Mittwoch, 26. April 2017
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Regionales >> Dienstag, 17. Januar 17

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Die Kastanienallee an der Innpromenade im vergangenen Herbst. Schilder weisen sie als Naturdenkmal aus. In der Debatte wird das oft unterschlagen. (Foto: Tobias Köhler/ mediendenk)
Hochwasserschutz

Fakten und Meinungen zur Innpromenade

Das beherrschende Thema im neuen Jahr bleibt der Hochwasserschutz an der Innpromenade, eine von den Passauern lieb gewonnene Kastanienallee. Dazu neue Stimmen und Tatsachen. Ob die Mauer kommt, entscheidet der Stadtrat im Januar. Bis dahin sollen bessere Illustrationen vorliegen.

  • „Die Grundmauer wird bloß 1,30 Meter hoch, man kann sie ĂŒberblicken“. Solche Aussagen sind nicht ganz richtig. Die Planer geben mit 1,30 Meter die „grundsĂ€tzliche“ Höhe der 520 Meter langen Schutzeinrichtung an. Es mĂŒssen aus technischen GrĂŒnden und zur Kostenersparnis auch feststehende, stellenweise mehr als drei Meter hohe Mauerteile verankert werden. Die Sichtbeziehung zwischen Flusspromenade und HĂ€usern wĂ€ren also nachhaltig beeintrĂ€chtigt. „Wir wĂŒrden sie dort errichten, wo sie möglichst wenig auffallen“, sagt ein Mitglied des Planungsteams. Auf der RĂŒckseite der Buswarte- oder des ToilettenhĂ€uschens. Das wĂ€re direkt vor dem neoklassizistischen Eckhaus „Unterer Sand 1“, ein Denkmal, das gerade einen Fassadenpreis gewonnen hat. Andererseits sind auch barrierefreie DurchgĂ€nge zur Promenade geplant, beispielsweise am FußgĂ€ngerĂŒbergang zur Theresienstraße (oder zum Kinderspielplatz). FĂŒr diese Toröffnungen mĂŒssen Mauerteile in Maximalhöhe errichtet werden.
  • „Man könnte die Mauer doch direkt am Ufer bauen, da stört sie am wenigsten“. Geht nicht. Dies wĂŒrde sich nach Berechnungen der Experten bei Hochwasser dramatisch auswirken: An der kĂŒnstlichen Engstelle beschleunige der Inn, erhöhe sich sein Pegel – Gefahr fĂŒr die MarienbrĂŒcke und die Stadtteile am Ufer gegenĂŒber und flussabwĂ€rts.
  • "Kann die Baustelle nicht schmĂ€ler gefĂŒhrt werden, um BĂ€ume zu retten?" Das Feilschen um einige wenige Meter bringt nichts. Das Wurzelwerk der BĂ€ume ist unter der Erde weit verzweigt, genau so mĂ€chtig wie die Baumkronen. Es wird unweigerlich zerstört, da die SpundwĂ€nde teilweise in zehn Metern Tiefe verankert werden mĂŒssen. So hoch ist der angeschwemmte Flusssand ĂŒber der Gesteinsschicht. Die Baumaschinen benötigen fĂŒr den Eingriff einen zehn bis vierzehn Meter breiten Platz.
  • "BĂ€ume können wieder angepflanzt werden und wachsen bis zur nĂ€chsten Generation wieder nach". Richtig, aber: Vielleicht Ă€rgern sich die Nachfahren ĂŒber die hĂ€sslichen Hochwassermauern genauso wie die unsere ĂŒber die Hochwasserverbauungen aus den 1960er Jahren in der Ilzstadt und am Anger.
  • Der OberbĂŒrgermeister sagt, ein BĂŒrgerbegehren sei nicht angemessen. Man dĂŒrfe das Wohl und Wehe der leidtragenden Hausbesitzer nicht von einer Mehrheitsentscheidung abhĂ€ngig machen. Gegenrede: Warum sollen ein paar Dutzend Hausbesitzer auf Kosten der Steuerzahler bevorzugt einen Jahrhunderthochwasserschutz erhalten, wenn Hunderte Hausbesitzer in der Altstadt, Ilzstadt und Innstadt, die viel mehr gefĂ€hrdet sind, weiterhin mit dem Hochwasser leben mĂŒssen?
  • „Ich bin nicht unglĂŒcklich, wenn das Projekt an der Innpromenade verworfen wird.“ Das sagt der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, Michael KĂŒhberger, ein IlzstĂ€dter. Seine Behörde plant die Maßnahmen. Er betont: „Die Entscheidung liegt einzig und allein bei der Stadt.“ Sie lege fest, was sie haben will und was nicht.

Das emotionale Thema sorgt fĂŒr ungewöhnliche Fronten. Die GrĂŒnen halten sich bei der Baumschutzdebatte gefĂŒhlt zurĂŒck. Als BaumschĂŒtzer profiliert sich die CSU. Deren Ortsverband „Mitte“ spricht sich fĂŒr den „grĂ¶ĂŸtmöglichen Erhalt der BĂ€ume“ aus. Unter den Mitgliedern sind Rechtsexperten wie Juraprofessor Holm Putzke und Rechtsanwalt Markus Ihle, die eine sofortige BĂŒrgerbeteiligung fordern. Der von OberbĂŒrgermeister JĂŒrgen Dupper vorgegebene Weg sei nicht akzeptabel.

Technischer Hochwasserschutz hat seine Grenzen und TĂŒcken: Er gibt keine 100-prozentige Garantie, aber wiegt die Anwohner dahinter in Sicherheit. Sie richten sich wieder hochwertiger ein. Wenn dann der Schutz versagt – die Flut 2013 hat die nach 1954 gebauten Mauern ĂŒbersprungen - ist der Schaden umso grĂ¶ĂŸer und das Ereignis möglicherweise dramatischer. Das Wasser kann mit einem Schlag kommen.
 

(erschienen in der BĂŒrgerblick-Ausgabe Nr. 100/ November. Neue Details und Fotos finden Sie in der aktuellen BĂŒrgerblick-Ausgabe Nr. 101/ Winter 16/17.)

 
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