Dienstag, 26. September 2017
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Lokalnachrichten >> Samstag, 19. August 17

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Hauzenberger Feuerwehr mit Drehleiterfahrzeug, das Technische Hilfswerk aus dem 130 Kilometer entfernten Laaber mit Kran: Vom Dach eines Wohnhauses, drei Familien, sieben Bewohner, in Schulerbruch in Hauzenberg wird eine Kiefer geborgen.
Katastrophenalarm

Tödlicher Wetterumschwung

Im Klinikum Passau kĂŒmmern sich die Ärzte um eine lebensgefĂ€hrlich verletzte Oberösterreicherin und zwei weitere schwer verletzte Patienten aus dem Innviertel. Es sind Opfer des stĂŒrmischen Wetterumschwunges, der Luftlinie 50 Kilometer sĂŒdlich von Passau bei einem Dorffest der Feuerwehr eine Tragödie ausgelöst hat: Zwei Tote und Dutzende Verletzte, davon vier lebensgefĂ€hrlich und sechs schwer.

Hunderte umgestĂŒrzte BĂ€ume

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Weggefegt: Das BuswartehÀuschen der Haltestelle "Oberholz" bei Hauzenberg.
In Stadt und Landkreis Passau hat das gegen 23 Uhr hereinbrechende kurze Unwetter, ein Temperatursturz von zwölf Grad begleitet von Graupel, Blitz und Orkanböen, fĂŒr StromausfĂ€lle, blockierte Straßen und ĂŒberflutete Keller gesorgt. Am Vormittag sind laut Rettungsleitstelle die Feuerwehren noch mit 300 EinsĂ€tzen beschĂ€ftigt. Menschen sind nicht in Not, es gibt auf bayerischer Seite keine ernsthaft Verletzten, aber das Landratsamt Passau hat seit Mitternacht Katastrophenalarm ausgelöst. „Wir haben viele Ortsteile, die von der Außenwelt abgeschnitten sind“, erklĂ€rt eine Landratsamtssprecherin. ZusĂ€tzliche HilfskrĂ€fte wie das Technische Hilfswerk seien erforderlich, ein Krisenstab sei notwendig, der die vielen EinsĂ€tze koordiniert. Betroffen sei vor allem der nördliche Landkreis, die Gemeinden Hauzenberg, Salzweg und Thyrnau. Dort sind Waldgebiete schwer betroffen. Ein "histoprisches Ausmaß" wie Landwirtshcaftsninister Brunner sagte. Die Landschaft werde sich verĂ€ndern. Im Raum Hauzenberg sind viele DĂ€cher abgedeckt worden sein. Die Bevölkerung wird nach dem Windbruch gewarnt, den Wald zu betreten. 700 EinsatzkrĂ€fte  sind laut Pressestelle im Einsatz.

"Bei uns sind im Wald fast die HĂ€lfte der BĂ€ume weg", berichtet ein Salzweger. Manche Anwesen seien von mehreren umgestĂŒrzten BĂ€umen beschĂ€digt worden. Kaputte DĂ€cher, zerstörte Pools, verbeulte Autos; bei einem Bauern wurde das Kuhstalldach weggerissen. Orkanböen bis zu 130 km/h wurden gemessen.

IC-Endhaltstelle „Media-Markt“

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Im Hintergrund der 745 Meter hohe Tiessenberg, der mehrere Hektar Wald verloren hat; davor die Siedlung an der Bauzinger Straße von Hauzenberg; im Vordergrund NadelbĂ€ume, die eine Stromleitung gerissen haben.
Die „Passauer Neue Presse“ berichtet irrtĂŒmlich, dass ein ICE zwischen Vilshofen und Passau evakuiert worden sei. Die Recherche ergibt: Der Intercity „IC 2337“ Köln-Passau, planmĂ€ĂŸig Ankunft 22.41 Uhr, hatte sich mit vielen Unterbrechungen und gut fĂŒnf Stunden VerspĂ€tung durch das Unwetter geschlagen. Drei Kilometer vor dem Hauptbahnhof Passau, beim „Media-Markt“, musste er wegen eines auf dem Gleis liegenden Baumes erneut halten. Der ZugfĂŒhrer entschied sich mithilfe der Passauer Feuerwehr die 60 FahrgĂ€ste aussteigen zu lassen. „Wir haben ausgeleuchtet“, sagt Stadtbrandinspektor Andreas Dittlmann.

