Montag, 18. Dezember 2017
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Meinung >> Dienstag, 08. August 17

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EW 2017: "Kings Singers" in der Klosterkirche Engelhartszell. (Foto: Scholz/ EW)
EW-Premiere mit Intendant Bauer

Großes Bravo und CSU-Bonbon als Belohnung

„Dem Intendanten haben wir eine Woche Urlaub verordnet“, sagt Rosemarie Weber, Vorsitzende der „EuropĂ€ischen Wochen“ (EW). Er hat ihn sich verdient. Thomas Eduard Bauer hat in seiner Doppelrolle als Kulturmanager und OpernsĂ€nger den Passauer Festspielen zu einem Höhenflug verholfen. Herausragende klassische Musik, begeistertes Publikum, neue EW-Liebhaber, strenge Kritiker, die plötzlich Kreide gefressen haben.

„Das Publikum will sehen, wenn der Chef die Zirkusnummer vortanzt“, hatte Bauer sein persönliches Mitwirken gegen lĂ€sternde Zungen verteidigt. Er behielt recht. Mit seiner warmen Baritonstimme, seinem Talent zum charmanten Moderator, war er tatsĂ€chlich oft selbst der Publikumsmagnet.

Der Intendant der Herzen

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EW 2017: "Carmina Burana" in der DreilÀnderhalle. (PR-Foto: EW)
Mit 2.400 Zuschauern beim Doppelfinale „Carmina Burana“ in der DreilĂ€nderhalle schloss sich der leuchtende Kreis der 48 Veranstaltungen seiner Festspiele, die an ebendiesem akustisch schwierigen Ort mangels Festspielhaus mit Beethovens Neunter begonnen hatten. Schon bei diesem Auftakt waren Bauer die Herzen zugeflogen: Er hatte lokale Chöre und SĂ€nger aufgerufen, am Beethovenchor mitzuwirken. Jeder dieser SĂ€ngerinnen und SĂ€nger ist ein Multiplikator, ein Botschafter der neuen EW geworden. Es war ein kluges Konzept.   

CSU-Lokaltrio feiert sich fĂŒr "konzerttauglichen Hörsaal"
Wie zur Belohnung traf zum Ende der ersten bauerschen Festspielzeit das Versprechen aus MĂŒnchen ein, bei der Erweiterung der UniversitĂ€t zu Fuße des LöwenbrauereihĂŒgels den neuen Hörsaal konzerttauglich auszurĂŒsten. Die „Passauer Neue Presse“ (PNP) feierte diese fĂŒr Kulturfreunde zweifellos gute, aber auch ernĂŒchternde Nachricht, als wĂ€re es die Grundsteinlegung fĂŒr das fehlende Passauer Festspielhaus. Seehofers Wohlwollen fĂŒr die europĂ€ischen Kulturstadt Passau ist im aufkeimenden Wahlkampf als mediale SchaumschlĂ€gerei benutzt worden. Ersichtlich daran: Der Konzerthausersatz im neuen 50 Millionen Euro teuren UniversitĂ€tsgebĂ€ude ist in jedem Lokalbericht als Erfolg namentlich dem CSU-Trio „SWT“ angeheftet worden: Scheuer, Waschler, Taubeneder. Auch dies ein Beleg fĂŒr plumpe Parteipropaganda: Es werde bald eine Lösung fĂŒr das Konzerthaus geben, aber man dĂŒrfe darĂŒber noch nicht sprechen, weil sich bestimmte Politiker mit dieser AnkĂŒndigung selbst gerne feiern möchten, hatten Monate zuvor Insider ihre ZurĂŒckhaltung bei diesem Thema erklĂ€rt.  

Die PNP-VerkĂŒndigung sollte SPD-OberbĂŒrgermeister Dupper wie eine kalte Dusche treffen: Schau, hier sitzen die Macher, die Deine Stadt voranbringen! FĂŒr alle, die es vergessen haben: Der CSU-VorgĂ€nger im OB-Amt hat 2007 ein Passauer Konzerthaus mit einem ungeschickten BĂŒrgerentscheid und unglĂŒcklichem Standort ausgebremst.  

Bauer brÀuchte 1.000-PlÀtze-Konzerthaus
Je 1.200 Zuschauer hatte EW-Intendant Bauer mit seinem spanischen Schlussspektakel „Carmina Burana“ in die akustisch problematische DreilĂ€nderhalle gelockt, die 700-Zuschauer-Marke hatte er hier schon beim Auftakt mit Beethoven erreicht. Den Zuschauerrahmen fĂŒr den konzerttauglichen Unihörsaal (geplant 700 PlĂ€tze) hat Bauer bei seinen Premierenfestspielen also schon gesprengt.

Deshalb die Bitte an das Erfolgstrio „SWT“: In MĂŒnchen nachfassen, ob da nicht mehr geht. Festspielstadt, Festspielhaus, Europastadt, Europahaus und so. Die parlamentarische Entscheidung steht ja erst noch bevor. Ein Land, das zweistellige Millionensummen fĂŒr umstrittene Dorfumfahrungen ausgibt und Trabantengewerbesiedlungen fördert, sollte sich auch bei schönen Dingen nicht lumpen lassen.

Mehr Zuhörer, mehr verkaufte Karten

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EW 2017: Pianist Grigory Sokolov in der Altstadtkirche "St. Michael".
Laut Pressemitteilung zĂ€hlten die 65. EuropĂ€ischen Wochen 17.500 Besucher (Vorjahr 15.000), verkauften 15.200 Tickets (Vorjahr 12.500), erzielten 340.000 Euro Umsatz (keine Vergleichszahl angegeben). Los gehtÂŽs im nĂ€chsten Jahr  mit dem Eröffnungsball am 6. Juli. Es gibt neue StammgĂ€ste: Pianist Grigory Sokolov, Dirigent Enoch zu Guttenberg und die Bamberger Symphoniker haben fĂŒr die nĂ€chste Festspielzeit schon zugesagt.

 
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