomie- und Gruppenverbot im Freien "konsequent und mit starken KrĂ€ften kontrollieren". Seine Bilanz vom ersten Tag: Die meisten Menschen halten sich daran, die Polizei hatte in ein paar FĂ€llen "kleinere Gruppen" auflösen mĂŒssen. Das nasskalte Wetter kam der Anordnung zur "vorlĂ€ufigen AusgangsbeschrĂ€nkung" zugute.

Corona stĂŒtzt ungeliebte Regimes
In SĂŒdamerika bedeutet die Corona-Krise erste RĂŒckschlĂ€ge fĂŒr die Demokratie. Bolivien verschiebt die fĂŒr 3. Mai geplanten Wahlen auf irgendwann. Die umstrittene Übergangsregierung bleibt also wesentlich lĂ€nger im Amt als gedacht. Chile verschiebt das Referendum ĂŒber eine neue Verfassung auf Oktober. "Beide Schritte sind verstĂ€ndlich und gerechtfertigt - trotzdem bleibt unterm Strich: Corona ermöglicht in beiden LĂ€ndern, dass ein Ancien RĂ©gime, dem lĂ€ngst die TĂŒr gewiesen wurde, sich noch eine ganze Zeit an der Macht bleiben kann", schreibt BR-Korrespondent Ivo Maruczyk.

Rathaus im Notbetrieb
In Passau ist der politische Betrieb eingeschrĂ€nkt worden. Es wird keine Stadtratssitzungen aller 44 Mitglieder geben. Die StadtrĂ€te treffen sich wie in Ferienzeiten in AusschussgrĂ¶ĂŸe, 13 Mitglieder. Wenige Tage nach der Kommunalwahl hatte die Nachricht das Rathaus erschreckt, dass sich ein CSU-Mann, dem Chancen als VizebĂŒrgermeister zugeschrieben werden, mit Corona Infiziert hat.

PNP-Verlegerin nimmt AnzeigenblÀtter vom Markt
Die kostenlosen WurfblĂ€tter stapeln sich vor HaustĂŒren und in Fluren. Damit ist es erstmal vorbei. Die "Am Sonntag" und das "Wochenblatt" werden mindestens sechs Wochen lang nicht erscheinen. AnzeigenblĂ€tter finanzieren sich, wie der Name schon sagt, ausschließlich von Anzeigen. Handel und Gewerbe stehen grĂ¶ĂŸtenteils still, die Einnahmen sind versiegt. Womit Druck und Vertrieb bezahlen? Dies hat PNP-Verlegerin Tucci Diekmann dazu veranlasst, diese Gratisprodukte zu stoppen. 

Wie gehtÂŽs weiter mit BĂŒrgerblick?
Das Lokalmagazin des freien Journalisten Hubert Jakob Denk ist ebenso von der Corona-Krise betroffen. "Als Kaufzeitung kann ich wenigstens auf zahlende Leser und Abonnenten vertrauen, die bei gut verkauften Heften etwa ein Drittel der gesamten Kosten einbringen", sagt der Autor in eigener Sache. Die Ausgaben summieren sich zu einer kleinen fĂŒnfstelligen Summe: Druck, Vertrieb, BĂŒromiete und Nebenkosten, freie Autoren und freie Fotografen, Lohn fĂŒr den einzigen Angestellten und den Herausgeber. 

Die BĂŒrgerblick-Druckerei "Passavia", unser Partner in der Sperrwies, hĂ€lt den Betrieb aufrecht und hat signalisiert, dass sie den Druck einer Notausgabe unterstĂŒtzt. Wir arbeiten daran unter erschwerten Bedingungen, denn alle Mitwirkenden sind Zuhause. Der Herausgeber selbst bedient seit Beginn der Infektionskette, seit 2. MĂ€rz, tagtĂ€glich fast nonstop diesen Nachrichtenlauf; mit Zuarbeit unterstĂŒtzt von Mitgliedern der Lehrredaktion.

"Krisenzeiten sind fĂŒr Journalisten Schwerstarbeit, denn sie haben als Dienstleister fĂŒr Gesellschaft und Demokratie die Aufgabe der Informations- und Dokumentationspflicht."