Regionalbahn entgleist
Bei Bad Höhenstadt entgleiste im Sturm gegen 22.50 Uhr der Nachtzug von Sulzbach am Inn nach Passau. Die neun FahrgĂ€ste mussten auf freier Strecke aussteigen. Die Bundespolizei sprang fĂŒr einige FahrgĂ€ste als Taxi zum Hauptbahnhof ein, andere wurden am UnglĂŒcksort von Bekannten und Verwandten abgeholt.

Innstadt abgeschnitten, Allee-Kastanie verloren, SchĂ€den an Großbaustellen
Die Passauer Innpromenade hat durch den Sturm zum dritten Mal eine der alten Kastanien verloren. Der Stadtteil Innstadt war kurzzeitig von der Innenstadt abgeschnitten, als sich am sĂŒdlichen BrĂŒckenkopf wegen eines verstopften Gullyschachts ein Teich auf der Mariahilfstraße bildete; das Regenwasser drang in ein Haus ein. Betroffen ist Baulöwe Kapfinger: Im denkmalgeschĂŒtzten Glassalon am Mariahilfberg, der gerade renoviert wird, trug der Sturm die Abdeckung der neuen Fußbodenheizung davon; Wasser drang in Rohbauten des Wohnviertels ein, schĂ€digte Installationen und bereits verlegte Fußböden.

Zwei Tote beim Feuerwehrfest

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VerwĂŒstet: Bizarre Waldlandschaft am SandbĂ€chlein zwischen Hauzenberg und Wotzdorf.
Zum schweren UnglĂŒck im Innviertel: Der 2.000-Einwohner-Ort Johann am Walde im Bezirk Braunau liegt auf einer Anhöhe. Man habe gedacht, das aus Bayern sich nĂ€hernde Unwetter wĂŒrde weiter nördlich vorbeiziehen, dann sei unerwartet Sturm aufgekommen, berichtet ein Feuerwehrmann. Die Ortsfeuerwehr Frauschereck feierte ihr Zeltfest. Eintritt acht Euro, auf der BĂŒhne spielte „CĂ€ptÂŽn Klug und die Zwergsteierer“, die Band eines steirischen Polizisten. Mitten in dieses VergnĂŒgen platzte das Entsetzen. Das Zelt war mit einem Schlag weggerissen worden, TrĂŒmmer flogen umher, der Strom fiel aus, es war stockdunkel. Schreie, Schock und Panik unter den 650 Besuchern. Es dauerte, bis sich aus den eigenen Reihen die Feuerwehrleute gesammelt hatten, zum Feuerwehrhaus eilten, mit einem Fahrzeug zurĂŒckkamen und Scheinwerfer aufstellten. Jetzt zeigten sich das Ausmaß der Zerstörung und die vielen Verletzten. Wiederum verging kostbare Zeit, weil umgestĂŒrzte BĂ€ume die Anfahrt der alarmierten RettungskrĂ€fte behinderten.

Katastrophenalarm wurde ausgelöst. Schließlich versorgten 20 NotĂ€rzte und 150 SanitĂ€ter die vielen Verletzten. Zwei Todesopfer sind zu beklagen: ein 29-jĂ€hriger Bursche aus dem Dorf und eine 19-jĂ€hrige Frau aus dem Bezirk Braunau. Die zehn Schwerverletzten aus dem Festzelt, darunter vier in Lebensgefahr, sind in die KrankenhĂ€user Salzburg, Linz, Wels, Vöcklabruck und Passau transportiert worden. Um die Dutzenden Leichtverletzten kĂŒmmerten sich die Ärzte in den benachbarten Innviertler KrankenhĂ€usern Ried und Braunau.

Beim Vilshofener Volksfest ist das Bierzelt kurzfristig evakuiert worden. SchĂ€den blieben glĂŒcklicherweise aus, aber die Stimmung war dahin. Manche empfanden die Maßnahme als "Panikmache". Die Nachricht aus dem Innviertel dĂŒrfte spĂ€ter ihre Sichtweise geĂ€ndert haben.

Alle Fotos: mediendenk, Tobias Mayerhofer, Hubert j.Denk

 
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