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Lokalnachrichten >> Montag, 06. Februar 17

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Nach einer Entfernung des Kehlkopfes atmet der Innstädter Olaf Pint durch ein Loch im Hals. Die Filter, die er täglich wechseln muss, zeigen ihm die schlechte Qualität der Stadtluft an. (Foto: Bürgerblick)
Alarmierender Luftfilter

Krebspatient kÀmpft gegen Dieselabgase

Zur aktuellen Forderung von Passauer Rathauspolitikern, zumindest in der Altstadt ĂŒber Elektrobusse nachzudenken, liefern wir heute zwei passende Lesestoffe zur LuftqualitĂ€t in unserer Stadt. Hier der erste Beitrag, den die Abonnenten unseres Printmagazins vom vorigen Sommer kennen.

Olaf Pint beliefert uns immer wieder mal mit Fotos vom Bus- und Schwerlastverkehr in der Passauer Innstadt. „28 Busse an einem Sonntag in zwei Stunden“, erzĂ€hlt der Rentner und Hobbyfotograf von seiner letzten Fotoausbeute. Manchmal fĂŒnf Busse in Kolonne. Er braucht sich nur auf seinem Balkon zu setzen, dann sieht er sie auf der Wiener Straße vorbeirauschen.

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Was sich tÀglich durch das Wohngebiet der InnstÀdter bewegt: Busse zum österreichischen Kreuzfahrthafen und ab und dann Laster, die die Autobahn (Grenzkontrolle) meiden. (Fotos: Olaf Pint)
Er hat seine Bilder auch ans Rathaus geschickt und ein Schreiben angehĂ€ngt: „Nun frage ich Sie wo die FĂŒrsorgepflicht der Stadt Passau gegenĂŒber der Bevölkerung bleibt? Dieselabgase sind nachweislich krebserregend - und die Stadt tut nichts gegen die gesundheitlichen Belastungen, denen die BĂŒrger der Innstadt ausgesetzt sind.“

Zwei Wochen sind vergangen. Der EmpfĂ€nger der Nachricht, der Abteilungsleiter fĂŒr Straßenverkehr, hat immer noch nicht geantwortet. Er denkt sich vielleicht, Olaf Pint ist ein alter Querulant, ein notorischer Quengler. Der Mann aus dem Rathaus kennt wahrscheinlich die HintergrĂŒnde nicht, warum dieser BĂŒrger in Sorge um seine Mitmenschen ist, warum er sich dafĂŒr einsetzen will, dass Dieselfahrzeuge aus dem Stadtverkehr verdrĂ€ngt werden. Olaf Pint war selbst Fernfahrer und Busfahrer. Die ersten 20 Jahre war der gebĂŒrtige Stuttgarter mit SattelzĂŒgen unterwegs; ab 1993 als Busfahrer bei „Regionalbus Ostbayern“ (RBO). „Mit Diesel und Öl hatte ich immer Kontakt“, sagt er. Sie haben die Fahrzeuge betankt und damals noch selbst abgeschmiert. Sie haben DĂ€mpfe und Abgase eingeatmet. Haben sich nie dabei etwas gedacht. Diesel sei der sauberste Kraftstoff ĂŒberhaupt und absolut ungefĂ€hrlich, habe man ihnen damals weisgemacht.

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Was sich tÀglich durch das Wohngebiet der InnstÀdter bewegt: Busse zum österreichischen Kreuzfahrthafen und ab und dann Laster, die die Autobahn (Grenzkontrolle) meiden. (Fotos: Olaf Pint)
Heute kann sich jeder im Netz erkundigen, wo die Wahrheit liegt. „Bis 2050 könnten 6,6 Millionen Menschen an der Belastung der Luft mit Schadstoffen sterben“, schreibt beispielsweise die Max-Planck-Gesellschaft. Dort sitzen bekanntlich keine Spinner, sondern fĂŒhrende deutsche Forscher.

Erst war es ein Kitzeln im Hals, dann Heiserkeit und DruckgefĂŒhl. RBO-Busfahrer Olaf Pint konsultierte im Januar 2010 einen Arzt. Die Diagnose: Kehlkopfkrebs. Zwei Monate spĂ€ter wurde er in Straubing operiert. Reha in Bad Reichenhall. Dass der Krebs mit seinem Beruf zu tun haben könnte, mit DieseldĂ€mpfen und Abgasen, wollten die Ärzte nicht von der Hand weisen. Aber ein Nachweis ließ sich natĂŒrlich nicht erbringen. Mit dem Rauchen hatte er 15 Jahre zuvor aufgehört.

Es gibt mehrere Faktoren, die Kehlkopfkrebs auslösen können. Die Berufsgenossenschaft lehnte die Anerkennung einer Berufskrankheit ab. Heute stĂŒnden bei seinen Kollegen die Chancen vielleicht besser, glaubt er.

„ICH ATME DURCH EIN LOCH IM HALS“

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Was sich tÀglich durch das Wohngebiet der InnstÀdter bewegt: Busse zum österreichischen Kreuzfahrthafen und ab und dann Laster, die die Autobahn (Grenzkontrolle) meiden. (Fotos: Olaf Pint)
Mit der Entfernung des Kehlkopfes verlor Olaf Pint nicht nur seine Stimme, auch die Verbindung zwischen Nase und Lunge. Die Sprache gaben sie ihm mit einer Stimmprothese zurĂŒck. Als Ersatz fĂŒr die Nasenatmung, einen wichtigen Filter bei der menschlichen Atmung, setzten ihm die Ärzte einen kĂŒnstlichen Filter in den Hals. „Ich atme durch ein Loch im Hals“, erklĂ€rt Pint.

Die Luftfilter fĂŒr dieses Loch, weiße runde SchwĂ€mmchen, muss er normalerweise alle 24 Stunden wechseln. Bei der letzten Fotoserie hat uns Olaf Pint eine Aufnahme mitgeschickt, die seine kĂŒnstlichen Luftfilter zeigt. Einen neuen und einen gebrauchten nach einem Spaziergang von der Innstadt in die Altstadt und zurĂŒck. Letzterer zeigt den Dreck, den wir im Stadtverkehr einatmen und als Nasenatmer nicht zu Gesicht bekommen.

Pints Wut auf die Stadt wird verstÀndlich.

Erschienen im BĂŒrgerblick Heft Nr. 97/ Sommer 2016

 
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