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LĂŒgen-Netz

Wie sollen sich Wissenschaftler wehren?

Die Klimaschutzbewegung mit ihren Freitagsdemos belegt, dass die junge Generation den Warnungen der Wissenschaftler offenbar mehr glaubt als Populisten und Klimaleugnern. Trotzdem: Falsche Anschuldigungen im Netz treffen die Vertreter der Wissenschaft offensichtlich ebenso bis ins Mark wie "LĂŒgenpresse!"-Rufe die Vertreter der kontrollierenden SĂ€ule der Demokratie, die Journalisten.

Uns hat man an die Hand gegeben, den Anschuldigungen mit Transparenz zu begegnen, zu erklĂ€ren wie ein Journalist arbeitet; die Lesenden mitzunehmen, damit sie die AnsprĂŒche und Herausforderungen dieses Berufs im Dienst fĂŒr eine demokratische Gesellschaft kennenlernen.

Wie sollen die angegriffenen Wissenschaftler und deren FĂŒhrung damit umgehen?

Dieser Frage ist am 20. und 21. Februar an der Uni Passau eine öffentliche Tagung gewidmet. Betroffene und Beschlagene kommen zu Wort. Thema: „Absender unbekannt: Wie soll die Wissenschaft mit anonymen hinweisen und Anschuldigen umgehen?“

Journalisten hĂ€tten eine schnelle Antwort fĂŒr die analoge Handhabe: „Papierkorb!“ Anonyme Zuschriften, deren durchschaubare Absicht falsche Anschuldigungen und Beleidigungen sind, werden nicht verwertet, nicht veröffentlicht. Aber auf den sozialen Plattformen (irrefĂŒhrend "soziale Medien" genannt) fehlt die journalistische Instanz, die den giftigen GedankenmĂŒll entsorgt. Die Filter und Kontrollen der privatwirtschaftlich betriebenen US-Datenkraken erweisen sich weitgehend als untauglich. Deshalb lautet die Empfehlung von Kolleginnen und Kollegen: Sich aktiv im Netz beteiligen, sichtbar werden. Das Netz aus der Schieflage bringen.

Könnte das ebenso ein Ansatz fĂŒr die Vertreter von Forschung und Wissenschaft sein, sich mehr im Netz einzubringen, Widerspruch einzulegen, AufklĂ€rung zu betreiben, dafĂŒr Zeit zu opfern?

„Forschung ist in der Regel hoch innovativ, zum Teil spekulativ und mit unsicherem Ausgang verbunden.“ Deshalb sei das System „Wissenschaft“ fĂŒr anonyme Hinweise oder Anschuldigungen besonders anfĂ€llig. Es könne schwerwiegende Konsequenzen fĂŒr die Betroffenen haben, heißt es in der Uni-Pressemitteilung.

In einem Kurzfilm zur Veranstaltung hat Kathrin Haimerl, Referentin fĂŒr Forschungskommunikation, drei Beispiele aufgegriffen. Zwei Angriffe aus der mutmaßlich linken Ecke: Eine Islamwissenschaftlerin betitelt ihre Konferenz „Das islamische Kopftuch: Symbol der WĂŒrde oder UnterdrĂŒckung?“ – man wirft ihr Rassismus vor und fordert ihre Entlassung. Ein Fall aus Berlin: Ein geplantes Forschungszentrum sei nicht gebaut worden, weil der Initiator von der Studentenschaft anonym als Rechtsradikaler gebrandmarkt worden ist. Das dritte Beispiel soll offenbar zeigen, dass Wissenschaft doch kritisch auf den PrĂŒfstand zu stellen ist: Ein anonymer Hinweisgeber ließ einen Physiker auffliegen, der offensichtlich bewusst mit gefĂ€lschten und simulierten Daten manipuliert hat.

21 Vertreter aus Wissenschaft, Forschung, Politik und Medien, zehn MĂ€nner und elf Frauen, werden bei der Tagung auftreten. Ort: Hörsaal 13, GebĂ€ude der FakultĂ€t fĂŒr Informatik und Mathematik (Innstraße 33), UniversitĂ€t Passau.

Hier der Kurzfilm zur Veranstaltung:



Das Thema bleibt schwierig, denn im Netz wird jeder abwegige Gedanke, jeder von Frust oder Hass gelenkte Angriff zum weltöffentlichen Beitrag und kann sich wie ein Virus ausbreiten. WĂ€hrend die breite, vernĂŒnftige Masse sich in den sozialen Netzwerken mehr als Zuschauer denn aktiv beteiligt, sind es augenscheinlich Vertreter bildungsferner Schichten und PharisĂ€er, die sich eifrig des digitalen Sprachrohrs bedienen und fĂŒr hohe LautstĂ€rke sorgen.

Was erschwerend hinzukommt: Journalisten, nach Klickzahlen und Aufmerksamkeit heischend, heben bisweilen belanglose, kĂŒnstliche ErregungszustĂ€nde aus dem Netz auf ihre Medienplattformen - und verleihen diesen Gewicht.


hud
 

 
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