Donnerstag, 15. November 2018
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Strafanzeigen von NachtschwÀrmern

Was geschah frĂŒh um 5 Uhr am Ludwigsplatz?

„Ein gefundenes Fressen fĂŒr die Presse“, sagt ein Polizeipressesprecher. Mit einem Foto, das ein adrett gekleidetes Paar mit einem Bildausschnitt unterhalb der GĂŒrtellinie zeigt, lĂ€dt ein sonntĂ€gliches Wurfblatt die Meldung aus dem Polizeibericht sexuell auf: Der Mann packt mit der Rechten die Frau draufgĂ€ngerisch an der linken Pobacke, schiebt ihr seinen Zeigefinger zwischen ihre Beine.

So soll es gewesen sein frĂŒh morgens um fĂŒnf Uhr am Passauer Ludwigsplatz? Foto und Beschreibung sollen wohl an die Kölner Domplatte erinnern.

Was lĂ€sst sich ĂŒberhaupt sagen? Eine AchtzehnjĂ€hrige, die offensichtlich am Freitag um 5 Uhr frĂŒh alleine in der FußgĂ€ngerzone zwischen dem Nachtklub „Frizz“ und dem Einkaufszentrum „Stadtgalerie“ unterwegs war, meldete der Polizei, dass sie dort von „fĂŒnf mĂ€nnlichen Personen mit sĂŒdlĂ€ndischem Aussehen“ sexuell belĂ€stigt worden sei. Ob sie den Vorfall telefonisch meldete oder auf der Wache war, ist im Eintrag offensichtlich nicht explizit vermerkt. Es werde jedenfalls eine weitere Befragung geben, heißt es.

FĂŒr Ihre Aussage gibt es bisher keine weiteren Zeugen oder andere Hinweise. Der Polizeibeamte bezeichnet die 18-jĂ€hrige Anzeigenerstatterin als „Dame“ und gibt deren Aussage wie folgt wieder: „Sie umkreisten die Dame und berĂŒhrten diese unter anderem an der HĂŒfte und am Po. Die Frau konnte sich befreien und lief in Richtung FußgĂ€ngerzone davon, die MĂ€nner sollen sich in Richtung der Bahnhofstraße entfernt haben.“

Sie konnte sich „befreien“? Daraus zu schließen, dass sie festgehalten worden ist, sei falsch, stellt ein Polizeisprecher klar.

Um 5.18 Uhr, also eine gute Viertelstunde nach dem angeblichen Vorfall mit der AchtzehnjĂ€hrigen, erreichte die Polizei der Notruf eines 19-jĂ€hrigen Mannes, der sich in derselben Straße befand. Der afghanische Staatsangehörige behauptet, er sei von einem anderen Mann ins Gesicht geschlagen worden. Er zeigt leichte Verletzungen und die Beamten nehmen die Anzeige wegen Körperverletzung auf. Eine Beschreibung des SchlĂ€gers gibt es nicht im Bericht. Auch bei diesem Anzeigeerstatter stehen Befragungen noch an, heißt es heute.

Der diensthabende Polizeibeamte hat die beiden Ereignisse wegen der Zeit- und OrtsnĂ€he in einer Pressemeldung zusammengefasst. Seine darin gestellte Frage, ob die Körperverletzung mit dem Sexualdelikt zusammenhĂ€ngt, lĂ€sst Raum fĂŒr Spekulationen.

Festzuhalten ist, dass in allen Medienberichten falsche Formulierungen verwendet worden sind. Es werden Tatsachenbehauptungen aufgestellt, obwohl es in beiden FĂ€llen nur eine einzige Quelle, die Aussage der Anzeigenerstatter gibt. Deshalb suchen die Ermittler dringend nach weiteren Zeugen.

Dass SĂŒdlĂ€nder eine junge Frau "umkreist" und sexuell belĂ€stigt haben sollen, hebt den Nachrichtenwert fĂŒr bestimmte Medien. Sie hieven die Polizeimeldung auf die Titelseite.

Ohne weitere Zeugen ist entscheidend die GlaubwĂŒrdigkeit der Anzeigeerstatter. Die Berichterstatter lassen die nötige Distanz vermissen.

 
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