Freitag, 17. August 2018
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Meinung >> Sonntag, 10. Juni 18

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Andreas Scheuer stellt sich medienwirksam den Fragen der fußballbegeisterten und politisch interessierten Jugend: "Grill den Scheuer". (Quelle: BVMI)
Politik sucht Dialog mit der Jugend

Dürfen auch fußballspielende Flüchtlingsburschen Scheuer grillen?

Wie lenkt man sich am besten von privatem Ärger und Beziehungsstress ab? Abschalten und Party machen ist eine Möglichkeit. Andreas Scheuer, der berühmteste Passauer Politiker, hat netz- und fußballbegeisterte Jugendliche zur Grillparty in sein Ministerium nach Berlin eingeladen. Wie viele fußballspielende Flüchtlingsburschen es wohl auf die Gästeliste des CSU-Politikers schaffen?

Was das soziale Netzwerk anbelangt hatte Scheuer schon immer die Nase vorn. Als er 2002 Frischling im Bundestag war, eröffnete er im Netz für seine Anhänger ein Videotagebuch. Dass er sich auf rasanter Autobahnfahrt am Steuer filmte, war anfangs vielleicht keine so gute Idee, aber augenscheinlich kein Hindernis, um Verkehrsminister zu werden.

Das Handy, Taschenspiegel und Tor zur Welt zugleich, hat der Passauer Netzprofi all die Jahre selbst bedient. Seine Auftritte wurden immer routinierter. Beim letzten Politischen Aschermittwoch zum Beispiel spielte er für sein Netzpublikum hinter der ausgestreckten Hand Reporter und Moderator, um kurz darauf als wichtigste Hauptredner vor Markus Söder die Bühne zu betreten.

Scheuer, ein multimediales Multitalent.

Erst als Verkehrsminister hat Scheuer das Handy aus der Hand gelegt. Das ist klug gewesen, denn es bewahrt ihn vor Peinlichkeiten, die menschlich sind, aber im Netz eine Lawine auslösen können. Der Passauer hat die Regie einem Profi aus der Alpenrepublik übergeben, der als Journalist mit eiskalten Wassern gewaschen ist: Wolfgang Ainetter, ehemals leitender Bildzeitungsredakteur, ein gebürtiger Wiener.

Scheuer und Ainetter, ein beschlagener Boulevardmann trifft auf einen netzsüchtigen Politiker. Man kann sich gut vorstellen, wie dieses Duo an der Vorgabe gebastelt hat: Bringe Politik, Fußball und die mit dem Handy verwachsene Jugend unter einen Hut! Das ist herausgekommen:

"Public Viewing" für 16- bis 19-Jährige

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Die Aktion ließen sich Scheuer und sein Presseteam zum "Bürgerdialog über Europa" einfallen. (Quelle: BVMI)
Bei der Grillparty mit dem Titel "Grill den Scheuer" dürfen am 3. Juli die jungen Gäste Fleisch und Gemüse grillen sowie den Verkehrsminister mit Fragen zu Politik und Europa; danach wird gemeinsam das Achtelfinale der Fußballweltmeisterschaft geschaut, exklusives "Public Viewing" im Berliner Verkehrsministerium.

Teilnahmebedingungen: In einem 30-sekündigen Video in Scheuermanier erklären, warum man zur Party kommen will. Das Video muss bis Montag, 25. Juni, bei der Facebook-Tocher „Instagramm“ mit dem Schlagwort #GrillDenScheuer veröffentlicht sein. Altersbeschränkung: 16 bis 19. Damit dürfen sich rund vier Millionen Jugendliche angesprochen fühlen. Die Reisekosten müssen die Teilnehmer selbst tragen. "Schulklassen, Sportvereine und Politikkurse" sind namentlich erwünscht.

Erfolgreiche Koch-Show als Titelvorlage?
Scheuers Vorlage für den Titel könnte „Grill den Profi“ gewesen sein, eine Kochsendung des Privatsenders „Vox“, der 210.000 Menschen auf Facebook folgen. „Grill den Scheuer“, das Video zur Aktion, haben sich bislang 7.200 angesehen. Da ist Luft nach oben. Scheuers Pressesprecher hat sich, um die Aktion anzukurbeln, öffentlich an „Lehrerinnen und Lehrer, Pädagoginnen und Pädagogen, Jugendbetreuerinnen und Jugendbetreuer“ gewandt. Diese sollten aktiv werden, „wenn Sie Europa und ihre Schüler lieben“. Welcher Jugendbildungsverantwortliche kann da „Nein“ sagen?

Hier werben wir kostenlos für die Scheuer-Kampagne:

Scheuer, Fußball und der Ausrutscher
Vielleicht ist diese Kampagne auch dazu gedacht, in den Suchmaschinen die Ergebnisse „Scheuer + Fußball“ in ein besseres Licht zu rücken, eine der vielen Scheuer-Ausrutscher zu übertünchen. Bislang erscheint hier an vorderster Stelle ein (von den Medien aus dem Zusammenhang gerissenes) Scheuer-Zitat aus dem Jahre 2016, mit dem ihm menschenfeindliche Abschiebepolitik angeheftet worden ist:  "Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese".

Er repräsentiert die Provinzmetropole "Grenzenlos lebenswert"

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Wer weiß, vielleicht schaffen es zahlreiche Flüchtlingsburschen, die bekanntlich gerne Fußball spielen, auf Scheuers Gästeliste. Da ließen sich medienwirksam Missverständnisse ausbügeln. Immerhin ist Scheuer Repräsentant einer Provinzmetropole, die das Markenzeichen „Weltoffenheit“ trägt mit dem Slogan „grenzenlos lebenswert“.

 
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