Die Inhalte von AnzeigenblĂ€ttern, das zeigt die Entscheidung der Verlegerin, scheinen in diesen brisanten Zeiten keine Relevanz zu haben. Genaugenommen handelt es sich um keine Presseprodukte, der Autor hat dies schon oft angefĂŒhrt, denn sie erfĂŒllen die ethischen Normen nicht. Sie sehen sich dem Presserat nicht verpflichtet, können deshalb bei Fehltritten nicht gerĂŒgt werden.

Der Eindruck des Autors: Ehrlicher Journalismus erlebt in der Corona-Krise eine Renaissance. Dies bestĂ€tigen aufmunternde Anrufe. Es gibt so viele Dinge, die sich in diesen Zeiten neu ordnen, den Blick in die Zukunft verĂ€ndern, bisherige Ziele infrage stellen. 

Erster Coronafall in ZF
Die Zahnradfabrik in Passau, 4.000 Mitarbeiter, fĂ€hrt ihre Produktion bis kommenden Freitag komplett herunter. „Das dauert ein paar Tage, denn Licht ausschalten und TĂŒr zu, so einfach geht das bei uns nicht“, sagt Pressesprecher Gernot Hein. Die EisenhĂ€rterei muss abgekĂŒhlt werden. UnabhĂ€ngig vom angeordneten Produktionsstopp zum Schutz der Mitarbeiter: Der erste ZF-BeschĂ€ftigte ist an Corona erkrankt. Er hatte am Montag den Arbeitsplatz verlassen, weil er sich unwohl fĂŒhlte. Dann erfuhr er, dass sein Sohn positiv getestet worden ist. Der hat das Virus vom Skiausflug in Ischgl, Tirol, eingeschleppt, den Vater angesteckt. Gestern Abend wurde das Testergebnis bekannt. Der ZF-Mann muss in hĂ€usliche Isolation, zehn seiner Arbeitskollegen, die mit ihm Kontakt hatten, in hĂ€usliche QuarantĂ€ne.

Bayerischer Mundschutz
Die Atemmaske, die Mund- und Nase schĂŒtzt, ist in Bayern ein heikles Thema. Es gibt fĂŒr die Allgemeinheit keine zu kaufen, nicht einmal die einfache OP-Maske, ein 10-Cent-Produkt. Söder hat in der Not unter anderem den schwĂ€bischen Modehersteller Trigema fĂŒr eine bayerische Eigenproduktion gewonnen. Textiler Mundschutz, keine medizinische Zertifizierung, bei 90 Grad waschbar, StĂŒck fĂŒr 12 Euro. Lieferbar laut Internetseite nicht vor Ostern.

BMW hat nach seiner Werksschließung der Staatsregierung 100.000 StĂŒck Schutzmasken geschenkt. WĂŒrde Söder allen 30.000 bayerischen KlinikĂ€rzten je drei StĂŒck geben, ihr Mindestbedarf fĂŒr einen Tag, am Beginn des zweiten Tages wĂ€ren sie aufgebraucht.

Desinfektionsmittel vom Schnapsbrenner
Ein Schnapsbrenner in Waldkirchen kann sich vor Anfragen aus dem Gesundheitswesen nicht retten: 10.000 Liter Ethanol, die letzte Lieferung, lagern in seinem Tank. Es ist der Grundstoff, aus dem ObstbrĂ€nde, aber auch und Desinfektionsmittel hergestellt werden können. Bei Ethanol ist es wie bei der Schutzkleidung: vergriffen! Der Schnapsbrenner will dorthin verkaufen, wo es am nötigsten gebraucht wird, ausschließlich an Kliniken. Er wundert sich, dass der jetzt so wichtige Stoff nach wie vor ins Benzin gemischt wird: E10 - zehn Prozent Ethanol.

