Sonntag, 24. März 2019
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Vorbild Ă–sterreich

Rebellenbewegung der Priester schwappt nach Passau

Passau/ Linz – Zwei Dutzend Pfarrer in Niederbayern wollen nicht länger zusehen, wie die Seelsorge durch Priestermangel und Starrsinn der Kirchenoberen zugrunde geht. Sie haben sich mit der österreichischen Priesterbewegung „Aufruf zum Ungehorsam“ solidarisiert.

Jede Pfarrei soll laut ihrem Programm wieder einen eigenen Vorsteher haben, bei dem Geschlecht oder Familienstand keine Rolle spielen. Solche Weltgeistliche könnten dafür sorgen, dass Pfarreien nicht verwaisen. Sie sollen Wortgottesdienste feiern, Kommunion spenden und die Sonntagspredigt halten. Diese „priesterlosen Eucharistiefeiern“ sind nach Auffassung dieser „Abtrünnigen“ segensreicher als Gastauftritte von ortsfremden Pfarrern. Dem Priestermangel wurde bislang vor allem dadurch begegnet, dass Pfarrverbände vergrößert und bestehende Pfarreien aufgelöst werden. Die Nähe zu den Gläubigen ist nicht mehr gegeben, die Seelsorge "auf Achse" wird für die Priester zum Stress. Auf dem Land müssen manche einen Umkreis von 60 Kilometer betreuen. 

Die Priesterbewegung „Aufruf zum Ungehorsam“ zählt in Österreich rund 400 Anhänger. Sie hat die feste Überzeugung, dass die katholische Kirche nur eine Zukunft hat, wenn der Zölibat, die Pflicht zur Ehelosigkeit, aufgehoben und ein neues Berufsbild des Priesteramtes geschaffen wird. Es sollte selbstverständlich auch von Frauen bekleidet werden dürfen.

In Niederbayern tauschen sich rund zwei Dutzend Priester mit denselben Anliegen aus. Sie haben vor Kurzem einen Gastredner aus Oberösterreich eingeladen. Ihre Bewegung nennt sich weniger provokant „Passauer Priester im Dialog“.

„Das hat mit der Lehre der Kirche nichts mehr zu tun!“, hat in einem Interview der „Passauer Neuen Presse“ Bischof Wilhelm Schraml die Ideen der rebellischen Priester kommentiert.

Die Passauer Priesterrunde trifft sich seit eineinhalb Jahren regelmässig zum Gedankenaustausch. Es ist nicht, wie anzunehmen wäre, die stürmische, junge Generation. "Die meisten haben noch das Konzil mitbekommen und sind ab 50 aufwärts", sagt ein Mitglied des Sprecherkreises. Das "Zweite Vatikanische Konzil" in den 60er Jahren unter Papst Johannes XXIII. und seinem Nachfolger Papst Paul VI. befasste sich damit, wie die die katholische Kirche die Fragen der moderne Welt beantworten kann und wo sie sich anpassen sollte. Dieser Geist der Erneuerung, so die Kritiker, werde gefährdet, weil es eindeutige Anzeichen dafür gebe, dass "Rom den Rückwärtsgang eingelegt hat".

Video-Tipp:
"Salzburger Nachrichten" im Podiumsgespräch mit dem 59-jährigen katholischen Priester Helmut Schüller, der 2006 diese "Pfarrer-Initiative" gründete. Der Querdenker wurde vom Wiener Erzbischof Schönborn als Generalvikar überraschend entlassen.

 
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