Mittwoch, 08. Dezember 2021
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Bayern >> Donnerstag, 18. November 21

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Auf ganzer Linie versagt

Ohne Befreiungsschlag wird Deutschland bald 100.000 Corona-Tote schreiben

KindergĂ€rten und RathĂ€user, Schlachthöfe und Schulen. KrankheitsfĂ€lle und QuarantĂ€ne lassen da wie dort den Betrieb zusammenbrechen. Wer im exponentiellen Wachstum einer Seuche nicht sofort reagiert, wird von den Folgen ĂŒberrollt. 

Die Reaktion seit Tagen in Deutschland: Talkshows statt Taten. Endlose Debatten ĂŒber Impflicht, „Boostern“ und Teststrategien. Die Mitwirkenden sprechen in blödsinnigen Bildern von "Sommerreifen im Winter", wĂ€hrend, um in ihrer Sprache zu bleiben, die Schneelawine das Auto verschĂŒttet und die Bereifung keine Rolle mehr spielt.

Der Bundestag in Berlin will heute beschließen, wie die vierte Welle zu brechen sei. Jeder kennt die Antwort, aber sie wird nicht diskutiert: Nur ein schlagartiger Stillstand des öffentlichen Lebens fĂŒr mindestens zehn Tage brĂ€chte den Befreiungsschlag. 

Warum haben wir es so weit kommen lassen? Jeder muss sich diese Frage stellen. Politikerinnen und BĂŒrger, Regierende und Regierte. Und vor allem die Impfunwilligen und Quertreiber, die dazu beigetragen haben, dass dieses Land den notwendigen Schutzfaktor nicht erreicht hat. Wir haben diesen Sommer wieder nichts gelernt. Wir haben die Koffer fĂŒr den Urlaub gepackt, um abzuschalten statt uns mit unbequemen Fragen auseinanderzusetzen und Vorbereitungen fĂŒr den Herbst zu treffen. Erst der Wahlkampf, dann das Vakuum des Regierungswechsels. Die Mitwirkenden handeln nach der Devise: Bloß keinen Aufschrei der lauten Minderheit provozieren, den Lobbys dienen und gefĂ€llig bleiben. 

Mittlerweile sterben im Viertagesrhythmus wieder 1.000 Menschen in der Pandemie. Haben Sie je in den letzten Tagen vernommen, dass sich ein Verantwortlicher öffentlich darĂŒber entsetzte? Keine Impfpflicht, keine Drittimpfungen und keine Testserien können diese Tragödie wirkungsvoll und zeitnah beenden. Das Virus verbreitet sich dann nicht mehr, wenn sich Menschen an Hygieneregeln halten und möglichst selten begegnen. Impfungen bilden eine zusĂ€tzliche Barriere. Sie ist bei uns nicht hoch genug. Da nicht alle verstehen oder verstehen wollen, was in der Pandemie geboten ist, um Gefahren und Folgen abzuwenden, braucht es Verbote. So einfach ist das. 

Deutschland, wenn kein Wunder geschieht, kann sich noch in diesem Monat den 100.000. Toten in die Corona-Chronik schreiben. Statistisch gesehen sterben 8 Menschen in diesem Land tĂ€glich durch UnfĂ€lle im Straßenverkehr, die Todeszahlen in der Pandemie: 264 heute, 294 gestern und 265 vorgestern. Die Gesichter der Verantwortlichen, die das Leid von Tausenden Angehörigen mit ihrem Gewissen vereinbaren mĂŒssen, kennen wir. Sie sitzen in der alten Regierung und in den Koalitionsverhandlungen und treten heute ans Redepult des Bundestages. 

Die Pandemie demaskiert ein Land, in dem Egoismus das Sagen hat; das taub ist gegenĂŒber der Wissenschaft, weil der Markt diktiert. Immer mehr Leidtragende und EntkrĂ€ftete dieser Misere werfen hin. Beatmungsmaschinen und Sauerstoffflaschen sind nutzlos, wenn der Mensch fehlt, der sie bedient. 

1.007 und 582. Das sind heute die Inzidenzwerte des Landkreises Passau und der Stadt, die als Impfhochburg etwas besser dasteht. Sie grenzt im Osten an den Bezirk SchĂ€rding, der heute den schockierenden Wert 2.390 ausweist. Österreich zeigt uns, dass eine Ausgangssperre der Ungeimpften auf dem Papier, die sich in der Masse nicht kontrollieren lĂ€sst, keine rasche Abhilfe bringt. Es mĂŒssen alle mitziehen, auch die Geimpften.

Hubert Jakob Denk

 
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