Geschlossene Grenzen 1: Heimkehrer sitzen fest
Reisen durch ein Europa der geschlossenen Grenzen ist zum Nervenkrieg geworden. FĂŒr Lkw-Fahrer, die Waren transportieren und im Stau der Kontrollen stehen, fĂŒr Privatreisende, die auf der Heimreise mehrere LĂ€nder durchfahren mĂŒssen. An der Grenze Passau-Achleiten sitzen heute stundenlang mehre Autofahrer fest, darunter eine Familie mit Kindern. Österreich hat bis 18. Juni seine Grenzen fĂŒr Einreisende offiziell geschlossen und lĂ€sst nur Berechtigte durch. Um 16 Uhr durften die Reisenden gen Osten weiterfahren: Österreich hatte nach Absprache mit den deutschen Behörden einen „Grenzkorridor nach Ungarn“ freigegeben.

Geschlossene Grenzen 2: LieferengpĂ€sse fĂŒr GemĂŒse aus Italien
Milch und KĂ€se, Kartoffeln und Karotten. Wir produzieren fĂŒr den Export, also mehr als wir selbst verzehren können. Die Lager und Tanks sind voll. Anders sieht es bei FrĂŒchten aus, die bei uns noch keine Saison haben und aus Italien importiert werden: Tomaten, Fenchel, Brokkoli, Zucchini. „Hier könnte es EngpĂ€sse geben, denn die Lkw-Fahrer kommen nur langsam voran“, erzĂ€hlt die Inhaberin eines niederbayerischen Öko-Lieferdienstes. Die GrĂŒnde summieren sich: die Situation in Italien, die Grenzkontrollen, neue Vorschriften. Wegen der Ansteckungsgefahr dĂŒrfen sich Lkw-Fahrer nicht mehr die Kabine teilen und abwechseln. Sie sind alleine unterwegs und mĂŒssen Ruhezeiten einhalten.

Lebensmittel-Lieferdienste am Limit
„Wir hĂ€tten 200 neue Kunden aufnehmen können“, sagt die Unternehmerin. Aber sie musste den Aufnahmestopp verhĂ€ngen, denn die LagerrĂ€ume reichten nicht aus. Zudem hĂ€tte sie nicht das Personal, neue Routen zu besetzen. Derzeit sind sechs Lieferwagen unterwegs – und ausgelastet. Die Kunden wurden angeschrieben, dass sie keine ĂŒbermĂ€ĂŸigen VorrĂ€te "hamstern" sollen, es sei genug da. Techniker mussten eingreifen, weil der Ansturm im Netz so groß war, dass das Programm fĂŒr den Beststellservice zusammenbrach. Um die Fahrer in Corona-Zeiten zu schĂŒtzen, sind neue Vorschriften ausgegeben worden: Die Kunden sollen keinen direkten Kontakt mit den Fahrern aufnehmen, die Körbe bereitstellen und abliefern sollte ohne Begegnung geschehen.

***

20. MĂ€rz

Am Klinikum Passau werden derzeit fĂŒnf Corona-Patienten behandelt. Die Zahl der positiv getesten Ärzte hat sich von sieben auf vierzehn erhöht. Sie alle befinden sich mit "keinen bis geringen" Beschwerden in hĂ€uslicher Isolation.
Ein OrthopÀde hatte - wie berichtet - den Virus im Klinikum eingeschleppt.

Die neu eröffnete Ambulanz fĂŒr Fieberkranke, Eingang auf der RĂŒckseite der Klinik, werde gut angenommen, heißt es in einer Pressemitteilung am spĂ€ten Nachmittag. Sie entlastet HausĂ€rzte und ist Anlaufstelle fĂŒr Erkrankte, die an Grippe, andere Infektionskrankenheiten oder Corona leiden. Geöffnet ist von 9 bis 17 Uhr, auch am Wochenende. Keine Voranmeldung, Versichertenkarte mitnehmen. In dieser AmbulanzH werden auch Abstriche fĂŒrs Testlabor genommen. Die Besetzung: zwei Ärzte, zwei Schwestern, drei Fachangestellte. Sie arbeiten den Vorschriften gemĂ€ĂŸ mit Schutzbekleidung.

Im Moment stehen im Klinikum Passau gut 50 Betten zur VerfĂŒgung, auf denen kritische Erkrankte intensivemedizinische behandelt ĂŒder ĂŒberwacht werden können; 26 BeamtungsgerĂ€te stehen bereit. Man bemĂŒhe sich gerade beim Gesundheitsministerium um weitere.

