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Lokalnachrichten >> Sonntag, 06. Januar 19

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Bundespolizisten auf dem Weg zur Einreisekontrolle am Passauer Hauptbahnhof. (Archivfoto: mediendenk)
Tod am GĂŒterzug

Abgelehnter FlĂŒchtling stirbt bei Ausweiskontrolle

Passau - Ein ostafrikanischer FlĂŒchtling ist am frĂŒhen Morgen im Passauer Hauptbahnhof beim Sprung auf einen GĂŒterzug zu Tode gekommen. Nach Darstellung der Bundespolizei war der 30-jĂ€hrige Mann aus Somalia bei einer Ausweiskontrolle am Bahnsteig unvermittelt davongelaufen. 

Die Tragödie ereignete sich gegen 7.40 Uhr auf Bahnsteig 1. Ob oder mit welchem Zug der zu Tode Gekommene angereist ist, sei nicht bekannt, erklĂ€rt ein Sprecher der Bundespolizei. In seinem GepĂ€ck, das er bei der Flucht zurĂŒckgelassen hat, sei spĂ€ter ein Ticket von Hamburg nach MĂŒnchen gefunden worden. Seit die Einreisekontrollen angeordnet sind, wird am Passauer Hauptbahnhof von Beamten der Bundespolizei der Zugverkehr ins Inland kontrolliert. 

Vier Augenzeugen unter Schock
Am Bahnsteig waren vier Menschen unmittelbar Zeugen der Tragödie geworden: die beiden kontrollierenden Bundespolizisten, ein Beamter und eine Beamtin, sowie zwei Reisende. Letztere hatten nach Darstellung der Bundespolizei noch versucht den UnglĂŒcklichen, dessen Kleidung sich an einem der Waggons verfangen hatte, einzuholen, um ihn loszureißen. Alle Zeugen stĂŒnden unter Schock, die beiden Beamten seien vom Dienst befreit und wĂŒrden - ebenso wie die Reisenden - von einem Psychologen betreut, berichtet der Bundespolizeipressesprecher.

Nachtrag: Nachdem die Zeugen von der Kripo angehört worden sind, berichtet der Pressesprecher der Polizeidirektion Niederbayern, dass keiner der am Bahnsteig Anwesenden versucht hĂ€tte, einzugreifen. Dies sei wohl schon allein wegen der Geschwindigkeit des GĂŒterzugs nicht möglich gewesen. 

GepĂ€ck des VerunglĂŒckten nach Sprengstoff untersucht
Nach dem "mutmaßlichen Suizid"* des GeflĂŒchteten sind dessen GepĂ€ck, ein Koffer und ein Rucksack, als potentiell gefĂ€hrlich eingestuft worden. Verbirgt sich darin etwa Sprengstoff? Um jedes Risiko auszuschließen, ließ die Bundespolizei den Hauptbahnhof rĂ€umen und forderte SpezialkrĂ€fte fĂŒr SprengstoffentschĂ€rfung vom MĂŒnchner Flughafen an. Bis diese Experten eingetroffen waren und Entwarnung geben konnten, vergingen drei Stunden; bis kurz vor 11 war der Passauer Hauptbahnhof gesperrt.

*Nachtrag: Die ermittelnden Kripobeamten gehen mittlerweile von einem Unfall aus. Die Darstellung "mutmaßlicher Suizid" war zunĂ€chst von der Bundespolizei verwendet worden, wohl als Schutzbehauptung, um das Stillschweigen zu diesem Vorfall gegenĂŒber der Presse zu rechtfertigen. Die Sperre des Hauptbahnhofs war lediglich mit der Gefahr durch einen "herrenlossen Koffer" erklĂ€rt worden. 

Kriminalpolizei ĂŒbernimmt Ermittlungen
Wie es zu der tödlichen Flucht gekommen ist, ermittelt die Kripo Passau. Nach Darstellung der Bundespolizei sei der Afrikaner zunĂ€chst offenbar gezielt auf die beiden Beamten zugegangen. Er habe einen "verwirrten Eindruck" gemacht und die Polizisten "wiederholt um Hilfe gebeten." Bei der anschließenden Ausweiskontrolle, "wĂ€hrend der Funkabfrage", dann die ĂŒberraschende Reaktion. Die Beamtin habe den FlĂŒchtenden laut Polizeibericht aufgefordert, stehen zu bleiben. Doch dieser habe – sein GepĂ€ck zurĂŒcklassend – versucht, auf den auf Gleis 1 aus Österreich einfahrenden GĂŒterzug zu springen. Der LokfĂŒhrer hielt planmĂ€ĂŸig im GĂŒterbahnhof an. Vom UnglĂŒck hatte er nichts mitbekommen. Der VerunglĂŒckte, der tödliche Kopfverletzungen erlitten hat, konnte erst geborgen werden, nachdem der GĂŒterzug eineinhalb Kilometer weiter zum Stillstand gekommen war.

Nach ersten Ermittlungen der Kripo handelt es sich bei dem 30-jĂ€hrigen Toten um einen abgelehnten Asylbewerber aus Somalia. Eine AuslĂ€nderbehörde in Schleswig-Holstein hatte ihm die Bahnfahrkarte von Hamburg nach MĂŒnchen zusammen mit einer unwiderruflichen AusreiseverfĂŒgung ausgehĂ€ndigt. Dies lĂ€sst verschiedene Annahmen zu: Wollte der Verzweifelte illegal nach Österreich gelangen oder angesichts der aussichtslosen Lage sein Leben beenden? 

In Somalia haben seit 1991 BĂŒrgerkrieg und DĂŒrre Hunderttausende Tote gefordert. Man geht von 800.000 Vertriebenen weltweit aus; in Kenia leben mit 320.000 Somalis mehr FlĂŒchtlinge als in der EU. 

hud

 
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