Montag, 16. September 2019
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Lokalnachrichten >> Dienstag, 23. Juli 19

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Im aktuellen Sommerheft haben wir dem gefährdeten Wohnhaus "Wörthstraße 7" eine fünfseitige Reportage mit Bildern gewidmet. (Foto: mediendenk)
Offener Brief an Klinikumsleitung

Wollen Sie das wirklich abreißen, Herr Nowack?

Nach dem 500 Jahre alten Holzhaus am Linzer Tor droht in Passauer ein wunderbares intaktes Geb√§ude aus den Goldenen Zwanziger Jahren zu fallen: ein schloss√§hnliches Wohngeb√§ude in der W√∂rthstra√üe. Die Verantwortlichen verstecken sich hinter vorgeschalteten Pressestellen, welche erfahrungsgem√§√ü mitunter als Sprachrohre f√ľr Halbwahrheiten und Sch√∂nf√§rbereien agieren. Der Journalist greift deshalb zum Instrument des offenen Briefes. Politiker missbrauchen diesen oft, um mit medialem Beistand vorzupreschen; im Journalismus sorgt er f√ľr klare Ansprache und Transparenz.

Dieser offene Brief richtet sich an den Leiter des Klinikums Passau, Stefan Nowack, der die Eigent√ľmerin vertritt und √ľber die Zukunft des Geb√§udes entscheiden kann. In der aktuellen Sommerausgabe des Magazins widmen wir uns diesem leerstehenden Wohnhaus mit einer bebilderten Reportage; man k√∂nnte es auch Liebeserkl√§rung nennen.   

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Seit 2015 Leiter des Klinikums Passau: Stefan Nowack, Jahrgang 1959. (Foto: Tobias Köhler, mediendenk):
‚ÄěSehr geehrter Herr Stefan Nowack,

das Wohnhaus W√∂rthstra√üe 7, ein charmanter Zeitzeuge der Passauer ‚ÄěGartenstadt‚Äú aus den 1920er Jahren, den Sie im zweiten Jahr ihres Amtszeit, am 3. August 2017, f√ľr 1,32 Millionen Euro erworben haben, wollen Sie abrei√üen lassen.

Wie begr√ľnden Sie diesen Schritt?

In M√ľnchen gibt es hervorragende Beispiele wie alte Bausubstanz f√ľr neue Funktionen erhalten und eingebunden wird. Angesicht der Klimakrise besteht geradezu die Pflicht, verantwortungsvoll mit den Ressourcen umzugehen. Stichwort ‚Äěgraue Energie‚Äú. Hinzu kommt, dass historische Architektur die Menschen oft mehr anspricht als die sich wirtschaftlichen Kriterien unterordnende moderne.

Wie lässt sich unter diesen Aspekten der Abriss dieses Objektes rechtfertigen?

Ist es richtig, dass neu eingebaute Etagenheizungen, Gastherme, unter Ihrer Verantwortung wieder ausgebaut worden sind? Das Geb√§ude scheint bewusst in einen unbewohnbaren Zustand zur√ľckgef√ľhrt worden zu sein.

Was entgegnen Sie dem Vorwurf, dass Sie wertvollen Wohnraum vernichtet haben?
Wie viele Mietsparteien haben das Haus bewohnt? Wann wurden die ersten K√ľndigungen ausgesprochen?

Das ansprechende Wohngeb√§ude mit seinen hohen R√§umen, durchdachte Fenstertechnik, umgeben von Gartenparzellen, w√ľrde sich hervorragend als Personalhaus im wachsenden Klinikviertel eignen; ebenso als bezahlbarer Wohnraum f√ľr Familien der Besch√§ftigten.

Was entgegnen Sie dieser Betrachtung?

Urban Mangold, Vizeb√ľrgermeister, und Matthias Koopmann, Stadtrat, hatten f√ľr die morgige Werkausschusssitzung Ihres Klinikums den Antrag gestellt, die Abrisspl√§ne zu stoppen und die Angelegenheit dem Stadtrat zur Entscheidung vorzulegen. Ihr Amt erm√§chtigt sie jedoch, Gesch√§fte bis zu einem Umfang von 150.000 Euro ohne R√ľcksprache abzuwickeln; die Abrisskosten werden diese H√∂he nicht erreichen.

Wollen Sie in diesem brisanten Fall Ihr Recht auf eigenm√§chtige Entscheidung wahrnehmen oder diese Entscheidung aus eigenen St√ľcken in die H√§nde derer geben, die den Volksouver√§n vertreten?

Dazu die Anmerkung: Das Wohnhaus befindet sich seit sp√§testens 1939 im Besitz der Stadt Passau und deren T√∂chtergesellschaften, also im Eigentum der B√ľrgerschaft.

Die Antragsteller Mangold und Koopmann, beide keine Vertreter des Klinikum-Werksausschusses, sind nicht formell in die morgige Ausschusssitzung eingeladen worden, obwohl dies nach Gesch√§ftsordnung der Stadt √ľbliches Vorgehen w√§re. Zumal dem Antragsteller die Gelegenheit gegeben werden sollte, seinen Antrag m√ľndlich zu verfechten. Es dr√§ngt sich der Eindruck auf, die ‚Äěunliebsamen‚Äú K√§mpfer f√ľr den Erhalt dieses Geb√§udes seien bewusst √ľbergangen worden. Ob Antragsteller zur Sitzung eingeladen werden, entscheidet letztendlich der Oberb√ľrgermeister.

