Montag, 16. Mai 2022
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Passauer Land >> Dienstag, 11. März 08

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Der Beweis: Wahlkampf-Brief und PaWo-Interview tragen denselben Titel und zeigen dasselbe Foto.
Medienskandal

Stichwahl: Wie sich OB Zankl die Presse kauft

Im letzten Moment versucht Oberbürgermeister Albert Zankl (CSU) das Ruder für die kommende Stichwahl rumzureißen. „Ja, ich habe verstanden!“, schreibt er in einem Brief an alle Haushalte in Passau. Unter demselben Titel wird in der aktuellen Ausgabe der Passauer Woche ein gefälliges Zankl-Interview veröffentlicht. Dahinter verbirgt sich ein Medien-Skandal: Die Redaktion* ließ sich für diesen Beitrag kaufen!

 Die Veröffentlichung in der PaWo (Ausgabe11, Seite 7 und 9) verwirrt selbst geübte Leser. „Interview“ und „Leserforum“ werden auf zwei ganzen Seiten so präsentiert, als hätte ein Redakteur den Stift geführt und Beiträge aus der Leserbrief-Post ausgewählt. Es ist bekannt, dass sich PaWo-Redaktionsleiter Stefan Brandl mit OB Albert Zankl kurz zuvor im Scharfrichterhaus getroffen hat.

Wer genau hinschaut, entdeckt oben rechts klein gedruckt das Wörtchen „Anzeige“. Die gekaufte Redaktion* war dem amtierenden Rathaus-Chef (oder seinen Gönnern) einen vierstelligen Betrag** wert. Auch auffällig: Der Parteiname CSU wird auf der ganzen Seite kein einziges Mal erwähnt.

 Die Leserbriefe sind natürlich „bestellt“. Die „Geschäftsleitung und Mitarbeiter der Event GmbH“ dürfen sich über SPD-Herausforderer Jürgen Dupper auslassen, ein Hubert Leister aus Haidenhof lobt, wie "geradlinig und tatkräftig" Zankl sei und ein Heininger namens Helmut Herrmann rügt seine Mitbürger, dass sie die Verdienste der CSU bei der Wahl nicht würdigten.

Wer hat sich diese plumpe und durchschaubare Wahlwerbung bloß ausgedacht? Zankls persönlicher Werbeagent und gescheiterter Stadtratskandidat Alexander Wösner (CSU) oder gar der Herr Chefredakteur Stefan Brandl selbst? Für eine Stellungnahme war letzterer noch nicht erreichbar.

„Ja, wir haben verstanden!“ – mit welch faulen Tricks uns Albert aufs Kreuzchen legen will. Warum sich Journalisten von der Politik kaufen lassen, das verstehen wir allerdings nicht.
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*"Redaktion" nennt sich im Interview der Fragesteller, der von sich behauptet "Wir haben nachgefragt... ".

**Normalpreis 1/1 für Passau-Ausgabe rund 3.919 Euro.