Freitag, 22. November 2019
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Bayern >> Samstag, 12. Oktober 19

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Symbolbild: italienisches Mixgetränk, mit Kräuterlikör aus Rhabarber und Bitterorange.
Dubiose Geld├╝bergabe

Das Passauer Nachtleben und die Provinzmafia

Was steckt hinter der  geplatzten Geld├╝bergabe auf der H├Ąngebr├╝cke? Welche Rolle spielt  in diesem Provinzkrimi  der Betreiber eines italienischen Stra├čencaf├ęs? Warum waren es genau 70.000 Euro? Wie glaubw├╝rdig  sind die Geschichten, welche die Beteiligten auf der Br├╝cke und mutma├čliche Hinterm├Ąnner liefern?

Die Passauer Kriminalpolizei  hat zu diesem dubiosen Erpressungsfall  noch lange nicht alle  Zeugen angeh├Ârt. Mangels offizieller Erkenntnisse der  Ermittler sind die Lokalbl├Ątter in der Sichtweise davon eingef├Ąrbt, wie die Redakteure zu den Beteiligten stehen. 

  • Der PNP-Redakteur scheint von der Unschuld  des Stra├čencaf├ęwirtes ├╝berzeugt zu sein. Er l├Ąsst ihn erz├Ąhlen, dass er vermutlich von Neidern angeschw├Ąrzt werde, er sich keinen Reim  auf die Sache machen kann, er die Hintergr├╝nde nicht kenne. Dazu muss man wissen: Dieser Lokaljournalist hat bis dato f├╝r diesen Szenewirt viele nette Geschichten geschrieben, die dessen Eitelkeit schmeicheln; zuletzt vom goldenen Klodeckel der G├Ąstetoilette.
     
  • Bewusst oder mangels besseren Wissens bezeichnet der PNP-Schreiber den mutma├člichen  Erpresser auf der H├Ąngebr├╝cke ebenfalls als "Szenewirt". In Wirklichkeit handelt  es sich um einen Bediensteten aus dem Nachtleben, dem ehemaligen T├╝rsteher eines  Nachtlokals. Dies legt eher die Vermutung nahe, dass dieser als Handlanger gedient hat.
     
  •  Der Redaktionsleiter vom sonnt├Ąglichen Wurfblatt "Am Sonntag" wird den Fall  in der morgigen Ausgabe wahrscheinlich aus einem anderen Blickwinkel  betrachten. Er ist mit einem Szenewirt befreundet, der an der mutma├člichen  Erpressung und der Geld├╝bergabe nicht beteiligt, aber nach eigenen Angaben  in viele  Details eingeweiht ist. Denn er wiederum ist befreundet mit dem  mutma├člich Erpressten, der sich nach seiner Schilderung offenbar mit dem Wirt  des italienischen  Stra├čencafes angelegt hatte. Es soll zwei Wochen zuvor zu  einem  k├Ârperlichen ├ťbergriff gekommen sein, ein Schubser in Rage, der  Geschubste angeblich der Wirt. Schauplatz der "Bedrohung" war das  Getr├Ąnkelager der  italienischen Stra├čenbar. Es gab einen Polizeieinsatz und  mahnende Worte.

Wenn man diesem Zeugen, der bis dato von der Kriminalpolizei noch nicht angeh├Ârt worden ist, Glauben schenkt, dann steckt hinter der Geld├╝bergabe auf der H├Ąngebr├╝cke eine abenteuerliche Vorgeschichte. Sie dreht sich darum, dass der Wirt der kleinen, augenscheinlich sehr florierenden Stra├čenbar fieberhaft gr├Â├čere R├Ąume sucht. Sie sollen nach seinen Vorstellungen in unmittelbarer N├Ąhe des bestehenden Lokals liegen, weil der Standort  sich als umsatzstark und, wie der Autor dieser Zeilen anf├╝gt, ideal f├╝r dieses spezielle Szenepublikum erwiesen hat: Protzige Sportwagen, man will ja gesehen werden, lassen sich in Sichtweite parken. 

Nach der Erz├Ąhlung des Eingeweihten sei die Sache wie folgt eskaliert: Der Wirt des italienischen Stra├čencafes sei zun├Ąchst auf die R├Ąume seines Lokals scharf gewesen, das wenige H├Ąuser entfernt liegt. Doch der Versuch einer feindlichen ├ťbernahme, angeblich waren faule Tricks im Spiel, sei misslungen. Dann h├Ątten sich leerstehende R├Ąume in einem Nachbarhaus aufgetan. Hier wiederum sei der expansionsw├╝tige Szenewirt bei der Hausbesitzerin abgeblitzt. Nach Gesch├Ąftspleiten und einer privaten Insolvenz hat er verst├Ąndlicherweise nicht bei allen den besten Ruf. 

Ohne weitere Details zu kennen, schlie├čt sich der Kreis wie folgt: Der mutma├čliche Erpresste, der unter Polizeibewachung best├╝ckt mit pr├Ąparierten Geldscheinen in H├Âhe von 70.000 Euro zur Geld├╝bergabe auf der H├Ąngebr├╝cke erschien, ist der Sohn der Hausbesitzerin, die angeblich den Szenewirt als Mieter nicht haben wollte. Die Auseinandersetzung im Getr├Ąnkelager k├Ânnte der Schl├╝ssel f├╝r die mutma├čliche Erpressung sein.  

Wer sich nicht selbst die Finger schmutzig machen will, das lernt man bei jedem Mafiafilm, setzt Handlanger ein. Das w├╝rde erkl├Ąren, wie ein T├╝rsteher  bei der Geld├╝bergabe ins Spiel kommt.  Aber  je nachdem, welchen Erz├Ąhlungen man glaubt, kann der Hintergrund dieser mutma├člichen Erpressung ein ganz anderer gewesen sein.

Die Kripobeamten brauchen Zeit, aber die Zeitungsleute, von der Neugierde  der Leser getrieben, haben sie nicht. Sie brauchen zu diesem Fall schnelle Geschichten.

Der Szenewirt der italienischen Stra├čenbar ist heute hinter der Theke wie immer gestanden, als w├Ąre nichts geschehen. F├╝r Reporterfragen hatte er keine Zeit. Die Terrasse war wie sooft rammelvoll. Er lie├č sich die Telefonnummer geben, aber der versprochene R├╝ckruf blieb aus.

 
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