Warum und vor allem wer ist von dem √ľblichen Prozedere abgewichen, die Antragsteller zur Sitzung einzuladen?  

Anm. d. Red: Mangold hat als Vizeb√ľrgermeister automatisch Kenntnis von der Sitzung mit Tagesordnung erhalten; Koopmann hat die fehlende Einladung im OB-B√ľro schriftlich angemahnt und gebeten, den Mangel zu heilen, diesen Tagesordnungspunkt auf die n√§chste Sitzung zu verschieben. Diesem Wunsch ist stattgegeben worden. Der Antrag zum Erhalt des Hauses ‚ÄěW√∂rthstra√üe 7‚Äú ist auf den 21. Oktober verschoben worden.

Deshalb die wichtige Schlussfrage: Kann die √Ėffentlichkeit davon ausgehen, dass Sie bis dahin keine vollendeten Tatsachen schaffen, ihr Recht nicht in Anspruch nehmen, den Abriss eigenm√§chtig zu veranlassen?

Vielen Dank f√ľr Ihre Antworten, deren Eingang wir uns bis sp√§testens 20. August vorgemerkt haben."

Warum keine Denkmalw√ľrde f√ľr "W√∂rthstra√üe 7"?

W√§re das 100 Jahre alte Wohnhaus im Privatbesitz, es w√§re wohl l√§ngst in die Liste der Denkm√§ler aufgenommen und gesch√ľtzt worden. Als interesssanten Beleg, dass offenbar mit zweierlei Ma√ü gemessen wird,  f√ľhrt Historiker Koopmann einen Zeitgenossen an, Neuburgerstra√üe 90, ein ehemaliges Polizeigeb√§ude; selbe Bauzeit, √§hnliche Architektur. Dieses Haus strahlt weniger Anmut aus, hat wahrscheinlich durch Sanierungen an Detailreichtum verloren, steht aber unter Denkmalschutz. 

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Die Luftbildaufnahme von Google zeigt das Gebäude "Neuburgerstraße 90", ähnlich der "Wörthstraße 7", ebenfalls aus den 1920er Jahren; weniger anmutig, aber es steht unter Denkmalschutz.
Der neue Stadtheimatpfleger Herbert Wurster, Mitverfasser der zweib√§ndigen Passauer Denkmaltopograhie 2014, w√§re gefordert, Kraft seines Amtes alles zu unternehmen, damit das gef√§hrdete Geb√§ude aus den Goldenen Zwanzigern in die Denkmalliste aufgenommen wird. Koopmann und Mangold sind mit ihrem ersten Versuch bei der Landesdenkmalpflege in M√ľnchen gescheitert. Jetzt w√§re genug Zeit f√ľr reifliche √úberlegungen bis zur Klinikum-Werksausschusssitzung im Herbst. Und M√ľnchen muss abw√§gen und entscheiden, ob der ‚ÄěW√∂rthstra√üe 7‚Äú nicht die selbe Wertsch√§tzung zuteil werden sollte wie der ‚ÄěNeuburger Stra√üe 90‚Äú.

‚ÄěDenkmalschutz ist unser Dank an die Vergangenheit, die Freude an der Gegenwart und unser Geschenk an die Zukunft‚Äú, schreibt Gottfried Kiesow, Mitbegr√ľnder und langj√§hriger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Der Autor f√ľgt an: Denkmalschutz ist auch Klimaschutz, denn alte Bausubstanz bindet wertvolle Energie. Nur der T√∂richte verwandelt diese in Staub und Schutt.

Hubert Jakob Denk

Am 22. Juli, nach f√ľnf Tagen ohne Best√§tigung des Eingangs und Reaktion, nach einem Telefonat, bei dem die Pressesprecherin erbost den H√∂rer auflegte, weil sie eine Nachfrage unsachlich empfang, kam eine Antwort, die nur auf die letzte der sieben Fragen eingeht und darauf schlie√üen l√§sst, dass der Klinikumsleiter in seiner Kompetenz, was Entscheidungs- und Meinungsfreiheit belangt, beschnitten ist.

‚ÄěIn der √∂ffentlichen Werkausschuss-Sitzung am vergangenen Donnerstag, an der Sie auch teilgenommen haben, hat OB J√ľrgen Dupper die Beratung dieses Punktes auf die n√§chste Sitzung im Oktober vertagt und gleichzeitig zugesagt, dass bis zu diesem Zeitpunkt keine Fakten geschaffen werden, das hei√üt, kein Abriss stattfinden wird. Daran halten wir uns. Zum momentanen Zeitpunkt k√∂nnen wir deshalb nicht mehr zu dieser Angelegenheit sagen.‚Äú

Die "unsachliche" Frage war, ob die Pressesprecherin "von oben" angewiesen worden sei, den Eingang des Fragenkatalogs zu ignorieren.

Journalismus ist Dienstleistung an der Gesellschaft. Dieser Beitrag wurde kostenlos f√ľr die Netzgemeinde erstellt.
Aufwand: sechs Stunden; f√ľr Recherche, Stoffsammlung, Telefonate mit Protagonisten; Grundbuchregister, verfassen.

 

 

 

    

 

 

 



    

 
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