Mittags: Söder ruft bedingte Ausgangesperre aus

"Wir mĂŒssen die Welle der sprunghaften Infektion brechen. Wir dĂŒrfen die Entwicklung nicht verschleppen", sagt MinisterprĂ€sdient Söder heute um 12.30 Uhr. Jeder Tag zĂ€hle.

Er verhÀngt eine bedingte Ausgangssperre, nennt sie "AusgangsbeschrÀnkungen."

"Das alle fÀllt nicht leicht, denn wir sind ein freiheitsliebendes Land", sagt er. Er hÀtte nie gedacht, dass er als MinisterprÀsident solche Entscheidungen treffen muss. "Aber ich kann und will mich nicht wegducken."

"Das ist ein Charaktertest fĂŒr Bayern". Je entschlossener und konsquenter jetzt, umso besser die Chance, ZustĂ€nde wie in China und Italien zu vermeiden. "Es gibt auch Bayern nach Corona. Gotte schĂŒtze unsere Heimat und bleiben Sie gesund!", schließt er seine Rede.

Söder sagt: "NachbarlĂ€nder haben gezeigt, wie man umgehen kann." Ein deutscher Sonderweg sei auf Dauer nicht sinnvoll. "Bayern ist Grenzregion, deshalb haben wir besondere Herausforderungen". Man werde sich "1 zu 1 an Österreich anpassen". Er hatte mit Kanzler Kurz telefoniert.

Diese AllgemeinverfĂŒgung ĂŒber Ausgangssperren in der Seuche ist einstimmig angeordnet worden. Sie gilt ab heute Mitternacht auf die Dauer von zwei Wochen.

"Wir sperren Bayern nicht zu oder ein, aber wir fahren das öffentliche Leben nahezu vollstÀndig herunter", sagt Söder. Ab Samstag gilt:

  • Zuhause bleiben!
  • Keine Partys daheim
  • Keine Nachbarskinder einladen
  • Nicht zu "Ferienpartys" laden

zÀhlt Söder Beispiele auf. "Halten Sie Abstand von anderen und begeben Sie sich selbst in QuarantÀne, wenn Sie Symptome haben."

Aiwanger ĂŒber Wirtschaftshilfe
Soforthilfe an betroffenen Unternehmer, die nicht mehr liquide sind - beginnt bei 5.000 Euro fĂŒr Kleinunternehmer - seien ohne RĂŒckzahlung garantiert, sagt VizeprĂ€sident Hubert Aiwanger. SpĂ€testens am Dienstag werde das Geld auf den Konten landen. Hausbanken geben zudem "faire Kredite", fĂŒr welche der Staat bĂŒrgt.

In Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung, wo in der Krise dringend KrĂ€fte gebraucht werden, dĂŒrfen Kurzarbeiter eingesetzt werden. "Einkaufen alleine, nicht mit der Familie!", betont Aiwanger.

Bayern produziert selbst Schutzmasken
Viele Lieferketten seien unterbrochen. Es gibt zu wenig Schutzmasken. Statt AutositzbezĂŒge produzieren jetzt manche Betrieb Atemschutzmasken; ebenso Schneidereibetriebe, berichtet Aiwanger; sodaß bereits ab dem Wochenende mehrer zehntausend Masken in Bayern hergestellt werden können. Man denke selbst an die BettwĂ€sche, die fĂŒr AusweichkrankenhĂ€user, "Not-Hotels", eventuell benötigt wird.

Zur bedingten Ausgangssperre:

  • Jeder soll und kann zur Arbeit gehen, aber: Mindestabstand und wo es geht, Heimarbeit.
  • Arztbesuche erlaubt, aber nur in NotfĂ€llen, deshalb schließen Physiotherapeuten, LogopĂ€den, ErgopĂ€den.
  • Keine Betretungsrechte fĂŒr Altenheime und Kliniken; Ausnahmen: Sterbefall, Eltern Kinder besuchen, frischgebackener Vater zu Mutter und Kind.
  • Lebensmittelversorgung bleibt erhalten, aber "Keine HamsterkĂ€ufe".
  • Keine Bargeldabhebungen notwendig

Man werde unterbinden, dass in der Krise auslÀndische Unternehmen bayerische Betriebe "aufkaufen", erklÀren Söder ud Aiwanger. Auf die Eigenversorgung zu schauen, auf Autonomie sei jetzt wichtig.

