Montag, 10. Dezember 2018
·
·

Lokalnachrichten >> Samstag, 03. MĂ€rz 18

bild_klein_0000013173.jpg
Bengalische Fackeln und Feuerwerk tauchen die Mariahilfstraße in rotes Licht, haushoch steigen Rauchschwaden auf. Der Verkehr ist zum Stillstand gekommen. (Quelle: A. Heiß/ Facebook)
Bengalfackeln, Rauchbomben und PrĂŒgelei

Blitz-Aktion von Dynamo-Dresden-Hooligans

Sie brĂŒllen „Dynamo!“ und „Hooligans Ostdeutschland!“, brennen bengalische Feuer ab, zĂŒnden Rauchbomben und Kracher. Passanten halten erschrocken Abstand. Nachtrag: In den frĂŒhen Morgenstunden soll einer von ihnen einen jungen Niederbayern mit einem Fußtritt gegen den Kopf schwer verletzt haben.

Ein Autofahrer filmt aus sicherer Entfernung, öffnet das Seitenfenster, um das Geschrei aufzunehmen.

Der lautstarke Aufmarsch von etwa 20 bis 30 Burschen, offensichtlich Dynamo-Dresden-Hooligans, in der Passauer Innstadt hat gegen 20.15 Uhr keine fĂŒnf Minuten gedauert. Sie hatten zuvor eine Innstadt-Kneipe besucht. Zeugen hatten spĂ€ter berichtet, dass sie eine Fahne "Dynamo Dresden West" dabeihatten.

bild_klein_0000013174.jpg
Bengalische Fackeln und Feuerwerk tauchen die Mariahilfstraße in rotes Licht, haushoch steigen Rauchschwaden auf. Der Verkehr ist zum Stillstand gekommen. (Quelle: A. Heiß/ Facebook)
„Wo bleibt da unsere Polizei?“, schreibt eine BĂŒrgerin im Netz. Von der Blitz-Aktion haben die Beamten der Polizeiinspektion, wie sie auf Anfrage erklĂ€ren, nichts mitbekommen. Die Annahme, dass das Video ĂŒberhaupt nicht aktuell sei, musste rasch verworfen werden. Es hat Zeugen gegeben, die sich um ihre Autos in der Kapuzinerstraße Sorgen machten. „Ich dachte mir, hoffentlich ziehen sie nicht in diese Richtung“, berichtet ein Anwohner.

(Anm. d. Red.: BĂŒrgerblick hatte die Polizeiinspektion um 21.45 Uhr informiert. Im Pressebericht der Polizei heißt es irrtĂŒmlich 0.30 Uhr, da waren die Ermittlungen lĂ€ngst abgeschlossen).

Wirte in Sorge um ihre GĂ€ste
„Ein Angestellter hat mich angerufen, dass sich da etwas unmittelbar vor der TĂŒr abspielt“, berichtet der PĂ€chter einer Kneipe in der Mariahilfstraße. Er sei sofort zum Lokal geeilt. „Aber da war schon alles vorbei.“ Offenbar haben die bösen Burschen sogar ihren FeuerwerksmĂŒll wieder mitgenommen, um keine Beweise zu hinterlassen. Ein paar Holzstangen, die vielleicht fĂŒr die Fahne verwendet worden sind, hat ein Wirt sichergestellt. Er hatte in Sorge um seine GĂ€ste die TĂŒr abgesperrt. „Ich hoffe, die Polizei warnt uns, wenn sie zurĂŒckkommen“, sagt er.

Wo ist das BeweisstĂŒck, die Dynamo-Dresden-Fahne?
Die Polizei ermittelte, wohin sich die Gruppe abgesetzt hat. Parkende Autos der Mitglieder waren in der Stadt entdeckt worden. Ein Dutzend Polizeistreifen der Land- und Bundespolizei waren im Einsatz. "Die sind friedlich, eine Gruppe von etwa zehn Leuten", wimmelte der TĂŒrsteher einer Tanzwirtschaft im nördlichen Neumarkt Polizeibeamte ab. Deren Nachforschungen hatten ergeben, dass sich die Hooligans in diesem Lokal aufhielten. Eine Handhabe, die Burschen festzunehmen oder zu befragen, hatte die Polizei nach eigenen Angaben nicht. Es gab keinen konkreten Tatverdacht, keine Anzeige. Einziges Indiz, dass sie an an der Aktion in der Innstadt beteiligt waren: Haben Sie eine Fahne dabei? Auch dies verneinte der TĂŒrsteher.

Discogast in Kopf getreten
Die Polizei stellte ihre Ermittlungen nach etwa zwei Stunden ein. Um 2.45 Uhr traf nach einem Notruf eine Polizeistreife erneut an der Tanzwirtschaft ein, wo die Hooligans gefeiert hatten. Vor dem Lokal war ein 23-jĂ€hriger Mann aus dem Landkreis angeblich von einem Mitglied dieser Gruppe zu Boden geschlagen und getreten worden. Mit Verdacht auf SchĂ€del- und Kiefernbruch wurde der VerprĂŒgelte ins Klinikum eingeliefert. Der Niederbayer und die Sachsen sollen zuvor im Lokal aneinandergeraten sein. Der Niederbayer wurde laut Zeugenaussagen des GebĂ€udes verwiesen, der Angreifer ist ihm offenbar gefolgt. Die Polizei hat von etwa einem Dutzend der Hooligans-Mitglieder anschließend die Personalien aufgenommen. Die Gruppe war nach der gefĂ€hrlichen Körperverletzung in der Stadt angetroffen worden.   

Racheakt von Rechtsradikalen?
Es war wild spekuliert worden, dass diese Aktion etwas mit rechtsradikalen Drohnachrichten zu tun haben könnte, die unter anderem ein Passauer Wirt am nördlichen Innufer, im Neumarkt erhalten hat. Dies gilt als ausgeschlossen.

Die Innstadt ist letzten Herbst von massiven Wandschmierereien betroffen gewesen, die sich inhaltlich gegen die rechte Szene und die AfD richteten. Man mĂŒsse gegen die "linken Zentren" vorgehen, schreibt ein anonymer rassistischer Hetzer im Netz - und fĂŒhrt zum Beleg Fotos linke Wandschmierereien Ă€hnlich denen in der Passauer Innstadt an. Ob sich die ostdeutschen Hooligans davon animieren ließen, in Passau zu feiern, ist ebenso unwahrscheinlich. Sie trieb vielleicht eher Geltungsdrang, in der Fremde Aufmerksamkeit erregen. Ein Mercedes-Bus, mit dem ein Teil der Gruppe offenbar angereist ist, parkte in der Innstadt - zufĂ€llig in der NĂ€he solcher Wandschmiererei mit dem Spruch "Nazis raus!".



 

 
Bitte klicken Sie diese Förderer
und Freunde der freien Presse:

Hier Ihre Anzeige?
Kontaktieren Sie uns!

 

Unsere News und Bilder
finden Sie wieder:
 
Tageszeitung

 

Wochenzeitung

 

Illustrierte

 

TV & Radio
ARD
ZDF
Bayerisches Fernsehen
 
Agenturen

 

Ausland

 

Internet
Google
Yahoo
Passau Bilder