Montag, 20. November 2017
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Regionales >> Samstag, 26. August 17

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Am roten Linken-Pavillion zu Füßen der Veste Oberhaus (v.l.): Spitzenkandidat Ilsanker, Ministerpräsident Ramelow, Landessprecher Gürpinar. (Foto: Ben Balzereit/ mediendenk)
Ramelows Blitzbesuch

„Mit Seehofer durchs Höllental“

Umgekehrt wird sich der Fall kaum ergeben. Warum sollte Seehofer in einer Provinzstadt in Thüringen für CSU-Wählerstimmen werben? Die CSU gibt es dort überhaupt nicht. Aber in Seehofers Reich gibt es rote Städte wie Passau, in der auch die Partei der Linken punktet, wenn prominenter Besuch anrollt. Bodo Ramelow aus Thüringen, Deutschlands erster Ministerpräsident der Linken, hat seinen Parteifreunden in Passau einen Blitzbesuch abgestattet.

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Noch 50 Schritte bis zu Ramelows Wahlkampfparty: Ein strahlender CSU-Generalsekretär begrüßt die Gäste, die mit dem Stadtbus kamen.
Sechs Biertische voll Zuhörer versammeln sich vor dem roten Pavillion auf der Donauterrasse der Altstadtkneipe „Unterhaus“. Ein paar rote Luftballons und Bratwurstgrill, rote Tischfähnchen und Wahlplakataufsteller. In zwei dunklen bayerischen Limousinen rauscht die Delegation heran; in der einen sitzen die Männer mit dunkler Sonnenbrille und Knopf im Ohr. Die einzige Gefahr weit und breit ist eher eine politische: 50 Schritte weiter leuchtet die Bushaltestellenreklame des CSU-Lokalmatadors Andreas Scheuer.

"Nein" zur Nordtangente
Die Männer mit den dunklen Sonnenbrillen und den Ohrhörern behalten die Donauuferstraße im Auge. Der Linken-Spitzenkandiadat Josef Ilsanker liefert lokalen Diskussionsstoff: Er spricht sich für besseren öffentlichen Nahverkehr und gegen die Nordtangente aus; sein Veto zur Stadtumfahrung über ein unter Naturschutz stehendes Flusstal prangt auch auf Ilsankers Wahlplakaten. Dafür schätzen ihn die Grünen, die SPD und die ÖDP. Der Politiker von der Bushaltestellenreklame, als Nachfolger Dobrindts gehandelt, hat dagegen die Nordtangente im Bundesverkehrswegeplan verankern lassen. 

Ramelow zitiert aus der Bibel
In der bayerischen Stadt mit der wahrscheinlich größten Kirchendichte weiß Bodo Ramelow, was passend ist. Er outet sich als bekennender Christ. Viele sozialistische Maxime, wie Solidarität und Umverteilung, fänden sich bereits in der Bibel, sagt er. Wer weiß, vielleicht hätte Jesus die Linke gewählt.

Mit Seehofer per du
Während die sinkende Sonne die schwarzbraune Donau rot schimmern lässt, plaudert Ramelow aus dem Nähkästchen: Er wirbt für seine günstige Landeshauptstadt Erfurt, erzählt vom politischen Alltag im Landtag mit „AfD-Original“ Björn Höcke und erstaunt die Zuhörer, als er zugibt, er sei mit Seehofer per Du. Er versuche mit Horst ein Bahnprojekt umzusetzen, das Bayern und Thüringen enger zusammenrücken lässt. Er freue sich auf die gemeinsame Jungfernfahrt: Die neue Bahnstrecke würde das „Höllental“ durchqueren und in „Jena-Paradies“ enden.

Dass CSU und Linke fruchtbar an einem Strang ziehen könnten, würde das Bahnprojekt beweisen. Noch ziert sich Seehofer. 

Ramelow tritt nach einer guten Stunde die Heimreise nach Erfurt an. Dort wartet ein Morgentermin: Er schwingt sich aufs Fahrrad zum Start eines traditionellen Radsporttages.

Ben Balzereit

 
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