Geschlossen haben ab morgen ĂŒber die bisherigen Stillegungen hinaus:

  • Gastronomie
  • Friseure
  • Bau- und GartenmĂ€rkte; letzere seien Orte des "Freizeittreffens" geworden, beklagt Söder.

Antworte zur bedingten Ausgangssperre auf Nachfrage der Journalisten

An die "frische Luft" zu gehen, mit dem Hund Gassi, mit den Kindern hinaus, draußen Sport zu treiben sei erlaubt - aber entweder  alleine oder mit der Familie (die sich eine Wohnung teilt), keinesfalls in Gruppen; keine geselligen ZusammenkĂŒnfte; keine Menschenansammlungen.

Auf die Polizei kommt eine große Belastung zu, dies alles zu kontrollieren. Innenminister Joachim Herrmann erklĂ€rt auf Anfrage, dass je nach Tatbestand Bußgelder bis zu 25.000 Euro verhĂ€ngt werden; die Polizeibeamte werden Gruppen kontrollieren. "Gerade an diesem schönen Wochenende sei es notwendig, weitere Infektionen zu minmieren", sagt Söder.

Nochmals auf Nachfrage: "Joggen oder SpaziergĂ€nge  im Wald ja, aber es dĂŒrfen sich keine Gruppen bilden", sagt Herrmann.

Der Vormittag:
 

Zweieinhalb Stunden zuvor hatte Lother Wieler, der PrĂ€sident des Robert-Koch-Instituts (RKI), ĂŒber die aktuelle Lage informiert. Er hielt es offenbar fĂŒr notwendig, der Öffentlichkeit zu erklĂ€ren, welche Kompetenz hinter seiner Einrichtung steht: ein Team von 100 Wissenschaftlern, ein internationaler Verbund mit anderen Instituten. Der Hinweis geht wohl an Zweifler und falsche Experten, die das Netz verseuchen. Wieler betont die UnabhĂ€ngigkeit des Instituts, es mĂŒsse niemandem dienen, um Geld zu verdienen. Es erfĂŒllt die Kernaufgabe des Landes: Krankheiten verhĂŒten, bekĂ€mpfen und ĂŒberwachen

Er wiederholte es, auch dem Letzten klarzumachen, dass der Grippevergleich nicht zieht.

Es hatte anfangs falsche Signale fĂŒr die Öffentlichkeit gegeben. Ende Januar zog Gesundheitsminister Jens Spahn bei der TV-Talksshow „Maybret Illner“ den Grippe-Vergleich und verbreitete Zuversicht. An seiner Seite die Virologin Melanie Brinkmann erklĂ€rte, dass das Coronavirus "nicht so ansteckend sei wie die Grippe". SpĂ€ter wird sie umlenken, den Kampf gegen Corona verteidigen, es als richtig bezeichnen, dass Fußballspiele ohne Zuschauer stattfinden.

Wieler nennt vier Punkt,um diesen gefÀhrlichen Grippevergleich aus dem Weg zu rÀumen

1.      FĂŒr Grippe gibt es kostenfreien Impfstoff, fĂŒr Corona nichts.

2.      FĂŒr Grippe gibt es Medikamente, die helfen und lindern, fĂŒr Corona nichts

3.      Bei der Grippe-Übertragung spielen vor allem Kindern eine Rolle, bei Corona alle Altersgruppen

4.      Corona ist deutlich ansteckender, breitet sich schneller aus, verursacht mehr Schwerkranke und Tote. „Es ist eine andere Dimension.“

SelbstverstĂ€ndlich wĂŒrde sich Wieler wĂŒnschen, dass die Menschen sich auch vor Grippe wirklich schĂŒtzen. Aber impfen lassen wĂŒrden sich derzeit nur 30 Prozent.

Er schildert die Dramatik:

 
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