Freitag, 06. Dezember 2019
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Bayern >> Dienstag, 03. Dezember 19

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Mansarde, zehn Quadratmeter, Wohn- und Schlafraum für Zwei; Teetassen am Heizkörper; Ladekabel am Bett. Verlassenes Zimmer von Abgeschobenen. /Archivfoto: mediendenk)
Heute Abschiebeflug nach Afghanistan

Im Passauer Polizeiwagen weint sich 22-J├Ąhriger die Augen aus

Heute am sp├Ąten Abend startet in M├╝nchen wieder ein Flugzeug f├╝r die Deportation von jungen M├Ąnnern nach Afghanistan. Passauer Polizeibeamte sind in den Einsatz eingebunden und ungl├╝cklich ob der Aufgabe, die sie zu erf├╝llen hatten.

"Keine Abschiebungen mehr, au├čer es handelt sich um Verbrecher!", fordern mittlerweile Politiker im Bayerischen Landtag. Sie sind es leid, dass nach Hilferufen aus der Bev├Âlkerung ein Fall nach dem anderen als Petition aufschl├Ągt.

Auf dem R├╝cksitz eines Passauer Polizeiautos weint sich ein 22-j├Ąhriger Bursche die Augen aus. Die Beamten sind mit Mohammed F. auf der Fahrt zum Flughafen nach M├╝nchen, wo nach 21 Uhr der Flieger nach Kabul abhebt. Den Uniformierten bricht es selbst das Herz. Sie haben dem Ungl├╝cklichen sein Handy nicht weggenommen, warum auch, er ist kein Verbrecher. Verzweifelt telefoniert der In-Ausreise-Gewahrsam-Genommene, so die Bezeichnung f├╝r den Festgenommenen, mit seiner Lehrerin in Vilshofen. Sie versucht ihn zu tr├Âsten, obwohl sie wei├č, dass sie ihm nicht mehr helfen kann. F. ist als Minderj├Ąhriger nach Deutschland gekommen, lebt seit mehr als drei Jahren bei uns. Er hatte Berufsaussichten in Maler- und Landwirtschaftsbetrieben. Dutzende Landsleute treffen heute solche Abschiebefahrten.

Stephan Theo Reichel, Gesch├Ąftsf├╝hrer des Vereins ÔÇ×Kirche und AsylÔÇť, hat mit einem der Passauer Beamten, der die Abschiebung durchziehen musste, gesprochen. Dieser soll gesagt haben "des is doch a netter, guader Bua.ÔÇť Man verstehe es nicht.

Es spielen sich von den Blicken der Gesellschaft verborgen menschliche Dramen ab. Die M├Ąnner und Frauen, welche die Zugriffe und Deportationen ausf├╝hren m├╝ssen, leiden oft selbst psychisch unter den Zwangsma├čnahmen, die sie durchf├╝hren m├╝ssen. Dem aktuellen Magazin, das Mitte der Woche erscheint, haben wir den grausamen Abschiebungen eine eigene Strecke gewidmet: "Geschichten, die wir nicht lesen wollen."

Wenn Nachbarn, Schuldirektoren, Kinderg├Ąrtnerinnen oder Arbeitgeber gegen die Abschiebung von Gefl├╝chteten sich wehren, ja f├╝r diese Unbescholtenen und Integrierungswilligen buchst├Ąblich b├╝rgen, dann darf nicht der Paragraph eines Asylgesetzes oder der Mangel eines vern├╝nftigen Einwanderungsgesetzes die Rechtfertigung f├╝r menschliches Unrecht sein.

Die Recherche hat den Reporter ersch├╝ttert. Es stehen M├╝tter vor der Abschiebung mitsamt ihren Kindern, die hier geboren worden, mit der deutschen Sprache aufgewachsen sind; Frauen, die sich in Altenpflege ausbilden lassen, um der Gesellschaft zu dienen. Bestimmte Politiker dagegen sprechen von "Aufenthaltsverfestigung", die es zu vermeiden gelte. Wie passt das zusammen mit den Integrationsleistungen, welche die Angekommenen erbringen sollen?

"Dieses Unrecht muss aufh├Âren!", sagt Reichel als einer von vielen Kritikern. Innenminister Herrmann tue so, als handle sich bei jedem Abgeschobenen um einen Kriminellen.

Tatsache ist, wer als Gefl├╝chteter zur├╝ckkehrt, wird in Afghanistan wie ein Krimineller behandelt. Deshalb haben die jungen M├Ąnner solch panische Angst, verstecken sich, unternehmen im letzten Moment Fluchtversuche vor der Polizei. F├╝r die Taliban z├Ąhlen sie als Verr├Ąter.

Es steht heute Abend die 30. Sammelabschiebung nach Afghanistan bevor. Bei der Innenministerkonferenz in L├╝beck will Horst Seehofer morgen f├╝r eine ÔÇ×deutliche Zunahme der AbschiebungenÔÇť werben.

ÔÇ×Wir m├╝ssen f├╝r ihre Sicherheit sorgen und d├╝rfen sie nicht zur├╝cklassen, wenn wir abziehenÔÇť, hat ein Pressesprecher der Bundeswehr vor sieben Jahren im Milit├Ąrst├╝tzpunkt Kunduz gesagt. Er sprach von den vielen Afghanen und deren Angeh├Ârige, welche im Lager arbeiteten oder drau├čen als Kontaktleute oder Dolmetscher die Bundeswehrsoldaten unterst├╝tzten, ihr eigenes Leben riskierten. Davon spricht heute keiner mehr.

Der Vertreter on "Kirche und Asyl" schreibt heute angesicht der aktuellen menschlichen Deportationsdramen an Innenminister Herrmann: "Setzen Sie ein Zeichen der Menschlichkeit im Weihnachtsfrieden. Kehren Sie um. Das Verst├Ąndnis und die Dankbarkeit der Kirchen, der Ehrenamtlichen, der Zivilgesellschaft und der gro├čen Mehrheit der Bayern wird Ihnen sicher sein. Es ist Advent."

 
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