Montag, 26. Juni 2017
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Regionales >> Dienstag, 17. Januar 17

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Die Kastanienallee an der Innpromenade im vergangenen Herbst. Schilder weisen sie als Naturdenkmal aus. In der Debatte wird das oft unterschlagen. (Foto: Tobias Köhler/ mediendenk)
Hochwasserschutz

Fakten und Meinungen zur Innpromenade

Das beherrschende Thema im neuen Jahr bleibt der Hochwasserschutz an der Innpromenade, eine von den Passauern lieb gewonnene Kastanienallee. Dazu neue Stimmen und Tatsachen. Ob die Mauer kommt, entscheidet der Stadtrat im Januar. Bis dahin sollen bessere Illustrationen vorliegen.

  • „Die Grundmauer wird bloĂź 1,30 Meter hoch, man kann sie ĂĽberblicken“. Solche Aussagen sind nicht ganz richtig. Die Planer geben mit 1,30 Meter die „grundsätzliche“ Höhe der 520 Meter langen Schutzeinrichtung an. Es mĂĽssen aus technischen GrĂĽnden und zur Kostenersparnis auch feststehende, stellenweise mehr als drei Meter hohe Mauerteile verankert werden. Die Sichtbeziehung zwischen Flusspromenade und Häusern wären also nachhaltig beeinträchtigt. „Wir wĂĽrden sie dort errichten, wo sie möglichst wenig auffallen“, sagt ein Mitglied des Planungsteams. Auf der RĂĽckseite der Buswarte- oder des Toilettenhäuschens. Das wäre direkt vor dem neoklassizistischen Eckhaus „Unterer Sand 1“, ein Denkmal, das gerade einen Fassadenpreis gewonnen hat. Andererseits sind auch barrierefreie Durchgänge zur Promenade geplant, beispielsweise am FuĂźgängerĂĽbergang zur TheresienstraĂźe (oder zum Kinderspielplatz). FĂĽr diese Toröffnungen mĂĽssen Mauerteile in Maximalhöhe errichtet werden.
  • „Man könnte die Mauer doch direkt am Ufer bauen, da stört sie am wenigsten“. Geht nicht. Dies wĂĽrde sich nach Berechnungen der Experten bei Hochwasser dramatisch auswirken: An der kĂĽnstlichen Engstelle beschleunige der Inn, erhöhe sich sein Pegel – Gefahr fĂĽr die MarienbrĂĽcke und die Stadtteile am Ufer gegenĂĽber und flussabwärts.
  • "Kann die Baustelle nicht schmäler gefĂĽhrt werden, um Bäume zu retten?" Das Feilschen um einige wenige Meter bringt nichts. Das Wurzelwerk der Bäume ist unter der Erde weit verzweigt, genau so mächtig wie die Baumkronen. Es wird unweigerlich zerstört, da die Spundwände teilweise in zehn Metern Tiefe verankert werden mĂĽssen. So hoch ist der angeschwemmte Flusssand ĂĽber der Gesteinsschicht. Die Baumaschinen benötigen fĂĽr den Eingriff einen zehn bis vierzehn Meter breiten Platz.
  • "Bäume können wieder angepflanzt werden und wachsen bis zur nächsten Generation wieder nach". Richtig, aber: Vielleicht ärgern sich die Nachfahren ĂĽber die hässlichen Hochwassermauern genauso wie die unsere ĂĽber die Hochwasserverbauungen aus den 1960er Jahren in der Ilzstadt und am Anger.
  • Der OberbĂĽrgermeister sagt, ein BĂĽrgerbegehren sei nicht angemessen. Man dĂĽrfe das Wohl und Wehe der leidtragenden Hausbesitzer nicht von einer Mehrheitsentscheidung abhängig machen. Gegenrede: Warum sollen ein paar Dutzend Hausbesitzer auf Kosten der Steuerzahler bevorzugt einen Jahrhunderthochwasserschutz erhalten, wenn Hunderte Hausbesitzer in der Altstadt, Ilzstadt und Innstadt, die viel mehr gefährdet sind, weiterhin mit dem Hochwasser leben mĂĽssen?
  • „Ich bin nicht unglĂĽcklich, wenn das Projekt an der Innpromenade verworfen wird.“ Das sagt der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, Michael KĂĽhberger, ein Ilzstädter. Seine Behörde plant die MaĂźnahmen. Er betont: „Die Entscheidung liegt einzig und allein bei der Stadt.“ Sie lege fest, was sie haben will und was nicht.

Das emotionale Thema sorgt für ungewöhnliche Fronten. Die Grünen halten sich bei der Baumschutzdebatte gefühlt zurück. Als Baumschützer profiliert sich die CSU. Deren Ortsverband „Mitte“ spricht sich für den „größtmöglichen Erhalt der Bäume“ aus. Unter den Mitgliedern sind Rechtsexperten wie Juraprofessor Holm Putzke und Rechtsanwalt Markus Ihle, die eine sofortige Bürgerbeteiligung fordern. Der von Oberbürgermeister Jürgen Dupper vorgegebene Weg sei nicht akzeptabel.

Technischer Hochwasserschutz hat seine Grenzen und Tücken: Er gibt keine 100-prozentige Garantie, aber wiegt die Anwohner dahinter in Sicherheit. Sie richten sich wieder hochwertiger ein. Wenn dann der Schutz versagt – die Flut 2013 hat die nach 1954 gebauten Mauern übersprungen - ist der Schaden umso größer und das Ereignis möglicherweise dramatischer. Das Wasser kann mit einem Schlag kommen.
 

(erschienen in der BĂĽrgerblick-Ausgabe Nr. 100/ November. Neue Details und Fotos finden Sie in der aktuellen BĂĽrgerblick-Ausgabe Nr. 101/ Winter 16/17.)

 
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