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Lokalnachrichten >> Dienstag, 07. Februar 17

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Lärm und Abgase im 15-Minuten-Takt: Der Passauer Citybus. (Leserfoto: Hand Dorn/ mediendenk)
Zeit fĂŒr den E-Bus?

Citybus: LĂ€rm- und Dreckschleuder

Elektrobusse wĂ€ren fĂŒr die Passauer „Citybus-Linie“, die Bahnhofsparkhaus mit Altstadt verbindet, eine saubere Lösung. Weniger LĂ€rm, keine Abgase. Einige Französische StĂ€dte nutzen seit Jahren batteriegetriebene kleine Stadtbusse, auch selbstfahrende Modelle werden in Europa getestet. Wie Stadtwerke-Chef Gottfried Weindler, verantwortlich fĂŒr den Nahverkehr, mitteilt, wird das Thema bei einer Aufsichtsratssitzungs im SpĂ€therbst behandelt. Erstmals kann ĂŒber alle Fragen neu entschieden werden: Soll diese Linie wieder ausgeschrieben oder selbst betrieben werden, in welchem Takt, mit welchen Fahrzeugen? Hier, wie angekĂŒndigt, der Bericht zum Citybus, den unsere Abonnenten von der Juniausgabe 2016, Heft Nr. 96, kennen.

Eigentlich könnten die AltstĂ€dter aufatmen. Sie sind nicht belastet vom Durchgangsverkehr wie die BĂŒrger in der Ilzstadt, am Anger oder in der Innstadt. DafĂŒr leiden sie unter einem von den stĂ€dtischen Verkehrsbetrieben verordneten Ärgernis: Im 15-Minuten-Takt lĂ€rmt der „Citybus“ durch die schmalen Gassen.

Stadtwerke-Chef Gottfried Weindler erklĂ€rt auf Anfrage, dass ihm (noch) die HĂ€nde gebunden sind. Die Daimler-Dieselmotoren brĂŒllen, fauchen und verpestet die Luft. Die großen Fahrzeuge zwĂ€ngen sich durch den Paulusbogen, zwingen Altstadtflaneure auszuweichen, stressen CafĂ©gĂ€ste, die im Freien ihren Kaffee genießen wollen. Wer die blauen (und einen gelben) Citybusse auf ihrem Weg durch die ansonsten beschauliche Altstadt eine Zeit lang beobachtet, dem erscheint seine Beschreibung im Netz der Stadtwerke wie eine Strafandrohung fĂŒr die AltstĂ€dter: „Der City-Bus in Passau verkehrt im 15-Minuten-Takt durch die Innenstadt. Er startet am Parkhaus Bahnhofstraße, fĂ€hrt ĂŒber Hauptbahnhof, ZOB, Am Schanzl, Domplatz, Residenzplatz, Rathausplatz, Römerplatz, Rathaus und Hauptbahnhof zurĂŒck zum Parkhaus Bahnhofstraße.“

48 FAHRTEN TÄGLICH

Der Auftrag dieser Linie besteht darin, das Parkhaus am GĂŒterbahnhof mit der Altstadt zu verbinden. Ein Blick auf den Fahrplan: Der Citybus dreht an Werktagen von 6.30 Uhr bis 18.15 Uhr ab Parkhaus Hauptbahnhof 48mal seine Runde durch die Altstadt. Am Samstag zwischen 7.30 Uhr und 18.15 Uhr fĂ€hrt er 40mal. Nur am Sonntag haben die AltstĂ€dter vor ihm ihre Ruhe.

„Der Bus nervt. Im Sommer kann man die Fenster zur Straßen nicht aufmachen“, klagt ein Student aus der Steiningergasse. Ein alteingesessener Passauer, der am Ende des Rindermarktes wohnt, fragt nach dem Sinn dieser Linie: „Mehr als eine Handvoll Leute sitzen meistens nicht drin“. Es ginge auch mit einem Fahrzeug zwei Nummern kleiner.

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Die Route des Citybusses, eine Schleife etwa 5,8 Kilometer. Er fÀhrt sie 48mal. (Quelle: Stadtwerke)
Die Citybusse verkehren seit 1991. Die Stadtwerke haben sich verpflichtet diese Linie einzurichten, sonst hĂ€tten sie beim Bau des Parkhauses am GĂŒterbahnhof (Park & Ride) keine staatliche Förderung bekommen. Diesen Hintergrund erklĂ€rt Stadtwerke-Chef Weindler auf Nachfrage.

Lukrativ ist diese Linie offenbar nicht, denn sie wurde an einen Subunternehmer abgegeben. Bei der letzten Ausschreibung im Jahr 2011 erhielt Busunternehmer Eichberger den Zuschlag.

Im Vorjahr (2015) zÀhlte der Citybus mindestens 45.644 FahrgÀste (verkaufte Einzelfahrscheine und Monatskarten). Klingt viel, aber gerechnet auf die fast 15.000 Fahrten ist dies eine Auslastung, die vielleicht auch ein Kleinbus bewÀltigen könnte.

Zur Umweltbelastung schreibt Weindler: Die Batterien der Elektrobusse, die in den vergangenen Jahren getestet worden sind, seien noch zu schwach*. Der Vertrag mit Eichberger lĂ€uft bis Ende des Jahres**. „In der Regel sind zwei Busse des Baujahres 2010 im Einsatz. Hierbei handelt es sich ausschließlich um dieselbetriebene Fahrzeuge“, schreibt Weindler.

Dieselmotoren gehören zu den schlimmsten Feinstaubschleudern.

Nachtrag: Im SpĂ€therbst wird der kommunale Stadtwerke-Aufsichtsrat (zwölf Mitglieder) ĂŒber die Vergabe der Citybuslinie fĂŒr 2018/19 entscheiden. Dort sitzen VizebĂŒrgermeister Urban Mangold und Paul Kastner, deren Partei einen Elektrobus fordert, Umweltpolitiker Boris Burkert, der die Innenstadt von Verbrennungsmotoren befreien möchte, sowie Matthias Koopmann, dem als StadtfĂŒhrer ein verkehrsberuhigtes historisches Zentrum am Herzen liegt. Mit je drei Mitglieder stellen die beiden großen Parteien, denen keiner der erstgenannten StadtrĂ€te angehört, die HĂ€lfte dieses Entscheidungsgremiums.    

*Je Schleife fĂ€hrt der Bus etwa 5,8 Kilometer, das sind bei 48 Fahrten rund 280  Kilometer; wenn zwei Busse im Einsatz sind, zeigt der TageskilometerzĂ€hler 140 Kilometer. Die Reichweite der Elektro-Minibusse liegt zwischen 120 (Ă€ltere Modelle) bis 200 Kilometer (neue Modelle). Mit einer Ladestation am GĂŒterbahnhof, in welcher Standzeiten oder geplante Pausen zum Laden genutzt werden, wĂ€re das System vermutlich tauglich.

**damit war damals Ende 2016 gemeint; der Vertrag ist offenbar um ein weiteres Jahr verlÀngert worden.

Einen elektrischen Citybus, wie er in mehreren französischen StĂ€dten der GrĂ¶ĂŸenordnung Passaus verkehrt, stellen wir in einem nĂ€chsten Betrag vor.

 
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