Freitag, 06. Dezember 2019
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Lokalnachrichten >> Donnerstag, 21. November 19

Digitales Drama

B√ľrgerblick, die Post und die Commerzbank

Es gibt Tage im Leben, da bricht vieles zusammen. Dem Reporter wird das Herz schwer, weil er sich mit den Schicksalen von Menschen besch√§ftigt, die von grausamen Abschiebungen betroffen sind. Zugleich wundert er sich, dass sein Konto in die tiefroten Zahlen l√§uft und sein Sachbearbeiter bei der Bank auf Tauchstation gegangen ist (oder seinen Job verloren hat). 

Da die pers√∂nlichen Kontakte zum Kundenberater im digitalen Zeitalter immer schwieriger und seltener geworden sind, hier die Nachricht, die er heute abgesendet hat. Transparenz ist f√ľr den Journalisten ohnehin oberste Pflicht und f√∂rdert Vertrauen. Das Vertrauen in die digitale Zukunft jedoch wankt. Lesen Sie selbst:

"Hallo Herr XY von der Commerzbank in Hamburg*,

(vermutlich sind Sie dem Personalabbau zum Opfer gefallen, da ich Ihren Kontakt nicht mehr anw√§hlen kann). Gr√ľ√üe aus Niederbayern! Beim Mittagstisch habe ich festgestellt, dass meine Kontokarte offenbar gesperrt ist. Ich denke es hat damit zu tun, dass der Dispo von XXXXX Euro √ľberschritten worden ist.

Bevor schädliche Lawinen und Schufa-Einträge ausgelöst werden, folgende Info: Seit 9. Oktober sind alle Ausgangsrechnungen durch einen Software- Update bei der Post, der bis zum 5. November fehlerbehaftet war, im digitalen Ausgangskorb liegen geblieben und nicht versendet worden. Ich bin Kunde des digitalen Systems E-Post-Now, jetzt E-Post-Mailer.

Mir selbst war der Fehler nicht aufgefallen und ich hatte mich tagtäglich gewundert, warum die Zahlungseingänge komplett ausbleiben und dachte schon an eine Verschwörung. Journalisten sind bekanntlich nicht sehr beliebt.

Erst gestern habe ich mit einem Fachmann der Post-Software den Fehler beheben k√∂nnen und es sollten, wenn nicht alle das 30-t√§gige-Zahlungsziel abwarten, in K√ľrze wieder Gelder eingehen. Bis dahin darf sich Ihre Kaffeekasse (oder die Ihrer noch anwesenden Geldwirtschaftenden) freuen, zus√§tzliche Zinsen zu vereinnahmen.

Die neuen digitalen Telefonsysteme Ihres Unternehmens lassen es leider nicht mehr zu, dass ich Sie direkt anrufe. Ich lande stets bei der Hotline in Frankfurt. Das ist in solchen Fällen ärgerlich und nicht förderlich.

Beste Gr√ľ√üe aus Passau, sie k√∂nnen mich jederzeit anrufen rund um die Uhr: 0171 XXX XXXX.

Hubert Jakob Denk

Nachtrag: Die Hotlineschleife hat den nach seinem Kundenbetreuer Kontaktsuchenden, um die Sachlage zu erkl√§ren, wiederholt nach Frankfurt bef√∂rdert. Dort hat heute ein Herr XY, ein geb√ľrtiger Brandenburger, der in drei Wochen in Pension geht, versprochen hat, dass ein den Personalabbau √úberlebender sich zeitnah melden wird. Das l√§sst hoffen. Mehr als √ľber seinen Kontostand, einem vor√ľbergehenden Zustand, ist der Absender traurig dar√ľber, dass viele Besch√§ftigten seiner *Hausbank, deren Kunde er als junger Reporter in Hamburg geworden ist, die ihn in guten und in schlechten Zeiten begleitet hat, unwiderruflich ihren Job verlieren.

PS: Keine Angst, B√ľrgerblick hat schon schlimmere Tiefs √ľberstanden. Wenn Sie jedoch zu den zahlungss√§umigen Kunden geh√∂ren, viele sind das beispielsweise durch eine verlegte Abonnentenrechnung ungewollt, empfangen wir Ihre √úberweisung mit der Freude eines verfr√ľhten Weihnachtsgeschenks.

 

 
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