Montag, 20. November 2017
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Bayern >> Mittwoch, 12. Juli 17

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Chemischer Sauerstoffbedarf, Phosphat, Ammonium: Diese Messergebnisse sollen angeblich belegen, wie belastet das Grubenwasser in einem Kfz-Betrieb ist. Es wurde in der Landwirtschaft ausgebracht.
Neuer Umweltskandal in Hutthurm ?

Abwasser von Kfz-Betrieb in Natur ausgebracht

ÔÇ×Gibt es schon wieder einen Umweltskandal in Hutthurm?ÔÇť, ├╝berschreibt eine Umweltpolitikerin ihren Fragenkatalog an die bayerische Staatsregierung.

Ein t├╝chtiger Familienvater hat vor zw├Âlf Jahren damit begonnen, auf einem ehemaligen Bauernhof im Landkreis Passau mitten im Gr├╝nen, 250 Meter von der Ilz entfernt, einen Betrieb f├╝r Autoaufbereitung und Kraftfahrzeugreparaturen aufzubauen. Das Gesch├Ąft l├Ąuft gro├čartig, bis auf das Abwasser. Es landete in der b├Ąuerlichen G├╝llegrube - und von dort wahrscheinlich auf den Feldern von gutgl├Ąubigen Bauern. Die Gemeinde und die zust├Ąndigen Umweltbeh├Ârden haben offensichtlich weggesehen.

├ľlabscheider f├╝r Kfz-Betriebe nicht zwingend?
ÔÇ×Hier steht die Existenz meiner Familie auf dem Spiel, wollen Sie das wirklich an die ├ľffentlichkeit bringen?ÔÇť, mahnt der betroffene Unternehmer den Reporter. Er werde keine Auskunft geben, sagt er und redet dann doch ein wenig. Ein ├ľlabscheider sei f├╝r einen Kfz-Betrieb wie seinen nicht zwingend notwendig. Der Reporter soll sich erstmal erkundigen. Und ├╝berdies: Aus seiner G├╝llegrube sei nichts weggekommen, diese sei immer noch voll.

Die G├╝llegrube, in welcher das Abwasser des Kfz-Betriebs flie├čt, fasst 400 Kubikmeter, also 400.000 Liter, das entspricht einem zwei Meter tiefen Pool von zehn mal zwanzig Metern. In der Werkstatt wird Blech entrostet, lackiert und poliert; werden Polster eingesch├Ąumt und gereinigt, Kunstoffteile gereinigt und aufgefrischt; Unfallwagen, Oldtimer und Busse rundum, vom Motor bis zum Getriebe, wiederinstandgesetzt. Die mit ├ľl und Chemikalien, S├Ąure und Lauge verseuchten Abwasser landen in der G├╝llegrube. Am 17. Juni, ein schw├╝ler Samstag, sollte der Missstand an Umweltf├╝rsorge ausgerechnet auf einer Wiese der zweiten B├╝rgermeisterin anr├╝chig werden.

B├╝rgermeisterin in Panik
Die B├╝rgermeisterin war diesem Vormittag beim Einkauf, ihr Ehemann molk im Stall seine K├╝he, als ein Namensvetter des Kfz-Unternehmers hereinlugte und um freundliche Zustimmung bat: Ob er drau├čen auf der frisch gem├Ąhten Wiese zwei, drei F├Ąsser von der Grube seines Auftraggebers ausbringen d├╝rfe, es handele sich nur um Regenwasser. Der G├╝llefahrer hatte  sich den vier Kilometer weiteren Weg zu einem Ackerland ersparen wollen, das seinem Vater geh├Ârt. Kaum war die B├╝rgermeisterin vom Einkauf zur├╝ckgekehrt, klingelte ihr Telefon und ein aufgeregter Nachbar rief an: 0b sie denn nicht wisse, was da gerade auf Ihre Wiese ausgebracht werde, verseuchtes Abwasser aus der G├╝llegrube eines Kfz-Betriebs. Sie habe die Aktion sofort gestoppt, in Panik nachgesehen, aber in der Hitze hatte die Wiese die Fl├╝ssigkeit, wohl ein paar Tausend Liter, schon aufgesogen, berichtet die B├╝rgermeisterin.

Danach gl├╝hten weitere Telefone. Das Landratsamt wurde eingeschaltet. Ob Proben genommen wurden, ist unklar: in der G├╝llegrube des Kfz-Betriebs und auf der Wiese der B├╝rgermeisterin? Der verantwortliche Unternehmer hatte sich nach dem aufreibenden Samstag in einen dreit├Ągigen Italienurlaub verabschiedet. Danach wurde ihm der Betrieb untersagt. Er hatte nie eine bauliche Genehmigung eingeholt.

Nach dem Teerskandal der Chemieskandal?
Die Gemeinde Hutthurm ist seit Jahren durch einen Umweltskandal, dem sogenannten Teerskandal, schwer gebeutelt. Die Strafverfahren stehen noch aus: Ein Recycling-Unternehmer soll pechverseuchten Stra├čenabbruch gutgl├Ąubigen Bauern und geizigen Bauherren als kostenloses Aufsch├╝ttmaterial angeboten und verbaut haben. In einem Punkt, unabh├Ąngig von der strafrechtlichen Bewertung, ├Ąhneln sich die beiden F├Ąlle: Hier wie da wurde Geld verdient auf Kosten der Umwelt.

Der Kfz-Unternehmer hatte die B├╝rgermeisterin ├╝brigens beruhigt, er habe vorab die Belastung seines Grubenwassers messen lassen; er reichte tats├Ąchlich Testergebnisse nach. Ob sie aussage- und beweiskr├Ąftig sind, k├Ânnte sich durch  Vergleichswerte der Beh├Ârden feststellen lassen. Zudem ist entscheidend, wie die Probe entnommen wurde. Wurde die Grube vorher aufger├╝hrt oder im abgesetzten Zustand nur an der Oberfl├Ąche entnommen? Anwohner bef├╝rchten, dass die G├╝llegrube undicht oder schon mal ├╝bergelaufen ist; das Abwasser h├Ątte die Ilz verseucht.

21 Fragen an Staatsregierung
Der Fall ist an die Gr├╝nen-Landtagsabgeordnete Rosie Steinberger herangetragen worden, welche bereits beim Teerskandal aktiv war. Sie hat einen 21-Punkte-Fragenkatalog verfasst, denn die Stadtregierung beantworten soll, um zu kl├Ąren, wie hoch der Umweltschaden ist, wer die Verantwortung tr├Ągt und ob erneut die Beh├Ârden bewusst weggesehen, versagt haben.

Eine Vertreterin der Gemeinde betont, dass der Unternehmer mit seinem Betrieb sehr erfolgreich sei; er sei auf der Suche nach einem Ausweichgrundst├╝ck, einer Gewerbefl├Ąche von etwa 1.000 Quadratmetern. Die Gemeinde habe ihm bisher nichts anbieten k├Ânnen.

hud

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