Sonntag, 22. April 2018
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Regionales >> Donnerstag, 05. April 18

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Beweisaufnahme. Ein Polizist fotografiert die Schmiererei an einer denkmalgeschützten Villa. Hausbesitzer Adolf Hiendl hat Anzeige erstattet. (Foto: Mediendenk)
Fall fĂŒr den Staatsschutz

Ganzes Stadtviertel verschandelt

MĂ€nnlich, 1,80 bis 1,85 Meter groß, dunkle Kapuzenshirts. Das ist die dĂŒrftige Beschreibung der zwei jungen MĂ€nner, die an einem der heißen JuninĂ€chte von Zeugen gesehen und angesprochen worden sind. Sie hatten in der Lederergasse gerade eine Wand beschmiert und entfernten sich Richtung Kirchenplatz. Es war kurz nach Mitternacht.

Ein ganzes Stadtviertel ist in der Nacht auf 20. Juni mit Wandschmierereien verunstaltet worden; angeblich haben 17 Hausbesitzer Anzeige erstattet. In der ersten Polizeimeldung, welche die Heimatzeitung wortgetreu ins Netz stellte, hieß es verharmlosend: „Hausmauern mit SchriftstĂŒcken geschmĂŒckt.“ Zu diesem Zeitpunkt war das Ausmaß nicht bekannt.

„50.000 Euro werden nicht ausreichen den Schaden zu beheben“, sagt Johann Eglhofer, ein Betroffener. Der pensionierte Mediengestalter hat sich einen Überblick verschafft. Er hatte sich anfangs aufgeregt, dass er bei seinem Anruf bei der Polizei vertröstet worden war, eine Streife wĂŒrden irgendwann vorbeikommen, er mĂŒsste nicht darauf warten; ein Foto von der der Wand sei schnell gemacht. „Ich hatte den Eindruck, dass solchen Straftaten mit zu wenig Eifer nachgegangen wird“, erzĂ€hlt er.

Anderntags fuhr Eglhofer persönlich in die Polizeiinspektion, um Anzeige zu erstatten.  Zu diesem Zeitpunkt war eine Polizeistreife zu einem weiteren Tatort in den Innstadtbahnhofweg ausgerĂŒckt. Hier hatte Hausbesitzer Adolf Hiendl die OrdnungshĂŒter gerufen: An der vor drei Jahren erneuerten weißen Fassade seiner denkmalgeschĂŒtzten Villa prangte in fetten Buchstaben „Antifa Passau“.  Der Spraylack saugt sich tief ins Mauerwerk ein, so dass oft der Putz abgeschlagen werden muss, um den Schriftzug völlig zu tilgen. Mit einem Neuanstrich ist es selten getan. Manchmal muss die komplette WandflĂ€che gemalert werden, um das einheitliche Gesamtbild wiederherzustellen.

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Die Schmierereien im Reitergaßl, sĂŒdlich vom Kirchenplatz.(Foto: Mediendenk)
„Es wird zum Problem, wenn die Originalfarbe nicht mehr verfĂŒgbar ist“, sagt ein GeschĂ€digter. Die Schmierereien sind ein Fall fĂŒr die Ermittler des Staatsschutzes geworden. Denn die SprĂŒche sind offenbar politisch motiviert. Sie enthalten Aufrufe zur Gewalt gegen Rechte, die Urheber bekennen sich augenscheinlich zur Antifa. Die Beamten ermitteln jedoch in alle Richtung. Dass Linken-Hasser eine falsche Spur legen wollten, wĂ€re theoretisch auch denkbar.

„Vielleicht hat dieser Farbanschlag mit der Burschenschaft in der Römerstraße zu tun“, mutmaßt eine Nachbarin. Wenn die Schmierer wirklich die Linken waren, könnte das ein Racheakt sein.

Wandschmierereien sind in einer Touristenstadt, deren Anziehungskraft die Schönheit ist, ein großes Ärgernis. Durch die Flutsanierung ist Passau reich wie nie an makellosen Fassaden, umso störender fallen solche Schmierereien jetzt ins Auge. Die Bezeichnung „Graffitti“ verbietet sich, da es sich um keine Untergrundkunst handelt. 

Schmierereien auf einer Route von 700 Metern
Das Werk dieser Juninacht: Zwei Dutzend SchriftzĂŒge und politische Symbole haben zwei unbekannte Burschen im historischen Viertel der Innstadt an HĂ€userfassaden und Gartenmauern gesprĂŒht. Manche Motive sind bis zu vier Quadratmeter groß. Die Tatorte sind in der Jahnstraße, in der Lederergasse, im Reitergaßl, am Ausgang zum Kirchenplatz und in der Römerstraße. Die Spur der blaugrĂŒnen, leicht glĂ€nzenden Lackfarbe aus einer Spraydose lĂ€sst sich ĂŒber 700 Meter verfolgen. Betroffen sind mehrere denkmalgeschĂŒtzte GebĂ€ude. 

Die TĂ€ter sind bis heute nicht ermittelt. Manche Schmiereren haben Hausbesitzer auf eigen Kosten entfernen lassen.
Beitrag erschienen im Sommer 2017/ Heft Nr. 108. 

 
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