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Nach einer Entfernung des Kehlkopfes atmet der Innstädter Olaf Pint durch ein Loch im Hals. Die Filter, die er täglich wechseln muss, zeigen ihm die schlechte Qualität der Stadtluft an. (Foto: Bürgerblick)
Alarmierender Luftfilter

Krebspatient kämpft gegen Dieselabgase

Zur aktuellen Forderung von Passauer Rathauspolitikern, zumindest in der Altstadt über Elektrobusse nachzudenken, liefern wir heute zwei passende Lesestoffe zur Luftqualität in unserer Stadt. Hier der erste Beitrag, den die Abonnenten unseres Printmagazins vom vorigen Sommer kennen.

Olaf Pint beliefert uns immer wieder mal mit Fotos vom Bus- und Schwerlastverkehr in der Passauer Innstadt. „28 Busse an einem Sonntag in zwei Stunden“, erzählt der Rentner und Hobbyfotograf von seiner letzten Fotoausbeute. Manchmal fünf Busse in Kolonne. Er braucht sich nur auf seinem Balkon zu setzen, dann sieht er sie auf der Wiener Straße vorbeirauschen.

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Was sich täglich durch das Wohngebiet der Innstädter bewegt: Busse zum österreichischen Kreuzfahrthafen und ab und dann Laster, die die Autobahn (Grenzkontrolle) meiden. (Fotos: Olaf Pint)
Er hat seine Bilder auch ans Rathaus geschickt und ein Schreiben angehängt: „Nun frage ich Sie wo die Fürsorgepflicht der Stadt Passau gegenüber der Bevölkerung bleibt? Dieselabgase sind nachweislich krebserregend - und die Stadt tut nichts gegen die gesundheitlichen Belastungen, denen die Bürger der Innstadt ausgesetzt sind.“

Zwei Wochen sind vergangen. Der Empfänger der Nachricht, der Abteilungsleiter für Straßenverkehr, hat immer noch nicht geantwortet. Er denkt sich vielleicht, Olaf Pint ist ein alter Querulant, ein notorischer Quengler. Der Mann aus dem Rathaus kennt wahrscheinlich die Hintergründe nicht, warum dieser Bürger in Sorge um seine Mitmenschen ist, warum er sich dafür einsetzen will, dass Dieselfahrzeuge aus dem Stadtverkehr verdrängt werden. Olaf Pint war selbst Fernfahrer und Busfahrer. Die ersten 20 Jahre war der gebürtige Stuttgarter mit Sattelzügen unterwegs; ab 1993 als Busfahrer bei „Regionalbus Ostbayern“ (RBO). „Mit Diesel und Öl hatte ich immer Kontakt“, sagt er. Sie haben die Fahrzeuge betankt und damals noch selbst abgeschmiert. Sie haben Dämpfe und Abgase eingeatmet. Haben sich nie dabei etwas gedacht. Diesel sei der sauberste Kraftstoff überhaupt und absolut ungefährlich, habe man ihnen damals weisgemacht.

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Was sich täglich durch das Wohngebiet der Innstädter bewegt: Busse zum österreichischen Kreuzfahrthafen und ab und dann Laster, die die Autobahn (Grenzkontrolle) meiden. (Fotos: Olaf Pint)
Heute kann sich jeder im Netz erkundigen, wo die Wahrheit liegt. „Bis 2050 könnten 6,6 Millionen Menschen an der Belastung der Luft mit Schadstoffen sterben“, schreibt beispielsweise die Max-Planck-Gesellschaft. Dort sitzen bekanntlich keine Spinner, sondern führende deutsche Forscher.

Erst war es ein Kitzeln im Hals, dann Heiserkeit und Druckgefühl. RBO-Busfahrer Olaf Pint konsultierte im Januar 2010 einen Arzt. Die Diagnose: Kehlkopfkrebs. Zwei Monate später wurde er in Straubing operiert. Reha in Bad Reichenhall. Dass der Krebs mit seinem Beruf zu tun haben könnte, mit Dieseldämpfen und Abgasen, wollten die Ärzte nicht von der Hand weisen. Aber ein Nachweis ließ sich natürlich nicht erbringen. Mit dem Rauchen hatte er 15 Jahre zuvor aufgehört.

Es gibt mehrere Faktoren, die Kehlkopfkrebs auslösen können. Die Berufsgenossenschaft lehnte die Anerkennung einer Berufskrankheit ab. Heute stünden bei seinen Kollegen die Chancen vielleicht besser, glaubt er.

„ICH ATME DURCH EIN LOCH IM HALS“

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Was sich täglich durch das Wohngebiet der Innstädter bewegt: Busse zum österreichischen Kreuzfahrthafen und ab und dann Laster, die die Autobahn (Grenzkontrolle) meiden. (Fotos: Olaf Pint)
Mit der Entfernung des Kehlkopfes verlor Olaf Pint nicht nur seine Stimme, auch die Verbindung zwischen Nase und Lunge. Die Sprache gaben sie ihm mit einer Stimmprothese zurück. Als Ersatz für die Nasenatmung, einen wichtigen Filter bei der menschlichen Atmung, setzten ihm die Ärzte einen künstlichen Filter in den Hals. „Ich atme durch ein Loch im Hals“, erklärt Pint.

Die Luftfilter für dieses Loch, weiße runde Schwämmchen, muss er normalerweise alle 24 Stunden wechseln. Bei der letzten Fotoserie hat uns Olaf Pint eine Aufnahme mitgeschickt, die seine künstlichen Luftfilter zeigt. Einen neuen und einen gebrauchten nach einem Spaziergang von der Innstadt in die Altstadt und zurück. Letzterer zeigt den Dreck, den wir im Stadtverkehr einatmen und als Nasenatmer nicht zu Gesicht bekommen.

Pints Wut auf die Stadt wird verständlich.

Erschienen im BĂĽrgerblick Heft Nr. 97/ Sommer 2016

 
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